Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1968)
- Date
- 1968-12-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO DICIEMBRE 1968 WELTJUDENHEIT SIEH! Nach den Herbstfeiertagen kamen mehrere grosse juedische Delegationen ins Land, die durch ihre Besuche die Solidaritaet der Judenheit des Auslandes mit Israel zum Ausdruck bringen wollten. Wie in jedem Jahre kam auch jetzt eine Studien-Delegation des United Jewisch Appel aus den USA, die der Vorbereitung der Proklamation der Sammlungs - Aktion des UJA diente. In diesem Jahre hatte jedoch die Studien-Mission ein besonderes Gewicht - ihr gehoerten fast 450 Teilnehmer an. Dabei handelte es sich nicht nur um die “altbewaehrten” juedischen Funktionaere aus den Grosstaedten der USA, die schon oefter in Israel gewesen waren, sondern es waren aktive UJA-Mitglieder aus vielen kleinen Orten mitgekommen. In Staedten, die fuer Israel und die Juden der Welt als “abgelegene Gemeinden” gelten, sind diese Frauen und Maenner fuer ihre Gemeinden und fuer die Sache Israels taetig. In den Biographien der Besucher, die anlaesslich der Israel-Reise veroeffentlicht wurden, fand sich immer wieder der Zusatz “in der Gemeindearbeit aktiv”, “staendiges Mitglied des Sammlungskomitees”, “aktiver Fuehrer der Bne Berith” usw. Auch die Ehefrauen, die mit ihren Maennern nach Israel gekommen waren, sind meist aktiv in juedischen Verbaenden taetig und setzten ihre Kraft fuer juedische Erziehung oder fuer Israel-Sammlungen ein. Die Mitglieder der Delegation sollten die “besonderen Beduerfnisse” Israels in diesem Moment kennen lernen, und tatsaechlich verspuerten sie die Situation Israels auf ihren Reisen. Als sie in die Naehe des Suezkanals kamen, wurden sie schleunigst zurueckbeordert, weil es ueber dem Kanal gerade zu einem Luftgefecht zwischen israelischen und aegyptischen Maschinen gekommen war. Sie erlebten auch Grenzzwischenfaelle am Jordan und auf der Golan-Hoehe “fast aus der Naehe” und lernten verstehen, warum Israel die Juden der USA und in der Welt auch in diesem Jahre um Veranstaltung einer Sonderaktion bat. VERSTAENDNIS UND AKTIVE HILFE Waehrend ihres fast dreiwoechigen Aufenthalts im Lande konnten die Mitglieder der Delegation alle Gebiete besuchen und trafen ausserdem mit allen fuehrenden Persoenlichkeiten zusammen. Zu ihnen sprachen der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive Pincus, der Vize- Ministerpraesident Alon, Finanzminister Scherf, der Praesident der Staatsbank Horowitz, Verteidigungsmini s t e r Dajan und der Generalstabchef Barlew. Israels Botschafter in Washington Rabin, der sich gerade in Israel aufhielt, liess es sich nicht nehmen, auch mit der Delegation zusammen zu kommen, und er machte besonderen Eindruck mit seiner Feststellung, dass Israel auf sich selbst angewiesen sei und dass “niemand im Ernstfall fuer das Land den Finger ruehren werde”. Die Teilnehmer der Gruppe hatten auch Gelegenheit, kuenstlerischen Veranstaltungen beizuwohnen, und auf einem Abend fuehrte ihnen die Gruppe der Marine ein typisch israelisches Unterhaltungs-Programm vor. Bereits waehrend der Reise zeichneten die Delegierten hohe Betraege für die kommende UJA- Aktion, und sicherlich wird die Sache Israels von diesen Besuchern auch in vielen hunderten von kleineren