Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1968)
- Date
- 1968-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/8553624-8560271-9195119--5549-8560452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DICIEMBRE 1968 BOLETIN INFORMATIVO 9 Phantom aus dem Arsenal der U.S.A. - Symptom fuer die Politik der U.S.A. Ende November war die Lieferung von 50 Phantom- Flugzeugen an Israel eine beschlossene, wenn nicht eine vollzogene, Tatsache. Die Maschine gilt heute als das raffinierteste Kampfmittel zur Beherrschung der Luft. Sie duerfte fuer das naechste Jahrfuenft das darstellen, was die Mirage III im verflossenen war: das schnellste staerkste beste Kampfflugzeug, den sowjetischen Rivalen um eine gute Nasenlaenge voraus. Damit scheinen die fuer Israels Sicherheit Verantwortlichen, von Mosche Dajan bis zum letzten Buergersoldaten, von ihrer groessten Sorge befreit. Der durch die massiven russischen Lieferungen erwirkte quantitative Umschlag zugunsten der Aegypter ist, durch diesen qualitativ neuen Faktor, wettgemacht. Um ihn zu annullieren, muessten diese entweder in der Lage sein, fuer eine noch viel groessere Anzahl sowjetischer Maschinen Piloten, Techniker und sonstiges Personal auszubilden: sie hinken jedoch darin offensichtlich bereits den bisher schon empfangenen hinterher. Oder aber sie muessten mit dem Einsatz russischer Flieger selbst rechnen koennen. Weil damit fuers erste nicht zu rechnen ist, wird sich Nassers Muetchen fuer eine neue “Runde” in der naechsten Zeit erheblich abkuehlen. Darueber hinaus wird der Moment fuer ihn kommen, in dem er seine Politik, dass “was durch Waffengewalt verloren wurde, nur durch Waffengewalt wiedererobert werden kann”, einer gruendlichen Revision wird unterziehen muessen. In der Vergangenheit waere es denkbar gewesen, dass er diese Revision nicht vornimmt, sich neuen Einsichten aufgrund neuer Gegebenheiten verschliesst und schnurstracks einer heiligen Kriegskatastrophe entgegensteuert. Heute geht das nicht mehr: dazu haben die Herren Realpolitiker aus Moskau die Zuegel schon zu straff in der Hand. Und da sie aus Prestigegruenden kein neues arabisches Debakel mehr dulden koennen, den zu einem Triumphzug notwendigen eigenen Einsatz aber keineswegs zu leisten bereit sind, haben sie sich auf eine “politische Loesung” verlegt. Tatsache ist, dass die 50 Duesenjaeger jedoch auf politischem Gebiet mindes t e n s ebenso schwer wiegen wie auf militaerischem: die Phantom aus dem Arsenal der U.S.A. sind ein Svmptom fuer die Politik der U.S.A. ENTSCHEIDENDE WOCHEN Noch im September schien “s, als ob Botschafter Rabin in Washington tauben Ohren predigte. Nicht nur im traditionell araber-freundli c h e n State - Department, sondern auch im Weissen Haus schien man die israelische Besorgnis ueber die staendig wachsende materielle Ueberlegenheit der revancheluestemen Verlierer aus dem Vorjahre fuer uebertrieben zu halten. Hinzu kam die aus Vietnam heimgebrachte Unlust, sich in Uebersee in Risiken zu engagieren, sowie die mit jedem Tag, den die Wahlen naeher rueckten, sich mindernde Entschlusskraft der scheidenden Administration. Und nicht nur das: in verschiedenen grundsaetzlic h e n Fragen schienen sich erhebliche Gegensaetze zwischen dem nordamerikanischen und dem israelischen Standpunkt anzubahnen. Zuverlaessigen Informationen zufolge draengten die U.S.A. ihre israelische Freunde vor allem auf folgende Konzessionen: o Unterzei c h n u n g des Atomsperrvertrags Aufgabe der Forderung nach “direkten Verhandlungen” ® Verzicht auf militaeri- Sche Repressalien. Ob diese Forderungen in die Form von “Bedingungen” an die Lieferung der Phantom- Jaeger gekoppelt wurden, vermag natuerlich niemand zu sagen. Wenn dem so war, wurden sie spaeter teilweise wieder fallen gelassen, sodass Aussenminister Eban mit gutem Gewissen berichten konnte: “An die Lieferung sind keine Bedingungen geknuepft”. Jedenfalls schien Ende September fuer Russen und Aegypter der Moment zum Handeln gekommen. Militaerisch wies Israel eingestandenermassen ein empfindliches Defizit in der entscheidenden Waffengattung aus, politisch verlor es an Rueckendeckung bei seinem einzigen Buergen. Worauf also warten? Die hauptsaechlichen Moeglichkeiten schienen sich wie folgt zu profilieren: ® Eine