Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 10 (Octubre, 1967)
- Date
- 1967-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO OCTUBRE 1967 10 HERBERT FREEDEN, JERUSALEM 11 "Wenn der weisse Flieder wieder blueht”, spielt die Band leise, waehrend das Dinner bei Kerz e n 1 i c h t serviert wird, und der Geiger, der eben noch Saxophon geblasen hat, singt den deutschen Text ebenso ohne Akzent, wie er vorher amerikanische Songs und franzoesische Chansons gesungen hat. In die Waende des Speisesaals sind Glaskaesten eingelegt, mit Funden der Umgebung - Kruege und Vasen der roemischen Zeit, Muenzen aus der Periode des Zweiten Tempels, Oellampen und Werkzeugen der Kreuzritter. Ein Grieche, der Architekt Candillis, hat das Hotel gebaut, ein Franzose, de Machy, die Innenausstatttung besorgt - Hotel Caesarea. Caesarea: Herodes hat es gegruendet und Rothschild hat es entdeckt. Wo zur Zeit des Roemerkaisers August u s im Amphitheater fuer 20.000 Zuschauer die Circenses tobten, spielt heute das Israelische Symphonieorchester. Nach der Ausgrabung und Restaurierung gab hier der Cellist Maestro Pablo Casals das erste Konzert. Allerdings hatte man eine akustische Stoerung nicht in Rechnung gezogen - das Rauschen des Mittelmeers. Im Jahre 1898 erwarb Baron Edmond de Rothschild einige der Laendereien an dieser Kuestenstrecke; 65 Jahre spaeter beschlossen seine Enkel in London und Paris, eine Gesellschaft zur Entwicklung von Caesarea zu gruenden und auf den Ruinen der Pracht von Herodes ein neues Caesarea zu schaffen - nicht die laute, bunte Stadt der roemischen Kaiser, auch nicht einen volkstümlichen Badeort sondern eine exklusive Attraktion fuer Feinschmecker aller Laender, etwa im Stil von St. Tropez, Portofino oder Formentor. Es ist alles da, was ein verwoehnter Besucher braucht - See und Sand, Segeln und Tauchen, und aus dem alten Stratos- Turm, den die Greichen einstmals errichtet hatten, ist das Stratus-Turm-Restaurant geworden, mit bester franzoesischer Kueche. Die Kampfwagen rasen zwar nicht mehr im Hippodrom, aber man kann sich Pferde mieten und auf einsamen Pfaden die Kueste entlang galoppieren. Villen spriessen aus der Erde, viele von ihnen an Gaeste zu vermieten - und fuer Verpflegung, Wirtschaft, Saeuberung sorgt das benachbarte Klubhaus Semadar. Den Mittelpunkt jedoch bildet das 120 Zimmer umfassende Hotel, mit Schwimmbad und Tennisplaetzen, schlechthin "Das Caesarea” genannt, an einem Golfplatz gelegen, der sich viele Hektar ueber sanftgeschwungene Huegel erstreckt, mit Baumgruppen bestanden — wie in einem Gemaelde von Gainsborough. Aber dass es nicht die Duenen von England sind, wird man gewahr, wenn man die Baumarten na eh er betrachtet: Sykomoren, Zypressen, Johannisbrotbaueme und Euka- Jiptus. “Die Rothschilds fangen dort wieder an, wo Herodes aufgehoert hat; die Renaissance von Caesarea ist in erster Linie eine Idee des jetzigen Barons Edmond”, erzae-hlt mir der Manager, Mr. Albert Elovic, und fuegt stolz hinzu: “Was Sie hier sahen, ist nur ein kleiner Teil der vergangenen Herrlichk eit: Wir hoffen, einmal die ganze alte Stadt wieder erstehen zu lassen, wie Pompeji”. Auch das neue Caesarea wird erweitert - was frueher fertig sein wird, das alte oder das neue, bleibt abzuwarten. _ Die Phoenizier legten hier einen Hafen an, die Roemer bauten ihn aus, und Caesarea wurde unter Koenig Herodes zu einer glanzvollen Stadt, mit einem Hippodrom, in dem die Kampfwagen Wettrennen veranstalteten, mit Forum und Palaesten, mit dem Theater und einem riesigen Aquaedukt. Als der Tempel in Jerusalem zerstoert wurde, liess Kaiser Titus die geplu enderten Schaetze nach Caesarea bringen. 