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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-02-01 · 2 (Febrero, 1968) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXX (1968)
Issue
2 (Febrero, 1968)
Date
1968-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 BOLETIN INFORMATIVO FEBRERO 1968 DR. ABNER NECHUSCHTAN, TEL-AVIV MOSCHE DA JAN: “Wenn Sie es wuenschen, bin ich bereit, Ihnen mein Portefeuille ohne Verzug zur Verfuegung zu cfpllpn” LEVI ESCHKOL: “Wir befinden uns weiterhin im nationalen Notstand. Aber unter normalen Umstaenden haette ich Ihren Ruecktritt angenommen”. Noch niemals war es in den zwei Jahrzehnten der ¡Existenz des Staates Israel unter Regierungsmitgliedern vorher jemals zu einem auch nur annaehernd so erbitterten Wortwechsel wie diesem gekommen. Allerdings war vorher auch noch kein Minister hierzulande oeffentli c h e n Orts je so unversoehnlich schroff gegen seinen Regierungschef aufgetreten wie Dajan auf der Tagung seiner bengurionistischen Partei, der "Liste der Arbeiter Israels”, wenige Tage vor der stuermischen Kabinettssitzung vom 17. Dezember. Dieser Konflikt ist indessen keineswegs so neuen Datums. Mosche Dajan hatte seine ausserordentliche Volkstuemiichkeit als “Der Sieger von Sinai”, seit dem Feldzug im Herbst 1956, vor etwa zwei Jahren fast von Beginn an der Austrittspartei geliehen, die David Ben Gurion als Protest gegen seinen Amtsnachfolger Levi Eschkol als Konkurrenzunternehmen zu dessen gemaessigt - sozialistischer Mapai ins Leben gerufen hatte, wenn er auch noch einige Zeit lang in Eschkols Regierung ohne sonderlichen Einfluss als Landwirtschaftsminister recht und schlecht amtiert hatte. Erst die Krise am Vorabend des vorjaehrigen Junikriegs katapultierte ihn in eine Schluesselposition zurueck, die seinem Koennen entsprach. Wie es dazu kam, plauderte er noch waehrend der Kriegswoche in einem Gespraech mit dem nach Tel- Aviv geflogenen italienischen “Newsweek” - Korrespondenten aus. “Eschkol wollte mich nicht, aber die oeffentliche Meinung zwang mich ihm auf. Er schlug dem Fuehrungs ausschuss der Mapai vor, zum Sicherheitsminister statt meiner den Arbeitsminister Jigal Alon zu machen” (der sich 1948 im israelischen Unabhaengigkeitskrieg als hoher Offizier ausgezeichnet hatte). Und nun, wortwoertlich: “To hell with Alon, wiesen ihn seine eigenen Parteifreunde zurecht, we want Dajan!” Zwar ist auch der Wahrheitsgehalt dieses Interviews angezweifelt und nicht nur - und mit Recht - die Indiskretion als solche bemaengelt worden. Aber feststehen duerfte, dass der Ministerpraesident der Berufung des sprichwoertlichen Lieblingsjuengers seines Widersachers Ben Gurion nur unter mannigfachem Druck zustimmte. Da Mosche Dajan dann bekanntlich entscheidend zum Gelingen des vorjaehrigen Blitzkriegs beitrug, hatte Eschkol diesen Entschluss nicht zu bereuen, mochte er ihm vor einem halben Jahr noch so schwer gefallen sein, Als verantwortlicher Staatsfuehrer war er gerechtfertigt. Als massgeblichem Exponenten seiner Mapai stellte sich ihm nun jedoch vordringlicher die Aufgabe, die Beziehungen zu seinem Sicherheitsminister auch parteipolitisch zu entlasten. Als der Krieg unausweichlich geworden war, hatte er allerdings auch andere Vertreter des oppositionellen Lagers zur “Regierung der nationalen Einheit” herangezogen, die er zu diesem Zweck damals bildete, so Menachem Begin, den Vorsitzenden der rechtsnationalistischen “Freiheitspartei”. Mit ihr kam es zu einem praktisch bis heute ausreichenden