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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-07-01 · 7 (Julio, 1968) · p. Seite 19

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JULIO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 19 KURT R. GROS5MANN: Carl von Ossietzky und die Gegenwart Zum 30. Todestag des Friedensnobelpreistraegers Kurt R. Grossmann. 1926- 1933 Generalsekretär der Deutschen Liga iuer Menschenrechte, Ist der Verfasser der einzigen im Westen erschienenen Ossietzky Biographie (OS¬ SIETZKY, Ein deutscher Patriot, Kinder 1963, 1964, 1966) fuer die der Autor den Albert - Schweitzer- Buchpreis erhielt. “In dieser schmerzvollen Stunde, wo wir von Carl von Ossietzky Abschied nehmengewiss keinen Abschied von seiner geistigen Persoenlichkeit, die fortleben wird ueber diesen Tag hinaus, ich wage es auszu sprechen, ueber unsere Epoche hinaus, draengt es mich vor allem zu sagen: Dieser Carl von Ossietzky war eine einmalige Persoenlichkeit, von der es keine Kopie geben kann und geben wird. “Diese Worte sind meiner Gedaechtnisrede entnommen, die ich am 15. Mai 1938 in Prag hielt. Als uns damals die Nachricht vom Tode dieses modernen Ulrich von Hutten erreichte, die wir befuerchteten und erwarten mussten, zogen die zwanzig Krisenjahre 1918- 1938 an unserm Geiste vorueber. Ossietzky hatte den Mut zur nationalen Selbstkritik; er verwarf die widersinnige Praemisse “Right or wrong, my country”. Mit der Feder, mit Wort und Beispiel hat er immer wieder demonstriert, dass nicht alles erlaubt sein kann, “was gefaellt”. Fuer ihn war das Leben eines Volkes nicht das Streben nach Macht, sondern er spuerte —wie keiner— die Sturmzeichen und deutete sie mit dem Ziel, Deutschlands verspaeteten Auftritt auf der Weltbuehne in die Kanaele des Geistigen und Vernuenftigen zu lenken. Der tiefere Sinn seiner Sendung war den Geist zu Macht werden zu lassen. Meine Voraussage, dass Ossietzky ueber unsere Epoche hinaus wirken wuerde, hat sich erfuellt; aber seine Persoenlichkeit und sein geistiges Wirken sind in der Erscheinungen Flucht, je nach dem eigenen politischen Standort, verzerrt worden. KAEMPFER UND VISIONAER Carl von Ossietzky war ein Skeptiker, ein scharfer Beobachter der politischen Szene der in den Abgrund schliddernden Republik. Er beklagte die “Republik ohne Republikaner” und in seinem beruehmten Artikel “Das Ende der Pressefreiheit” (Die Weltbuehne, 29.III.1932) schieb er verzweifelt: “... jetzt geht man systematisch daran, die blosse Skepsis auszurotten, die theoretischen Zeugnisse einer anderen Denkart..."’. Da er das Primat des Militarismus verwarf, so folgerte er: “Wer die kriegerischen Tugenden nicht als die hoechsten auf Erden schaetzt, ist von vornherein verdaechtig und laeuft Gefahr konfisziert zu werden. So soll die oeffentliche Meinung uniformiert werden... ”, Ist es daher glaubwuerdig, was Bruno Frei, Wien, einer der aeltesten linientreuen Kommunisten von Weimar bis Ulbricht, in seiner Biographie tut, Carl von Ossietzky fuer seine Partei zu reklamieren? Ossietzky hatte sich 1932 bei der Praesidentenwahl nicht fuer das kleinere Uebel Hindenburg entschieden, sondern gab seine Stimme als Zeichen des Protestes fuer Ernst Thaelmann ab. “Ich bin kein Ratgeber auf dem Praesidentenmarkt, und wer einer Partei angehoert, wird im Endkampf zwischen Disziplin und besserer Überzeugung durchwegs der Disziplin den Vorrang geben. Gern haette ich als parteiloser Mann der Linken fuer einen akzeptablen Sozialdemokraten wie Paul Loebe oder Otto Braun gestimmt... ”. Da kein solcher Kandidat vorhanden war, “muss ich schon fuer den Kommunisten stimmen”. Die Stimme fuer Thaelmann bedeutete kein Vertrauensvotum fuer die KPD. Natuerlich hat Ossietzky (wie wir alle) oft das schreiende Unrecht und die unterschiedliche Behandlung der Kommunisten beklagt und kritisiert. Endlich hat er sich klar gegen rote wie braune oder schwarzweiss-rote Uniformierung des Geistes ausgesprochen. Alfred Kantorowicz hat Ossietzkys, von den Kommunisten immer wieder als “Beweis” angefuehrtes Bekenntnis am 17. Maerz 1933 in einem kleinen Saal am Bayrischen Platz vor den