Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 2 (14.1.1843)
- Date
- 1843-01-14
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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an etwas Anderes zu denken, laßt ihn nun plötzlich mit ihm selber allein. Was soll er beginnen, um der Langeweile, der unerträglichen Leere dieser Einsamkeit zu entgehen? da er nicht geübt ist, an etwas Höher»! Freude zu finden, sey es auch nur au Leetüre, oder an unterhaltenden Gesprächen, so wird seinem unbestimmten Begehren nur irgend ein roheres Mittel sich darstellen dürfen, um ihm die Zeit, mit der er Nichts anzufangen weiß, und die seine Ungeduld quälet, zu vertreiben, und früher oder später wird, nebst andern Lastern, vorzüglich die Lethe berauschender Getränke ihn von dieser größten Quaal seines Lebens, der unausgefüttten Zeit, befreien müssen. — Mäßigkeits- Vereine allein werden hier nicht helfen, vielleicht mitunter nur dem Übel eine andere Richtung geben, von geistigen Getränken zu dem noch schädlichern Opium führen, wenn nicht gute Bildungs-Anstalten das Volk seiner Roheit und seiner Langeweile entreißen. Za, wo auf irgend eine Weise ein geistiges Element im Volke sich einheimisch und vorherrschend gemacht hat, da wird eine lange Reihe von Lastern von selbst Zurückbleiben. Es ist hier sehr erfreulich zu bemerken, daß es in der That einen sehr alten Mäßigkeits-Verein giebt, der ohne abzulegendes Gelübde, in ganz freier, ungebundener Weise, viele Tausende, ja Millionen Mitglieder zählt und sich, ohne daß sich bisher die Gefahr eines Rückfalles zeigte, bereits durch Jahrhunderte erhält. Dieser älteste Mäßigkeits-Verein ist das Israelitische Volk. Wer hat je einen Israeliten, auch des gemeinsten Schlages, betrunken in den Straßen liegcnd gesehen? wo versammeln sich Israeliten in den Schenken, um ihren Verdienst zu vertrinken, und in solchem Zustande heimzukehren und die Jhrigen zu mißhandeln? Gewiß kann Liese Erscheinung zum Theil dadurch erklärt werden, daß wenig Israeliten so roh sind, um nicht, in den Stunden der Arbeitslosigkeit, in dem Kreise ihrer Häuslichkeit, an unterhaltenden Gesprächen, kurz an etwas Geistigem sich gern zu Vergnügen und daß Viele, die sich einer äußern Gewerbslhätigkeit des Lebens zugewandt, dmnoch in dem Gedankenkreise religiöser oder wissenlchaftlicher Beschäftigungen, den Vorrath finden, die Stunden ihrer Muße auszufülten und zu benutzen (was z. B. namentlich bei polnischen Juden der Fall ist). In jedem Falle also wird es Psiicht und Zweck der Schule seyn, die Jugend in jene Empfänglichkeit für Geistiges cinzuweihen, sie an einer, für jeden Stand sich eignenden, bessern Befchäftigungsweise Geschmack finden zu lehren. Diesen Zweck erreicht sie nicht bloß, indem sie den wissenschaftlichen Stoff mittheilt, sondern es auch verstehet ein wirkliches Interesse für Solches, was doch außer dem Kreise sinnlicher Genüsse liegt, anzuregen, ein wirkliches Interesse, das dann auch ein bleibendes ist. Wer in der Schule gelernt hat, wahre Freude zu finden an einem Buche, an den Gegenständen einer bessern Unterhaltung, dem wird auch für das Leben diese Angewöhnung bleiben, und er wird durch sie vor manchem Unglück, vor manchen Verirrungen g§- hütet seyn. Aber dieses ist eben das Gcheimniß der Schulbildung, ihre vielfach noch nicht gelöste Aufgabe. Diese Beschäftigung mit den geistigen Gegenständen der Schule muß der Jugend Freude machen (nicht etwa bloß vermittelt durch fremdartige Elemente, als z. B. durch einen Ehrgeiz, der nicht in der Aneignung der Kenntnisse selbst, sondern in den äußern Bürgschaften und Bescheinigungen derselben seine Besriedigung findet). Die Gegenstände des Unterrichtes müssen der Jugend in einer Weise dargeboten werden, cs muß gelingen, deren Interesse für dieselben so anzuregen, daß dies nicht nur bis zur nächsten Stunde dauere, in der von der aufgegebnen Leetion Rechenschaft gefordert wird, oder bis zum nächsten Gramen, sondern daß das Gefallen an denselben, unabhängig von allen dieser! Äußerlichkeiten hafte, daß Lie Elemente der Schulbildung nicht nur mechanisch an den Geist herankommeu, sondern sich in denselben versenken, mit ihm sich verbinden (amalgamiren) und gleichsam zu Einem werden mögen. Wie schwierig dieses sey, welch vielfachen Widerstand es finde an dem leichten Sinn der Jugend, an der Sprödigkeit mancher, gleichwohl notwendigen, Unterrichts-Gegenstände selbst, die so schwer aus einem bloß mechanischen Anschauungskreise herauszureißen sind, und an manchen andern Umständen, welche auszuführen die gemessenen Grenzen dieser Bemerkungen nicht gestattet — wie schwierig es also sey, dies wird Jeder leicht begreifen. Aber wo es gelingt, da