aegyptische Kommandoaktion auf der Sinai- Halbinsel, durch die sowjetische Flotte und Luftwaffe in aehnlicher Form abgeschirmt, wie dies 1956 die franzoesischen Flieger fuer Israel taten. Der erhoffte Anfangserfolg sollte dann durch einen neuen Feuereinstellbefehl des Sicherheitsrats konsolidi e r t werden. ® Russische Bagger unternehmen die Saeuberung des Suez-Kanals und zwingen Israel zu einer militaerischen “Provokation”. Je nach dem weiteren Verlauf der Dinge finden sich die Sowjets zu der jeweils notwendigen direkten Intervention bereit, die den gewuenschten aegyptis c h e n Sieg, zumindest aber die Rueckeroberung des oestlichen Kanalufers gewaehrleistet. O Der offensichtlich gewordene Wunsch der U.S.A., Israel weniger rueckhaltlos zu unterstuetzen als dies seit dem Sechstagekrieg der Fall gewesen war, soll ausgenuetzt werden, um Israel politisch zu isolieren. Ist dies erst gelungen, sollte es ein leichtes sein, sogar eine politische —oder schlimmstenfalls militaerische— Loesung aufzuoktroyieren. Als Gromyko in New York zur Vollversammlung der UN eintraf, war die vorlaeufige Entscheidung schon gefallen: zugunsten der dritten Alternative, zumindest in der Form, es erst noch einmal so zu versuchen. So kam es, dass der sowjetische Aussenminister in seiner mit Spannung erwarteten Rede einen gemaessigten Ton anschlug und die im Vorjahr von Kossygin hysterisch vorgebrachte Forderung auf Rueckzug der Israelis in der hoechst diplomatischen Formulierung einer “politischen Loesung” vortrug. Was er verkaufen wollte, war die fuer Israel toedlich bittere Pille einer bedingungslosen Kapitulation; fuer U. S. A. aber praesentierte er sie aussen verzuckert mit dem Kandis einer truegerischen “Stabilitaet”. Deren Ingredienzen: Aufhebung des Kriegszustands, Garantie der Grossmaechte, Diskussion ueber freie Schiffahrt. Im gleichen Atemzug beschuldigten er und alle seine arabischen Lautsprecher Israel ob des Scheiterns der Mission Jarring. Was den Kreml dazu bewogen hatte, die politisch-militaerische Konjunktur nur so vorsichtig zu handhaben und damit im Endeffekt ungenutzt verstreichen zu lassen, wird fuer immer ein Raetsel bleiben. Man darf aber unterstellen, dass die folgenden Ueberlegungen eine Rolle gespielt haben: Wenn Israel auch einer militaerischen Garantie der U.S.A. entbehrt, so koennten die Amerikaner doch nur bei einem sehr raschen Feldzug untaetig bleiben. Selbst wenn ihnen das Schicksal Israels gleichgueltig waere, was es wohl nicht ist, so kann dies in Bezug auf ein weiteres Uebergreifen des sowjetischen Engagements vom Mitelmeer auf die Kuenstenlaender keineswegs der Fall sein. Das Risiko ist also ganz gewaltig gross. © Selbst wenn die U.S.A. nicht eingreifen, ist die Moeglichkeit eines israelischen Erfolgs auch gegen direkte Sowjet-Intervention nicht von der Hand zu weisen. So absurd dies klingt, ist man in NATO- Kreisen nahezu ueberzeugt, dass die logistischen Probleme der Russen sowohl Israel wie auch dem bedrohten Jugoslawien sehr konkrete militaerische Erfolgs - Chancen bieten. ® Im September war die psychologische Schockwirkung des Ueberfalls auf die CSSR noch gewaltig gross. Weder der UN im Moment der Vollversammlung gegen ueber, noch den U.S.A., mit denen die Sowjet-Union nach wie vor zur Entspannung strebt, noch den nichtregierenden kommunistischen Parteien des Westens gegenueber wollte der Kreml zum zweiten Mai in dreissig Tagen die Rolle des Angreifers spielen. DIE WENDUNG Am 9. Oktober sprach Abba Eban in der Vollversammlung (siehe J. E. Palmon' “Israel fordert dauerhaften Frieden”). Und in der gleichen 0 MONATSSPIEGEL Woche gab das Weisse Haus bekannt, Praesident Johnson habe Weisungen gegeben, die Fachleute moegen die israelische Forderung auf Verkauf von 50 Phantom-Duesenjaegern im Detail pruefen. Was war geschehen? In erster Linie hatte sich wohl in Washington die Einsicht durcligesetzt, dass nicht nur ein starkes Amerika die beste Garantie fuer Israel ist, sondern ein starkes Israel die beste Garantie dafuer, ein amerikanisches Engagem ent im Mittleren Osten zu eruebrigen. Die in den letzten Monaten auftretenden Meinungsverschiedenheiten betr a f e n wohl alle mehr oder weniger die Details; im Grunde genommen stimmen aber beide Partner, der ferne grosse, sowie der