Berliner Schriftstellern, angesichts des Uberflutens der braunen Welle, aufgeschrieben: “Wir waren verschworen fuer die Grundsaetze der Verfassung der Republik, die wir vom ersten Tage ihrer Geburt an verteidigt haben gegen den Willen der berufenen Hueter der Republik, wie nun von Tag zu Tag deutlicher wird. Wir betrachten die Demokratie nicht als einen Vorwand; wir meinten sie... Nicht immer bekennt sich mein Verstand zu der heute so verschmaehten Demokratie — aber mein Herz folgt unwiderstehlich dem Zuge der proletarischen Massen; nicht dem in Doktrinen einge- kapselten Endziel, sond e r n dem lebendigen Fleisch und Blut der Arbeiterbewegung, ihren Menschen, ihren nach Gerechtigkeit brennenden Seelen. Ich gehoere keiner Partei an. Ich habe nach allen Seiten gekaempft; mehr nach rechts, aber auch nach links. Heute jedoch sollen wir wissen, dass links von uns nur noch Verbuendete stehen. Die Flagge, zu der ich mich bekenne, ist nicht mehr die schwarz-rotgoldene Flagge dieser entarteten Republik, sondern das Banner der geeinten antifaschistischen Bewegung. Und ich, der Pazifist, reihe mich nun ein in das grosse Heer, das fuer die Freiheit kaempft... ”. Diese Worte wurden am Niedergang der entarteten Republik gesprochen, in der die gesamte Linke der Staatsfeind geworden war. Ossietzky sprach von der gesamten “antifaschistischen B e w egung”, von dem “Heer, das fuer die Freiheit kaempft”. Ist es denkbar, dass er sich der Disziplin eines roten monolitischen Parteiapparates unterworfen haette, mit einem Walter Ulbricht als Fuehrer, einem der Exekutoren des “in Doktrinen eingekapselten Endziels”, welches Carl von Ossietzky ablehnte? Was die Kommunisten nie verstehen wollten, war die Tatsache, dass wir “Libera- 1 e n”, “Nichtkonformisten”, “Menschenrechtler” in der Verfolgungsstunde uns zur Abwehr des braunen Unrechts mit allen antibraunen Kraeften solidarisiert haetten, um, wie Ossietzky erklaerte, “fuer die Freiheit zu kaempfen”. Dieser Auffassung war der lebende Ossietzky treu geblieben, was man von den Kommunisten nicht behaupten kann. Gerade heute, da die deutschen Studenten von revolutionaer klingenden Ideen betoert sind - Mao, Raete, Vermassung, Freiheit ohne Verantwortung, ja Gewaltanwendung - sollten sie sich intensiver denn je mit dieser einmaligen Gestalt, der gaerende Sauerteig im republikanischen Staatswesen, beschaeftigen, um zu lernen, wie Carl von Ossietzky nur mit geistigen Waffen, mit Überzeugung und Gewissen gegen den Strom geschwommen ist: Unheil und Gefahren zu verhüten - manches Mal irrend, aber nie der Gefahr, für seine Sache einzustehen, aus dem Wege gehend. Seit dem 1. April 1926 gehoerte Ossietzky zum festen Mitarbeiterstab der 1905 gegründeten “Weltbühne”. Nach dem Tode Siegfried Jacobsohns führte er die Redaktion für Kurt Tucholsky und wurde einige Monate spaeter der Leiter des Blattes. In drei Prozessen erschien Ossietzky als verantwortlicher Redakteur für Artikel, die er nicht selbst geschrieben, aber für die er einstand, zweimal vor den schwarzen und einmal vor den roten Roben. Alle drei Prozesse betrafen Fragen der Rüstungen und Soldaten. Ossietzky wusste sehr wohl, dass die Freiheit nicht etwas ist, was man geschenkt bekommt. Er hatte seinen Weg gewaehlt und ging ihn konsequent. Carl von Ossietzky trat am 10. Mai 1932, begleitet von dreihundert Geistigen, seine achtzehnmonatige Strafe im Gefaengnis in Berlin-Tegel an. Am 22. Dezember 1932 wurde er durch die Beharrlichkeit der Sozialdemokratischen Partei in die allgemeine Weihnachtsamnestie eingeschlossen. Wir holten ihn abends aus dem Gefaengnis ab. Er kehrte wieder zu seinem Schreibtisch zurück und veröffentlichte seine feurigen Artikel, bis er, trotz Warnung, am 28. Februar 1933 in den frühen Morgenstunden verhaftet wurde und sein Golgatha über den Alexanderplatz, Spandauer Gefaengnis, Columbushaus, Sonnenburg, Papenburg begann. Er wurde misshandelt und gedemütigt. Die Welt draussen lernt taeglich mehr von dem Grauen drinnen, und Ossietzkys Freunde, darunter Willy Brandt, Hilde Walter, Milly Zirker, Otto Lehmann-Russbüldt und ich, versuchten das Unmögliche. Auf Anregung von Berthold