Orten in den Vereinigten Staaten verfochten werden. Den Besuchern aus den Vereinigten Staaten folgte eine aehnliche 100 Mann starke Gruppe aus Grossbritannien Diese Gaeste wurden ebenfalls von allen fuehrenden Persoenlichkeiten empfangen, und sie versprachen, die Sammlungsergebnisse in ihrem Lande in der neuen “Kampagne” wesentlich zu steigern. Beide Besuche waren grosse Demonstrationen der Bereitschaft juedischer Fuehrer des Auslandes, Israel weiter zur Seite zu stehen und zeugten von Hilfsbereitschaft und Verstaendnis fuer die Probleme des Landes, das weiter von Feinden umringt ist. Zu diesen grossen Gruppen kam eine dritte kleine hinzu, die jedoch um nichts weniger wichtig war. Es handelt sich um 12 juedische Wirtschaftsfuehrer, die nach Jerusalem zur “Fortsetzungstagung” im Anschluss an die grosse Wirtschaftskonferenz im April kamen. Damals war vereinbart worden, dass kleine Ausschuesse staendig pruefen sollten, was zur Durchfuehrung der Beschluesse der Wirtschaftskonferenz getan wird. Dieses Mal fanden sich u.a. Sir Siegmund Warburg, Lord Israel Sieff und andere Persoenlichkeiten zu der Tagung ein, der ausserdem etwa 25 Wirtschaftsfachleute aus Israel beiwohnten. Den Vorsitz fuehrte Ministerpraesident Eschkol selbst, der auf diese Weise die Wichtigkeit ausdruecken wollte, die er der Weiterfuehrung der Plaene der Wirtschaftskonferenz beimisst. NATIONALPRODUKT GESTIEGEN Der Tagung lag ein instruktiver Zwischenbericht vor, in dem die schnelle wirtschaftliche Entwicklung Israels seit dem Fruehjahr dargestellt wurde. In diesem Jahre wird das Brutto - Nationalprodukt einen Zuwachs von 13% erreichen, die Ausfuhr hat sich nach anfaenglichen Schwierigkeiten um 18% erhoeht, die Arbeitslosigkeit ist einem ausgesprochenen Mangel an Facharbeitern gewichen. Arbeitsminister Almogi wies in seinem Vortrag vor den Konferenzteilnehmern ausdruecklich auf die Engpaesse hin, die sich auf dem Gebiet der Arbeitskraefte ergeben koennen. In den letzten Monaten hatte es mehrfach Debatten gegeben, ob Israel an weiteren Investitionen interessiert ist oder wegen zu erwartenden inflationistischen Drucks fuer Verlangsamung der Investitionen eintreten solle. Die Regierung hat sich inzwischen eindeutig fuer weitere Foerderung des Wirtschaftswachs¬ ISRAEL SOLIDARISCH ZUR SEITE Von unserem Korrespondenten in Israel J. E. Palmon tums entschieden, und die Sprecher des Kabinettes betonten ausdruecklich, dass Israel an zusaetzlichen Investitionen interessiert sei. Nur in manchen Branchen, wie in der Textilwirtschaft, wird ein Stop erforderlich sein. Auf der Tagung wurde ueber eine ganze Reihe von Neugruendurgen im Anschluss an die Wirtschaftsko n f e r e n z des Fruehjahrs berichtet. Besonders wurde die mit Hilfe amerikanisch - juedischer Geschaeftsleute gegruendete Gesellschaft “Atid” gewuerdigt, die in den USA fuer den Absatz israelischer Prod u k t e sorgt und die erheblich zum Aufschwung der israelischen Ausfuhren nach den USA beigetragen hat. ZUSTIMMUNG UND KRITIK Im uebrigen wollten die auslaendischen Besucher nicht nur Lobredner sein, sondern gemaess der Bitte des Ministerpraesidenten Eschkol gab es auf der Jerusalemer Beratung eine offene Aussprache mit kritischen Bemerkungen. Mehrere Teilnehmer raeumten ein, dass die Regierung ihre