Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 18 (6.5.1843)
- Date
- 1843-05-06
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Glaubt nicht, daß er eure Leiden nicht verstehet. Aber er weiß es längst, daß die Klage an die Lust sich reihet; wie selbst auf den wildesten Schmerz auch wieder Freude folgen kann, daß sie gemeinschaftlich erst das volle Geschick des Lebens bilden und im Lichte der göttlichen Erziehung in gleicher Weise nökhig sind, wie sich dann auch beide in derselben Thräne spiegeln, welche die Lust uns, welche der Schmerz uns weinen läßt. Was die Kenner der Tonkunst von den Harmorrieen, das wissen die Alten vom Leben euch zu sagen: Es gicbt keinen schönen!, das Herz inniger ergreifenden Klang, als wenn in zwei volle Töne der Freude ein klagender sich als Dritter einmischt. So hat Gott auch, um dies zu Hochmuth, Sinnenlust leicht sich neigende Herz zu schwichtigen und es milder und für Gedanken der Ewigkeit zu stimmen, den Trauerklang zum Freudenruf gesellt und zum Gemälde des Lebens nicht überall die glänzenden Farben des Glückes gewählt. Dies weiß das Alter, darum stellet es dem siebcrischen Wechsel des irdischen Daseins und aller seiner Erscheinungen die gleiche Ruhe entgegen und möchte auch uns gern lehren desgleichen thun, aber wir begreifen seine Lehre nicht, weil wir das Leben noch nicht begreifen und nicht kennen. Und wollen wir nun noch stolz sein auf unser Wissen, auf die Sprachen und Geschichten, die wir gelernt? Können die erlernten Jahrtausende der Geschichte uns soviel -lehren, als ein selbst erlebtes Jahrhundert? Sonst war es anders, sonst lehrten die Alten durch ihr lebendiges Wort, durch ihren Umgang und die Jüngern hörten vertrauend und lernbegierig zu. Jetzt sind Bücher, der rodte Buchstabe, uns die hochsten Quellen der Weisheit. So tragen wir diese leicht mit uns, nach Bequemlichkeit sie uns anzueigneu, und glauben des mahnenden Wortes des Lebens nicht mehr zu bedürfen. Darum bleibt auch oft unsere Weisheit todt und unser Wissen ohne veredelnde Rückwirkung auf das Leben und wir füh-;en meist erst, wie wir geirrt, wenn wir selbst zu Greisen worden. So lasset uns lernen das Alter Verstehen und es benutzen. »Frage deinen Vater, sagt die Schrift, er wird dir sagen, deine Alten, sie werden dir Kunde geben; sie lehren uns am besten die Ereignisse des?0 ׳ Lebens wägen und in ihrer Vergangenheit können wir Trost für unsere Zukunft gewinnen. Lasset uns glauben, was die Schrift ferner sagt: »Bei Greisen ist Weisheit und lange Jahre geben erst die rechte Einsicht." Sie haben den Weg des Lebens zurückgelcgt und können allein Führer auf ihm sein. Sie werden den Jüngern, wenn er sich ihnen anschließet, vor manchem Fehltritt, vor manchem Irr- Wege hüten, ihn in der Leidenschaft Ruhe, im Glücke Mäßigung lehren. Lasset uns der tiefen Ahnung unseres Herzens folgen, die uns gebietet, das Alter zu ehren. Denn wir achten Ln des Greises Haupte unser eigenes Leben, unsere eigene mögliche Zukunft, wir achten in ihm das göttliche Geschick, das in dem Alter sich vollendet und bewährt. Lasset uns eingedenk sein des heiligen Gesetzes der Schrift. »Vor einem grauen Haupte sollst du aufftehen und das Angesicht der Alten ehren." Lasset Gottes Gebot uns in der Jugend leiten, auf daß es uns dereinst im Aller nicht verlasse. Amen. 8-2. Die Juden als Gelehrte. (Schluß.) G Bekannt genug ist es, welchen Werth die alten Hebräer auf die Musik legten, u^d wie sie besonders darnach strebten, ihren Gottesdienste durch sie zu verherrlichen. David, der mit Den Klängen seiner Harfe, diesem herrlichen Instrumente, das wir am würdigsten finden den Engeln zu leihen, den Unrnuth Saul'ä zu zerstreuen und ihn selbst zu versöhnen verstand, darf der jüdische Orpheus genannt werden, und zur Zeit, La ringsherum diese göttliche Kunst noch im liefen Schlummer lag, halten er und sein Sohn Salomo ihre eigene Hofmusik, und blüheten in Israel zahlreiche Sängerschulen. Es ist hier nicht der Ort, von den verschiedenen Instrumenten zu reden, welche schon zu jener Epoche bekannt waren, wie aus den Psalmen erhellt, oder die spater bei ihnen vorkamen; wir bemerken daher nur, Laß sich von den hebraischen Melodieen mehrere, in Beziehung auf hen Got« tesdienst, durch Jahrtausende mittelst Tradition erhalten und heut zu Tage noch durch das Feierliche und Schwermüthige, das in ihnen liegt, wo sie nicht verunstaltet