Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1843-05-20 · 20 (20.5.1843) · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
20 (20.5.1843)
Date
1843-05-20
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8620046-8635247-8635238--244-8620129
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 Frohsinn, seine Tafel ist nicht mehr reich besetzt, seine Feste nicht mehr voll Glanz — was wirst du nun thun? Willst du dich nun zurückziehen von deinem Bruder und Nächsten, willst du dich seiner nun schämen, willst dich stellen, als hättest du ihn nie gekannt, willst du Dein Ohr seinen Klagen verschließen, deine Hand von ihm abziehen, ihn noch tiefer sinken lassen ins Elend, ihn bis zur tiefsten Stufe der Armuth Herabkommen lassen? Gottes Gebot bestimme Leinen Willen; höre, was der Herr des Himmels zu dir spricht: »Wenn dein Bruder verarmt, und seine Hand finket neben dir, so unterstütze ihn, er sei Fremdling oder Einheimischer, daß er lebe mir Dir. Du sollst von ihm nichts nehmen, weder Zins noch Uberschuß, und fürchte dich vor deinem Gotte, und es lebe dein Bruder mit dir. Dein Geld gieb ihm nicht auf Zins, und Brod gieb ihm nicht auf Überschuß. Ich bin der Ewige, euer Herr, der euch aus Egypten geführet hat." v Fällt es dir nicht auf, daß es am Schlüsse heißt: »Ach bin der Ewige, euer Gott, der euch aus Egypren geführet? יי Wozu dieser Zusatz? Warum wird dir die Erlösung aus Egypten in Erinnerung gebracht? Darum, daß du erkennest, wie du einst selbst arm und elend in Egypten gewesen. Du weißt ja, wie dem Armen zu Mukhe ist, Lu kennst ja die Empfindung des Unglücklichen, du darfst nicht hart und unbarmherzig sein, denn das Bild des Jammers, durch die Härte der Vgypter hervorgerufen, schwebt noch immer vor deiner Seele. Nur der ist hart und lieblos, der nie erfahren, wie Harre und Lieblosigkeit in die Seele schneidet; wer aber selbst einst sein Brod mit Thräncn genetzt hat, der kann seinen Mitmenschen nicht hungern sehen, ohne daß er hingehe, und ihm die Hälfte seines Brodes reiche. ״Nicht aber auf Überschuß sollst du dein Brod ihm reichen",, nicht so sollst du helfen, daß deine Hilfe ihn zu größerer Noth noch führe, nicht Zins noch Vortheil begehre, sondern fürchte dich vor deinem.Gotte, der das Angstgeschrei des Armen höret, und seine Klagen vernimmt. Der Groschen, den du mit. Unrecht genommen von deinem unglücklichen Mitmenschen, der könnte einst wie ein Fels auf deine Seele fallen, einst am Tage des Gerichts. Auch keinen Unterschied sollst du machen zwischen Fremdling und Einheimischen, denn das Gesetz sagt: » Unterstütze ihn — er sei Fremdling oder Einheimischer." — So also soll fich das Gebot der Liebe nicht nur auf unsere Glaubensbrüder, auf Israeliten allein, erstrecken, sondern auch auf Solche, die nicht unseres Glaubens sind, auf Nicht!sraelften, denn haben wir nicht Alle Einen Vater im Himmel, hat uns nicht Alle Ein Gott erschaffen? Sosind auch die Nichttsraeliten unsere Brüder, die wir lieben sollen wie uns selbst, die wir unterstützen sollen, wenn sie arm sind, auch ohne daß wir Zins von ihnen nchmen oder Uberschuß. So sagt der Talmud ansdrücklich:2) r-Marr muß die Armen der Nichtisraeliten eben so liebevoll unterstützen, wie die Armen in Israel." O! möge die Zeit kommen, in der wahre Nachstenliebe überall zu finden wäre, und der Geist des Wohlwollens sich kund thäte, sowohl in den Palästen der Großen, wie in den Hütten dev Niedrigen, daß ohne Unterschied des Glaubens und des Bekenntnisses der Mensch seinem Mitmenschen ans Herz sinken möchte mit brüderlicher Liebe, auf daß aller Jammer von dc.v Erde schwinde, und jeder Erdenpilger in Ruhe und Frieden seinen Weg gehe, Alle zu Einer Heimath, Alle Kinder zn Einem Vater im Himmel! Amen. Cs— f-a.) מפרנסים עניי גויס עם עניי ישראל. (2 Gittin. f. 60. - -:- Aufenthalt am Sinai.*) Beim Eintritt in den Garten, auf dessen. Boden an der innren Seite der Mauer, von dem kleinen Häuschen des Gartenwächters Stufen hinabführen-, wandelte mich ein Gefühl an, desgleichen ich niemals sonst im meinem Leben empfunden hatte. Ich möchte dasselbe mit einem Vorschmack jener Wonne vergleichen, welche einst solche *) Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 u. 1837 von Dr. Gotthilf Heinrich von Schubert. 2. Band. Erlangen, 1839, bei I. I. Palm und Ernst Enke. S. 309. ffgr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.