Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 6 (Junio, 1968)
- Date
- 1968-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/8553624-8560271-9195112--5482-8560388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUNIO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 17 KURT R. GR DSS MANN: Monumentale Aufgaben Ungenuegende Loesungsversuche Humphrey und Rockefeller — erklaerte Praesidenlschaflskandidaien Arthur Goldbergs scheidet aus. 50MDEK-BERICHI Als am 30. April, der immer noch charmante Gouverneur von New York, Nelson A. Rockefeller, in Albany, der Hauptstadt des Staates New York, vor die Mikrophone und zahlreiche Pressevertreter trat, wusste es jeder, dass er sich nunmehr durchgerungen hat, ein offizieller Kandidat fuer die Praesidentschaft der Republikanischen Partei zu werden. Hinter ihm sassen seine engsten und wichtigsten politischen Freunde, die immer wieder auf ihn gedraengt hatten, der Partei eine Wahl zu geben. Entscheidend fuer Rockefellers Meinungsaenderung waren aber die Ergebnisse der Erkundigungsfahrten des Senators Thurston Morton von Kentucky und des frueheren Abgeordneten William Miller, der im Jahre 1964 mit Barry Goldwater als Vizepraesidentschaftskandidat das Rennen gewagt hatte. Miller galt als ein solcher Reaktionaer und Gegner Rockefeller, dass seine Aufnahme in den intimen Rockefellerkreis berechtigte Fragen ausloest. In jedem Falle, das Ergebnis der Erforschung des Landes hat bewiesen, dass Nixon keineswegs, wie NEWSWEEK behauptete, die Mehrheit der Delegierten der GPO auf seiner Seite hat. Rockefeller habe eine gute Chance, trotz seiner enttaeuschenden Erfahrungen 1964 in San Francisco zum Kandidaten der Partei erhoben zu werden. Die Erklaerung Rockefellers bekraeftigte, ja bestaetigte diese Analyse. Die Abstemplung politischer Persoenlichkeiten als “Liberale”, “Konservative” oder sonstwie koenne in der heutigen Zeit nicht mehr vorgenommen werden. Das Land stehe so ausserordentlich grossen Problemen gegenueber, welche es bisher mit ungenuegenden Mitteln zu loesen versuchte, dass es Rockefellers politische Philosophie ist, den Versuch zu machen, dem Lande das Vertrauen in seine Institutionen zurueckzugeben, es frei zu erhalten. Rockefeller hatte kuerzlich zum Beispiel ueber die brennenden Aufgaben in den Staedten gesprochen, fuer deren Loesung und Erfuellung sofort 150 Mrd. Dollar (600 Mrd. DM) notwendig seien. Sein Hauptrivale Richard Nixon hat diese Rede als utopisch abgetan, ja angedeutet, dass nach alter republikanischer Doktrin Einsparungen notwendig seien, um den Haushalt zu balancieren. Rockefeller kam in seiner Pressekonferenz auf seinen Plan zurueck, den er nicht nur verteidigte, sondern als einen der wichtigsten Programmpunkte projizierte. DIE CHANCEN IM WAHLKAMPF Rockefeller stuerzt sich nun in die Wahlkampagne, nachdem keine Moeglichkeit besteht, seinen Namen in irgendeine der Vorwahlen zu praesentieren. In derselben Situation befindet sich Hubert Horatio Humphrey, der seine Kandidatur vor kurzem erklaert hat. Der Unterschied zwischen der Rockefeller- und der Humphrey - Kandidatur ist natuerlich betraechtlich. Humphrey wird es ebensowenig an Wahlgeldern fehlen wie Rockefeller, denn eine Reihe von Wall-Street- Millionaeren werden dem Vizepresidenten beisprin gen. Waehrend Rockefeller jedoch seine eigene Politik und seine eigene Philosophie im Wahlkampf entwickeln kann, von jeder Mitverantwortung der letzten vier Jahre unbelastet ist, laeuft Humprey, wie er es selbst zum Ausdruck gebracht hat, auf der Basis der Kennedy-Johnson-Humphrey Politik, ihrer Erfolge oder Misserfolge. Waehrend Rockefeller weder fuer den Beginn des unglücklichen Vietnam-Krieges noch fuer seine Aufstockung verantwortlich ist, und er sich bereits jetzt fuer eine rasche, ehrenhafte Beendigung dieses Krieges unter Einbeziehung der Nationalen Befreiungsfront in eine