Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 7 (Julio, 1968)
- Date
- 1968-07-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 BOLETIN INFORMATIVO JULIO 1968 Tibor Porpes: “Judaeas Odyssee Dass Tibor Porges Interessen, Hobbys und Faehigkeiten besitzt, ist uns nicht unbekannt. und, diejenigen, die diese bei ihm kennen, werden das gern bestaetigen. Schliesslich kennen wir ihn schon viele Jahre. Wir verlebten gemeinsam schoene Zeiten in Valdivia, wo er mit seinem Holzgeschaeft begann, das er in Santiago heute noch weiterfuehrt. Ein grosser Kenner und Sammler von “Judaica” auf Briefmarken, besitzt Porges wohl eine der komplettesten Sammlungen dieses Themas. Briefmarken geschmackvollst geordnet, die, auch im Entferntesten, mit dem Judentum verknuepft sind, alles dies unterlegt mit Dokumenten, Stempeln, Zeitungsausschnitten usw. aus der ganzen Welt. Die guten Vorlaeufer von Israel besetzen selbstverstaendlich ihren Ehrenplatz in seiner kompletten Israel- Sammlung. Ein bekannter Sammler von Couverts von Erstlingsfluegen, Ersttagscouverts, Eroeffnungsrouten, von Flugzeugen oder Ballons abgeworfene Korrespondenz, im Meer in Postsaecken aufgefundene Briefe von abgestuerzten Apparaten, explodierten Zeppelinen, von Nord- und Suedpolfahrten und vielem mehr. All dies sorgfaeltig und mit viel Liebe und Kenntnis praesentiert. Man wuerde Stunden und Tage brauchen, um alles mit Verstaendnis zu bestaunen. Dass unser Freund aber eine dichterische Ader besitzt, die, zumindest fuer uns und die Aussenwelt, ploetzlich geplatzt ist, das war fuer mich eine Ueberraschung. In geschmackvoll aufgemachtem Umschlag ein Buechchlein: Tibor Porges “Judaeas Odyssee”; zwei Zeichnungen schmuecken ihn: die Knesset und ein brennender Scheiterhaufen. Gedruckt im Verlag “La Novela Cosmopolita”. (Umschlagzeichnung: Alexander Jung). Auf der dritten Seite sehen wir die Fotografie von Porges. Unser Freund hat viel Humor und wir dachten zuerst an einen seiner Witze, doch, nachdem ich das Buch durchzublaettern und zu lesen begann, waren wir erstaunt. Der Inhalt der Gedichte hat mich gepackt und ich las es noch in derselben Nacht aus. Verse, kurz gefasst, doch mit viel Inhalt unseres juedischen Schicksals seit Bestehen der Welt, in geschickter Reihenfolge, oft tragisch, manchmal auch mit etwas Humor. Er offenbart sich selbst in einigen Gedichten (“Es war einmal ein Maedelchen”) in privat-sentimentalen Gefuehlen, vergisst nicht seine neue Heimat -Chilezu ehren, seinen Aufenthalt und das Erdbeben im Sueden in Reime zu fuegen, die kulinarische Kunstappetitlich” zu wuerdigen (“Heimweh”). “Es werde Licht": So beginnt Porges die oft selbsterlebten Ereignisse in Verse zu schmieden, “Wurde nicht Licht, um das Schoene zu zeigen? Den Menschen den Weg in der Schoepfung zu weisen?” Die Gedichte: “Fuenf Baende”, “Einsamkeit”, Rabbi Schemtows Denkmal”, Ihre letzte Makkabiade 1937. (Zilina- Tschechoslowakei) sagen uns viel, “Nostradamus” und “Wenn wir das Gesicht verhuellen” geben uns viel zu denken. Es wuerde weit fuehren, alle 47 Gedichte zu analysieren oder zu besprechen, aber es ist nicht uebertrieben, wenn ich mir gestatte zu behaupten, dass alle drei Teile dieses Baendchens: “Im Galut”, “Gruebeleien” und “Heimkehr” ein wertvoller Beitrag zur Literatur unseres Volkes sind. “Waehrend dieses Buch gedruckt wurde, erlebt Israel ein neues Kapitel in der Geschichte. Von Hundert Millionen Feinden um seine Existenz bedroht, schreibt Israel ein Heldenepos, wuerdig der Groessten und Besten der Voelker. Es wird in aller Ewigkeit besungen werden”. So sagt es uns im Anhang Tibor Porges, der auch in seiner “Trilogie zum Siege 1967” ein hochaktuelles historisch wertvolles Gedicht der Nachwelt zum Geschenk macht. Zum Schluss nennt Porges diese Epoche das “Wunder im Lande der Bibel” mit dem Wunsche, den Gruss zu dem zu bringen, was er bedeutet: “Schalom”. Victor Krauskopf Das Leben eines grossen juedischen Arztes und Forschers Prof. Dr Bruno Kisch: "Wanderungen und Wandlungen" Dieses aus dem Nachlass des am 12. August zu Bad Nauheim dahingegangenen sehr bedeutenden Wissenschaftlers Prof. Dr. Bruno