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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-02-01 · 2 (Febrero, 1968) · p. Seite 3

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXX (1968)
Issue
2 (Febrero, 1968)
Date
1968-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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FEBRERO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 3 El» FAST VERGESSENER AUTOR (Zum 20. Todestage von Emil Ludwig) Israel, Hammer und Amboss Im Juni brach der Sturm los, und die Herzen der Juden aller Laender standen offen. Wir beteten, und wagten kaum zu hoffen auf Waffensieg und —Stillstand, Linderung der Schmerzen. Die Zeit verwischt; doch bei Chanukka-kerzen sehn wir in jeder Flamme hundert Makkabaeer sterben... Der Feind sucht Mitleid, Freunde sich zu werben, um seine Niederlage, nicht sein Unrecht, auszumerzen. Im selben Atem Frieden-Rache schwoeren, mit neuen Waffen will er Israel zerstoeren, da es gewagt, den Kampf zu ueberleben... Die Welt hat laengst vergessen, wie es kam zum Kriege; doch dass wir unsre Grenzen sichern nach dem Siege als unser gutes Recht, kann man uns nicht vergeben! F. M. BÜßER-PREIS EUER ZWEI Zwanzig Jahre sind vergangen, seit, am 7. Februar 1948, Emil Ludwig zu Ascona in der Schweiz starb, 67-jaehrig herausgerissen aus einem Leben rastlosen Schaffens. Eine ungewoehnlieh grosse Lesergemeinde in aller Welt betrauerte damals das unerwartete Ableben dieses Schriftstellers, dessen zahlreiche Buecher in alle Weltsprachen uebersetzt worden waren und dessen Name Weltruf erlangt hatte. Er hiess eigentlich Emil Ludwig Cohn und wurde zu Breslau am 25. Januar 1881 als Sohn des Augenarztes Prof. Hermann Cohn geboren. Der Sohn wurde schon als Kind dem Christentum zugefuehrt; in Heidelberg und Berlin hatte der junge Mann Rechtswissenschaften studiert. Doch mit 25 Jahren etwa entdeckte er seine Liebe zum Journalismus und bald wurde er Korrespondent des “Berliner Tageblatts” in London, von wo ihn der Kriegsausbruch, 1914, nach Deutsch land zurueckrief. W a e hrend der Kriegsjahre 1914-18 entwickelte Ludwig jene ausserordentliche Begab u n g, die ihn spaeter beruehmt machen sollte. Er bereiste als Kriegsberichterstatter die Etappen und viele europaeische Hauptstaedte, und er lernte, Menschen und Schicksale zu analysieren. Um 1920 setzte die Epoche der grossen biographischen Romane ein. “Goethe, die Geschichte eines Menschen”, 1921 erschienen und von Fachkundigen vielfach abgelehnt, fand aber allgemeinen Anklang. Studien ueber beruehmte Tote und Lebende gingen weiter: “Wilhelm der Zweite”, “Napoleon”, “Bismarck”. “Rembrandt”; es folgten Lebensbilder von Masaryk, Briand, Lincoln, Nansen, Lloyd George, Rathenau u.s.w. Sehr umstritten war sein Jesubuch “Der Menschensohn”, dagegen ausserordentlich klar und ueberzeugend seine Darstellung der Kriegsgruende: “Juli 1914”. Und als besonders objetiv muss sein Kaiserbuch bezeichnet werden. Angeekelt von den politischen Verbrechen in Deutschland zwischen 1918 und 1923, vor allem durch die Attentate auf Rathenau und Harden, zog Ludwig eine anerkennenswerte Konsequenz: Er kehrte in die juedische Gemeinschaft zurueck und fuehlte sich fortan mit der juedischen Welt' solidarisch. Er schrieb 1937 ein wunderbares Buch ueber “David Frankfurter”, der in Davos den Naziagenten Gustloff erschossen hatte; hier erscheint zum ersten Male das ganze Ausmass der juedischen Tragoedie, und der Autor ruft mit Recht die Gnade des