Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1843-04-22 · 16 (22.4.1843) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
16 (22.4.1843)
Date
1843-04-22
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8620046-8635247-8635233--226-8620115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

64 es Jeitteles, dem die Regierung die Leitung der Sache in Prag üdertrag. Er fiel zuletzt als Opfer seines Eifers und seiner Menschenliebe, llberhaupt finden wir hier Anlaß, im Verfolge des vorigen Paragraphen den Muth und Die Herzhaftigkeit der Juden hervorzuheben. Wie "wir bereits erörtert haben, stellt sich dornenvoller, als die medicinische Carriers, die juridische für die Juden dar, und Männer wie Gans und Hitzig in Preußen, Sonnenfels in Österreich mußten getauft sein, sollte ihrem Wirken für Staat und Wissenschaft nicht die rechte Sphäre verloren gehen, wogegen sich in Holland und Frankreich jüdische Nechtsgelehrte berühmt gemacht haben, ohne ihren Glauben abschwören. zu müssen. So Asser Vater und Sohn, de Lemon, Vromel, Mayer in Holland. Der Erstgenannte war einer der vorzüglichsten Rechtsgelehrten seiner Zeit in Gegenständen des Seerechtes und der Assecuranz, und Mitglied der Commission zur Entwerfung eines Handelsgesetzbuches, als deren Präsident der berühmte Mayer ernannt wurde; von diesem Letzteren aber sagte der Herzog von Sussex im Parlament: -,daß er in ganz Europa als juridischer Schriftsteller hinlänglich bekannt sei und kein erleuchteterer Rechtsgelehrter lebe." In Frankreich haben Dr. Sarchi, Ben David, Salvador, Oulif und der so rühmlichst bekannte Cremieux sich in derselben Carriere hervorgethan. Unter Len jüdischen Rechtsgelehrten Deutschlands nennen wir vorzüglich Mehrere, Die sich gleich denen Frankreichs auf dem Ehrenfelde Der Rechtfertigung ihres Volkes mit siegreicher Dialektik ausgezeichnet haben, wie Dr. Weil, Dr. Julius Cohen, Dr. Spanier - Spaziez, vorzüglich aber Ler wackere Vorkämpfer Dr. Riesser, jetzt als öffentlicher Notar in Hambürg angestellt. Übrigens haben sich auch in Österreich, namentlich in Böhmen und der Lombardei, Juden als tüchtige Advocaten bewährt, und haben wir des muthvollen Vertheidigers Andreas Hofer's, des Dr. Bassevi, schon gedacht; einer der ersten jetzt lebenden österreichischen Ju« risten ist von Geburt aus ein Jude und bekleidet den aus-- gezeichneten Posten eines k. k. Hofkammerprocurators. Auch wäre es wohl kaum nöthig durch Beispiele Darzuthun, Laß ihr natürlicher Scharfsinn und ihre durchdringende Intelligenz sie zu diesem Berufe besonders befähigen, wie denn der Talmud selbst die scharfsinnigsten Rechts» discussionen enthält. — Noch viel größeren Spielraum fanden die Juden, um sich in den speculativen Wissenschäften auszuzeichnen, und schon die hingebende Liebe zu ihnen, die sie über alles Gemeinirdischs weit erhob, macht sie groß und ruhmwürdig. Wir haben bereits angeführt, wie Manche sich zu Len schwersten Hand- .werken und Verrichtungen bequemten, um lehren und lernen zu können; wir könnten aber die Beispiele in's Anzählige vermehren und hinzufügnn, wie viele zu diesem Ende darbten, froren, duldeten! Mag man von dem Gegenstande ihrer Studien denken, was man wolle, den edlen Wissensdurst, Len unermüdlichen Forschungsgeist, dem das Eindringen in die Gotteslehre und Las Verbreiten derselben Alpha und Omega ist, wird man immer anzuerkennen haben, so wie die Gedankenschärfe und Logik, die sie dabei an den Tag gelegt, die gerechteste Würdigung in Anspruch nehmen. Männer wie Maimonides, Ben Esra, Jarchi, Gerson u. A. bleiben schon als geistige Athleten groß, und wenn übrigens ihre Schriften nicht auch einen so großen Werth für die jüdische Theologis hätten, so wären sie schon als Fundgruben für Geschichte, Philosophie, Philologie, Naturkunde und andere Wissenschäften gar sehr zu beachten. Solche Gesichtspunkte sind bei Würdigung der zahlreichen theologischen Werke der Juden festzuhalten, wenn gleich es zu bedauern bleibt, Laß so ungeheuerer Aufwand an Intelligenz von jenen Studien absorbirt wurde. Immerhin bleiben diese bis in unsere Zeit hinein Wetzsteine, an welchen der Geist sich schärfen lernte, und ihr Einfluß auf die überlegene Geistesgewandtheit, die man den Juden zugesteht, läßt sich wohl eben so wenig bestreiten, als Laß die neuere Zeit durch angemessenere Studien hinreichenden Ersatz dafür bietet. Allein abgesehen von den fruchtbaren Samenkörnern, welche die gelehrten Juden bei ihren theologischen Streifzügen auch in das Gebiet anderer Wissenschaften streuten., giebt es wohl kaum eine, welche sie sich nicht auch auf mehr oder minder schätzbare Weise zum besondern Vorwurf gemacht hätten. Für die Philosophie ist Philo als eine bedeutsame Erftheinung zu erwähnen; in Ler spanisch-jüdischen Blüthczeit haben gelehrte Juden sehr viel zum Verständniß und zur Verbreitung Ler Aristotelischen Philosophie beigetragen, so wie in neuerer Zeit Der Name Benedict Spinoza, der, wenn er auch nicht als Jude lebte, doch Jude blieb, wohl eine ganze Legion vertritt, und die Würdigung, welche dieser große Mann, namentlich in der Neuzeit erfahren, enthebt uns jedes weitern Zusatzes. (Forts, folgt.) Bestellungen auf das «Sabbath-Blatt" werden von allen Post-Anstalten, Zeitungs-Expeditionen und Buchhandlungen des In- und Auslandes fortwährend angenommen, auch die im verwichenen Zahre erschienenen Nummern auf Verlangen nachgeliefert Synagoge in Elbing: Sonnabend, d. 22. April, (zur Gedächtnißfeier der Der« storbenen) beginnt die Predigt gegen 11 Uhr Ddrmittags. Druck und Verlag von Neumann-Hartmann in Elbing.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.