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Sabbath-Blatt · 1843-03-04 · 9 (4.3.1843) · p. Seite 34

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
9 (4.3.1843)
Date
1843-03-04
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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So wie die heilige Schrift das Handwerk ruhrnet, so dringt auch der Talmud darauf, daß ein Jeder ein Handwerk oder eine Kunst erlerne.4) Viele von den Rabbinen waren Handwerker, und während ste die Richter und Lehrer des Volkes waren, suchten sie ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit z» erwerben; denn für das Richteramt nahmen sie keine Bezahlung, 5 6) und in Bezug auf das Lehramt, welches sie bekleideten, hatten sie Len Grundsatz:^) »Mache die Wissenschaft nicht zu einem Spaten, damit zu graben, d. h. halte dieselbe nicht nur als ein Mittel des Broderwerbcs." Bei solcher Gesinnung schadete es weder der Würde noch dem Ansehen der Rabbinen, wenn sie im Volke auch als Handwerker bekannt waren, vielmehr Haben sie durch ihr Beispiel vortheilhaft und segensreich auf die Menge gewirkt, die nun um so weniger Anstand nahm, ein Handwerk zu treiben,׳ da selbst die erlauchtesten und angesehensten Männer unter ihnen sich dessen nicht schämten. Israeliten! So möge euch denn das Beispiel der Vorfahren ermuntern und ermahnen, den Handwerken und den Künsten mit Liebe und Lust euch zu widmen, und dadurch euch und dem Staate, dessen Bürger ihr seid, zu nützen, und um des Segens theilhaftig zu werden, welcher der redlichen Arbeit Lohn ist. — Wenn ihr in den verflossenen Jahrhunderten solche Gewerbthätigkeit nicht bewiesen habt,. wie es wäre wünschenswerth gewesen, so war das freilich nicht eure Schuld, denn man hatte euch von den bürgerlichen Gewerben ausgeschlossen, ihr durftet euch nicht ernähren, nach eurer gewohnten Weise, nach der Weise eurer Vater, von eurer Hände Arbeit. Vorurtheil und Unduldsamkeit erfüllten so sehr das Herz der Meister, daß sie keinen Zsraeliten in ihrer Mitte duldeten, und keinem Lernbegierigen ihre Kunst mittheilren. Und dabei ist man hinterher noch so grausam gewesen, euch vorzuwerfen, ihr hättet wenig Arbeitsamkeit und Betriebsamkeit bewiesen, da doch diese ,4) Vgl. Kidduschin 30. 5) הנוטל שכר לרון רינין בטלים. »Wer für das Richteramt Bezahlung nimmt, dessen Rechtsspräche sind ungültig." Vecbor. fol. 29. 6) Pirke Aboth, 4, 7. Anklage lediglich auf diejenigen zurückfättt, die (zur Schande ihrer Zeit) jede israelitische Hand, die gerne arbeiten wollte, mit Verachtung zurückftießen. Doch es ist anders geworden. Der Mittelalterliche Zeitgeist ist geschwunden. Der Weg zur Erlernung jeglichen Gewerbes steht euch offen, und so ihr es zur Meisterschaft gebracht habt und eine wohlgelun-- gene Arbeit liefert, so fragt Keiner mehr, welcher Nation der Meister angehöre, und welchem Glauben er zugethan sei. Und so es auch nicht in Abrede gestellt werden kann, daß, nachdem die Beschränkungen aufgehört haben, viele Israeliten dem Handwerke und der Kunst sich gewidmet haben, so ist eine Aufmunterung zur Ergreifung bürgerlicher Gewerbe noch immer nicht unnöthig, denn Viele würden noch immer besser daran thnn, wenn sie statt von Haus zu Haus mit der Last auf der Schulter zu wandern, lieber daheim ein ehrlich Handwerk treiben, in Ruhe und Frieden ihr Brod genießen, und mit dem Wenigen sich begnügen möchten, was, so wenig es auch sei, dennoch ein wahrer Segen Gottes ist. Aber das Einlassen in gewagte Unternehmungen, das stete Entferntsein von Haus und Familie, kann wahrlich keinen segensreichen Einsiuß für Haus und Familie haben, dagegen das Hand-, werk hat einen festen Grund und Boden, sichert vor Noth und Hunger, gieb! dem Hause mehr Halt und Festigkeit, und schaffet dasselbe zu einem Heiligthume, darin Gottesfurcht, eheliche Treue, brave Kindererziehung, Genügsamkeit, Glück und Segen waltet. Glücklich sein — ist desi Menschen Wunsch, doch das Glück ist nicht grade an diesen oder jenen Beruf gebunden, hängt nicht von dieser oder jener Arbeit ab, vielmehr in jedem Berufe finden sich Glückliche und Unglückliche, und jede Arbeit kann dem Menscheu zum Segen oder zum Fluche werden. Darum prüfe dich, wozu du Lust und Liebe habest, und wähle dir einen Beruf auf Erden, wobei du deiner Neigung folgest, dein Haus befestigest, deinem Vaterlande als braver Bürger nützest, Gott und seiner heiligen Lehre treu ergeben bleibst. Zm Übrigen vertraue auf Gott, der dein Auge erleuchten wird, daß du ergreifest, was zu deinem Wohle dienet, der deine Hände stärken wird, daß sie schaffen und wirken, und nicht eher rasten und ruhen, bis man dich einst selbst zur Ruhe bringt.—

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