Gerichtshofes an. Hohes Niveau und gründliches Quellenstudium zeigt die 2 - baendige Kulturgeschichte “Der Nil”, und auch sein “Beethoven” gewann die allgemeine Sympathie Schwach ist sein Liebesroman “Quartett” waehrend die Ballade “Tom und Sylvester” zu dem reizvollsten dieser Art gehoert. Unbedeutend dagegen ist sein Mussolini- Buch, das im wesentlichen aus einem Interview besteht, durch das der Faschismus als nicht so schlimm hingestellt wird, gewissermassen der westlichen Demokratie verstaendlich gemacht; doch dieser Versuch misslang. Der Biograph nahm es mit der historischen Wahrheit nicht immer allzu genau; man hat ihn sogar als “genialen Geschichtsfaelscher” bezeichnet, doch dies duerfte eine masslose Uebertreibung sein. Er bemuehte sich vielmehr, dort, wo die Geschichte Luecken aufzuw eisen schien, diese so auszufuellen, dass man den Eindruck gewinnen musste, ja, so koennte dies oder das gewesen sein. In jedem Falle sind die Büecher, auch die schwaecheren unter ihnen, sehr fesselnd geschrieben, und Emil Ludwig machte unzaehlige Menschen mit wichtigen Geschichtskapiteln und bedeutungsvollen Erscheinungen, mit Menschen und Schicksalen, vertraut. Die Nazis hassten Emil Ludwig wie kaum einen zweiten neben ihm und haetten ihn gern vernichtet. Doch laengst war er Schweizer Buerger geworden, der nach dem 2. Weltkriege aus den USA in die Schweiz zurueckgekehrt war. Er trat in den Jahren der Verfolgung leidenschaftlich fuer die Rechte der Juden ein, die er als seine Brueder empfand. Auch Erez Israel hatte er besucht, ohne allerdings tiefere Eindruecke vom juedischen Lande zu empfangen. Eine neue Generation moege das Wertvollste aus seinen vielen Buechern und Schriften herausspueren und diesem Autor den Ruhm zollen, der ihm gebuehrt. CURT WILK Die beiden Deutschen Oskar Schindler und Dr. Gerhard Wolf sind am 5. Dezember in London mit dem erstenmal verliehenen Friedenspreis der internationalen Marti n-Buber-Gesellschaf t ausgezeichnet worden, weil sie waehrend der Nazi-Herrschaft Hunderte von Juden vor der Ermordung gerettet haben. Oskar Schindler hatte waehrend des Krieges als Fabrikant im besetzten Polen 1.200 Krakauer Juden, die er fuer seinen Betrieb angefordert hatte (obwohl es dort fuer nur 600 Personen Beschaeftigung gab) vor dem Tod in den Vernichtungslagern bewahrt. Es gelang ihm sogar, seine Belegschaft aus den Lagern Gross-Rosen und Auschwitz wieder herauszuholen, in die sie von der SS transportiert worden war, nachdem der Betrieb hatte verlegt werden muessen. Es gelang ihm ausserdem, im Januar 1945 einen Transport von 120 kranken juedischen Kindern in Sicherheit zu bringen. 1962 wurde Schindler in Jerusalem bei der Namensgebung der “Strasse der aufrechten Andersglaeubigen” geehrt. In den USA haben von ihm gerettete Juden Strassen nach Schindler benannt. Dr. Gerhard Wolf, in der Kriegszeit deutscher Konsul in Florenz, wurde fuer sein Verdienst daran geehrt, dass Florenz nicht zerstoert wurde. Ausserdem rettete er zahlreiche Juden und fuehrende Italiener vor der Verfolgung durch die Nazis. Praesident der vor zweieinhalb Jahren gegründeten internationalen Martin -Buber-Gesellschaft ist Igor Strawinsky. Vizepraesidenten sind Yehudi Menuhin und der Earl of Harewood. Der Preis der Gesellschaft soll in jedem Jahr fuer aussergewoehnliche Verdienste zur Foerderung der juedischchristlichen Beziehungen und der juedisch-arabischen Beziehungen verliehen werden. TURAVION LTDA. 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