Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 8 (25.2.1843)
- Date
- 1843-02-25
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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30 k•׳ Wir sollen uns also bemühen, das Wort Gottes so zu erwägen und Larzubieten, daß wir es in seinem eigentlichen Sinne erfassen und Nichts hineintragen, was nicht als göttlich bewähret ist. Wir sollen den schwankenden Ansichten und Interessen der Zeit den Spiegel des für die Jahrtausende gegebenen Gesetzes gegenüber halten, auf daß es in seinem Inhalt und in seinen Forderungen durch jene nicht verkürzt werden Wir sollen predigen am Sabbath von dem Gesetz des Sabbaths und am Festtage das Gesetz des Festes הלנות הפס׳ בפ' ה׳ העצ׳ נעצר׳. Wohl 1ms, daß in Israel keine Inquisition die Geister bannet und den freien Gehorsam in heuchlerische Knechtschaft wandelt. Nicht unsere Sache ist es, unsere Brüder zu richten, sondern Zeder gehe über seine Überzeugungen und Handlungen in seinem Gewissen zu Rache, und gedenke, was über uns ist, עין רואה ein Auge, das schauet, ואזן שומעה, ein Ohr, das höret und daß alle unsre Handlungen gezeichnet werden in das Buch der Ewigkeit. Aber wohl haben Israels Prediger vor Gott, und vor denen, die ihnen das Amt gegeben, die Pflicht übernommen, zu warnen und zu mahnen. Denn es gilt von ihnen allen, was gesagt ist: »Wenn du den Irrenden warnest, und er verharret auf seinem Abwege, so ist sein die Schuld, aber so du den Irrenden nicht gewarnet, so soll seine Schuld auf dich kommen! — Sie müssen also fort und fort auf das Hinweisen, woran die Gegenwart nur zu leicht vergißt, um sich nicht zu versündigen an ihrer Pflicht und an ihrem Berufe, sie müssen predigen am Sabbath das Gesetz des Sabbaths und sie dürfen es nicht verschweigen, was ihre innigste Überzeugung seyn soll, Laß auch wahres Erdenglück und wahres Familienglück nur in der Erfüllung des göttlichen Gesetzes zu finden ist und in der Heilighaltung der Religion, Denn so rauschend unsere Erdenfreuden sind, so füllen sie doch das Herz nicht immer aus, und so laut die flüchtige Lust tönt, so übertönt sie doch nicht so leicht das stille Heimweh unsrer Seele, die unter all' dem Glanze sich oft fremd fühlt, und eines höhern Halts bedarf und eine höhere Heimath ahnet. Und wenn nun das Wort Gottes in unsrer Mitte gläubig empfangen und verkündiget wird, so soll es, sprechen die Weisen ferner, uns so angerechnet werden, als wenn wir den Ewigen eingesetzet in sein Reich. Der Heilige, gepriesen sey sein Name! bedarf unsrer Anerkennung nicht, sein Reich ist das Reich aller Wellen, und seine Herrschaft währet für und für. Und ob der Sünder auch sein vergesse, und ob der Irrende in seinem Herzen spräche, אין אלהים »es ist kein Gott", dennoch waltet über ihm die ewige, unerschütterliche, wenn gleich gnadenvolle Gerechtigkeit. Aber wenn wir uns im Geiste wahrhaft zu Gott erheben, so setzen wir ihn im heiligsten, Vollesten Sinne des Wortes für uns ein als König, dann nennen wir ihn erst mit ganzem Rechte unser, den Gort unsres Lebens, und die Ahnung seiner Nähe und seiner Herrlichkeit wird wach in unsrer Seele. Denn wie Hiob spricht, daß der tiefe Abgrund nach der göttlichen Weisheit gefragt, zur Antwort giebtlr באזנינו שמענו שמעה »es ist von ihr eine Sage, ein ferner Laut hieher gedrungen", also decket schauerliche Geistesnachr auch die Tiefen unsres Herzens, wenn wir Gott nur kennen durch das, was wir von ihm flüchtig gehört haben, gleich einer fernen Sage, die zu unsren Ohren drang; sondern er muß mit und in uns seyn, seine Herrlichkeit und sein Licht muß die tiefsten Abgründe unsres Herzens füllen, wir müssen in uns selber, wie Jesaias sagt, von ihm Zeugniß geben, und jede Fiber unseres Lebens muß wiederklingen von dem Gedanken: ה׳ מי נמול »Ewiger, wer ist wie du!" Wir müssen von ihm Zeugniß geben, von unserm treuen Glauben an ihn, von unserm Trost durch ihn, von unserer Seligkeit in ihm, bei allen Wechselfällen unseres Lebens, in Glück und Unglück, in Angst und Hoffen, in Schmerz und Lust. Bleibest du also, angeregt durch das Wort Gottes, im Glücke mild und demuthsvoll, daß alle, die dich schauen, es inne werden, es walte in dir ein Gedanke, der höher ist als dein Erdenglück, der Gedanke Gottes, es verkläre dich eine Seligkeit, die reicher ist als dein Reichthum, cs beherrsche dich eine Macht, die dich nicht zum Knechte deines Erdengutes werden läßt, dann stehest du in deinem Glanze da, als Zeuge Gottes. Kann der Schmerz des Lebens die Freudigkeit deiner Seele nicht überwältigen, daß durch die Nacht deiner Leiden die Himmelssterne des Glaubens leuchten, daß du, in der Angst um die theuersten Güter -eines Herzens, nichr verzagst und dich und die Deinen kräftigest durch den Muth der Ergebung, daß, was dir geschenkt und zurückgegeben wird, dir zur wahren Gabe Gottes wird, oder daß, was du beweinen müßtest, dir eine Prüfung seiner Liebe ist, spiegelt sich in den Thränen, die, nicderftrömend, dein Herz erleichtern, die Ahnung eines heiliger» Trostes, schwichciget sich deine Verzweiflung, wie die Religion es dir gebietet, verhallet deine Trauer zu einem Gebete, zu einem Preise des Schöpfers, dessen Wege geheimnißvoll sind — dann stehest du da als Zeuge Gottes und die Glorie deines Königes umleuchtet dein schwerzenvolles Haupt. Und endlich, wenn, was dn immer hoffest, wenn du es von ihm, von seiner Gnade erhoffest und er-- wartest, wenn du es tief empfindest, wie reich der Quell seiner Liebe fließet, wenn du, wie der Psalmist