Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-01-01 · 1 (Enero, 1968) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXX (1968)
Issue
1 (Enero, 1968)
Date
1968-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/8553624-8560271-9195095--5367-8560278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ENERO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 7 AUCH WASHINGTON TRAEGT GROSSE SCHULD Enthuellungen ueber die Rettungsversuche der Juden Von Kurl R. Grossmann "Nie wieder Auschwitz! Nie wieder Majdanek! Nie wieder Treblinka! Nie wieder Bergen-Belsen!’’. Das war der Schrei der ueberlebenden Opfer der Konzentrationslager, die sich juengst im Waldorf Astoria zu ihrem alljaehrlichen Treffen, Veranstaltet von der World Federation of the Bergen-Belsen Asociations, versammel ten. Wenn wir lernen wollen, wie eine Wiederholung jener unbeschreiblichen Tragoedie der Jahre 1933-1945 fuer die Zukunft vermieden werden soll, ist es notwendig, Geschichts- und Dokumentenforsch u n g in Deutschland zu treiben, aber auch die Archive von Paris, London und Washington durchzuarbeiten. Einer, der es getan hat fuer drei lange Jahre, ist Arthur D. Morse, Exekutivmitglied von CBS. Das Resultat seiner Studien hat er in einem Buche vereinigt, das an unsere Nerven ruettelt. Es traegt den Titel “While six million died”. Es ist nicht die erste, wohl aber die umfassendste Anklage gegen das State Department, durch Torheit, Gleichgueltigkeit, ja durch Sabotage den Nazimoerdern in ihrem teuflischen Plan de facto Hilfe geleistet zu haben. Als ich in den November ausgaben der Zeitschrift LOOK einen Teil dieses Buches las, die Geschichte der Indifferenz und der Unterlassungssuenden, wurde ich fünfundzwanzig Jahre zurueckversetzt, in die Zeit, da ich zuerst in der Europaeischen, spaeter in der Rettungsabteilung des Juedischen Weltkongresses Zeuge jener Vorgaenge wurde, die nunmehr Arthur D. Morse der Vergessenheit entreisst. Wie so oft sind die Ergebnisse, die Morse schildert, nicht voellig neu; aber die Aspekte sind es. Mein verstorbener Freund A. León Kubowitzki hatte 1948 anlaesslich der 2. Plenarversammlung des Juedischen Weltkongresses in seinem noch heute lesenswerten Bericht “Unity in Dispersión” die Vorgaenge geschildert, und wir wissen, dass Henry Morgenthau in seinen Tagebuechern auf die hinderliche Stellung des State Departments immer wieder hingewiesen hat. Morse hat vieles von diesem Material verwendet, aber ihm standen ausserdeñi die Akten des State Departments zur Verfuegung, und wer seine Darstellung liest, wird gewahr, dass dieser Mann vor allem mit seinem Gewissen und nicht nur mit seiner Feder geschrieben hat. Die vertrauliche Information Die Geschichte setzt am 1. August 1942 ein, da Gerhard Riegner, der Vertreter des Juedischen Weltkongresses in Genf, den geheimnisvollen Besuch eines “fuehrenden deutschen Indust r i e 11 e n” erhaelt, der ihm mitteilt, Adolf Hitler habe die physische Vernichtung aller Juden in Europa befohlen. Heute wissen wir natuerlich, dass diese in der beruechtigten Villa am Grossen Wannsee am 20. Januar 1942 unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich beschlossen wurde. Der Mann, der mit dieser Mitteilung sein Leben riskierte, gehoerte einer Firma an, die mehr als 30.000 Arbeiter beschaeftigte. Die Information stamme aus Hitlers Hauptquartier. Dort habe der Industrielle gehoert, wie man Hitlers Befehl diskutiere, wie auch das Mordmittel, naemlich: Zyklon B. Diese Inf or mation, so schwerwiegend, so niederschmetternd und so sensationell, musste, wie der Mann der sie ueberbrachte, nachgeprueft werden. Sie stimmte mit Nachrichten der polnischen Exilregierung in London ueberein, die bereits von Massakern von 760,000 Juden in Polen wuesste, und was die Glaubwürdigkeit des Mannes anlangte, so verbuergten sich Freunde Riegners fuer dieselbe. New York und London mussten dringend informiert werden. Solange noch Zeit war, musste das Rottungswerk beginnen. Riegner bat den amerikanischen Konsul in Genf. sein Kabel im diplometischen Wege ueber das State Depart ment an Stephen S. Wise, den Praesidenten des Juedischen Weltkongresses, zu senden. Dieses historische. Kabel hatte den folgenden Wortlaut: “Received alarming report that in Fuehrer’s headquarter plan discussed and under consideration according to which all Jews in countries occupied or controlled Germany numbering 3V2 — million should after deportation and concentration in East be exterminated at une blow to resolve once for all the Jewish question in Europe stop action reported planned for autumn methods under discussion including prussic acid stop we transmit information with all necessary reservation as exactitude cannot be confirmed stop informant stated to have close connections with highest German authorities and his reports generally speaking reliable”. ZWEIFEL UND VERZOEGERUNG Das gleiche Kabel sandte Riegner an den Labor-Abgeordneten Silverman durch das englische Konsulat, und es erreichte nur wenige Tage spaeter die British Section des Juedischen Weltkongresses in London. Washington jedoch unterdrueckte das Riegner-Kabel zunaechst, informierte den US-Botschafter in Bern, es sei nicht an Wise weitergegeben worden “im Hinblick auf