Versprechungen hinsichtl i c h der Gesetzgebung erfuellt hat. Das Investitionsgesetz wurde vervollkommnet, und die Iiberalisierung der Einfuhren und der Zollpolitik nahm ihren Fortgang. Dagegen bemaengelten mehrere Sprecher, dass Kapital-Investoren immer noch Schwierigkeiten mit der Buerokratie in Israel haetten. Verschiedene Einwaende gegen israelische Gesellschaften wurden vorgebracht, und zum Teil wurde versucht, an Ort und Stelle Aufklaerung ueber die geruegten Maengel zu geben. Die auslaendischen Besucher erhielten dadurch jedenfalls den Eindruck, dass ihre Kritik ernst genommen wird, dass sie nicht nur als “willige” Spender und Geldgeber aufzutreten haben, sondern dass eine wirkliche Schicksalsgemeinschaft geschaf fe n werden soll, in der sie gleichberechtigt mitarbeiten koennen. Dieser Umstand verbesserte die Stimmung auf der Tagung wesentlich. Die Teilnehmer nahmen auch zur Kenntnis, dass eine grosse Gesellschaft fuer indirekte Investitionen (Holding Company), die “Corporation fuer Israel” gegruendet wird. Diese Gesellschaft wird Aktien auflegen und wird sich mit ihrem Kapital an wichtigen Unternehmungen in Israel beteiligen. Vorsitzender der Gesellschaft ist Di Astorre Meyer (Milano), Vizevorsitzender Victor Cartei (Los Angeles). Dr. Foerder von der Bank Leumi wurde Vorsitzender des Exekutiv- Komitees der Gesellchaft, Geschaeftsfuehrer wird dei fruehere Wirtschafts-Gesandte Israels in New York Nachuni Shamir. NEUE BETRIEBE IN ENTWICKLUNGSORTEN Zum Schluss nahmen die Konferenz-Teilnehmer einen Beschluss an, dass jeder Teilnehmer des Regionalkomitees der Wirtschaftskonferenz die Fuersorge fuer einen Entwicklungsort uebernehmen und in diesem Betriebe errichten soll. Im Mai 1969 wird eine weitere Wirtschafts - Konferenz abgehalten werden, und durch die dauernde Zusammen a r b e i t und das Verfolgen der einmal angenommenen Beschlue s s e soll dafuer gesorgt werden, dass diese nicht auf dem Papier bleiben, sondern zur Tatsache werden. Die Teilnehmer der Wirtschaftskonferenz sind aus Jerusalem abgereist, aber schon steht eine weitere Tagung mit juedischen Fuehrern auf der Tagesordnung: Im Januar wird sich die Leitung des CO JO, des Koordinationaskomitees der grossen juedischen Weltorganisationen in Jerusalem versammeln. Dort wird es nicht um Wirtschaft gehen, sondern Ministerpraesi dent Eschkol moechte die politische und moralische Unterstuetzung durch die Juden der Welt in eine mehr konkrete Form bringen und dafuer sorgen, dass diese Israel in dem bevorstehenden schweren Ringen zugute kommt. Ausserdem soll die Kraft der im CO JO vereinigten Gruppen fuer die Staerkung der Einwanderung nutzbar gemacht wer d e n. Auch diese Tagung wird die Zusammen ar beit zwischen Weltjudentum und Israel wesentlich staerken. Die . im Lichte unserer Zeit Die juedische Geschichte kennt neben ihren Geistesheroen auch zwei Heldengestalten im ueblichen Sinne des Wortes: Koenig David und Jehuda Makkabi; beide erlangten Unsterblichkeit im Gedaechtnis ihres Volkes. Mit Davids Namen bleibt die messianische Zukunftshoffnung verbunden und mit Jehuda Makkabi der Aufstand gegen einen maec h t i g e n Feind, der Kampf um die Souveraenitaet und, als Folge, das Chanukkafest. Gewiss, Chanukka ist kein “Fest” im Sinne der juedischen Tradition, doch der