Jacob begannen wir im Jahre 1934 eine Kampagne, Carl von Ossietzky, den Gefangenen, den “fast Toten” für den Friedens-Nobelpreis vorzuschlagen und einflussreiche und vorschlagsberechtigte Persönlichkeiten in der Welt dafür zu gewinnen. Mehr als 1000 Vorschlagsberechtigte, darunter Clement Atlee (England), Professor André Philip (Frankreich), de Broukere und Vandervelde (Belgien), Thomas Mann, Albert Einstein, Friedrich Stampfer, erklaerten sich für Ossietzky. Am 23. November 1936 entschieden fünf unabhaengige Maenner in Norwegen, Carl von Ossietzky den Friedens-Nobelpreis für 1935 zu geben. Es war das erstemal, dass ein Maertyrer des Friedens diesen Preis erhielt. Es war die grösste Niederlage, die das sogenannte “Emigrantenpack” Hitler zufügte. Wutschnaubend verbot Hitler die Annahme weiterer Nobelpreise. Unsere Hoffnung, dass Ossietzky die Ausreise nach Oslo gestattet werden würde, erfüllte sich nicht, denn trotz aller gegenteiligen Erkläerungen der Nazis war er kein freier Mann. Der Dichter René Schickele hatte im Jahre 1918 in einem Aufruf für die Deutsche Liga für Menschenrechte geschriebe: “Was aber Europa betrifft, so ist die Fackel des Geistes noch nie erloschen. Noch immer waren die Laeufer unterwegs, die die Fackel mit dem heiligen Feuer von Hand zu Hand ins Dunkel tragen”. Das bleibt der würdige Epilog für Carl von Ossietzky, denn warhlich, er blieb ein Laeufer sein Leben lang, der die Fackel mit dem heiligen Feuer ins Dunkel trug. FUNDE AN DER TEMPEL-SUEDWAND den fast 1900 Jahren, die seit des der Juden gegen die der Zerstörung Jerusalems Römer. vergangen sind, dieses Gebiet Da die Ausgrabungen sich staendig bewohnt war. Die eigentlich erst im Frühsta- Münzen, Tonscherben und dium befinden und sich Hausgeraete, die man fand, wahrscheinlich einige Jahre weisen darauf hin, dass die hinziehen werden, ist anzuunterste Schicht aus der Zeit nehmen, dass noch weitere des Zweiten Tempels stammt, und wichtigere Entdeckungen und aus der Zeit des Aufstanzu erwarten sind. ISRAEL EXPORTIERT MOEBEL Genau ein Jahr nach der Befreiung von Jerusalem grub die archaeologische Gruppe unter Leitung von Prof. Benjamin Masar den Boden des Platzes vor der Tempel- Mauer aus der Zeit von Herodes aus. Die Ausgrabungsflaeche betraegt vorlaeufig nicht mehr als drei Mal drei Meter. Aus den zwei Metern Schutt, die sich darüber befanden, konnte man über jeden Zweifel hinaus feststellen, dass die Steine und die Fund-Objek"te aus der Zeit der Tempelzerstörung durch Titus stammen. Die Steine des Fussbodens, von denen jeder einzelne etwa eine Tonne wiegt, wurden spiegelglatt geschliffen vorgefunden. Darüber fand man vier Mauersteine, die zweifellos von der Mauer heruntergefallen waren und deren Gewicht auf je fünf bis sieben Tonnen geschaetzt wird. Mit Erreichung des Fussbodens vor dem Haupttor zum Tempelplatz hat man die 13. Zivilisationsschicht der archaeologischen Ausgrabungen an dieser Stelle gefunden, ein Beweis dafür, dass in In den letzten beiden Jahren hat die Möbelindustrie Israels sich überraschend schnell entwickelt und ist auch zu einem Exportfaktor geworden. Besondere Erfolge in dieser Beziehung konnten in den Vereinigten Staaten erzielt werden. Nunmehr soll der israelische Möbelexport weiter ausgebaut werden, und die Central Export and Industrial Development Company in Tel-Aviv hat einen hübschen illustrierten Katalog israelischer Möbel herausgebracht. Dieser Katalog ist nicht aufdringlich mit Angaben von Preisen und Einzelheiten. Er beschraenkt sich vielmehr darauf, zunaechst einmal die Modelle mit ihren schönen Farben auf den Beschauer wirken zu lassen. Der auslaendische Interessent wird nach jedem Blatt daran erinnert, dass er Erzeugnisse aus dem Heiligen Lande vor sich hat, denn auf eingeschalteten Zwischenblaettern werden Bibelverse gebracht, die irgendwie mit Ausstattung von Raeumen, Möbeln und Ruhebedürfnis des Menschen in Zusammenhang stehen. Der Vize - Generaldirektor des Handels- und Industrieministeriums, Birger, hat in äinem Vorwort diesen künstlerisch schoen ausgestalteten Möbelkatalog begrüsst.

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