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Sabbath-Blatt · 1843-05-06 · 18 (6.5.1843) · p. Seite 71

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
18 (6.5.1843)
Date
1843-05-06
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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7i sinv, rühren und ergreifen. Wie in der neuen Zeit an vielen Orten, vorzüglich aber zu Wien, Prag und Pesth, der Gottesdienst der Juden durch Musik veredelt wurde, ist bekannt genug. Interessant ist es aber gewiß, daß unter den neuern Juden diese Kunst mit außerordentlichem Erfolge betrieben wird, und daß sogar die ausgezeichnetsten Musikkoryphäen der Neuzeit dem Judenthume angehörten oder noch angehören. Wir nennen nur Meyerbeer, Halevy und Mendelssohn-Bartholdy, Moscheles, Herz, Gusikow, Levi, Ernst, so wie die angestellten ersten Sängerinnen in Paris, Mad. Garcra, Demois. Falcon und Demois. Nathan. Die plastischen Künste wurden allerdings von den Juden weniger cultivirt, und der hauptsächlichste Grund ist wohl darin zu suchen, Laß diese Künste mit der Religion innigft verknüpft waren, wie dies bei den Ägyptern, Griechen und bei den katholischen Christen desonders hervortritt, die jüdische Religionslehre sie aber nicht nur nicht besonders begünstigte, sondern auch geradezu die Nachahmung der Gottheit mittelst eines Bildes oder Lurch Hülfe des Meißels verbot. ,, Die Plastische Kunst," sagt Formstecher, ״mußte in ihrer Apotheose stets Fremdling bleiben im Gebiete des Geistesdienstes." Aus demselben Grunde wird aber auch jede andere Religion, die es verschmäht, sich an die Sinne und an die Einbildungskraft zu wenden, dem Aufschwung der Kunst Abbruch thun, und der Protestantismus erscheint hier ebenfalls gegen den Katholrcismus in Schatten gestellt. Wenigstens hat die Reformation, indem sie das christliche Europa in zwei Hälften theilte, auch Las künstlerische — nur allerdings sehr ungleich — getheilt, indem die Einen gegen die Andern durch Entziehung der überirdischen Gestallen, welche der Phantasie freien Spielrauin darbieten, in jener Hinsicht offenbar zu kurz kamen, und dadurch auch, wie z. V. «die holländischen Maler, größtmtheils auf bloße Nachahmung der Natur selbst in ihrer Niedrigkeit und Gemeinheit geriethen. Allein das Nichrgedeihen der plastischen Kunst bei den Juden erhielt nach ihrer Zerstreuung nebstdem noch eine andere, unschwer zu findende Begründung. In Worten oder Lauten vermag der Dich- 1er und Sänger die ihm inwohnende Poesie auch inmitten von Verfolgung und Bedrängniß auszudrückm, ja es kann ihm sogar vermehrtes Bedürfniß werden. Nicht so der plastische Künstler. Der bedarf Licht von Außen, wie von Innen, und Warme, Ruhe, Behaglichkeit und Heiterkeit. Wo hatten die Juden diese innerhalb der vergangenen achtzehn Jahrhunderte gefunden? Höchstens unter Len Mauren in Spanien; allein damals war die plastische Kunst in Europa noch nicht erstanden. In neuester Zeit, und besonders wieder in den österreichischen Staaten, haben sich die Juden als Maler, Bildhauer, Kupferstecher und Steinschneider ausgezeichnet. So ist namentlich Jesi zu Mailand (jetzt in Paris), vielleicht der erste jetzt lebende Kupferstecher Italiens, ein Jude. Zwei der ersten jetzt lebenden Maler, Bendemann und Kaulbach, gehören ebenfalls ihrem Ursprünge nach dem Judenthume an; Mayer aus Dänemark und der geniale Pollak, ein geborrrer Böhme, dessen Bilder von den kunstsinnigsten Fürsten gesucht werden, die Genremaler zu Rom, sind Beide noch Juden; ebenso der treffliche Oppenheim, von Goethe selbst anerkannt, und gefördert. Die neueste hochwichtige Erfindung des OlbilLerdrucks gehört dem Juden Lipmann zu Berlin an; der französische Oberst Simon, Lessen wir früher erwähnten, war zugleich der geschickteste Steinschneider seiner Zeit. Was die Baukunst anbelangt, so dürfen wir nicht vergessen, daß der Salomonische Tempel für eines der sieben Weltwunder galt, woran der Künstler Hiram, ein geborener Jsraelite aus Tyrus, welcher vorzüglich die großartigsten Gußardeiten lieferte, bcsondern Antheil hatte; die kunstvolle Brücke zur Verbindung von Moriah und Zion ward unter David errichtet; auch ist noch Salomo's Haus vom Walde Libanon zu erwähnen. Von der Krisgsbaukunst der Juden haben wir schon an einem an- Lern Orte gesprochen. Wo immer die Juden Schutz und Freiheit fanden, erbaucten sie Synagogen, zum Lheil in sehr würdigem Geschmacke, vorzüglich in Spanien und, nach ihrer Vertreibung aus diesem Lande, in Italien und Holland. Auch wo jene Bedingungen ihnen in neuerer Zeit gestatteten, sich eigene Häuser zu erbauen und auszuschmücken, thaten sie es mit ausgesuchtem musterhaften Geschmacke. Auch in der Schauspielkunst haben sich in der neuesten Zeit Juden hervorgethan; in England und Holland findet man viele Juden als geachtete Schauspieler, namentlich hat aber die Erscheinung der berühmten Rachet in Paris eine ungewöhnliche Sensation erregt und gewiß dazu beigetragen, Len Kunstgeschmack der Franzosen zu läutern und zu veredeln: — und so ist auch einer der ersten jetzt lebenden deutschen Schauspieler, Rott, ein Prager Jude. Endlich aber dürfen wir nicht die Verdienste der Juden um Len guten Geschmack und den Kunstsinn im Allgemeinen übersehen, die wir gerade in Österreich hervorragend finden. Wieder Sonnenfels war es, der die Herausgabe der ersten Zeitung in Wien und die Verbannung des Hanswurstes von der Bühne veranlaßte. Seit Lessing hat sich Niemand um die Dramaturgie so verdient gemacht, als Börne; das von Jg. Zeitteles (einem Böhmen) herausgegebme ästhetische Lepikon hat eine seit lange offen gebliebene Lücke glücklich ausgefüllt. Im Allgemeinen aber ist ihre Empfänglichkeit für Werke des guten Geschmacks und ihr Streben nach höherer Bildung, namentlich bei dem weiblichen Geschlechts, auffallend und keinesweges blos Len höher gestellten Classen eigenthümlich. Selbst Goethe rühmt an den Gebilbeten unter ihnen, daß sie sich nachhaltiger in der Verehrung sowohl seiner Person, als seiner Schriften zeigten, als viele seiner Glaubensgenossenund daß ihre schnelle

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