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Sabbath-Blatt · 1843-04-01 · 13 (1.4.1843) · p. Seite 50

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
13 (1.4.1843)
Date
1843-04-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 denn du erkanntest, daß dein Herz frei geworden von unheiligen und unwürdigen Fesseln, du wußtest diese göttliche Freiheit zu würdigen, Lu verstandest den Werth, Gott anzugehören und sein Eigenthum zu sein. — Sobald aber die Farben des äußern Lebens dir blendend ins Auge schienen, sobald Pracht, Reichthnm und Wohlleben dich umgaben, La erbleichten für dich die Farben der göttlichen Freiheit, du verließest den Fels des Heiles und bautest deine Hoßnung nicht auf Wahrheit, sondern auf Lüge und Jrrlhum, nicht auf Himmlisches, sondern auf das Irdische, nicht auf das Ewige, sondern auf das Zeitliche, das Lern Staube angehört. Du wurdest ein Sklave, wie einst und ehedem, und wurdest um so unglücklicher, jemehr du ds erkanntest, wie deine Götzen dir gelogen, wie du bei ihnen nicht finden könnest, was du gesucht, wie sie dir nicht gewähren, was sie dir vorgespiegelt, son- Lern nur dein Herz mit Unruhe und Angst erfüllen, deine Tage trübe färben, deine Lebenszeit verbittern, und Furcht und Schrecken in deine Seele bringen bei dem Gedanken, wie bald die Hand des Todes unter der bunten Decke des Lebens Hervorkommen könne. — So möge denn darin deine Vorbereitung zum Passahfeste bestehen, Laß du strebest nach der wahren, nach der sittlichen Freiheit. Bedenke, daß das Joch des Gesetzes ein sanftes und mildes sei, und daß du dir selber ein eisernes Joch deiner ungezügelten Be- Zierden auferlegest, sobald du das Licht der Religion verschmähest. Die Bande, in denen Gott uns hält, find Liebesbande, die der himmlische Vater um seine Kinder geschlungen. Wer Liese Bande der Gnade zerreißt, fällt der Bande seiner Sünde anheim, •ובחבלי חטאתו יוזמך Siehe! das Jahr wird neu, die Nattrr verjüngt fich, die Erde erhält ein neues Prachtgewand; so werde auch neu und frisch deine Gesinnung, verjünge dich in der Furcht Gottes, kleide dich in das Gewand der Tugend und Frömmigkeit, reinige und säubere das Heiligthum deines Herzens von allem Sauerteige der Sünde und Goltvergessenheit, auf daß, wenn das heilige Fest begonnen, auch in dir festliche und heilige Stimmung r^alte, und du in wahrem Sinne ein Freiheitsfest feierst, wie einst, als du aus Egypten zogest. So vorbereitet, wirst du des Festes Werth recht zu würdigen verstehen und des Friedens lheilhaftig werden, der die Frucht eines reinen Herzens ist, Amen. cs-f-a.) Zwei Abende aus dem Jugendleben Moses Mendelssohns. (Schluß.) SS. Am Abende des folgenden Tages war im bethhamidrasch1) eine Gesellschaft ganz anderer Art versammelt, Uber ihre großen Folianten gelehnt, beim Lüstern Schein zweier tief herabgebrannter Lalglichter saßen wohl an zehn Juden, von denen einige einen großen Bart am Kinn trugen, während die Übrigen ohne Bart auf beiden Händen gestützt, Lern Raisonnement gar aufmerksam zuhörten. — » Also nun hat er auch Thilim^) übersetzt. Habe ich es Euch nicht vorausgesagt, Rabbi Samuel! er bleibt bei der Lhaure^) nicht stehen? Habe ich es Euch nicht vorausgesagt, er wird den Zaun des Gesetzes noch weiter einreißen? In einer bösen Zeit leben wir, das kann Gott nicht ruhig mit ansehen; ich weiß nicht, wodurch wir dos große Unglück von mrs und unfern Kindern abwenden sollen. " » Legt ihn doch in Cheirem 4) Nabbi Jakob, er hat es wahrlich verdient.'' »Was hat denn der Moses eigentlich begangen?" fragte einer der Jünger mit anscheinend äußerlicher Ruhe, während sich doch sein Inneres in großer Aufregung befand. »Wie? Was?" rief Rabbi Jakob entrüstet, »was er Unrechtes begangen? Ich glaube Du willst den Apikaures^) noch gar vertheidigen? doch Lu bist noch jung, Lein Verstand ist noch nicht reif, und die Erfahrung geht dir ganz ab; komm, laß dich belehren. Wenn wir eine deutsche Übersetzung der Bibel haben, wer wird Las Hebräische noch lesen? Wird das nicht zuletzt noch ganz vergessen werden?" — »Aber er ist ja nicht der Erste," erwiederte der Jüngling etwas schüchtern, »der eine Über« sstzung geliefert hat. Wer einmal das Hebräische nicht lesen will, kann sich ja den Luther zur Hand nehmen." »Was redest du La von Luther," unterbrach ihn Rabbi Samuel, »wer ist der Luther? wo wohnt der Luther? Was meint Ihr, Rabbi Jakob, wenn wir den Luther mit dem Moses zusammen in Cheirem legen? Wenn Ihr mir 1) Thalmudschule. 2) Oie Psalmen. 3) Fünf Bücher Mosis. 4) Bann. 5) Abtrünniger.

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