Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 2 (14.1.1843)
- Date
- 1843-01-14
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dürfen wir es selbst ohne Verdruß mit ansehen, wenn nach dem Austritt aus der Schule manches Einzelne von dem Gelernten wieder verloren gehet, indem, so zu sagen, die allgemeine geistige und sittliche Erhebung (Vergeistigung) des Menschen, was als der Vorzuglichste Zweck der Schule bezeichnet worden, doch bleibt, die Gewohnheit sich in den Gedanken mit etwas Besferm zu beschäftigen, eine größere Feinheit des Urtheils, eine im Allgemeinen geschärftere Aufmerksamkeit und in sittlicher Hinsicht, eine größere Zurechnungsfähigkeit, ein geweckteres Pflichtgefühl. Während, wo jenes Ziel nicht erreicht wird, vielleicht ein größeres Maaß mechanisch angehäuften Wissens dem praktischen Leben zugeführt wird, aber dabcüdie ursprüngliche Roheit der Empfindungs - Weise fast unverändert geblieben, das eigentliche und höhere Urtheil wenig geübt und geläutert worden ist. Za, man hat daun nur den niedrigen menschlichen Bestrebungsn neue Mittel, neue Waffen in die Hände gegeben, um ihren Zweck zu erreichen. Statt des Urtheils hat man die List eingcübt, statt wahrer Aufklärung hat man Schcinbildung befördert. Daß dies sich so verhalten könne, darf nicht erst bewiesen werden, tausend Beispiele zeigen, daß das viele Wissen nicht stets die wahre Weisheit sey, und daß wer klug ist, ohne gut zu seyn, durch seine Klugheit nur um so schlechter wird. Alles dies findet in einem bestimmten Umfange natürlich auch auf die Volksschule Anwendung, in der nicht Viel, und namentlich nicht gelehrte Dinge, die über den Horizont dieser Kinder und ihrer Verhältnisse hinausgehen, mitgetheilt werden sollen, bei der es aber um so mehr wichtig ist, daß das Wenige und unumgänglich Nöthige, das gelehrt wird, auf die rechte und auf die recht bildende Weise gelernt werde, weshalb man sich hier vor Allem über die Aufgabe und den Zweck klar geworden seyn muß, nämlich, daß es sich nicht um bloße Kenntnisse handelt, sondern um eine sittliche Grundlage des Lebens, die für die untern Stände eben so wichtig ist, als sie in den höhern Ständen nur irgend seyn kann. S-~z. WMMIVW vw«mvw Notizen. Die polnischen Juden sollen dem Ackerbau zugeführt werden, und der fürstliche Statthalter ist gesonnen, kein Opfer zu scheue», jüdische Ackerbau-Colonien anzulegen.— Der Generalgouverneur von Bibikoff soll in einer Rede, die er an die in Kaminiez Podolsk versammelten polnischen Edelleute gehalten, Folgendes geäußert haben: » Ich wiederhole hier die Worte, die mein Monarch zu mir gesagt hat: -,»Ich will, daß in meinem Reiche die Freiheit der verschiedenen Confessionen in ihren resp. Gebrauchen geachtet werde, und erkläre hiermit, daß ich alle meine Unterthanen, welcher Religion sie auch angehören, glrichachre."" Cerfbeer, ein Israelit, General-Consul von Haiti ist am 22. Sept. v. I. gestorben. Derselbe war 1786 zu Straßburg geboren. Früh schon widmete er sich der Consularlaufbahn und ward 3809 Secrerär des H. L esseps, Kais. Kommissarius auf dm ionischen Inseln. 1822 ging er als französischer Consul nach Amerika. Überall zeichnete er sich sowohl durch Energie als Lurch Menschenfreundlichkeit aus. 1837 ward er zum Interims-Generalconsul von Haiti ernannt, erhielt Vas Kreuz der Ehrenlegion und 1810 das General - Consulat. In allen Verhältnissen blieb Cerfbeer seiner Religion getreu. ״ Sir Moses Montefiore hat eine Einladung nach Petersburg vom Kaiser erhalten. Manche, die den Eifer Les Sir Moses für Syrien und seinen Einfluß auf di« dortige jüdische Bevölkerung kennen und gewohnt sind, in allen russischen Flattereien tiefe Pläne zu ahnen, bringen diesen Umstand mit Montefiores Einladung in Zusammenhang." An Herrn Marks, Geistlichen der neuen Synagoge in London, wurden in diesen Zagen 100 Bettdecken, 100 Flanell-Jacken und 200 paar Strümpfe gesandt, um sie unter arme Israeliten zu vertheilen. Der Brief war unterzeichnet: »eine christliche Dame.” (A. Z. d. I.) Bestellungen auf das ^Sabbath-Blatt" werden von allen Post-Anstalten, Zeitungs-Expeditionen und Buchhandlungen des In- und Auslandes fortwährend angenommen, auch die im verwichcnen Jahre erschienenen Nummern auf Verlangen nachgeliefert. Synagoge in Elbing: Sonnabend, den 11. Januar, beginnt die Predigt gegen 11 Uhr Vormittags. Druck und Verlag von Neumann-Hartmann in Elbing.