Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 11 (18.3.1843)
- Date
- 1843-03-18
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8620046-8635247-8635216--199-8620093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 Oder mit welchem Muthe willst du in sein Heiligthum eintreten, das die unsichtbare Nähe des Allgegenwärtigen füllet, mit welcher Zuversicht dein Gebet zu dem emporsenden, den »die Himmel und des Himmels Himmel nicht fassen" —? mit welchem Muthe und welcher Zuversicht, wenn du nicht sündenrein und lautern Sinnes vor sein Angesicht trittst, daß du nicht sündhaft thatest, was dir verboten wird, daß du nicht sündhaft unterließest, was der Heilige von dir fordert. Denn also spricht Gott;חסד חפצתי ולא זבח ורעת אל* מעלות » Liebe begehre ich mehr denn Opfer , und Gottes - Erkenntniß mehr als Alles, was vom Altar emporsteigt." Trauernd stand Rabbi Zosua einst vor den Trümmern des Tempels und des umgeftürzten Altars des Herrn, mit Schmerzen gedachte ec der erloschenen Opferfeuer, aber sein Gefährte, Nabbi Zochanan tröstete ihn mit diesem Worte des Propheten, » Gottes-Erkenntniß für die Opfer, Liebe für die flammenden Altäre!" Gottes-Erkenntniß für die Opfer! אל יתחלל חכם בחכמתו so lesen wir in dem Propheten-Abschnitte: »Nicht rühme sich der Kluge seiner Klugheit, nicht der Mächtige seiner Macht und nicht der Reiche feines Reichthums, sondern darin suche seinen Ruhm, wer nämlich nach dem wahren Ruhm begehrt, daß er mich verstehe und kenne." Keine Klugheit ohne Gottes-Erkenntniß, kein Reichthum, keine Kraft ohne Gottes-Erkenntniß. Gottes-Erkenntniß ist die wahre Weisheit, sie lehrt uns die Wege des Lebens und sein Ziel überschauen, sielehrt uns die höchsten Zwecke gleichwie die weisesten Mittel kennen. Gottes-Erkenntniß ist der wahre Reichthum, der Reichthum des Herzens, sie bietet uns Schätze, die sich nimmer verzehren, sie verkläret, sie erhöhet, sie mehret, durch seligen Genuß, auch jeden irdischen Besitz, auch jede zeitliche Habe. Gottes-Erkenntniß ist die wahre Kraft, sie lehret uns tragen, was bloße Menschenkraft nicht vermag, und wenn unsere Kniee wanken und wenn unser Muth dahin sinkt, so richtet sie uns auf, die geistige Macht der Erkenntniß und des Glaubens. Also Erkenntniß statt der Opfer und Liebe statt der flamwenden Altäre! Liebe, wie sie Gott will und wie sie Gott übet; »denn ich der Ewige wirke Liebe und Gerechtigkeit auf Erden und an Solchem habe ich Wohlgefallen, spricht der Ewige. Liebe, wie sie Gott übet! Wir empfangen die Geschenke seiner Liebe, wir ahnen, aber sehen ihn nicht, der sie uns darbietet, der sich des flüchtigen Tages der Erdgebornen erinnert. עטה אור כשלמה er birgt und hüllet sich in Licht, ihn selbst schauet unser Auge nicht, während die warme Glut seiner Liebe unser Angesicht röthet. Und also auch unsres Herzens Liebe für die flammenden Altäre! Und die in solcher Gesinnung in das Heiligthum Gottes treten, mir solcher Liebe zum Gottesdienste eingehen, von denen sagt dann unser Psalm ferner: ,ישא ברכה מאת ח' וצרקה מאלהי ישעו denen wird Segen werden von dem Ewigen und Gerechtigkeit von dem Gotte ihres Heiles. Amen. 8 — z. - - Zwei Abende aus dem Jugendleben Moses Mendelssohns. (Eingesandt von vr. J. C. in 8.) I Es war im Winter des Jahres 1754. Der Doktor Gumpertz in Berlin hatte in seinem Hause eine kleine Theegesellschaft, aus Herren und Damen bestehend, vereint, und die Unterhaltung war sehr lebhaft. Nur zwei Herren, die in einer Ecke des Zimmers vor einem Schachbrette saßen, schienen von allen Übrigen nicht die geringste Notiz zu nehmen und sogar den ziemlich lebhaften Wortstreit des Doktors mit dem Seidensabrikanten Bernhard ganz überhört zu haben. Plötzlich sprang der eine vom Stuhls auf: »Schach dem Könige und der Königinn!" rief er fast ausgelassen, indem er sich dabei die Hände rieb. »Sie müssen die Partie aufgeben, Herr Lessing, die Königin» verlieren Sie jetzt ohne Zweifel und dann sind Sie so gut wie matt." Der Sprecher war von kleiner Statur und verwachsen, aber sein Gesicht war voll Ausdruck und Lebendigkeit. Seine schwarzen Augen, sein» gewölbte Stirn verkündigten eine selten» Einbildungskraft und ausgezeichnete Geistesgaben. Er trug, nach dem Gebrauche der Juden damaliger Zeit, einen kleinen Bart am Kinn, in den er jedesmal, wenn -er seinen natürlichen Hang zum Spotte befriedigte, mit der Hand fuhr. »Ei, ei, Herr Mendelssohn," erwiederteLessing, »ich Hab» Sie viel zu leicht genommen; der Herr Doktor hätte mir gleich, als er mich Ihnen vorstellte, sagen sollen, daß ich einen tüchtigen Schachspieler vor mir habe. Wir wollen