Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 6 (11.2.1843)
- Date
- 1843-02-11
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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23 und unsterbliche Schriftsteller gab, welche als deren Veschützer und Fürsprecher hervorragen, und daß unter jener Zahl die herrlichsten Namen uns entgegenleuchten, welche das Menschengeschlecht zu seiner Ehre auszuweisen hat, während unter der Reihe der Verfolger der Juden verhältuißmäßig sich nur sehr wenige befinden, welchen die Nachwelt ähnliche Denkmale gesetzt hätte. Vergessenheit und Vergebung diesen Letzteren, eine dankbare Erinnerung den Ersteren, wenn auch der Raum kaum mehr gestattet, als sie in einer bloßen Aufzählung von Namen bestehen zu lassen, von denen ohnehin die wenigsten in anderer Beziehung jemals verloren gehen könnten. Ungeachtet es hiebei unsere Absicht war, nicht weiter zurück als bis zur Verbreitung des Christenthums zu gehen, so drängen sich Loch schon bei Betrachtung der vorchristlichen Zeit, ja selbst schon seit dem ersten Fall des israelitischen Reiches solche ehrenvolle Erinnerungen auf, daß wir uns nicht entschließen können, sie bei dieser Gelegenheit mit völligem Stillschweigen zu übergehen. Nebucadnezar, dem seine Zeit den Namen des Großen beilegte, behandelte dis besiegten Juden mit Menschlichkeit und Milde; nicht nur wurden sie unter ihm und seinen Nachfolgern den Colonisten gleichgestellt, und durften im medischen babylonischen Reiche sich Len verschiedensien Nahrungszweigen ergeben und Grundstücke und Sklaven erwerben, sondern es standen auch die Propheten bei ihm in Ehren, und die fähigem jüdischen Gefangenen wurden zu Staatsdienern erhoben, die seiner Person nahe standen. Cyrus, Darius, Artaxerxes (Longimanus) degünstigten bekanntlich die Rückkehr der Juden und die Wiederaufbauung des Tempels und erstatteten ihnen nicht nur die abgenommenen Geräthfchaften, sondern verliehen ihnen kräftigen Schutz und Beistand zu diesem Unternehmen. Alexander der Große, der von Tyrus auf Jerusalem hinzog, um die widerspenstigen Juden zu züchtigen, ward, wie die Sage berichtet, von Ehrfurcht ergriffen, als er ihres Hohenpriesters ansichtig wurde, und gewiß ist es, daß er ihnen Religionsfreiheit zusagte und viele Freiwillige in seine Dienste nahm. Auch begegnete er ihrem festen Widerstande gegen Las Ansinnen, Laß sie dem Baal einen Tempel zu Babylon errichten sollten, mit schonender Achtung. Die Ptolomäer bezeigten sich im Ganzen mild gegen die Juden und hielten es der Wohlfahrt der eroberten Städte und Lander angemessen, jüdische Eolonieen daselbst anzulegen. Sehen wir auch einmal einen unter ihnen den Tempel entweihen und Glaubenszwang ausüben, so stoßen wir Loch selbst unter Den dem Judenthum feindlich gesinnten syrischen Königen auf einen Antiochius den Großen, der den Tempel für heilig erklärte, den Juden gleiche Rechte mit Len Griechen verlieh und jüdische Familien zur Beschützung der eroberten, Festungen verwandte, indem er sie mit Häusern und Äckern beschenkte. Dieser ruhige und befriedigende Zustand dauerte über ein Jahrhundert lang, bis das gewaltsame Benehmen der fremden Beherrscher den glorreichen jüdischen Befreiungskrieg und die Wiederherstellung eines selbstständigen jüdischen Königreiches hervorrief. Die bemerkenswerthen Conflicte, die sich weiterhin ergeben, sind mit den Römern. Hier begegnen wir zuvörderst Pom pejus dem Großen, wie er mit stiller Scheu Las Innerste des Tempels betritt, Len heiligen Schatz unberührt läßt und für Erhaltung des Gottesdienstes sorgt. Sein erlauchter Rival zeigt sich darum nicht minder Len Juden günstig, und wir finden im weitern Verlaufe Gelegenheit, umständlicher Der Achtung und Freundschaft zu erwähnen, welche Julius Cäsar den jüdischen Fürsten und Feldherren bezeigte. Auch bestätigte er Len ägyptischen Juden ihre alten Rechte, die er in eine Säule in Alexandrien eingraben ließ, und schützte die Gemeinden Kleinasiens und des Archipelagus gegen Eingriffe römischer Statthalter. Auch Augustus begünftigte die Juden Roms, indem er sie an den Getreidespen- Len Theil nehmen ließ, und dabei, wenn die Vertheilung auf einen Sabbath fiel, ihren Antheil am Tage darauf auszuhändigen befahl. Ist es ferner nicht bemerkenswerth, daß wir unter den folgenden römischen Kaisern einen Tiberius, Claudius, Caligula, Domitian als Verfolger der Juden, dagegen einen Antonius Pius und Mark Aurel als ihre Beschützer finden? Denn die offenen Kriege, welche Vespasian und Titus gegen sie führten, gehören wohl nicht hisher. So nahm Antonius Pius die drückenden Einschränkungen seiner Vorgänger zurück, und Mark Aurel gestand ihnen Religionsfreiheit und sogar Zutritt zu Staatsämtern zu. Alexander Severus und der jedenfalls geisteskräftige Julian beschließen die Reihe der heidnischen Kaiser, welche sich durch Len Schutz, den sie den Juden angedeihen ließen. (Forts, folgt.) Lesefrüchte. »Die Königsberger allgemeine Zeitung" vom 11. Januar enthält einen Aufsatz »über die Emancipation der Juden". Nach mancherlei Zugeständnissen,aber auch Jrrthümern, schließt der Verfasser, mit einem der Metzlern, folgendermaßen: »Ihrerseits aber mögen auch die׳ Juden alle diejenigen Concessionen, welche sie bereits genießen oder vielleicht erlangen sollten, besser gebrauchen als jenes Recht, wonach sie als Glieder unseres Wehrsystems erscheinen. Denn, obwohl sie am Ende des Jahres 1840 ungefähr Ein Sieben und Siebenzigtheil der Bevölkerung des Preußischen Staates bildeten, stellten sie doch fast nur ein Fünftel des verhältnißmäßigen Antheils zu unserm Heere; sie begeben sich also freiwillig in dieser Beziehung einer ihnen gebührenden größeren Theilnahme an diesem gewichtvollen Vorrechte."