Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1843-02-04 · 5 (4.2.1843) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
5 (4.2.1843)
Date
1843-02-04
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8620046-8635247-8635208--169-8620069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

18 den Seinigen mit königlichem Beispiele voran zu gehen — solcher Wandel und solche Gesinnungen vor Allem bewirken, daß Gott unter Israel weile, d. h. daß durch seine Wohlthaten — denn er ist ja allgegenwärtig — seine Nähe uns fühlbar werde. Jenes sind aber die Gesinnungen des Dankes und des Vertrauens, das Gefühl unserer Abhängigkeit von Gott, das Bcwußtseyn, daß wir vor seinen Augen leben, und daß er es ist, der unser Geschick leitet, daß ohne ihn keine Freude uns zu Theil wird, kein Glück uns sicher ist, daß keine Lust uns entzückt, kein Schmerz uns erreicht, wenn seine Vorsehung es uns nicht zu-- gedacht. Daher sind es diese Empfindungen besondcrs, die der Psalmist in seinem heil. Liede wieder-- hatten läßt. Gott ist überall, seine Herrlichkeit erfüllet das Weltall, הנה שמים sagt Salomo bei der Einweihung des Tempels, לשמי השמים לא יכלכלוך אף כי־הבית הזה »siehe die Himmel und ihre unendlichsten Weiten fassen dich nicht, und sollte dieses Haus dich fassen?" (2. Chron. 6, 18.) Aber doch ist das Heiligthum, das dem Dienste des Allgegenwärtigen geweihet ist, vor Allem geeignet uns zu erinnern, daß seine Gnade und sein Schutz uns nahe sey, wenn wir nämlich solche Liebe und solche Gnade durch That und Gesinnung und'durch Gehorsam gegen Gottes Gebot verdienen. Und eigentlich liegt dieser Gedanke auch schon in unserm Verse: ועשי’לי מקרש ושכנתי בתוכם, sie sollen mir ein Heiligthum machen, in der Art, daß ich unter ihnen wohnen möge! — Aber wie machen wir Gottes Haus zu einem Heiligthum für uns? wie bewirken wir durch, dieses Heiligthum, daß Gott unter uns wohne? Wie anders, als daß dies Haus uns eine fortwährende Anregung sey, auch unser Herz zu heiligen und uns bei allen Ereignissen und Entschlüssen des Lebens der Allgegenwarl Gottes zu erinnern. Dann wird uns das Gotteshaus zu dem, was uns der Midrasch lehret: »Dein, Ewiger, so lesen wir daselbst, dein ist die Größe und die Macht, die Hoheit und die Ewigkeit und Majestät כי כל בשמים ובארץ, ja Alles wie im Himmel also auch auf Erden." (1. Chron. 29, 11.) Dies sind die Worte Davids, die er gleichfalls im Gedanken an den Tempelbau sprach. Und wenn es nun hier heißet 'כי כל בשמ' ובאר »Al-- les wie im Himmel also auch auf Erden,j" so soll dies zugleich eine Andeutung seyn, daß, was wir hienieden finden, uns an'das erinnert, was droben in jenen Höhen ist, אתה מוצא כל מה שברא הק״בה למעלה ברא למטה, daß also die Erde, im Lichte Gottes betrachtet, zu einem Spiegel des Himmels wird und daß namentlich das irdische Heiligrhum Gottes ein Bild seiner himmlischen Herrlichkeit sey. Denn, sagt der Midrasch, der Gottesrempel auf Erden, er» innert an die Himmel, weil auch sie sein Tempel genannt werden,ה׳ בהיכל קדשו ה׳ בשמים בטאו; wie es von ihnen heißet: er breitete sie ans, wie ein Gezelt לימתהם כאהל לשבת, so heißt es auch von diesem מה טובו אהליך יעקכ, wie schön ist dein Gezclte Jakob! ZUnd, wie endlich den Himmel ein Wolkenvorhang birgt, daß, wenn er sich aufrollt, der Blick von der Erde, dem Schemel am Throne Gottes, zu jenen lichtern Höhen emporgehobcn wird, also scheidet auch im Gotteshaus hienieden ein Vor- Hang das Heilige von dem Heiligern, daß die Seele des Andächtigen allmählig von Stufe zu Stufe (מטלות בלבבם) sich zum ewigen Vater emporschwingt, der sie heiliger. Also das Wort unserer Weisen. Und wird uns nun der Tempel Gottes zu eiuem solchen Sinnbild, zu einer solchen Mahnung seiner Nähe, zu einem Zeugniß seiner Allgegenwart, steiget in demselben gleichsam der Ewige, dessen Majestät durch die Himmel leuchtet, zu uns, zur Erde nieder, wirket er in uns solche Erhebung, solche Heiligkeit der Gesinnungen und Entschlüsse, daß das Gebot der Thora, das wir vernehmen, uns nicht todter Buchstabe bleibe, sondern daß wir es mit uns nehmen uns den heiligen Räumen, daß wir es pflegen und nähren in unserm Herzen, bis es in uns zu einem Baume des Lebens geworden — dann ist das Haus Gottes auch aus wahrhaftes Heiligthum, dann möge uns der Gedanke beseligen, daß Gott unter uns weilet, dann wird an uns in Erfüllung gehen, was wir im Psalm vernommen , Gott wird uus emporheben aus jeder Augst und in jedem Leiden uns genesen lassen. Er wird uns zu den Hohen des Lebens führen und unser Glück wird durch seine Huld gesichert seyn. Und sollten auch, wie jener Fromme sprach, Thränen unser Lager feuchten und die Klage uns das Schlummerlied seyn — Gott

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.