Koalitionsregierung ausspricht, musste Humphrey zugeben, dass er der Bombardierung Nordvietnams oberhalb der 17. Parallele zugestimmt hatte. Die Schwier i g k e i t Humphreys wird es sein, sich von der Johnson-Politik zu distanzieren, ohne die persoenlichen Beziehungen zwischen ihm und Johnson zu trueben, waehrend Rockefeller in der Beurteilung dieser Frage vollkommen frei und unabhaengig ist. Es ist beinahe kein Kunststueck mehr, zu den Tauben gezaehlt zu werden, die sich selbst in dem Gebaelk des Sta te Departaments eingenistet haben. Aber Rockefellers Staerke gegenueber Humphrey ist, das er als einer der reichsten Maenner des Landes Sinn und Verstaendnis fuer die unerlaesslich notwendigen Aufgaben hat. Er will das Land einigen, und so will es Humphrey. Das kann man als einen Gemeinplatz abtun, denn entscheidend ist, wie man diese Einigung erreicht. Die naechsten Wochen werden also lebhafte Debatten im Wettlauf zum Weissen Haus hervorrufen. DIE VORWAHLEN Humphrey hat die Geschichte gegen sich; denn seit Martin van Buren im Jahre 1836 gelang es keinem Vizepresidenten, im Wahlkampf das Weisse Haus zu erobern. Zugegeben, dass die Position des Vizepraesidenten seit Eisenhowers Tagen wichtiger geworden ist, seine Verantwortung groesser, seine Beziehung zum Volke dank Fernsehen intensiver. Aber nichtsdestoweniger hat Humphrey die Kandidatur noch nicht in der Tasche. Entscheidendes haengt von den Ergebnissen der Vorwahlen ab, in denen, wenn ueberhaupt, sein Name nur als “Schreib-in” figurieren duerfte. (Fortsetzung Seite 18) Ein paar Moscheen, zwei koptische Kirchen - Kantara. Kein Mensch ist auf der Strasse, nicht einmal ein Hund. Die Geschaefte sind mit Rollaeden gesperrt, die Haueser leer oder zerschossen. Es heisst, dass von den 15.000 Einwohrern der Stadt etwa tausend geblieben sind. Aber die einzigen Zivilisten, die wir sehen, sind drei Araber, die in der Kantine kalte Getränke verkaufen. Einer von ihnen hat ein von Krankheit entstelltes Auge - ein Trachom. Der Kantine sieht man die besseren Tage an, sie liegt in einem schattigen Gartenlokal an einem baumbestandenen Boulevard. Dann lassen wir unseren Wagen stehen und gehen zum Schlagbaum. Der israelische Posten, dem wir den Erlaubnisschein zeigen, telefoniert. Ein junger Leutnant kommt uns entgegen. Der Schlagbaum hebt sich. Der Leutnant heisst Joram und stammt aus einem Kibbuz im Galil. Wir folgen ilm durch eine schmale Gasse, die zum Suez-Kanal führt. In den Bars und Kneipen, von denen nur Schilder uebrig geblieben sind, haben sich einst Matrosen und Seeleute amuesiert; in den ausgebrannten Laeden wurde einmal mit Touristen gefeilscht. Ploetzlich stehen wir vor der Wasserstrasse, die hier etwa 100 Meter breit ist. Auf der anderen Seite liegt Kantara West. Die beiden Haelften der Stadt waren durch Bruekken verbunden, die gesprengt wurden. Hier fuhr der Expresszug Beirut-Kairo. Ein Hafenkran ragt verbogen in die Luft. “Sie koennen auf den Kai hinuntersteigen, aber nur nach rechts”, sagt Jordam. Wir schauen nach links, sehen keinen Unterschied zwischen den beiden Seiten, doch gehorsam halten wir uns rechts. “Machen Sie keine Faxen und stecken Sie nicht etwa einen Fuss ins Wasser”, warnt er dann. FERNROHRE UND DER STATUS QUO In 100 Meter Entfernung sind die aegyptischen Stellungen, die jede Bewegung auf dem oestlichen Ufer durch Fernrohre verfolgen. Drueben wie hueben weht auf je einem der Haeuser die Fahne der Vereinten Nationen, die hier ihre Beobachter stationiert haben. Aber zuerst wird geschossen, dann gefragt. Toedliche Ruhe liegt ueber dem Wasser. Kein Kahn bewegt sich, kein Ruderschlag, kein Schiff. Nichts ist zu hoe- FUR DIS B.I SUEZ - KANAL Von Herberl Freeden ren, nicht einmal das Summen eines Motors. Wer den Kanal benutzt, verletzt den status quo. “Duerfen wir fotografieren?”. “Ja”. “Duerfen wir durch den Feldstecher gucken?”