Mass des gegenseitigen Geltenlassens. Im Falle der Bengurionisten konnte dieses Gentlemen’s Agreement schwerlich genuegen. Das war dem Ministerpraesidenten von vornherein schon im Hinblick darauf klar, dass es noetig sein werde, einen Dajan, der wie kein anderer im Scheinwerferlicht der Oeffentlichkeit steht, staerker “einzuordnen” als durchdas Paradox seiner Teilnahme an einer Regierung, die “der Einsiedler von Sde Boker” erbittert bekaempft. Folgerichtig strebte er nichts geringeres als die Verschmelzung der “Liste der Arbeiter Israels” mit seiner Mapai an. Die Bemuehungen dazu gehen schon auf ein, zwei Jahre zurueck, aber nun intensivierte Herr Eschkol sie mehr und mehr. Und nachdem es ihm und seinen Freunden vor kurzen gelungen war, eine andere der drei rechts von der israelischen K. P. stehenden sozialistischen Parteien, die aktivistische “Achduth Avoda” (Arbeits-Einheit”), mit der Mapai zu fusionieren, scheint diese Dreier-Ehe soeben tatsaechlich Wirklichheit geworden zu sein, mag es auch noch manche Wochen, dauern, bis sie ihre Geburtswehen restlos ueberwunden haben wird. FUSION NICHT OHNE KONFUSION Auf der Tagung der Bengurionisten naemlich kam es vor besagter Regierungssitzung zum Sieg der Fusionsanhaenger - wenn auch zu keinem ueberwaeltigenden. Fuer diesen Schritt, im Effekt also fuer die Selbstaufloesung der “Liste der Arbeiter Israels”, stimmten nur cca. 58 Prozent der mehr als 1000 Delegierten, obwohl dafuer kein anderer als der angesehene Generalsekretaer der bisherigen 30 años INDUSTRIA MADERERA FERNANDO MAYER S.A. FABRICA DE MUEBLES INSTALACIONES MUEBLES PARA: SU HOK3AR OFICINA LOCAL COMERCIAL GENERAL VEAsQUEZ 1280 FONOS 95872 98575 STG0. Partei eingetreten war, der fruehere Vize - Sicherheitsminister Schumon Peres. Die uebrigen 42 Prozent folgten dem diesmal uebrigens zurückhaltender als bei frueheren Gelegenheiten formulierten Nein Ben Gurions. Wie verlautete, beabsichtigt er, auch hinfort der Knesseth, nun aber als Abgeordneter einer “Ein-Mann-Frak tion” anzugehoeren, um seinen Widerstand gegen das Regime des nach seiner Meinung moralisch wie sicherheitspolitisch unzureichenden Eschkol weiterhin auch parlamentarisch zu symbolisieren. Dagegen ist es wahrscheinlich, dass sich die uebrigen Neinsager schliesslich fuegen werden, statt sich mit ihm zu einer Splittergruppe zusammenzuschliessen. Uneroertert bleibe hier die ganz andere Frage, ob der israelischen Demokratie die Bildungs eines arbeiterparteilichen Grossblocks bekoemmlich sein wird, der nach der jetzigen fraktionellen Zusammensetzung 59 von 120 Angeordneten, also fast die Haelfte umfassen wird. Das Abstimmungsergebnis wuerde guenstiger fuer die Befuerworter des Parteien - Zusammenschlusses ausgefallen sein, waere Dajan, der die Teilnehmer der Tagung fast noch mehr als David Ben Gurion in Bann hielt, seinem Freund Peres rueckhaltloser zur Seite getreten. “Wenn Ihr fuer die Fusion seid”, sagte er ihnen, “Wierde ich zwar ohne besondere Herzensneigung mitmachen, aber wollt Ihr als Partei weiter existieren, stehe ich Euch noch aktiver als heute, und mit freudiger Bereitschaft zur Verfuegung”. Und als wollte er zugleich mit der Trauungs- Urkunde der “Dreier - Ehe” gleichsam ihren Scheidungsvertrag ausstellen lassen, fuegte er auf dem dramatischen Hoehepunkt seiner Rede hinzu: “In der Vereinigten Arbeiterpartei werde ich mich, sollte sie unter unserer Mitwirkung zustande kommen, u.a. dafuer stark machen dass Eschkol nicht Ministerpraesident bleibt, und Pinhas Sapir, nebenbei