700 Jahre lang hielten die Roemer diese Hafenstadt, bis die Araber sie im Jahre 639 zerstoerten. Aber noch einmal kam sie zu einer kurzen Bluete - als sie von den Kreuzfahrern im Jahre 1101 erobert wurde. Achthundert Jahre schlief sie unter der Erde einen Dornroeschenschlaf. Im Jahre 1940 stiess ein Siedler aus dem benachbarten juedischen Fischerdorf Sdot Jam beim Pfluegen eines Feldes auf einen grossen Stein; als es ein paar Siedlern gelang, den Stern langsam zu heben, j entpuppte er sich als eine | ,zweiundhalbmal lebensgrosse : Statue, in einer Toga von ro- | tem Porphyr auf einem; Thron aus Marmor sitzend. I Die daraufhin alarmierte ar- 1 chaeologische Abteilung der Hebraeischen Universitaet in Jerusalem begann mit systematischen Ausgrabungen, die 1960 von einer italienischen Gruppe unter Leitung von Professor Antonio Frova, aus Mailand, fortgesetzt wurde, und herrliche Schaetze zutage foerderte. Das Amphitheater, das Hippodrom, den Aquaedukt, Stadtmauern, Saeulengaenge, Hafen-; aniagen, Mosaike, ja sogar | einen Sockel mit der ln- I schrift von Pontius Pilatus, dem roemischen Gouverneur! Judäeas zur Zeit der Kreuj zigung. L Von einem Gesamtgebiet von 20.661 qkm aus hatte Israel den Krieg zu führen, der ihm von mindestens vier seiner unmittelbaren .und etwas weiter weg liegenden Nachbarstaaten aufgezwungen worden war. Diese Staaten, Aegypten, Syrien Transjordanien und Irak umfassten bei Kriegsbeginn zusammen eine Flaeche von 1,7 Millionen Quadratkilometern mit etwa 42 Millionen Einwohnern. Nimmt man auch noch jene Laender hinzu, die sich ebenfalls mit Israel im Kriegszustand befindlich bezeichneten und die bestimmte Hilfsleistungen fuer die unmittelbar im Kriege stehenden Laender zur Verfuegung stellten, erhoeht sich, die Flaeche auf! ueber vier Millionen qkm und die Bewohnerzahl auf j rund achtzig Millionen. Israel umfasste zu dieser Zeit knapp 2,7 Millionen Einwohner, davon 2,4 Millionen Juden. Nach Beendigung des Feldzuges gegen die vier, man koennte auch sagen gegen mindestens sieben j arabische Staaten, betraegt nun das in israelischen | Haenden befindliche Territorium 88.220 qkm, also mehr als das Vierfache dessen, wovon man ausgeganj gen war. Dabei ist allerdings zu erwaehnen, dass 59.000 j qkm auf der Sinaihalbinsel liegen, einem Gebiet also, | das kaum bevoelkert ist, und das von den israelischen I Streitkraeften besetzt werden musste, um die freie j Seepassage nach Elat zu sichern und den Aegyptern j ein Aufmarschgebiet fuer Angriffe auf Israel zu sperren. Der Staat Israel ist heute auch im Besitz des ganzen Palaestina diesseits des Jordan, also des Gebietes, das einstmals britisches Mandatsgebiet war. Dieses Territorium allein umfasst 27.000 qkm, um fast 7.000 mehr als das Israel, welches aus den Waffenstillstandsvertraegen von 1949 hervorgegangen war. Heute leben in dem Gebiet, das in den Haenden Israels ist. etwa vier Millionen Menschen. Das jetzt in israelischem Besitz befindliche Territorium ist noch immer kein grosses Gebiet. Vom aeussersten Norden bis zum aussersten Sueden sind es kaum mehr als kanpp 800 km und die Durchschnittsbreite betraegt nicht mehr als etwa 120 km. Dieses ganze Territorium ist etwa zweimal so gross wie die Schweiz. Grosse Teile sind Wueste und Steppe und daher fuer menschliche Siedlung ungeeignet. Dennoch gibt es eine nicht unbedeutenden Flaeche, die man in bluehendes Kulturland verwandeln koennte um dort vielen eine neue Heimat zu bieten und damit Probleme aus der Welt zu schaffen, die seit geraumer Zeit bestehen. “Lasst Baeume