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Sabbath-Blatt · 1843-02-18 · 7 (18.2.1843) · p. Seite 27

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
7 (18.2.1843)
Date
1843-02-18
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 Bekannt ist, wie glücklich die Juden in Spanien unter der Herrschaft der Mauren lebten; allein auch unter den christlichen Königen ragen die Namen von Alphons X., Peter dem Grausamen (vielmehr dem Gerechten) und der ausgezeichneten Königin Isabelle, die bis zum letzten Augenblick ihrer Vertreibung entgegen war, als ihre Beschützer hervor. In Italien war es außer den Päpsten, von denen wir besonders sprechen, die wegen ihrer Geistesbildung hochberühmten Herzoge von Ferrara und Toscana, deren besonderen Schutz die Juden dankbar zu rühmen haben. Von Ferrara melden die Geschichtsschreiber, daß cs stets eine Freistätte für die Juden gewesen, und daß sie mit solcher Gunst und Gnade der Herzoge gelebt hätten, daß man sie von den Christen nicht mehr hätte unterscheiden können, während die erleuchteten Medi cäer, so wie Venedig in dem Handelssinne der aus Spanien geflüchteten Juden ein vorzügliches Mittel zur Hebung der Staatswohlfahrt erblickten und ihnen viele Rechte und Freiheiten einräumten. In Sicilien ertheilte Roger, als er Messina zur Hauptstadt erhob, den Juden völlig gleiche Rechte mit den übrigen Bürgern, welche sehr ausgezeichnete Freiheiten erhielten. Der Kaiser Friedrich II. hob als König von Neapel diese Rechte nicht auf. In Frankreich haben sie Ludwig den Frommen, Heinrich den Vierten und Napoleon als ihre Beschützer aufzuweisen. In Schweden zeigte sich die Königin Christine den Juden persönlich geneigt. In Polen hatten sie sich des besonder» Schutzes von Casimir dem Großen und von Johann Sobiesky, dem Befreier Wiens zu erfreuen, während in Rußland Peter der Große ihre Einwanderung begünstigte, und in neuester Zeit Kaiser Nicolaus sich mit umfassenden Entwürfen für ihre Regenerarion in Polen beschäftigt. Allein auch unter denen, welche die katholische Kirche als Heilige und Kirchenväter verehrt, namentlich aber unter den Päpsten fanden die Juden ihre wärmsten, ja oft in Zeilen der Verfolgung ihre einzigen Beschützer, und es erscheinen darunter auch hier die ausgezeichnetsten Namen. Hilarius, Bischof von Arles, und St. Gallus, Bischof von Clermont, bezeigte!: sich so wohlwollend und wild gegen dis Juden, daß dieselben bei den Leichenbegängnissen mit Fackeln in den Händen weinend folgten.*) St. V ernard, der berühmte Abt von Clairvaux, schützte die Inden bei Len blutigen Verfolgungen, die sich bei Anregung des zweiten Kreuzzuges gegen sie erhoben. Mit dem Enthusiasmus schöner Menschlichkeit empfliehlt der heilige Hieronymus, sie zu lieben, und nennt dankbarst öffentlich den Rabbi Barbue seinen Lehrer.2) Von besonderer Wirksamkeit zeigte sich aber solcher Schutz bei den P äp steril) 1) Breg. Tur. Vit. Patr. cap. VH. 2) 8. llieron. in 168. cap. I. 3) Wir entnehmen das Nachfolgende den höchst schätzbaren Analekten zur Geschichte der Juden von Zeit- Vemerkenswerth ist, daß, während man die Juden in Frankreich 11.80 unter Philipp II., 1253 unter Ludwig IX., dem Heiligen, 1307 unter Philipp I V., dem Scho» nen, 1318 unter Philipp V« vertrieb, doch stets mitten in Frankreich, nämlich in der Grafschaft Avignon, Juden geduldet wurden, weil diese Grafschaft bekanntlich dem Papste zugehörte. Es ist überhaupt höchst sonderbar, Laß, während aus schiefem Religionseifer, größtentheils auch aus Habsucht, die christlichen Herrscher die Juden in ihren Staaten verfolgten, verbannten oder ermordeten, die Päbste als Oberhäupter der Christenheit sie mächtig und milde beschützten. Als der Bischof Victor in Sicilien ihnen zu Palermo ihre Synagogen mit allen darin enthaltenen Reichthümern wegnahm, befahl ihm Pabst Gregor der Große ihnen Alles wieder zu erstatten, und erließ einen Hirtenbrief, abzustehen von dem Frevel gegen dis Juden, sie zu schonen und mit Sanftmuth zu behandeln. So beschützte Alexander II.1010 ״ die Juden in Spanien wider Ferdinand I. und als 1492 Ferdinand V. alle Juden in Spanien und seinen übrigen Königreichen mit gräßlicher Grausamkeit vertrieb, ertheilte ihm Alexander VI. den Beinamen des Katholischen, nahm aber selbst 15000 dieser Unglücklichen in Rom auf. »!1 86 moquait” — sagt Basnage — »secretement ,16 la folie d’un Politique raffine, qui depeuplait 868 Etats d’iin nombre considerable d’habitans riches et habiles au commerce, pendant qu’il donnait de grands eloges a 8a piete.”— telcs im Oest. Archiv für Geschichte. Jahrgang 1811, S. 129. u. 130. 4) Arnold, Kirchenhistoric Th.!. B. 6. S, 250. 5) Basnage, Histoive des Juifs libr. 7. cap. 5. p. 1530• 6) Liinborch, PiiiJ., Ilistoria Inquisitionis. L. I. v. 24. Basnage 1. c. p. 1874. 7) Politische Fragen von Christian Weiß. 2. Theil. Cap. 8. §. 11. S. 304. (Schluß folgt.) mvum wvwwvm Literatur. Zu dem Herrlichsten, was je im israelitischen Interesse geschrieben worden ist, gehört ein eben erschienenes Gedicht: ״Der Paria" von Fredrik Montan (Berlin, Springer), eben so ausgezeichnet durch seinen Inhalt voll tiefen, reinsten Mitgefühls, als durch den Wohlklang der schönen Verse. Der Verfasser ist Christ. Er führt einen Jüngling, welcher die reichsten Anlagen besitzt, hon dem tüchtigsten, anerkanntesten Streben beseelt ist, er führt ihn durch eine Reihe von Lebensverhältnissen durch, er läßt ihn in verschiedenen Wirkungskreisen, in welchen er sich bereits ausgezeichnet hat, als Mitbewerber unter den An-

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