bemerkt, nicht Finanzminister”. ENFANT TERR1BLE UND - MINISTE RPRAESIDENT IN SPE Alle nur denkbaren Staerkegrade durchliefen am 17. Dezember, auf der Regierungssitzung, die Vorwuerfe an Mosche Dajans Adresse, mit denen beinahe saemtliche Mitglieder des Kabinetts auf diese Kampfansage gegen ihren Chef reagierten, und “nebenbei bemerkt” gegen ihren Kollegen Sapir, den fast unbeschraenkten Beherrscher der Wirtschaftspolitik des Landes. Nicht hoch genug sei der Schaden einzuschaetzen, zuernte Aussenminister Aba Eban, den Dajans Worte dem internationalen Ansehen der Regierung und damit des Staates in der jetzigen prekaeren Lage zufuegen koennten, noch dazu kurz vor der Reise Eschkols nach Amerika, zu Verhandlungen mit dem Praesidenten Johnson. “Wie konnte ein sonst so gescheiter Mann wie Sie innen- und aussenpolitisches Porzellan so kindisch zerschlagen, wie ein enfant terrible”, hielt ihm Innenminister Schapiro von den Senioren des Kabinetts mit vaeterlicher Strenge vor. Haette Herr Eschkol die Ruecktrittsofferte Daj ans angenommen, wuerde er den Streit zu einer Regierungskrise verschaerft haben, die vielleicht zwar nicht zum Auseinanderfall seiner “Regierung der nationalen Einheit” gefuehrt haette, aller Voraussicht nach aber zum Scheitern des Anschlusses der Bengurionisten an die Mapai und die “Achduth Avoda”. Um es dazu nicht kommen zu lassen und die “Vereinigte Arbeiterpartei” unter Dach und Fach zu bringen, entzog er sich der Machtprobe, zu der ihn sein Sicherheitsminister herausgefordert hatte. Er liess es nach der Sitzung mit der “goldenen Bruecke” einer amtlichen Verlautbarung bewenden, die mehr oder weniger darauf hinauslief. Da j ans Entgleisung als tadelnswerten Zungenschlag zu verharmlosen. Er seinerseits haette auf seinem Ruecktritt bestanden, waere er wirklich nur ein enfant terrible. Wenn es noch des Beweises bedarf, dass er ungleich ernster zu nehmen ist, lieferte er ihn nach dem “Krieg der sechs Tage»” in den besetzten Gebieten, die er als ihr ungekroenter Koenig seitdem mit nie erlahmender Tatkraft und - wichtiger! - einen politischen Weitblick verwaltet, den kaum jemand dem frueher als so draufgaengerisch verschrieenen Berufsmilitaer gpgetraut haette. Von der Faehigkeit, dieses Draufgaengertum als Politiker im Zaum zu halten, machte er auf der Tagung seiner Partei allerdings keinen Gebrauch, als er Eschkol derart zuegellos attackierte. Jeder andere waere darueber unwiderruflich gestolp e r t. Aber da er offenbar ein ausgesprochener Glueckspilz ist, schlug selbst diese ruede Taktlosigkeit zugunsten seiner weiteren Karriere - Chancen aus. Ihm waere zwar sonst das Trommelfeuer der Vorwuerfe seiner Kollegen erspart geblieben, dem Ministerpraesidenten aber die Zwangslage, in der er seinem Beleidiger zugestehen musste, dass er in Zeiten nationalen Notstands schlechterdi n g s unentbehrlich sei. Hatten betraechtliche Teile der hiesigen Oeffentlichkeit in ihm schon vorher den kommenden Mann gesehen, so duerfte das unter solchen Umstaenden von nun an doppelt und dreifach der Fall sein Ja, es mehren sich die Zeichen, dass dieser so immens begabte wie* schrankenlos ehrgeizige Mosche Dajan irgendwann nach den kommenden Parlamentswahlen zur Knesseth, 1969, oder unter Umstaenden sogar schon vorher die Nachfolge des 72jaehrigen, um zwei Jahrzehnte aelteren Levi Eschkol uebernehmen wird. Dass er selber jedenfalls sich fuer den Ministerpraesidenten in spe haelt, steht ausser Frage.

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