Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 7 (Julio, 1968)
- Date
- 1968-07-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 BOLETIN INFORMATIVO JULIO 1968 Ein “Gerechter” besucht Israel Von Herbert Freeden (Perusalem) r “Wenn man durch Israel faehrt, hat man das Gefuehl, durch ein Gemaelde zu reisen’’ sagt mir Arnim T. Wegner, der 82-jaehrige Dichter, der zum 6. Mal zu Besuch im Lande weilt - zum zweiten Mal im Staate Israel. “Buntheit, Farbigkeit, gewundene Strassen - auf der anderen nim T. Wegner...” Diesmal wurde ihm die Ehre zuteil, in der “Allee der Gerechten" auf dem Gedenkberg von Yad Vashem ueber Jerusalem einen Baum zu pflanzen. “Ich habe dreimal in meinem Leben Baeume gepflanzt” sagte er, “aber die Setzlinge, die ich in Deutschland und Ita- Menschen Geschaffenes zu sehen,, nicht etwas Gewordenes”. “Als ein Selbstvertriebener fuehle ich mich hier zuhause”, gesteht er, “hier ist in manchen Kreisen reiner und tiefer das erhalten, was einmal zu den besten Eigenschaften der Deutschen zaehlte. Ich bin alt und Deutschland ist mir fremd geworden - die Menschen, die mir nahe standen, sind tot oder in der Welt verstreut. Wenn ein grosses Leid ein Volk befaellt, so nennt man es ‘Heimsuchung’: ob das deutsche Volk in seiner Gesamtheit heimgefunden hat, darueber bin ich im Zweifel”. Immer wieder trieb es ihn in das Land Israel. “Vielleicht weil ich ein Nachkomme von Kreuzfahrern bin”, fuegt er laechelnd hinzu und zeigt mir den Siegelring an seiner Hand - mit dem von einem Schwert durchstochenen Halbmond. Da wir uns in Jerusalem treffen, frage ich ihn nach seinen Eindruecken von der Stadt. Vor etwa 35 Jahre hatte er geschrieben: “Ich gehe durch die Stadt, Jerusalem zu suchen. Wir alle tragen es in uns, Mohammedaner, Christen, Juden, wie wir es einmal in der Kindheit ertraeumten - das Jerusalem unseres Herzens”. Ja, er erinnert sich noch gut jener Passage seines im Jahre 1932 erschienenen Palaestinabuches” Jagd durch das tausendjaehrige Land”, das eigentlich “Jakobs Kampf mit der Erde” heissen sollte, aber vom Verleger aus Angst vor den Nazis umbenannt wurde - ohne dass es dadurch seinem Verbot entging. “Jerusalem heute?”, sinnt Dr. Wegner. Er spricht von einer '‘verwirrenden Grossartigkeit”. “Jerusalem ist schoener geworden... es bietet ein vergroessertes und veraendertes Bild... Auf der anderen Seite - mir ist, als habe ich einen Knaeuel Bindfaden in der Hand und suche, wie die Wege zusammenhaengen”. Als er als erster deutscher Gast im Jahre 1950 auf Einladung der Regierung Israel besuchte, begruesste ihn der hebraeische Schrifts t e 11 e r Emanuel Bin Gorion: “Wir wollen stets gedenken, dass die Stimme, die da von der Erde (Adamah) schreit, die Stimme dessen ist, der von der Erde genommen ist, des Menschen (Adam). Sehr wenige haben das Anrecht auf diesen Ehrennamen wie Ar- CLUB VIENES Huérfanos 760 (Seitengasse vis-a-vis Cine Tivoli) Neu eingerichtet, gemuetliches Milieu, ladet alle Freunde ein, unsere deutschen, ungarischen und oesterreichischen Spezialitaeten zu kosten. Maessige Preise Mittags und abends geoeffnet schrieb ihm ein junger Deutscher: “Dies ist nicht nur erlebtes Leben, dies ist erlittene Wahrhaftigkeit” - ein Zeichen, dass die junge deutsche Generation dabei ist, Arnim T. Wegner fuer sich zu entdecken. Eh SOHDER-BERItHT FBI m B.L Seite das Gefuehl, etwas von lien der Erde anvertraut hatte, waren ohne Bestand. Moege der Baum in Jerusalem lange Zeit gruenen!”. Anlaesslich der 20 Jahrfeier des Staates Israel erhielt er in Rom vom israelischen Botschafter Ehud Avriel die “Medaille der Gerechten”, nachdem er 1962 mit dem Preis der Stadt Wuppertal "fuer das versoehnende Gespraech zwischen Menschen und Voelkern” ausgezeichnet worden war. Schon als 9 Jaehriger wurde sein Gefuehl der Mensch- ’ichkeit erweckt, als er zufieUte im “Berliner Tageblatt” von den Pogromen an Armeniern las. Im 1. Weltkrieg kam er mit dem tuerkischen Heer nach Bagdad und sah die Austreibung der Armenier mit eigenen Augen - er wurde einer der wenigen. die in der Weltpresse ihre Stimme fuer das verfolgte Volk erhoben. Dieses wache Gefuehl der Menschlichkeit leitete seine Feder und sein Tun. 1933 opferte der erfolgreiche Schriftste Iler, dessen Russlandbuch “Fuenf Vinter ueber Dir” und dessen Kinderroman” Moni oder die Welt von unten” Bestseller in vielen Sprachen wurden, seine Karriere, seine Freiheit, seine Gesundheit und schrieb seine inzwischen beruehmt gewordene Mahnung an Hitler: “Der Tag wird kommen, da der erste April dieses Jahres nur noch eine schmerzliche Scham in der Erinnerung aller Deutschen hervorrufen wird... Wenn Deutschland auch vielleicht die Juden entbehren mag, was es nicht entbehren kann, sind seine Ehre und Tugend”. Folterung durch die SS im beruechtigten Kolumbiahaus in Berlin und ein Leidensweg durch Konzentrationslager und Gefaengnisse waren die Antwort. Als im Jahre 1947 Ricarda Huch in Berlin die Gedenkrede auf die von den Nazis umgebrachten deutschen Dichter hielt, erschien der Name Arnim T. Wegner auf der Totentafel - er hatte in Italien ueberlebt, aber in Deutschland blieb er verschollen, denn die Erlebnisse hatten ihn verstummen lassen, und dieses Schweigen waehrte zwanzig Jahre. Heute hat er endlich wieder zum Wort zurueckgefunden, mit der Hilfe seiner Gattin, die wie seine erste Frau Juedin ist, in seinem Heim in Rom und in seinem selbstgezimmerten Haus auf der Insel Stromboli. Unla engst ¿en vuelo TEL-AVIV? 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