Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 3 (21.1.1843)
- Date
- 1843-01-21
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 niß seiner Liebe, der dich, o Mensch, zn seinem Eben-- bilde, zur Liebe, zur Freude an dem Gute« schuf? Oder hebe dich empor zu den Himmelshöhen des Geistes, daß du deines Gottes, deines Schöpfers dir bewußt bist, daß du seine Wege ahnest, wenn auch nicht begreifest, daß das Forschen dir Bedürfnis ist, daß das Wissen dich beglückt, daß du, dürstend nach Erkenntniß, ein Spiegel göttlicher Weisheit scyrr willst, ist dieses Geistcslicht in deiner Erdcnhülle nicht ein Geschenk der Liebe deines Schöpfers? Leitet dich nicht zu ihm die halbe Befriedigung deines Wissensdurstes? und die Unwissenheit und die Schatten, die dir bleiben, sind sie nicht selbst, wenn du dich nur besinnest, sind sie nicht, gleich wie die Erdenschatten, Zeugnisse des Lichtes, Zeugnisse einer höher» Sonne, die du schauen mußt, wenn das, was sie verschüttete, vorüberging? Zwar du, Edler! wirst oft irre an den Wegen Gottes, du glaubest oft zweifeln zu müssen׳an seiner Liebe, dein liebefcnchtes Auge kann das Elend nicht schauen rings um dich her, dein zartes Ohr kann den Schrei des Jammers nicht ertragen, der von tausend und abermal tausend Unglücklichen zum Himmel empordringt. Aber Er, der dein Ohr gebildet, sollte der nicht hören, der dein Auge schuf, sollte der nicht sehen? Er, der dich schuf, den du als deinen Schöpfer erkennen mußt, wenn du nicht den Zufall, das blinde Ungefähr zum Meister machen willst von dem wunderbaren Gewebe deiner Hülle, von den seligsten Geheimnissen deines Geistes, Er, der dich schuf, der deinen Augen Thranen für das Unglück gab, der dein Ohr so zart zuin liebenden Mitgefühl besaitet, Er, sein Ohr sollte die Klagen der Unglücklichen, die Leiden nicht vernehmen, sein Auge sollte sie gleichgültig schauen? Doch warum dauert ihr Kummer, doch warum tönet ihre Klage? das willst du wissen, oder an seiner Liebe zweifeln, das willst du wissen, der du von dem Morgen nicht weißt, und selbst von dem Gestern kaum noch ein dnnkles Verstandniß erbtest, das willst du wissen, gleich wie Er, der durch die Jahrtausende schauet, und dem die Vergangenheit ein lichtes Heute ist? Ist nicht auch dir schon Manches klar geworden, schon Manches als gerecht erschienen, was dir vordem unklar war, dir als ungerecht erschien, hieltest du es für passend, selbst wo du kannst, al l e Klagen zn stillen alle Mühen zu erleichtern, bist du nicht oft Schuld an den Thränen eigener Lieblingskinder, wenn du Schuld nennst, was weise Vorsicht, prüfende und läuternde Erziehung ist. Lerne dich freuen, lerne erkennen, dankbar erkennen all das Gute das dir geworden ist, all das Glück, das um dich blühet, all das Heil, das dir zu Theil ward. Und du wirst statt unzufriedeu zu seyn, dich überselig fühlen, statt zu klagen und zu zweifeln, wirst du deinen Schöpfer preisen. Strebe nach Weisheit, strebe nach Wissen, gehe, Israelit! Zum Glauben durch die Erkenntniß, strebe Gott zu erschauen, doch hoffe nicht ihn, seine Werke, die Wege seiner Vorsehung zu überschauen, sey glücklieh, ihn zu ahnen, aber hoffe nicht, ihn zu begreifen. Wenn der Erdcnschleier von unser» Augen ge-- fallen, wenn von der Erdenfessel unser Geist befreit ward, wenn die Erde vor uns liegen wird, als ein lichter Stern unter den Millionen der Sterne Gottes, dann werden wir erschauen, was uns verhüllet war, dann werden wir crrathen, was uns als Räthsel galt, und er wird cmportragen die frei gewordene Seele zu seinen Himmelshöhen, zu seiner Gottesnähe. Amen. 8—z. Die Juden als Ackerbauer.*) Wenn wir heut zu Jage die Juden in nur geringer Anzahl dem ersten und verbreitetsten Berufe, dem Ackerbau zugewendet sehen, so haben wir es nicht den von Alters her ihnen überkommenen Neigungen und noch weniger ihrer Religion zuzuschreiben * wir haben deßhalb nur die Willkühr und Barbarei anzuklagen, welche so viele Jahrhunderte hindurch jeden bei ihnen ßchtbaren Besitz zum Gegenstände von Erpressungen machte und dadurch unter ihnen dem Ackerbau andere Erwerbszweige subftituirte, deren Vererbung von den Vätern auf die Söbne auch beim Eintritte besserer Zeiten nicht so schnell Einhalt gethan werden konnte. MoseS machte den Ackerbau zur Grundfeste des jüdischen Staates, und Judäa war ein Agrrculturstaat par excellence, so wie Sparta und Rom vorzugsweise kriegerische, Phönicien und Carthago handeltreibende *) Aus der äußerst interessanten Schrift: »Die Juden in Oesterreich. Vom Standpunkte der Geschichte, des Rechts und des Staatsvortheils." Leipzig, 1842.