Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 6 (11.2.1843)
- Date
- 1843-02-11
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Namentlich auf diesen Punkt ging ein berichtigender Artikel in M 18 dieselbe Zeitung ein, den wir, in Folgendem, mittheilen: Juden nn preulsischen Militairdientte. ״ M 9. dieser Zeitung enthielt einen Aufsatz » über die Emancipation der Juden'', in welchem allerdings volle Emancipation als das wünschenswerthe, endliche Ziel anerkannt und namentlich darauf^gedrungen wird, mit der Eröffnung der wissenschaftlichen Ämter sogleich zu beginnen, im Ädrigen aber behutsamer vorzuschreiten, da das jüdische Volk, zwar ohne seine Schuld, sondern eben nur Lurch den bisher erlittenen Druck, feinen Menschenadel theils verloren, theils nur im Zerrbilds erhalten habe. Es ist dies wohl, über eine ganze Gesammtheit ausgesprochen, ein sehr hartes Wort. Wir schreiben indeß Ließ und einige sonstige Bemerkungen im Aufsätze nur der, leider so oft sich findenden, völligen Unbekanntschaft mit Len Juden (nach ihrer ganzen Masse) zu, wo dann einzelne, dem Beobachter zufällig nahe gekommene Persönlichkeiten als das Bild der Gesammtheit erscheinen, dessen Zerrbild sie in der Thal oft nur sein können. Auch wollen wir die angedeutete Bemerkung hier nicht ausführlich widerlegen. Ein unbefangener Blick selbst auf den Mittelja untersten Stand der Juden, mit seiner Nüchternheit und Mäßigkeit, seinem Fleiße, seinen häuslichen Tugenden, seiner Wohlthatigkeit und religiösen Gewissenhaftigkeit, wird den, wie wir glauben, nicht übelwollenden, sondern nur in einigen Punkten irrenden, Verfasser wohl überführen, daß hier der Menschenadel eben so wenig verloren gegangen, als in den entsprechenden Klassen der übrigen Bevölkerung. Und daß der jüdische Staatsbeamte von derselben ideellen Treue und wahren Vaterlandsliebe bei seiner Wirksamkeit ausgehen würde, als der christliche, würde man bei einigen Versuchen, die man nicht scheuen dürfte, gewiß finden. Besonders aber glauben wir, daß eine Angabe, auf welche der Herr Verfasser des Aufsatzes auch in <$3 14. zurückkommt, auf einem zwiefachen Jrrthum beruhe, nämlich, daß die Juden im Jahre 1840 nur ein Fünftel des sie treffenden Contingents zum preußischen Militair gestellt und also in dieser Hinsicht der pflichtmäßigen Gesinnung wenig entsprochen Härten. Da hier nicht Alles dem bloßen freien Willen überlassen blieb, sondern der Staat die Säumigen einfordert, so wäre zuvörderst eine solche Lhatfache wenig begreiflich. Aber es scheint hier auch ein Rechnungsfehler zu Grunde zu liegen. Will man nämlich das Verhältniß des von den Juden gestellten Contingentes zu dem der übrigen Bevölkerung heransfinden, so muß man nur die Zahl derer im ganzen Heere ins Auge fassen, die im Jahre 1840 zum (einjährigen) Dienste, gleich den Juden. einlraten, diejenigen aber nicht mitrechnen, die aus fvühern Jahrgängen noch im Dienste standen und sich eigentlich der milltairifchen Laufbahn gewidmet haben. Denn offenbar muß dies, zum Rachtheile der Juden, ein falsches Resultat liefern. Wollte man etwa die Dienstperiode der bleibend dienenden Militairs auf :15 Jahre annehmen, so repräsentirt hier ein Mann andere fünfzehn, die nur für ein Jahr eintreten, indem die bleibenden Jahrgänge sich auf einander häufen und eine grö» ßere gleichzeitige Masse bilden. Es könnte auf diese Weise, seit 15 Jahren, je nur ein christlicher Soldat eingetreten sein, so würde dies, wenn sie alle im Dienste bleiben, im 15. Jahre 15 Mann geben, dagegen würde, wenn von Juden gleichfalls in jedem Jahre ein Mann eintrat, aber nur zum einjährigen Dienste, dies im 15. Jahre nur einen Mann geben. Bei der gleichen Zahl der Eintretenden käme also eine in der Thar verschiedene Summe heraus, wodurch man leicht getäuscht werden kann. Sollte aber dennoch, auch bei einer hierauf Rücksicht nehmenden Vergleichung, Las Verhältniß zum NachtheiL der Juden ausfallen, was wir kaum glauben, so wird man wohl auf den Umstand einiges Gewicht legen, daß, wer aus Ehrgefühl einen Werth darin setzt, Soldat zu werden, daß gerade er an dem Umstande einen Anstoß nehmen wird, daß er nicht avanciren darf, sondern nur gemeiner Soldat, bei aller möglichen Liebe und Fähigkeit zum Militairdienste, zu bleiben verurtheilt ist. Man versuche es, Len Juden die eigentliche militairische Carriere, welche die Möglichkeit des Avancements bedingt, zu eröffnen und man wird sich überzeugen, daß die Juden noch immer so geneigt und geeignet zum MilitarrLienste seyen, als sie es unter den Persern, Macedoniern, Ptolomärrn, bei der Vertheidigung Jerusalems, in Len Heeren der Römer und auch in neuerer Zeir, wenn unter Andern das Zeugniß des derübmten General Chasss etwas gilt, rühmlichft bewährt haben." ...1.... Ein besseres Denkmal als von Erz und Stein hat sich ein Herr von Kottwitz in Posen errichtet. Er hinterließ mehr als eine Million Thaler, hat aber bei seinem Leben Viele unterstützt, z. B. alle milde Stiftungen und zumal die jüdischeWarsen-Anstalt, zu der er36,000 Gulden und fortwährend Unterstützungs-Gelder beitrug. (Königsb. Z.) Im Verlage von Nenmann - Hartman« in Elbing ist erschienen und durch alle Buchhandlungen des Zn- und Auslandes zu haben: Rödder'S (Fr.O.) Wandfibel, sowohl beim Lantiren als Buchstabiren zu gebrauchen. 2t Tafeln auf ganzen Bogen in Median-Format; nebst » Gebrauchsanweisung." _ 2a %r. Bestellungen auf das »Sabbath-Blatt" werden von allen Post-Anstalten, Zeitungs-Expeditionen und Buchhandlängen des In- und Auslandes fortwährend angenommen, auch die im verwichenen Jahre erschienenen Nummern auf Verlangen nachgeliefert. Druck und Verlag von Neumann-Hartmann in Elbing.