juengste aller denkwuerdigen frohen Erinnerungstage der alten Zeit. Beim Kerzenschein der Menorah soll der Jude jede profane Taetigkeit unterlassen und sich Gedanken zuwenden, die Jahr um Jahr neu durchdacht werden muessen. Worum hatte man eigentlich zwischen 168 und 165 vor der ueblichen Zeitrechnung gekaempft? Sicher ist, dass schon vor jener Epoche der Hellenismus alle eigenstaendigen Kulturen des Vorderen Orients zu überschwemmen suchte. Zunaechst hatte aber eine Atmosphaere des Wohlwollens erreicht, dass auch das damalige jüdische Volk sein Herz und seinen Geist bis zu einem gewissen Grade der scheinbar unaufhaltsam vordringenden Weltkultur oeffnete. Die gewaltsame Politik der Beschleunigung des Hellenisierungsprozesses setzte erst unter Antiochus III. ein. Nun waren es Verraeter, Abtruennige in den eigenen Reihen, die den Juden auch frueher nicht gefehlt hatten, die dem Syrerkoenig die gewuenschten Vorwaende zum direkten Eingreifen lieferten. (Eindringlinge von aussen, die eines anderen Volkes Kultur angeblich retten wollen, kennen wir noch heute und erleben sie). Doch, ertsmalig, gab es Widerstand: Das kleine Koenigreich Judaea, das von Esras Zeiten her an der religioesen Idee des "Gottesstaates” festhielt, an den in der Thora verankerten Lebensgesetzen, stellte den Fluten der Fremdherrschaft einen Damm entgegen. Das Vorgehen des Syrerkoenigs, der den Tempel durch Anbringung eines Zeusbildes entweihen liess, um das Volk zum Abfall von der Lehre zu zwingen, hatte zur Folge, dass sich in den Augenblicken hoechster Gefahr der Priester Mathatias und dessen fuenf Soehne erhoben und zum aeussersten Widerstand aufriefen. Dieser Krieg war aber weder ein reinpolitischer bezw. militaerischer, noch nur ein Kulturkampf allgemeiner Art, sondern ein, wenn man so sagen duerfte, “Heiliger Krieg” fuer die Erhaltung von Wesen und Charakter des juedischen Volkes, die auf der Einheit von Volkstum und religioesem Geist basieren. Zweifellos wollte die Volksmajoritaet am Erbe Esras, der Volk und Lebensgesetz unloeslich miteinander verbunden hatte, festhalten, v/aehrend die dam a 1 i g e n “Assimilanten”, die “hellenistisch-orientierten” Juden, geblendet vom Glanze griechischer Lebensformen, dem Grundsätze huldigten: “Lasst uns doch mit den Voelkern, ringsum eins werden, denn, seitdem wir uns von ihnen abgesondert haben, hat uns viel Unglueck betroffen”. (1. Buch der Makkabaeer). GEIST SIEGT UEBER GEWALT Die makkabaeische Erhebung hatte das juedische Volk aus einer Gefahr befreit, die vielleicht die bis dahin grösste seiner Geschichte gewesen ist. Das Wunder der Rettung Israels nach den beiden Tempelzerstoerungen mag erstaunlicher sein; doch nur in der Epoche der Makkabaeer hatte sich auf Feindesseite ein solch durchdringender geistiger Vormarsch mit dem militaerischen Angriff verbunden, wodurch die Gefahr der voelligen Vernichtung in unmittelbare Naehe gerueckt war. Nur langsam und unter immer neuen Rueckschlaegen gelang das Werk der Makkabaeer, und deren Endsieg waere ohne die vielen Thronwirren in Syrien vielleicht doch nicht erreicht worden. Aber die Taten Jehudas und seiner Brueder gehoeren zu den grossartigsten der Geschichte. Bewiesen wurde durch sie auch einmal mehr, dass “Gott nicht bei den (Fortsetzung Seile 19) 81^749