Kisch erschienene Buch ist aus zwei Gruenden besonders wertvoll: Einmal ist es der Werdegang, die Entwicklung eines Gelehrten, der viel erlebt und erfahren hatte; zum anderen ist dieses Menschenschicksal auf das engste mit dem juedischen Gesamterlebnis, der Katastrophe des mitteleuropaeischen Judentums zwischen 1933 und 1945, verbunden. Ein knapper Ueberblick an dieser Stelle und von Seiten des Laien aus kann begreiflicherweise nichts wiedergeben von dem Aufstieg des Arztes und Forschers, seinen Experimenten und seinen Neu-Entdeckungen. Was uns hier beschaeftigen muss, ist das Menschen- und Judentum dieses Wissenschaftlers, seine Begegnungen mit bedeutenden Berufskollegen, seine Stellungnahme zur juedischen und nichtjuedischen Umwelt in den verschiedenen Wohnlaendern, wohin ihn die “Wanderung”, das Exil, trieb. Kisch war ein deutschboehmischer Jude, wie man damals, zur Zeit der alten oesterreichisch - ungarischen Monarchie, noch sagen konnte, der am 28. August 1890 in Prag zur Welt kam als Sohn des angesehenen Gemoinderabbiners an der alten Meisel- Synagoge, Dr. Alexander Kisch, zugleich Gymnasialprofessor in Prag, der mehr als dreissig Jahre in dieser Stadt segensreich gewirkt (Greven—Verlag, Koeln) hatte. Die Familie vaeterlicherseits konnte auf eine lange Reihe bedeutender Maenner zurueckblicken, die von allerhoechster Stelle aus wiederholt ausgezeichnet worden waren. Auch die Mutter stammte aus einer altehrwuerdigen Familie in der boehmischen Provinz. Es ist ein langes, ausserordentlich - inhaltsreiches, Kapitel dieser Lebenserinnerungen, das von einer behueteten Jugend im Eltemhause erzaehlt, von einer hochstehenden, kulturellen, Atmosphaere, von dem Zauber des alten Prag um die Jahrhundertwende, als das Kind auf die Hohe Schule kommt, von den mannigfachen Eindruecken jener unwiderbringlich - dahingegangenen Zeit. Bewundernswert, wie der vielbescheaftigte, sich aufreibende Vater die Erziehung des jungen Menschen ueberwacht, seine geistigen Interessen mit tiefer Sympathie verfolgt. Kisch erzaehlt in seinem Buche des oefteren von der seltsamen staatlichen Zusammenfuegung der elf Nationalitaeten, die einst das Habsburger - Reich bildeten, von ihren inneren Gegensaetzen, die haeufig nur noch durch die beliebte und respektierte Figur des alten Kaisers Franz Joseph zusammengehalten wurden. Er bejaht aber prinzipiell dieses merkwuerdiga Gebilde der Doppelmonarchie und betrachtet es als einen ungeheuren Fehler der Siegermaechte von 1918, das alte Reich aufgeloest zu haben. Noch viele Jahre spaeter, in der amerikanischen Emigration, bekennt sich Kisch prinzipiell zum Zusammenleben jener nationalen Minderheiten, die, wie zum Beispiel in Prag, bei aller oftmaligen aeusseren Befehdung, sich doch auf so vielen Gebieten ergaenzt, sich gegenseitig kulturell bereichert haetten. Seine Studienjahre in Prag von 1908-13 ziehen an uns vorueber, sein Bestreben, sich ueber die Medizin im engeren Sinne hinaus mit physikalischer Chemie, mit Pharmakologie und allgemeiner Biologie intensiv zu beschaeftigen, wird deutlich. Doch kaum hat Kisch die Staatspruefungen, den Doktorgrad, hinter sich, als der erste Weltkrieg ausbricht. Er meldet sich freiwillig als Militaerarzt. Eindrucksvoll sind dessen Erlebnisse, die er schildert, haeufig voller Gefahren; er bringt es zum Oberarzt, der jedoch Gelegenheit hat, auch waehrend des Militaerdienstes seine Studien fortzuseten. Mit 29 Jähen finden wir Dr. Kisch als Privatdozenten in Koeln, wo er an dem Neuaufbau der alten Universitaet mitwirkt, die seit langem von der Bonns ueberfluegelt worden war; einige Jahre danach ist das Ziel erreicht: dem “ausserordentlichen Professor” folgt bald das Ordinariat. Diese rund anderthalb Jahrzehnte bezeichnet der nunmehrige “Ordentliche Universitaetsprofessor fuer Physiologie” als die gluecklichsten seines Lebens. Er gruendet eine Familie, kann infolge (Fortsetzung Seite 21) r -Bo KOKST UHD LITERATUR ZUM ABLEBEN VON EDNA FERBER Unmittelbar nach den Pessachtagen starb in USA die grosse juedisch-amerikanische Erzaehlerin Edna Ferber im Alter von fast 82 Jahren. Mit Romanfiguren, in