Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 15 (15.4.1843)
- Date
- 1843-04-15
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 sich erfreut, Laß er allein Lurch eigne Kraft Len Sieg errungen im rauhen Lebenskämpfe. Es vergißt der Mensch so leicht, wer Len Grund gelegt zu seines Glückes Bau, rühmt sich der eignen Macht und giebt sich allein die Ehre. Es fteher aber geschrieben:*) »Gebet dem Ewigen, ihr Mächtigen! gebet Lem Ewigen Ehre und Preis", Ihm, dem Meister, der eures Glückes Ban begründet, Ihm gebet die Ehre. Die ihr Häuser bauet und sie bewohnet, die ihr Weinberge pflanzet und sie genießet, die ihr die Fülle der Güter besitzet und auf der Sonnenbahn des Glückes wandelt — kann euch nichts vom Übermuthe befreien, nicht das Wort Gottes, das zur Demuth mahnet, nicht Die innere Stimme, die dem stolzen Herzen trübe Ahnungen zufiüstert, nicht die Beispiele der Vorzeit und der Gegenwart, wie Gott den Hochmuth züchtige; kann euch nichts bewegen, in die Schranken der Demuth zurückzukehren, — so denket, daß ihr einst Knechte gewesen in Egypten. חכרת כי עבד היית כארץ מצריים. Dieser Gedanke wird dich wach rütteln, wenn du auch noch so träge ruhst im Schlummer des Übermuths, wird vor dein Bewußtsein all das Elend, die Noch, die Angst Egyptens in Gemälden von trüber, schauriger Zeichnung vorführen, wird dich noch einmal versetzen in die Zeit der Sklaverei und Unterdrückung, und du wirst einsehen müssen, wie thöricht und sündhaft es sei, sich allein für den Gründer seines Glückes zu halten, da du doch weißt, daß Gott, der Allmächtige, durch Seine starke Hand dich erlöset hat. Es Lenkt der Mensch nicht gern an eine trübe Vergangenheit, wenn er in sonnenheller Gegenwart sich des Glückes und der Ruhe erfreut, aber dennoch ist es heilsam für uns, auch der trüben Tage zu gedenken, die so urplötzlich, unsere glückliche Tage unterbrechen können. So lange das Schiff des Lebens auf stiller ruhiger Fläche einherfährt, so lange unter sanften Windeswchen leichthin die Wellen spielen, so lange heiter der Himmel, klar die Luft, und in naher Ferne freundliche Ufer winken, so lange denken wir nicht an die bösen Tage, die da kommen körryen, sondern überlassen uns sorgenfrei unfern Träumereien, leben einzig der Gegenwart und glauben, es könne sich ein anders gestalten! Aber plötzlich kann das Schiff des Lebens in unruhige Schwankungen gerathen, Stürme erheben sich, trübe wird der Himmel, Wolken thürmen sich wie Berge, die Wellen vergessen ihr leichtes Spiel und erscheinen als wilde ungezügelte Wasserfluthen, die Ufer sind verschwunden und kaum e i n Stern der Hoffnung winket, und je glücklicher du gewesen, desto unglücklicher kannst du werden, denn wer viel besitzt, hat viel zu verlieren, wem viel gegeben von Gottes Hand, dem können Gottes Boten um so wehr wieder nehmen. Darum in deinen glücklichen Tagen, am freu- Ligen Feste der Erlösung, wenn du frohen Muthes am Festtische sitzest, um den deine Lieben sich wie Ölzweige gelagert, wenn du die מצות genießest, denke daran, daß die Speise, die du in Freuden issest, wirklich einst eine Thränenspeise für unsere Vorfahren gewesen, und sprich in demürhigem und gottesfürchtigem Sinne: »Gott! °mein Herz soll nicht hochmüthig und meine Augen sollen nicht stolz sein." 2) So wie nun einerseits Las Andenken an den Auszug aus Egypten-verhüten wird, Laß wir übermüthig werden im Glücke, so wird auch anderseits der Gedanke an die wunderbare Erlösung uns stärken im Vertrauen zu Gott, daß wir nicht verzagen im Unglücke. Giebt es wohl ein größeres Elend, als das, in welchem unsre Vorfahren schmachteten, giebr es wohl ekne größere Leidensnacht, als die, in welcher Israel Jahrhunderte in Fesseln umherging, und dennoch hat unser Gott und Vater alle Banden gelöst, unsere Thränen getrocknet und uns zugewendet Dm Gnadenblick seiner unendlichen Liebe. Daher, Unglücklicher! Gedenke in deinen trüben Tagen an jene wunderbare Erlösung, und vertraue deinem himmlischen Vater, Lessen Arm noch nicht schwächer, dessen Hand noch nicht kürzer geworden. Der Allmächtige, der in jener unglücklichen Zeit die Rettung herbeiführte, kann auch jetzt unsere Fesseln lösen, kann auch die Scharten, die unsere Gegenwart verdunkeln, schwinden lassen. — Zwischen Schmerz und Freude, zwischen Kampf und .ה' לא גבה לבי ולא רמו עיני (2 1) Ps. 29, 1.