Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 9 (4.3.1843)
- Date
- 1843-03-04
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8620046-8635247-8635214--190-8620086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
35 »Der Arbeiter aber ruhet einst in Frieden."'') Amen. (8-5-2.) 7) מתוקה שנת העובר. Spr. ©«1. 5,!1. Etwas über die Grundsätze des Religions- Unterrichtes. (Aus einer Schulrede.) Fragt man nach den Gegenständen, welche der Religions - Unterricht umfassen müsse, so ist es natürlich der Anhalt des schriftlichen sowohl, als des traditionellen Gesetzes תורה שבכתב und תורה שבעל פה der den Schülern zur religiösen Anschauung gebracht und in einem Geiste vorgetragen werden muß, in dem wahrhaft erleuchtete Lehrer aller Zeiten die religiösen Gebote aufgefaßt haben. Es ist dies ein Geist, der eben so entfernt bleibt von jener blinden, mißtrauischen, bloß äußern Werk- Heiligkeit, die Nichts schasset und Alles hindert, als auch von jener modernen Aufräumung- - Sucht, die an Dinge, welche für Jahrtausende wirken sollen, den Maßstab des vorübergehenden Tages legt, und sie nach demselben verwirft oder modelt. Es ist begreiflich, daß es Nichts Leichtes sey, diesen Standpunkt mit Redlichkeit und Umsicht, festzuhalten. Wer sich in eines der beiden genannten Extreme wirft, hat wenig zu denken nothig; sein Weg ist leicht. Er ist entweder rechts oder links bis zur äußersten Grenze gekommen, so gehet er gerad an ihrem Saume hi«, ohne sich um die, in religiöser Dingen gewiß rechte, Mitte zu kümmern, die schon Koheleth andeutet: אל״״תהי עדיה הרבה und אל־ תרשע הרבה, »Vermeide im®«־ ten wie im Schlimmen das Übertriebne." Wer sich nun aber hier, dem Gebote der Schrift gemäß weder rechts noch links abwenden will, ^ל־רתסור ממנן ושמאול , sondern den rechten Weg zu gehen strebt, den Weg im Lichte Gottes, der hat, gleich einem Steuermann auf dem hohen Meere, so auch auf seiner Hohe wahrhaft religiösen Überzeugung mit seinem Compaß, nämltch den Büchern des Gesetzes in der Hand, seinen Weg wohl zu bedenken und zu prüfen, למען ת ש׳כ י ל בכל אשר תלך, zumal wenn er diesen Weg auch Andern zu zeigen hat, an denen er sich auch dann versündigen kann, denn er verschweigt, was ihnen zu wissen nothig ist, sey es auch, daß es umständlich scheint, oder ängstlicher Vorsicht bedarf, sich darüber auszusprechen. Es wird wohl schwerlich Jemand der Meinung sein, daß wir jetzt bei dem Religions-Unterrichte der Jugend mit denjenigen Mitteln ausreichm würden, die etwa vor 50 Jahren noch genügten. Das ganze Erziehungswesen ist seitdem ein so ganz anderes geworden, daß auch die Formen, die Pädagogik des Religions * Unterrichts sich nothwendig anders gestalten müssen, obgleich, oder eben weil der Inhalt der Lehre selbst unwandelbar, göttlich und ewig ist. In früher» Zeiten wuchs der Knabe, das Mädchen, ganz unter den Augen ihrer Eltern, im Kreise der Familie auf. Alles, was zu ihrer geistigen Ent- Wickelung gehörte, wurde innerhalb dieses Kreises selbst dargeboten, auch die Lehrer, strenggläubige Männer, waren Mitglieder des Hauses. Ein inniger, religiöser Geist belebte, heiligte das häusliche Leben. Blieb den Männern und Frauen aus jener Zeit auch Manches an den religio« sen Vorschriften unverstanden und dunkel — sie hatten sich so an sie gewöhnt, sie hatten eine so heitere, friedliche Jugend inmitten dieser religiösen Übungen durchlebt, die religiösen Feste mit ihrer Kerzenhelle und ihren traulichen Liebesmahlen ziehen, als eben so viele Feste der schönsten Jahre ihres Lebens, so licht und heilig an ihrer Erinnerung vorüber, daß sie sich von alle dem, als einer süßen Gewohnheit des Daseins, nie mehr trennen mögen; und selbst denen, welche dies unter dem vermeintlichen Drange der Umstände thaten, ist doch eine gewisse Achtung, ein gewisses rührendes Angedenken an jene Ordnung und Vorschrift des Lebens zurückgeblieben. Aber jetzt!; Der innere Geist der Familie hat vielfach aufgehört der Damalige zu sein. Die Söhne und Töchter erhalten ihre Bildung, ihre geistige Erziehung mitunter größtentheils außer dem Hause. Es kommt ihnen in Wissenschaft und im Leben so Vieles vor, das Den religiösen Ansichten der aus jener Schule hervorgegangenen zu widersprechen scheint, und derat ganze Art und Weise zu seyn, so gerade entgegenläuft, daß oft beide einander kaum mehr verstehen. Eine schmerzliche Folge dieser Dinge ist, Laß viele Eltern, die noch mit aller Liebe an der Religion ihrer Väter hangen, die Alles angewendet zu haben glauben, um ihre Kinder in derselben zu erziehen, und, wie es allerdings ihre Pflicht ist, streng auf die Ausübung jeder religiösen Vorschrift hielten, daß sie sich gleichwohl oft bitter getäuscht sahen; denn nicht selten haben wir es an verschiedenen Orten hören müssen, wie die Söhne und Töchter frommer Eltern, in ihrer Kindheit ängstlich zur Übung aller gottesdienstlichen Pflichten angehalten, gleichwohl sich beklagten, ihre Religion nicht kennen gelernt zu haben. In der Thal ahneten sie theils kaum, theils mißverstanden sie die göttlichsten Grundsätze ihres überkommenen Glaubens, und leider waren sie auf diese Weise nicht nur ihre, sondern fast jeder Religion entfremdet. Denn Zwang und Gewohnheit sind noch nicht Überzeugung und werden, sobald sie unbequem geworden, abgeschüttelt. Und was sollen wir nun hiebei thun? Sollten wir unter, augenscheinlich so veränderten, Umständen, dennoch die alte Unterrichtsweise beibehalten, die Lehren und Vorschristen geben, mechanisch einüben, ohne uns darum zu