Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 16 (22.4.1843)
- Date
- 1843-04-22
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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63 müssen» ' Doch allerdings, wir wollen es nur gestehen, es girbt Mannes, das an und für sich zu bitter wäre, als daß wir cs, wenn Gott hier nicht besondere Anstalten getroffen, besondere Erkräftigungen, besondere Tröstungen vargeboten haben würde, gefaßt und ohne zu erliegen, ertragen könnten, und dies bittere ist —der Tod guter, unfermHerzen thenrer Menschen. Als die Israeliten aus Ägypten zogen, kamen sie, fast vor Durst verschmachtend, an eine Quelle und, indem sie nun lechzend über das Wasser herfallen und trinken wollten, fanden sie zu ihrer Verzwciflung, daß das Wasser bitter sey. ' Da lehrte Gott, ׳heißt es, den Moses ein Holz, dies warf er hinelstMnd die Wasser wurden süß und trinkbar; und die Erzählung schließt mit den Worten: ״ich, der Ewige bin dein Arzt." Und so wird Gott auch in jenen höchsten Leiden der Seele unser Arzr, und er mischt Süßes in Las bittere Gefühl unseres Schmerzes. Um uns dessen bewußt zu werden, müssen wir in das tiefste Geheimniß unseres Herzens uns versenken, müssen wir alle seine mannigfaltigen Gefühle in der bittcrn Stunde des Schmerzes ergründen und uns klar machen. Denn wie auch in der schwärzesten Nacht doch noch immer ein matter Schein von Licht waltet, der von den Sternen des Himmels hcrniederkommt, also lauscht anch in dem bittersten Schmerze, wenn das friedlose, zerreißende Gefühl der ersten Verzweiflung vorüber-- ging, wenn die Seele ihre Stille wieder gewonnen, gleichsam die wogende Brandung der Gedanken sich beruhigt hat, dann lauscht in dem tiefsten, stillsten Hintergründe des Herzens eine süßere Wehmuth, ein hoffnungsvollerer Schmerz, ein sanfter wohlthuender Trost, der wie ein schwaches Sternlicht der Nacht von dem Himmel herniederkommt. Zn jenen geheimnißvollen Augenblicken wird das Leben mit dem äußern Geschick, wird die Erde uns gleichgültiger, ja unser Schmerz selbst beginnt uns fremder gegenüber zu stehen. Was ist dies für ein Gefühl, das man nur aus eigner Erfahrung kennen kann? was ist dies für ein wunderbares Geheimniß des Herzens? Es ist die in der Seele gleichsam auftauchende Erinnerung, die tiefere Ahnung ihrer eigenen Heimath, ja es ist die Ahnung , daß es die Heimath, daß es unsere Heimath sey, zu der diejenigen eingegangen sind, die der Tod uns bitter entrissen hat. Dies Gefühl ist es, das uns ertragen lehrt, wofür es sonst keinen Trost gäbe, die Ahnung, der der gläubige David Worte gegeben hat, wenn er von seinem verlornen Lieblinge sagt: ״ich gehe zu ihm, er kommt nicht mehr zu mir zurück." Za, die Seele weiß, Laß sie unsterblich ist, sie weiß cs für sich selber, wenn auch Lies Bewußtsein — bis es sich durch all den Aufruhr der Leidenschaft, durch all die trübende Menge von irdischen Gefühlen gleichsam zur Oberfläche des Lebens und gegenwärtiger Erkenntniß hindurch gearbeitet hat — vielfach verdunkelt ist, und als ein kaum vernommenes Echo verhallet. Denn wie die Wasser, wenn sich ihr trübender Aufruhr gelegt hak, auf ihrem Grunde (Len der Hebräer Herz nennt, ET גלב) das Bild des Himmels tragen, also taucht auch in unserm Herzen, wenn es stille geworden, im tiefsten Grunde das Bild des Himmels unsrer Ewigkeit, das Bild unsrer Heimath auf, und wie von Freunden, die uns am späten, stillen Abend verlassen, noch lange durch die ruhige Nacht es herklingt: lebt wohl und auf Widersehen! also bringt uns die Geistesnacht unseres stiller gewordenen Schmerzes den tröstenden süßen Zuruf der treuen Geschiedenen! lebt wohl und auf Widersehen! Dies ist das Süße, das Gorr in die bittere Fluth des Schmerzes, in die bittere Fluth unserer Thränen gemischt hat, sprechend: ״ich werde dein Arzt sein." Amen. 8 — z. Die Juden als Gelehrte. (Fortsetzung.) Juden waren es, welche die berühmte medicinifche Schule zu Montepellier gründeten und zur Einführung der Kuhpockenimpfung in einigen Ländern wesentlich beitrugen, namentlich Dr. David, dem Holland sie allein verdankt, und Vr. Jonas Jeitteles in Prag, der Las größte Ver- , dienst darum hat. Jeitteles war es auch, welcher im Jahre 1772, wo eine furchtbare Hungersnot!) in Böhmen herrschte und ansteckende Seuchen erzeugte, seinen Eifer für seinen Beruf auf eine glänzende Weise bewahrte. Doch er wirkte nicht blos in dem engern Kreise der praktischen Arzneikunde; denn als noch unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia der große van Swieten das Medicinalwesen in den österreichischen Staaten reformirte, war