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Sabbath-Blatt · 1843-05-20 · 20 (20.5.1843) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
20 (20.5.1843)
Date
1843-05-20
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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80 welche, als wir zum Zimmer hinaustraten, ganz hell auf den offnen Gang schien. Der Horeb, Len ich so oft durch fremde Augen mit innigster Lheilnahme betrachtet hatte, den Weg rer Felsen, der hinan zum Sinai führt, der Menegada Musa: jener Hügel, auf welchem Moses die Schafe hütete, lagen vor mir, von der Morgensonne bestrahlt, ich sähe sie nun selber, mit meinen eignen leiblichen Augen; mir war es, als sei ich in einer neuen Welt erwacht. Der alte Prior saß schon da auf dem Gange, bei dem Jkonomos oder Haushalter des Klosters, einem rüftigen, heitren Manne, in einem der hölzernen, zierlich geschnitzten Lehnstuhle und wärmte sich an der Morgen« sonne. Er begrüßte uns freundlich und nahm mit uns, denn es war heute kein Fasttag, und die lange, strenge Fastenzeit der Griechen hatte noch nicht begonnen, das Frühstück des Milchkaffees. Heute hielten wir Rasttag, den wir zu einer inner» wie äußren Vorbereitung auf das Besteigen des Berges benutzten. Mit welch andrer gewaltigen Empfindung lieft man doch hier im Anblick des Horeb, die Bücher Mosis, als daheim im Zimmer. Und doch ist es nicht die Stärke solcher äußeren Empfindüng, welche dem Worte sein wahres Leben giebt, son- Lern eine andre Kraft, die in dem Worte selber liegt, und welche auch ohne die Sturmesgewalt der Gefühle dieselbe bleibt. Am späteren Nachmittag stieg ich nur vom Maler Vernatz begleitet, hinaus über die Gartenmauer; ich hatte gar so großes Verlangen den eigentlichen Sinaigipfel zu sehen, der im Zhale des Katharinenklosters durch den Horeb verdeckt wird. Es gesellten sich sogleich einige Beduinenknaben der Dschebalhe zu uns und zeigten uns auf unserm Wege durch das Bostanthal verschiedene Merkwürdigkeiten, von denen ich später sprechen werde. Wir gingen bis zum Eingang des Thales Erbain, ohne unsre Absicht zu erreichen, denn auch hier ist der Sinaigipfel noch hinter den niedrigeren Felsenzacken verborgen. Mit einbrschender Dämmerung kehrten wir wieder in das Kloster zurück. Am 2ten März, bald nach Sonnenaufgang, machten wir uns auf zum Besteigen des Sinai. Der ehrwürdige Prior hatte es sich nicht nehmen lassen; er wollte uns selber auf dem Wege geleiten. Der Greis, mit seinem Wanderstabe, ging voran; eine Schaar der Beduinen, welche die Vorräthe des frischen BrodeS, der Datteln und eingesalznen Fische, so wie eine Flasche mit Racki trug, folgte uns nach. Nahe beim Kloster, in einer Bergschlucht an der nordöstlichen Seite des Horeb, steigt man auf jenen, zum Theil verfallenen Stufen empor, welche schon die fromme Kaiserin Helena oder doch Kaiser Justiman zur Bequemlichkeit der Pilgrime anlegen und einhauen ließen. Zu beiden Seiten erschienen die zum Theil prunklosen, meist aber gewürzhaften Gewächse des Arabischen Felsenlandes; doch das Auge hatte jetzt keine Zeit sie zu sehen. Bei der Quelle des heiligen Sangarins, in der Grotte, am klaren, frischen Wasser ruheten wir aus, denn wir waren vom Kloster aus hierher schon 920 Fuß, mithin zweimal so hoch gestiegen, als die größeste der Pyramiden zu Ghizeh oder als der Münfterthurm in Straßburg emporragt. Diese Quelle, so erzählt die fromme Sage des Klosters, ward zur Erquickung seiner Bewohner, deren Bedürfniß das Wasser der Cisternen einst in dürrer Zeit nur spärlich befriedigte, durch das Gebet des frommen Abtes Sangarius eröffnet und gefun- Len; und welche Quelle der Erquickung und des Trostes sollte sich nicht schon, auch da, wo Alles dürrer Fels schien, dem Gebet eröffnet haben. Die Schlucht verengert sich nun, das Ansteigen auf den oft ganz ausgebrochenen Stufen und Felsblöcken wird mühsamer; eine Art von Portal steht noch als Ruine da. Endlich gelangt man zu einer Gebirgsplatte, aus welcher, im Scharten der Cypresse, ein gemauerter Brunnen stehet, und hier ist man auf der Höhe des im engeren Sinne sogenannten Horeb, von welchem der Sinai eigentlich nur der südöstliche, höher ansteigende Gipfel ist. Dort in der Felsenhöhle war die Stätte, dahin Ellas der Thisbite zu dem Angesicht Gottes sich rettete, als Ahab und sein abgöttisches Weib Jesabel mit blutdürstigem Zorne ihm nach dem Leben stunden. Hier war es, wo das Wort des Herrn ihn heraustreten hieß auf den Berg, und wo an ihm vorüberging der Bote des Sturmes, der die Felsen zerriß und die Berge zerbrach; nach diesem der Bote des Erdbebens, dann der des Feuers , zuletzt aber Er selber, der Herr, ihm nahete, in einem stillen sanften Sausen. Siehe da verhüllte der Thisbite, Der den Boten des Sturmes, des Erdbebens und des Feuers kühn ins Angesicht gesehen, sein Haupt, und eine Stimme kam zu ihm und sprach: was hast Lu hier zu thun Elia? — und Elias sprach aus, was er selber, in den Stunden seines Eifers um den Herrn, an Carmels Quell, in der Kraft jenes Boten gethan, die der Herr vor sich hersendet. Die Stimme aber redete in der Weise des sanften, stillen Säuselns; denn neben dem Worte der Drohung, das zu seinen Boten den Elisa und Jehu und Hasael erwählte, sprach sie von Gnade und Erbarmung über jene sieben Tausende, die ihre Kniee nicht gebeugt hatten vor Baals Götzen. (Fortsetzung folgt.) Bei Carl Heywann in Berlin ist erschienen und in allen guten Buchhandlungen zu haben: Allgemeines Archiv des Judenthums (Iedidja, neue Folge). Zeitschrrft für Religion, Kultus, Geschichte und Literatur, herausgegeben von vr. I. Hei ne mann in Berlin. Ir und Hr Band. 8. broch. MRtß. Druck und Verlag von Veuwaoa«Hartmann in Elbing.

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