Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 6 (11.2.1843)
- Date
- 1843-02-11
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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22 seinem angebornen Rechte zu weichen. — Ein Jedev soll das Recht, sein eigenes, und das seiner Brüder auf seinem Herzen tragen. — Ein Zeder? Nicht der Priester allein? Alle sind zu solchem Priesterdienste berufen, denn es stehet geschrieben: 2. Mos. 19, 6: ואתם תהיו ממלכת נהנים. »Ihr Alle sollt mir sein ein Reich von Priestern." Ist es des Priesters Pflicht, wo und wie er kann, das Recht seiner Brüder ans Licht zu führen, so ist eS auch eines Jeden Pflicht, Recht und Gerechtigkeit zu fördern, denn Alle sollen bilden ein Reich von Priestern. Wer Lu auch sein magst, welche Stellung du auch einnehmest im bürgerlichen Leben, welches Amt Lu auch bekleidest, — du weißt, daß dir ein heiliges Amt, ein Priesteramt von Gott ist anvertrauct, du begreifst,׳ daß dir zu Pflicht gemacht worden, beständig, wo und wie du kannst, das Recht deiner Brüder zu vertreten. Die Sonne des Rechts kann aber nicht früher anfgehen, als bis alle Finsterniß vergangen und alles Dunkel geschwunden, bis alle Zrrthü» mer berichtigt und alle Vorurtheile beseitigt sind. Darum suche die Wahrheit zu verbreiten in deinem Kreise, suche zu überzeugen, daß Israel das Recht verdiene, und dessen würdig sei; führe die Beweise, daß die Kmder Israel keine Fremdlinge mehr seien, daß man sie daher von dem Rechte, das Allen gegeben, nicht ausschließen, und bei gleichen Pflichten, die sie erfüllen, bei gleichen Lasten, die sie tragen, nicht hintenansetzen dürfe. Weise nach, wie auch der Israelit sein Gut und Blut für's Vaterland hingegeben habe, und in den Reihen mitgekämpft mit Mukh und Ausdauer, wie aber »das Recht", welches er als Lohn beanspruchen konnte, ihm verweigert worden sei bis auf den heutigen Tag. Sprich' es aus mit gerechtem Tadel, daß dem Israeliten das Recht verweigert werde, dem Vaterlande Dienste zu leisten, oder zu lehren und auf die Jugend einzuwirken, wenn auch die Fülle der Kenntnisse und der Talente in ihm wohne, Theil zu nehmen an der Leitung und Verwaltung des Gesammt- Wesens, wenn auch redlicher Witte und ernstes Streben ihn beseele. _ 1) Auch in dieser Beziehung heiß! es ja in der heiligen Schrift: ״Gleiche Rechte soll haben der Fremde mit dem Einheimischen." 3. Mos. 24, 22. So trage, wie der Tert sagt, beständig das Recht der Kinder Israel auf deinem Herzen, höre nicht auf für das Wohl deiner Brüder zu streiten und zu kämpfen, auch dann nicht, wenn es den Anschein hat, als ob du vergeblich redest und die Worte in den Wind streuest. — Es fällt doch hier und dort ein Wort auf guten Boden. — Höre nicht auf zu wirken, und werde nicht müde im Kampfe, denn das Amt, das dir übertragen worden, ist ein heiliges Amt, ein Priesteramt. Du bist dazu berufen, das Recht deiner Brüder auf dem Herzen zu tragen, weil du als Mensch ein Priester bist in Gottes Heiligthume; ein Zeder, in welchem der Geist Gottes wohnet, soll ein Priester des Herrn sein, und so lange für » das Recht ” streiten, bis sich ihm öffnet das große Heiligthum, darin Gottes Majestät thronet in ewiger Freiheit und Herrlichkeit. Amen. 8 — r —<r. Die Fürsprecher und Beschützer der Juden. Wir haben bereits einige Stellen aus einem Werkes) mitgetheilt, welches mit Recht wegen seiner Gründlichkeit, Gediegenheit und den interessanten Ergebnissen Der hier dargebotenen umfassenden Forschungen, geeignet ist, in einer Zeit Epoche zu machen, in welcher einerseits das Streben hervortritt, den Israeliten gerecht zu werden, anderseits sich aber auch vielfach die Bemerkung aufdrängt, wie eine fast gänzliche Unbekanntschaft mit den Verhältnissen dieses Vol« kes, selbst bei dem besten Willen richtig zu urtheilen, unrettbar irre führt. Wir theilen heute Einiges aus der trefflichen Einleitung mit: »Bevor wir uns der historischen Betrachtung der Juden in Österreich zuwenden, erachten wir es nicht für überflüssig, auf eine höchst merkwürdige Thatsache aufmerksam zumachen, die uns wie ein schöner Stern erscheint, der, nachdem er eine lange Nacht mit seinem milden Lichte erleuchtet hat, auch noch den anbrechenden Morgen erhellt, und den Blicken nur durch die überstrahlende Sonne ent» zogen wird. Am dunklen Horizonte der Geschichte des jüdischen Volkes ist es, wo dieser Stern dadurch erglänzt, Laß, so Lrangsalvoll sich auch die Schicksale jenes Volkes ergaben, dennoch es beinahe zu allen Zeiten Fürsten und geistliche Oberhirten, und in den neuesten auch Nationen 1) Die Juden in Oesterreich re.