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Sabbath-Blatt · 1843-05-06 · 18 (6.5.1843) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
18 (6.5.1843)
Date
1843-05-06
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 Fassungsgabe, ihr penetranter Verstand, ihr eigenthümlicher Witz sie zu einem sensibleren Publikum machten, als leider unter Len zuweilen etwas langsam und schwer degreifenden Urdeutschen angetroffen wird, Vorzüge, die er besonders an Frauen rühmt, denen er auch gerne seine Erzeugnisse vortrug. IMMMMAMVIMMI» Mder aus Sonnenbliithes Perle. (.Don He nr. Ottenheiurer.) An des Judenamtes Schwelle Steht ein Jüngling; stummer Groll Trübet seines Auges Helle, Da er sie betreten soll. Tausend Hoffnungstraume band er An die Stadt, zu der er zog, Doch nur tiefe Kränkung fand er Und die süße Hoffnung log. Menschen sucht" er, doch die CHr ist e r? Halten sie so streng versteckt Zn des Argwohns Eisenkisten, Daß man schwer nur sie entdeckt. Und ihn selbst — mit allen Gluthen Seiner Seele, Mensch allein — Machen sie so ganz zum Juden, Daß er bangt, kein Mensch zu sein. Wo er ging und stand, erscholl die Alte Schmähungsstimme: Zude! Aus Len schönsten Augen quoll dis Lausendjähr'gs Dornenruthe. Heil'ger Schwerz zuckt um die Lippe, Die sonst freundlich lächeln kann, Und an solcher Ehrenklippe Ziemt der Schmerz dem rechten Mann. Dürft' er seines Zorns Empörung Tragen in den Vau als Brand, Einer Schandjäule Zerstörung Würde Schmuck dem schönen Land. Er ist Dichter; — seinen Busen Hatte Ahnungslust geschwellt, Als er, im Geleit der Musen, Jüngst hinauszog in die Welt. Alles strahlte! Wundertiefe Sah sein Aug" in jeder Kluft, Jede Blüthe ward zum Briefe, Freudenkunde gab ihr Duft. Thatenkräftiger Gigante Ward der Berg ihm, kronumlaubt. Und in jeder Felsenkante Ehrt' er eines Forschers Haupt. Jeder Baum scheint ihm ein Riese, Der Len Zauberwald bewacht, Und der Morgenchau der Wiese Einer Fürstin Hochzeitspracht, Und in jedem Wandrer grüßt er Seiner Sehnsucht Ideal, Denn sein liebreich Herz verschlißt er Jedem Hellen Augenstrahl. Gastfreiheit! in diesen Mauern Rühmt man deine Residenz, Doch erkennt man bald, mit Trauern Die Vedingungsepistenz, Die man dir hier eingeräumet. Und der Ruhm erklingt wie Hohn; Denn Lu suchest, goldumsäumet, Hier vergebens deinen Thron. Freiheit nicht einmal der Gäste Bietet ja die schone Stadt Dem, der nicht in seiner Weste Einen sichern Laufschein hat. * Und es muß der freie Fremde, Der mit Lieb' die Welt umfaßt Und den Wanderftab hier hemmte, Zu genießen frohe Rast, Auf dem Judenamt sich zeigen, Wenn ihm Ließ vergönnt sein soll, Dankbar sich dem Christen neigen Und — bezechten seinen Zoll. Juden;oll! noch heut, noch immer, O erröthcst du nicht, Zeit? — Achtzehnhundert Jahr, und nimmer Zur Versöhnung sie bereit?! — An des Zudenamtes Schwelle Steht ein Jüngling; stummer Groll Trübet seines Auges Helle, La er sie betreten soll. Druck und Verlag von Ncumann-Hartmann in Elbing.

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