kleine, der mittendrin steckt, darin ueberein, den Frieden zu wuenschen. In diesem Sinne bestaetigte auch Praesident Johnson in einer faelschlich als Wahlpropaganda interpretierten Rede seine 6 Punkte von Juni 1967, die darin gipfeln, vor einer Rueckkehr zu den Bedigungen des Waffenstillstands und der Grenzen von vor dem Sechstagekrieg zu warnen. Hinzu kam, dass ungefaehr zur gleichen Zeit das Hauptquartier der NATO die durch die Besetzung der CSSR geschaffene Situation neu geprueft hatte. Die Oeffentlichkeit erfuhr davon durch den Beschluss, von neuen Luftstuetzpunkten in Italien aus die russische Mittelmeerflotte staerker zu beschatten. Weitere Entscheidungen strategischer Natur sind zweifellos getroffen worden und der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass eine Staerkung des israelischen Scharniers —sowie die weitere Schliessung des Suez-Kanals— darin eine Rolle spielen muessen. Auf die Bedeutung dieses letzteren Faktors deuten auch die sonstigen Bemuehungen, die Sowjets selbst nach erfolgtem Rueckzug der Englaender soweit wie moeglich vom Persischen Golf fern zu halten: dies geht aus den saudiarabisch-iranischen Gespraechen,. den Phantom-Lieferungen an den Iran und dem unverminderten royalistischen Widerstand im Jemen hervor. Was nun die Frage der amerikanisch-israelischen Diskrepanzen anbetrifft, so erfuhren zumindest zwei von den eingangs erwaehnten drei eine glueckliche Loesung. Zum Thema der Verhandlungen legte Abba Eban die erwuenschte flexiblere Haltung an den Tag, als er erklaerte, Israel sei bereit, ueber Botschafter Jarring auch ueber “substantielle Fragen” und nicht nur ueber Prozedurfragen zu verhandeln. Ja, er bewies sogar, dass Israel die Initiative in dieser Richtung bereits mehrfach ergriffen hatte und den arabischen Aussenministern auf diesem Wege —d.h. indirekt!— konkrete Vorschlaege unterbreitet hatte. Diese neue und elastischere Haltung hatte, abgesehen von der an Washington adressierten Konzession, den greifbaren Erfolg, Botschafter Jarring zur Fortsetzung seiner Arbeit zu ermuntern. Das “Scheitern” der Mission, von Russen und Arabern vorzeitig hinausposaunt, hatte sich nicht produziert; die gluehenden Kohlen, die sie auf Israels Haupt gesammelt hatten, erkalteten. Ebenso erkaltete, ohne israelisches Zutun, der Enthusiasmus des Praesid e n t e n J ohnson zur Perfektionerung des Atomsperrvertrags. Israel hatte seit jeher zwei schwerwiegende Gruende, sich der Unterzeichnung dieses dubioesen Instruments zu widersetzen. Der eine: Russen und Araber sitzen in der Kontrollkommission, wir aber niclft. Der andere gehoert zu den ganz wenigen Themen, die in Israel der Presse-Zensur unterliegen, und hat mit dem wissenschaftlichen, technischen und militaerischen Fortschritt des Landes zu tun. Man moechte den Besitzern gewisser Waffen kein Monopol auf immer zuerkennen. Das moechten aber viele andere auch nicht, zumal seit der Invasion der CSSR. Und, was wohl ausschlaggebend war: der Senat der U.S.A. ist in seiner Mehrheit seit jener Nacht vom 21. - 22. August auch dagegen, den Vertrag zu ratifizieren. NACH DEN WAHLEN Wie man mit einem aufatmenden Rueckblick auf die gefaehrliche Zeit des quasi Interregnums vor den Praesidentenwahlen feststellen kann, genuegte die Aufnahme der Verhandlungen ueber die Flugzeuglieferung, um den Revanchisten Schach zu bieten und ihre Initiative zu laehmen. Dass die Entscheidung ueber die tatsaechliche Lieferung sehr bald nach den Wahlen fiel, hat viele gute Gruende, manche sehr einfach, manche komplizierter. Hier einige: © Es ist die konsequente Fortsetzung der im Vorjahr eingeschlagenen Politik, unbeschadet gelegentlichen Zoegerns oder gewisser Abweichungen. ® Man darf annehmen, dass der scheidende und der kommende Praesident sich in diesem Punkt vollkommen einig sind. © Darueber hinaus hat Johnson durch die rasche Lieferung Nixon einen Dienst erwiesen, indem er den Arabern gegenueber damit noch sein eigenes, ohnehin heillos verschuldetes, Konto belastet hat. Bleibt jetzt die Frage, welche Mittelost-Politik Nixon im allgemeinen einschlagen wird. Das ist zweifellos ein Thema fuer sich und bedarf gesonderter Behandlung. Vorwegnehmen sollte man vielleicht nur zwei Dinge. Das eine, auf die Person des neuen (Fortsetzung Seite 21)