. “Ja”. “Schiessen d i e Aegypter manchmal?”. “Manchmal”. “Ich kann drueben niemand sehen”. “Die zeigen sich nicht gern”. “Aber wir hier laufen doch auf dem Kai herum?”. “Die Aegypter haben ein anderes Temperament”. 40 Kilometer suedlich liegt Ismailia, zwar nicht die grösste, aber die eleganteste der vier Kanalstaedte. Auf unserer Seite gibt es nur die ruinierten Haeuser eines ärmlichen Vorortes. Auf einer Tafel mit einem Wegweiser hat jemand zum Scherz gekritzelt: “Diskothek zum Sonnenaufgang”. Wir klettern ein paar Stufen. Oben sitzen ein paar israelische Soldaten in der Sonne. Einer spielt Guitarre. Unten glitzert der Kanal. Gegenueber, wie vom Kriege unberuehrt, die eigentliche Stadt - die Strandpromenade, ein Park, Haeuser mit prunkvoll orientalischen Fassaden, andere in modern funktionellem Stil, auf einem evakuierten Hotel ist die UN-Fahne gehisst. “Sehen Sie auf der aegyptischen Seite jemals Menschen?”, fragen wir die Soldaten. “Zivilisten niemals”. Sie haben hier eine herrliche Aussicht”, sagen wir und deuten auf die Boulevards, die im Tageslicht funkeln. “Schauen Sie einmal wochenlang auf die gleichen leeren Haeuser”, gibt uns einer zur Antwort und macht ein saures Gesicht. Weiter geht’s nach Sueden, am grossen und kleinen Salzsee vorbei und an den Silhouetten der vierzehn stekkengebliebenen Frachter, die hier vor fast einem Jahr in den arabisch-israelischen Konflikt hineingeraten sind und seitdem festliegen. Der Wuestenwind treibt den Sand wie Wellen ueber die Chaussee und hier lind da schiebtein Traktor in der Art eines Schneepfluges den Sand an den Rand des Fahrweges zuruecck. TOTE STADT UND SCHWARZE SKELETTE Am Ausgang des Kanals in den Golf streckt sich am Westufer die Stadt Suez. Jede Stadt am toten Kanal scheint ausgestorben. Wer von den 200.000 Einwohnern geblieben ist, laesst sich schwer sagen. Hier weitet sich das Wasser bereits und die Strassenzuege auf der anderen Seite sind nur imdeutlich zu erkennen, Gespenstisch ragen die schwarzen Skelette der Oel-Raffinerie auf, die von den Israelis unter vernichtenden Beschuss genommen worden war, nachdem die Aegypter den Zerstoerer “Eilath” versenkt hatten. Wo immer wir fahren - gelber Wuestenstaub in grellem Sonnenlicht. Tag um Tag, Nacht um Nacht schuettet der Sand des Sinai die Strassen zu, loescht Wege aus, dringt ins Wasser und langsam laesst er auch den Kanal versanden, den seit einem Jahr kein Bagger beruehrt hat. In neun Monaten hat die 13 Meter tiefe Fahrrinne ueber zwanzig Zentimeter verloren. Im November 1969 jaehrt sich die feierliche Eroeffnung des Suez-Kanals durch die Kaiserin Eugenie von Frankreich zum hundertsten Male. Damals schloss der Khedive von Aegypte.n mit der Suezkanal-Gesellschaft einen Konzessionsvertrag ueber 99 Jahre ab. Als Praesident Nasser im Jahre 1956 diesen Vertrag brach und den Kanal nationalisierte, u nternahmen Frankreich und Grossbritannien ihre Militaerische Aktion gegen Aegypten. Heute, kaum zwoelf Jahre spaeter, hat die Frage, ob der Suez-Kanal fuer die internationale Schiffahrt wieder zugaenglich gemacht wird, viel von ihrer Bedeutung verloren... denn dieser Verbindungs-weg, einst ein Symbol des Fortschritts, ist selbst in Gefahr, vom Fortschritt ueberholt zu werden. Schon lange vor dem Sechs Tage-Krieg war die Tendenz spürbar, mehr und mehr “Supertanker” zu bauen, die wegen ihrer Ausmasse den Suezkanal nicht passieren koennen. Nach einer Schaetzung duerften im Jahre 1970 an die 180 Tanker mit einer Tonnage von je 200.000 - 300.000 Tonnen auf den Weltmeeren fahren. Allein seit der Sperre des Suez-Kanals sind über einhundert Riesentanker in Auftrag gegeben worden, die ihn wegen ihres Tiefganges nicht benuetzen koennten, selbst wenn er wieder geoeffnet werden sollte... und was mehr ist, nicht zu benuetzen brauchen, denn der Oeltransport mit Supertankern um das Kap stelU (Fortsetzung Seite 23)