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Sabbath-Blatt · 1843-02-18 · 7 (18.2.1843) · p. Seite 26

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
7 (18.2.1843)
Date
1843-02-18
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 Laß bestimmte Tage bestimmtes Glück bringen, daß Veränderung des Orts das Geschick verändern, daß leblose Buchstaben Kräfte und Eigenschaften besitzen. Heißt das Gott allein vertrauen? Heißt das nicht vielmehr neben dem einigen Gotte auch dem Baal, dem Götzen, dienen? Aber warum hinket ihr auf beiden Seiten? ist der Ewige Gott, so dienet ihm, ist es aber Baal, so huldigt ihm. Zhr saget, daß ihr Gott liebet von ganzer Seele, von ganzem Herzen, von ganzem Gemuthe. Aber liebt ihr nicht Gottes Gabe mehr als den Geber, liebt ihr nicht Gold und Gut mehr, als den, der es gegeben, liebt ihr nicht im Rausche der Gefühle ein Geschöpf mehr als den Schöpfer? Ihr saget, daß ihr der Wahrheit das Wort redet, aber hinket ihr nicht auf beiden Seiten, indem ihr neben der Wahrheit auch den Jrrthum bestehen laßt, neben dem guten Gebrauche auch den Mißbrauch in Schutz nehmet, neben dem Lichte auch die Finfterniß und das Vorurtheil walten laßt? Zhr wollt Männer des Fortschrittes heißen und gehet wohl auch einen Schritt vorwärts, aber stets zwei Schritte zurück, heute wirket ihr etwas zur Ehre der Menschheit, morgen wird es offenbar, wie ihr die alte Barbarei wieder ins Leben rufen wollt. So ist ein ewiges Schwanken und Wanken das Zeichen eures Jahrhunderts. Heute erklärt ihr euch für freie Männer, morgen getraut ihr euch nicht. den Mund zu öffnen, um ein freies Wort zu reden; heute scheint es, als ob euer Herz erfüllt ist vom Adel der Gesinnung, morgen hängt ihr Len Mantel nach dem Winde, hucket auf beiden Seiten, und seid gesonnen, wie ihr gesonnen sein müßt, je nachdem es euch paffer nnd bequem ist, je nachdem ihr Vortheil und Nutzen aus eurer Gesinnung ziehen könnt. So seid ihr bald warm, wenn euch der Südwind berührt, bald kalt, wenn euch der Nord anweht. — Aber wer immer nach dem Winde sieht, woher er kommet, wird uie ärnten." Siche, das Leben ist so kurz, also Laß Jeder sorgen muß seine Garben in die Scheuer zu bringen, damit er bestehen könne am großen Ernleseste, am Tage des Gerichts. Was du auf Erden leisten kannst, ist wenig, aber bei dem Wenigen, was du thuft, sei fest und stark. Suche dir eine edle, freie Gesinnung zu verschaffen und bleibe fest dabei, und sei nicht wie ein schwankend Rohr, das jedem Windeszuge folgt. Laß dir deine freie, edle Gesinnung nicht rauben und gieb sie nicht hin um 'schnöden Preis, denn was dir die Welt bietet, damit du deine Gesinnung verlängnest, ist schmachvoll und entehrend, es bestehet in Gold, das dich nur elend macht oder in Ehrcnfiitter, der wie ein Fels auf deinem Herzen lastet-, was du aber als ein Großes, Wahres und Edles in deiner Brust trägst, das gewährt dir Beruhigung im Leben und Trost im Sterben. Diene Gott, liebe die Wahrheit, ehre die Freiheit! Nichts verleite dich, daß du hinkest auf beiden Seiten, denn alsdann mußt Lu krumme Wege machen. Der gerade Weg aber ist der nächste und beste zum Himmelreiche! Amen. Cs_f_d.) Die Fürsprecher und Beschützer der Juden. (Fortsetzung.) Unter Karl dem Großen lebten die Juden in Si« cherheit und Frieder:, ihre bedeutenden Handelsgeschäfte in Südgallien wurden von ihm gewürdigt, und ein jüdischer Kaufmann soll sogar seiner Person nahe gestanden haben, während ein Anderer von ihm als Abgesandter bei dem Chalifen Harun-Al-Raschid verwendet ward, welcher selbst stets einen jüdischen Astrologen um sich hatte. Das ganze Mittelalter war ,bis ins dreizehnte Jahrhundert den Juden sehr günstig! Über den Schutz nnd dis Freiheiten, welche Herzog Friedrich der Streitbare und der große Hohenstaufe Kaiser Friedrich H. den Juden angedeihen ließen, finden wir Gelegenheit, uns ausführlicher auszusprechen, und es eben so nachzuweisen, wie die berühmtesten Kaiser aus dem erlauchten Habsburgisch en Stamme ihre Wohlthäter wurden. An ihrer Spitze steht der edle Stifter dieses Hauses, Rudolph von Habsburg, welcher sie nicht nur in ihren Rechten und und Freiheiten beschützte, sondern (nach Lschndy) sogar Las Schwert für sie gezogen bat. Denn als die Berner Juden wegen angeblichen Mords eines Christen« kuaben aufs Äußerste verfolgt wurden, wandten sie sich an Rudolph, ihren Svuverain und Beschützer. Der Kaiser verlangte hierauf von den Bernern, daß sie die Juden .ruhig in dem Asyl ließen, das er ihnen gewährte, und auf ihre Weigerung zieht er ins Feld gegen sie; allein er stirbt, phne sis zu unterwerfen. Es ist diese Gesinnung Rudolph's um so merkwürdiger, als auch sein berühmter Nebenbuhler Ottoear II. sich den Juden ausnehmend günstig erwies und ihnen viele Freiheit ertheilte, so daß wir hiedurch an das ähnliche edle Zusammentreffen zwischen Pomp ejus und Cäsar erinnert werden. Wir stoßen ferner auf Beweise der Huld, womit Al brecht I. und als deutscher Kaiser selbst KarlV., Maximilian II., RudolphII., unter den Fürsten der Neuzeit aber vor allen Joseph der Zweite gegen sie verfahren.

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