die scheinbar unbegruendete Natur der Informationen”. Wise hoerte endlich am 28. August ueber London von Riegners Kabel und setzte sich darauf empoert mit Unterstaatssekretaer Summer Welles in Verbindung. Dieser beschwor nun Dr. Wise, nicht eher die drohende Ermordung des europaeischen Judentums vor das Weltforum der Oeffentlichkeit zu bringen, bis man durch Vitakanquellen d i e Genfer Informationen naehgeprueft habe. Wise erklaerte sich einverstanden. Es begann die Agonie des Wartens: Stunden, Tage, Wochen — fast drei Monate. Indessen rollten die Zuege gen Osten und die Welt schwieg. Gerhard Riegner in Genf war der Verzweiflung nahe. Er warnte in einem Memorandum: vier Millionen Juden droht vollkommene Vernichtung auf Grund eines ausgedachten Planes des Verhungerns, der Sklavenarbeit, der Einsperrung in Ghettos, der Deportation, des Massenmordes durch Erschiessen, durch Gift oder durch andere Methoden. Alarmiert die oeff entliehe Meinung, appelliert an das menschlic he Gewissen, schrieb er nach New York. Washington indessen war mehr daran interessiert, wer der Deutsche, der seinem Gewissen gehorchte, war und dessen Anonymitaet Riegner unter allen Umstaenden zu schuetzen hatte, als den Moerdern in den Arm zu fallen. Endlich, im November 1942, rief Sumner Welles Stephen Wise erneut zu sich und bestaetigte die Richtigkeit der ursprueng liehen Riegner-Informationen, und nun erfuhr die Welt den grausamen Mordplan an Millionen unschuldiger Maennen, Frauen und Kinder. VERSPAETETE VERSPRECHUNGEN Arthur Morse schildert mitleidslos, substantiiert das Versagen Washingtons. Trotz des Interesses Franklin D. Roosevelts, der am 8. Dezember 1942 einer juedischen Delegation versicherte, die Verengten Staaten und ihre Verbuendeten wuerden alles tun, diesem Verbrechen ein Ende ata bereiten, j^ne zu retten, die noch gerettet werden konnten. Wer die Ziffern der Einwanderer und Besucher aus jenen Jahren nachliest, wer sich der Debatte um Breckenridge Long. Assistant Secretary of State und seiner Mitarbeiter erinnert, wird feststellen muessen, dass die Rooseveltsche Zusabe nicht erfuellt wurde, da die Rettungsarbeit nicht mit den Kriegszielen der Vereinigten Staaten verei n b a r schien. Nicht Evian und auch nicht Bermuda haben die Politik des State Departments und die Englands wesentlich veraendert. Ob es sich um die Tragoedie der St. Louis oder jenes Schiffes handelte, das 1940 von den Mexikanern nicht hereingelassen wurde, obwohl ihre Menschenfrachten verfolgte Juden waren, die Vereinigten Staaten erfuellten nicht die Hoffnungen und Erwartungen, die das schlichte Gesetz der Humanitaet vorschreibt. Wenn es im Falle des von den Mexikanern zurueckgewiesenen Schiffes nicht Eleonore Roosevelt gegeben haette, w a e r e n auch diese Fluechtlinge zurueck nach Europa und in den Tod transportiert worden. Als Senator Robert Wagner Sen. im Jahre 1939 20.000 juedische Kinder ausserhalb der Quote hereinlassen wollte, gab es beschaemende Debatten, die bei Morse nachzulesen sind, und als der Senat endlich Wagners Gesetzesvorschlag annahm, aenderte er die Schluesselbestimmung: die 20.000 Notvisen an Kinder sollten von der deutschen Quote abgezogen werden, Empoert und enttaeuscht zog Wagner damals seinen Ge- MONEDA 1037 setzesvorschlag zurueck. Der Kampf um die Lizenz fuer die Rettung von 70.000 fuer 600.000 Dollar war nervenaulregend, aber die Interventionen des State Departments fuehrten e n d 1 ic h, wenn auch zu spaet, zu dem beruehmten Memora n d u m dreier hoher Beamter des Treasury Departments - alle drei Proestanten - welches den bezeichnenden Titel trug: “Bericht fuer den Minister ueber die Einwilligung (acquiescence) der Regierung in die Ermordung der Juden”. Der Text dieses aufschlussreichen Memorandums ist in dem Buche von Morse, welches Random House im Februar herausbringt, nachzulesen, Seine direkte Konsequenz war Roosevelts spaete Exekutivorder vom 22. Januar 1944, mit der der War Refugee Board ins Leben gerufen wurde. Bezeichnenderwe i s e war in demselben federfuehrend: das Treasury Department, nachdem das State Department durch eine Anzahl hoher Beamter das getan hatte, was die Kollegen von der Treasury die Mitverantwortung fuer die Ermordung von Millionen. Juden genannt haben. Der War Refugee Board, in Zusammenarbeit mit den privaten Organisationen, machte den verzweifelten Versuch, soviel Menschenleben wie moeglich zu retten - aber die Uhr konnte nicht mehr zurueckgestellt werden. “Waehrend sechs Millionen starben ist eine post factum Anklage und darueber hinaus eine Warnung an die Verantwortlichen, nie und nimmer Zweckdienl i c h k e i t vor Menschlichkeit zu stellen RUDI JELEN Feine Goldschmiede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl von Schmucksachen Edii. Pza. de Armas Local 136, (entrepiso) Eingang MONJITAS 379 21 DE MAYO 583 Xelefon privat 54369 TURAVION LTDA. Organización Internacional de Viajes Experta en Viajes Individuales y Colectivos a cualquier lugar del Mundo. Reservas de Avión—Vapor—Hoteles Una Empresa antigua con mentalidad moderna Un servicio personal sin recargo TURAVION LTDA. “siempre lo mejor para Ud.” ______ BANDERA 169 Fonos 60635 — 83816 — 87013

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.