Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 lerer Art, als die das Thier für seine Brut zeigt, so ist dieser Trieb der Theilnahme und des Wohlwollens von der Natur dem Menschen eingeflößt, und wer diesem Triebe folget, ist nicht frei von Eigennutz und Selbstliebe. So sehr wir auch dem Schöpfer danken wollen, daß Er uns die Liebe hat ins Herz gegeben, welche Alle, die durch die Bande des Bluts uns nahe stehen, an uns fesselt, so wären wir dennoch nicht vor dem Thiere bevorzugt, wenn nur für die nächste Umgebung Raum in unser« Herzen wäre. Jeder ist ein Glied der großen Menschen-Familie, und wie viel oder wenig er auch sei, ein Zeder kann zum Wohle der Menschheit beitragen, ein Zeder soll wenigstens den guten Willen haben, Menschenglück Zu fördern. Welche Stellung dir auch geworden ist im Leben, in jeder kannst du Wahrheit und Erkenntniß verbreiten, für die Tugend kämpfen und das Laster züchtigen, für Recht und Gerechtigkeit sorgen und die Unschuld verthcidigen, Hungrige speisen und Nackte kleiden, Thränen trocknen und Wunden heilen, Gebeugte erheben und Trauernde trösten. 3. Und wenn nicht jetzt, wann denn? Wenn jetzt nicht, wann denn willst du die Aufgäbe deines Lebens lösen? Nur der Augenblick gehört dir, in welchem Lu athmest, darum benutze die Zeit, die dir gehört, zu deinem Wohle und zum Wohle Anderer zu wirken, denn wie bald kannst du aus dei-- uem Wirkungskreise abgerufen werden! »Der Lebenstag ist kurz, die Arbeit groß"*), darum was du für dich thun willst, thue jetzt, wann denn? Willst du die Zähre deiner Zugend, die Zahre deiner Kraft ungenützt hingehen lassen, ohne in denselben die Saat auszustreueu, die dir eine Ernte des Glückes bereiten soll? Salomo spricht:?) »Vor dem Felde einesTragen ging ich vorüber und vor dem Weinberge eines Unverständigen, und flehe Disteln waren darauf und Dornen wuchsen in Fülle, die Wände von Stein waren umgeftürzt. Da ich dieses sähe, nahm ich es mir zu Herzen, ich merkte es und zog eine Lehre daraus: Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig die Hände in Len Schooß gelegt — dann kommt .היום קצר והמלאכה מרבה (1 2) Spr. Sal- 24, 30, flg. die ArmW herangceilt und Mangel überfallt dick, wie ein gewappneter Mann." Za, nimm dir zur Lehre; wenn du es von Tag zu Tage aufschicbst zu arbeiten für dein zeitliches Glück, wenn du ein Zahr nach dem andern in Uuthätigkeit dahingehen läßt, wenn du nicht jetzt mit aller Kraft, mir allem Ernste deinem Berufe dich widmest, so kommt die Armuih herbeigeeilt und Las Elend überfällt dich wie ein gewappneter Mann. Aber auch für dein ewiges Wohl sollst du jetzt sorgen, das Feld deiner Seele sollst du jetzt bestellen, wann denn? Willst du warten, bis der Erntewagen vor der Lhüre steht? — Du weißt nicht, wie bald du Rechenschaft -ablegen mußt von dem Tagewerke, das dir auferlegt worden, du weißt nicht, wie bald du die Garben in die Scheuer liefern, wie bald du die Erstlinge bringen sollst vor Gottes Angesicht, darum bestelle bald das Feld deiner Seele, damit dich der יום חבבדרים, der Tag der Erstlinge nicht UNvorbereitet treffe, sondern du reiche Garben bringen könnest vor Gottes Thron. Amen. (8 — fd.) Die Juden als Gelehrte. (Fortsetzung.) In den europäischen Freistaaten, namentlich in Spanien und Frankreich, war der Einfluß der philosophischen Schriften vieler Zuden sehr groß. So heißt es auch von Juda Abarbanei, der ein Sohn des Don Zsaac und Arzt und Philosoph war, Laß dessen Geist den Italienern zu einem bedeutenden Aufschwungs verholfen habe. In Deutschland selbst haben sich in neuerer Zeit Mendelssohn, Herz, Salomon Maimon, Ben David auf diesem Gebiete namhaskgemacht. Das berühmte Werk von Herz »über Len Schwindel ” bewog (1791) Len König Friedrich Wilhelm, durch Len Minister Zedlitz dazu veranlaßt, ihn zum Professor der Philosophie mit einem Gehalte von 500 Thalern zu ernennen, eine Ehre, die noch keinem Israeliten vor ihm in Preußen widerfahren war, und welche fünfzig Jahr später den Juden daselbst unzugänglich geworden ist. In der Mathematik, Astronomie, Mechanik begegnen wir vielen geschätzten jüdischen Namen. Der Jude Joseph, Leibarzt des Königs von Portugal Jo- Hann II. und einer der tüchtigsten Astronomen, ersann in