denen sie fuer Amerika gueltige Frauentypen geschaffen hatte, stand diese Schriftstellerin innerhalb der grossen klassischen Tadition, die einst von Mark Twain ihren Ausgang nahm. Ihre Werke wurden volkstuemlich, und Probleme des modernen Frauenberufslebens standen vielfach im Mittelpunkt; die Gestalten der besten ihrer Buecher praegten sich' dem Gedaechtnis des Lesers ein. Edna Ferber wurde zu Kalamazoo im Staate Michigan als Tochter eines armen juedischen Kaufmanns geboren. Bald nach ihrer Geburt siedelten die Eltern nach Appleton im Staate Wisconsin ueber, wo Edna ihre Kindheit zubrachte. Frueh schon musste sie die Sorge fuer eine grosse Familie uebernehmen, und sie begann ihre Karriere als schlechtbezahlte Reporterin einer kleinen Provinzzeitung. Spaeter vermochte sie, zu grossen Zeitungen hinueberzuwechseln und schliesslich bei der bedeutenden “Chicago Tribüne” zu landen. Ihr erstes Buch von Format “Dawn O’Hara” erschien 1911 und eroeffnete Edna Ferber eine ruhmreiche Laufbahn. Dieses und fast alle spaeteren Buecher spielen in amerikanischen Kleinstaedten. Im Jahre 1925 publizierte sie “D a s Komoediantenschiff” (Showboat) ein Werk, das durch Film und Radio weitgehende Verbreitung finden sollte. Die beste Sehaffenszeit dieser Autorin lag etwa zwischen 1930 und 1940, in der u. a., “Amerikanische Schoenheit” und “Cimarron” veroeff entlieht wurden. Dieser letztgenannte Roman, auch spaeter verfilmt, wird noch heute viel gelesen. Eines ihrer bekanntesten Buecher ist “Fanny herseif”, das Realistik mit etwas Sentimentalitaet verbindet. Stets wusste diese Schriftstellerin durch die hohe Gabe ihrer Erzaehlungskunst alle Volkskreise zu fesseln, weil sie selbst sich dem wechselvollsten Leben tief verknuepft fuehlte. Alles Ungestueme, Abenteuerliche, fand Resonanz in dem fuer das Heitere, Bezaubernde, aufgeschlossenen Sinne dieser Frau, die auch tiefes Verstaendnis und Mitgefuehl fuer Bitteres und Erschreckendes im menschlichen Dasein besass. Edna Ferber, eine bewusste Juedin und amerikanische Patriotin, hinterlaesst eine weite, dankbare Lesergemeinde. Curt Wilk. "Anatevka/ ist ein grosser Erfolg Shmuel Rodensky strahlt: Das Musical “Anatevka” ist ein grosser Erfolg geworden. Bis zum 31. Dezember werden allein in Hamburg ueber 300 Auffuehrungen absolviert sein. Nach der Sommerpause im Juli — die Rodensky in Israel verbringen will — wird das Stueck erneut im Hamburger Operettenhaus gespielt werden, so dass bis Ende des Jahres bei vollem Haus 360.000 Zuschauer Tevje dem Milchmann und seinen fuenf Toechtern zugejubelt haben werden. Am 9. Juni ging die 150. Auffuehrung ueber die Buehne, und Rodensky sagte: “Das Interessante ist, dass viele junge Menschen zu mir in die Garderobe kommen, um mit mir auch ganz andere Fragen zu diskutieren. In grosse Geschaefte Hamburgs kann ich schon kaum mehr gehen. Dann wollen die Leute Autogramme von mir”. Das kann ich nur bestaetigen, denn als ich mit ihm nach einer Aufnahme fuer unseren neuen Film “Israel in Deutschland” wenige Minuten auf der Strasse vor dem Theater stand, wurde er sofort von jungen Menschen umringt und um Autogramme gebeten. Auch die Schmid-Produktion, die “Anatevka” in Hamburg inszeniert und dafuer 700.000 DM vor der ersten Auffuehrung investiert hat, ist mit dem Erfolg zufrieden. Am 9. Januar 1969 wird Shmuel Rodensky einen neuen Hoehepunkt mit seinem Milchkarren erleben. Es ist der Tag der vorgesehenen Premiere im “Theater des Westens” in Berlin. In einer ersten Etappe soll das Musical dort bis Ende Mai 1969 laufen, um dann im September — nach einer Renovierung des Theaters waehrend der Sommerpause — erneut gezeigt zu werden. Fast gleichzeitig bereitet die Schmid-Produktion eine Auffuehrung von “Anatevka” mit einem voellig neuen Ensemble vor, um im Februar 1969 — auch mit einem neuen Tevje — damit ins “Theater an der Wien” in Oesterreichs Hauptstadt zu gehen. Auch die Langspielplatte “Anatevka” von der Hamburger Auffuehrung ist ein absoluter Sensationserfolg. In vier Monaten wurden ueber 30.000 Platten verkauft. In der Hitparade der Langspielplatten rangiert sie an 6. Stelle. Rolf Vogel.