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Sabbath-Blatt · 1843-01-21 · 3 (21.1.1843) · p. Seite 11

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
3 (21.1.1843)
Date
1843-01-21
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 etaaicn waren. Die religiösen Gesetze und dipolitischcn Verordnungen, die Sitten und Gebräuche grumten sich gleichsam um das eine herrschende System, un ft hoch schätzten die Juden den Feldbau, daß Saul alsMlicher König sich nicht scheute, Hand an Len Pflug, legen. Und mußten Landbau und Viehzucht nicht in Gen"bei den Juden stehen, wenn sie bedachten, »daß ihre atriarchsn als Hirten durch die Welt gezogen, daß Mch und David von der Heerde weg zu Führern ihres Votz hxrufen worden waren?" Auch der weise Elisäuswelcher zu seine,n Feldbau zwölf Pflüge nöthig hatte,war eben im Ackern begriffen, als er zum Propheten bissen ward. Aber die Juden waren auch hierin, wie in ft,!elen andern Stücken originell und erfinderisch. Sie pxnahmen an Canaan einen handeltreibenden Staat schufen daraus einen Agricnlturstaat, sie hatten in Egten Las Wasser als Triebrad des Feldbaues kennen - lernt, sie ersetzten es ganz selbstständig durch Anwendn des Feuers; und noch ganz neuerlich, und zwar in Ostr reich, hat man ihr Agricultursystem hervorgesucht tu; hält es nach Jahrtausenden der Fortschritte und der Et findungen nicht für unmöglich, darauf zurückzukommen. Welche Hindernisse sich nach der Zerstreuung der Juden einer fortgesetzten Widmung zum Ackerbau entgegenstellten, ist bereits im Eingänge erwähnt worden. Daß sie dieselben dennoch, der Lehren des eben zu dieser Zeit entstandenen Talmuds und der väterlichen Sitte eingedenk, zu ihrem größten Nachtheil oft genug versuchten, beweist die in der Geschichte so häufig vorkommende Veschlagnahme ihrer liegenden Güter, vor welcher sie in keinem Lande, und bis spät in die neuere Zeit hinauf, in keinem Jahrhundert sicher gewesen sind. In der Mi sch na kommen die Juden als Ackerbauer, Pächter und Besitzer von Ländereien vor. Rabbi Jochanan (im 3. Jahrhundert n. Ehr.) sagt: »Wer eine große Erbschaft bald durchbringen will, muß seine Feldarbeit Len Tagelöhnern ohne Aufsicht überlassen." Die babylonischen Juden in Persien trieben Ackerbau und Viehzucht. Daß die Juden in Spanien den Boden bebauten und ihre alten Gebräuche dabei beobachteten, erhellt ebenfalls aus dem Talmud, und es ist erwiesen, daß sie unter der Herrschaft der Araber daselbst dem Ackerbau sehr oblagen, besonders aber im dreizehnten Jahrhundert dem Weinbau sich widmeten und zur Erzeugung sowohl, als zum Vertrieb der vortrefflichen spanischeu Weine wesentlich beitrugen. Wir entnehmen aus den Aussprüchen der Concilien, daß es allenthalben viele Pächter gab. Im deutschen Reiche konnten aber die Juden den Landbau im Großen nicht wählen, denn die Ländereien gehörten in Unterabtheilungen den ELelleuten, welche ihre Erbgüter nicht gern veräußerten, und da es den Juden österreichische Ökonom Fr «Herr von Ehrenfeld kn öffentlichen Blattern. - Hegmer, BUr l’aglic״lt״re des juifs. - Salvai0'׳ d״ ]* loi et des inslitutions de Morse. Luden, 9 Theile. Jost, Geschichte der untersagt war, christliche Sklaven zu halten, an ihnen am wenigsten Käufer finden konnten. Auch war der Länderbesitz in den Zeiten des Faustrechts sehr unsicher, der Bauer aber war ein Sklave und hatte ein sehr kümmerlicheö und gedrücktes Leben; zudem konnte sich eine Judengemeinde auf dem Lande nicht erhalten, da sie den Anfällen der Feinde beständig auSgefctzt gewesen wäre. Dagegen komrnen anderweitige Ansiedelungen von jüdischen Ackerbauern nicht selten vvr. Die in der Krimm und Polen sehr zahlreichen und allgemein geachteten K a r a i t e n (bekanntlich diejenigen Juden, welche sich streng an das Gesetz Moses' ohne talmudische Auslegung halten) widmen sich seit langer Zeit fast ausschließlich dem Ackerbau. Benjamin von Tudela, der berühmte jüdische Reisende, welcher im zwölften Jahrhundert lebte, fand aus dem Berge Parnassus in Griechenland 200 Juden, welche unter der Leitung ihres Rabbiners Ackerbau trieben. Der Erzbischof Le Pradt sagt: »Von den aus Portugal vertriebenen Juden wandten sich mehrere nach Brasilien und trieben Ackerbau alldort. Sie waren cs, welchen man /in bisher unbekannten Gegenden) die Erstlinge der Är nt en zu danken hatte. ” In der Berberei ist der Weinbau ein ganz beftnderer Nahrungözweig der Juden, die ihn selbst pflegen, keltern und versenden. In der Türkei und im ganzen Orient, namentlich in Maro ec o und im glücklichen Arabien findet man sehr viele jüdische Ackerbauer. In Ostindien leben sehr viele Israeliten größtenwilS vom Ackerbau. In Conchinchina leben 1000 sracliten fast alle vorn Ertrage ihrer Cocuspflanzungen. t Jamaica giebt es ihrer viele, welche sich mit dem chau des Zuckers und Kaffees befassen, ebenso in Snvram, Berbice, Demerary und den andern holltdischen Colonieen, so wie in Süd-Carolina; und Mwürdig ist es, daß Israeliten weit mehr ärnteten, als voihnew auf denselben Plairtagen Christen zu erwerben imstande waren, und daß sie dabei weit schonender, als Lies mit ihren Sklaven verfuhren. Doch wir kehren zu Etwa zurück. In England und im Königreiche der Ni!erlanLe, namentlich in der Provinz Gelderland giebls israelitische Landbesitzer, welche es durch, dieses Gcftft zu einem sehr erfreulichen Wohlstände gebracht Haber auch die großartigen niederländischen Agriculturcolonin zählen unter den Ansiedlern viele Juden. In Prerien giebt es nicht wenig israelitische Landwirthe, und 1t in der. Nahe Berlins hat man wohl )0—12 große »Lische Ökonomen, die ihre Güter selbst bewirthschäftet vorzüglich aber zählt Preußisch - Schlesien deren viele aigezeichnete. In allen deutschen Bundesstaaten, in welon die Gesetze nicht unüberfteigliche Schwierigkeiten entgegewllen, findet man in nicht unbedeutender Anzahl Juden, elche die Landwirthschaft im Großen und Kleinen betreiben, namentlich aber im Königreich Würtemberg größere Eonomen, deren Bewirthschaftungen zum Muster

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