sprechen" so haben die Israelis das bekannte Wort von den Blumen abgewandelt, denn die Waelder in Israel haben eine sonderliche Eigenschaft; sie tragen die Namen von Personen und Ereignissen. Allerdings ist das nicht das einzige, worin sie sich von anderen Waeldern unterscheiden —sie sind nicht ein Geschenk der Natur, sondern muehselig mit der Hand gepflanzt— bisher mit 85 Millionen Baeumen. Es ist wahr, dass die Bibel die Herrlichkeit der Waelder preist, die die Berge des Landes kroenen, aber das ist schon lange her. Inzwischen sind Krieg und Feuer, Verwuestung und fremde Heere durch das Land gerast, das am Scheideweg von drei Kontinenten liegt — Europa, Afrika und Asien. Was Zerstoerung durch Menschenhand nicht fertigbrachte, vollendeten die schwarzen Bergziegen, die die Zweige abfrassen und das tuerkische Gesetz, das Steuern auf Baeume legte, sodass die armen Fellachen sie abholzen mussten. Das Resultat waren erodierte, verkarstete Gebirge, von denen die Sturzregen des Winters die letzte Erde fortschwemmten. Das Aufforstungswerk begann mehr symbolisch als praktisch bereits im Jahre 1905, als von der Zionistischen Organisation unter Theodor Herzl ein “Baumfonds” gegruendet wurde, um das Heilige Land wieder gruen zu machen. Aber erst mit der Entstehung Israels konnte die alte Idee in grossem Masstabe systematisch und wissenschaftlich verwirklicht werden. 28 Baumschulen in allen Teilen des Landes ziehen die Millionen von Setzlingen auf, die in jeder Pflanzungsaison gebra u c h t werden und ein Heer von 7.000 Menschen ist bei der Forstarbeit beschaeftig. Israelische Forstexperten werden nach Zypern und Malta berufen, um dort bei aehnlichen Projekten zu helfen. Baumpflanzen in Israel ist eine Art nationaler Sport geworden, nicht nur fuer Schulkinder und Jugendbuende. Auch fuer die Erwachsenen gehoert es zum guten Ton, mindestens einen Baum auf den eigenen Namen zu haben; denn die Finanzierung des Aufforstungswerkes erfolgt durch freiwillige Spenden an den Juedischen Nationalfonds. Als Anerkennung bekommt der Pflanzer eine Urkunde oder eine Anstecknadel. Das biblische Wort “Wenn Du in das Land kommst, sollst Du alle Sorten Baeume pflanzen” war das gegebene Motto, auch Touristen an diesem Sport zu beteiligen, und in der Tat haben im vergangenen Jahr ueber 50.000 auslaendische Besucher in den eigens dafuer geschaffenen Pflanzungszentren je einen Setzling mit eigener Hand gepflanzt. An den Waeldern kann man die Geschichte des Landes ablesen — da gibt es den Herzlwald, genannt nach dem Gruender der Zionistischen Organisation, einen Wald im Namen von Lord Balfour, der die bekannte Erklaerung fuer das juedische Nationalheim abgab, den Wald "Koenig Georg V” unter dessen Regime diese Erklaerung erlassen wurde, und den “Koenigin Elisabeth Wald” zu Ehren ihrer Kroenung von der britischen Judenheit in Galilaea gepflanzt, nicht weit von dem kuerzlich eingeweihten “Winston Churchill Wald”. In den Bergen von Judaea bewahrt der “Weizmann Wald” das Andenken an den ersten Staatspraesidenten von Israel und zwei Waelder tragen die Namen zweier amerikanischer Presidenten, Freunde Israels, Truman und Kennedy, und ein “Lyndon B. Johnson Waid” ist im Werden. Aber manche Namen haben sich nicht so gruen gehalten wie die Waelder, die nach ihnen heissen. Als die Russen am Ende des zweiten Weltkrieges die Vernichtungslager in Osteuropa befreiten, pflanzten enthusiastische Siedler den “Wald der Roten Armee”. Heute ist das Schild so versteckt, dass man es schwer finden kann. Nocn peinlicher war das Schicksal eines Waldes im Namen des einstigen argentinischen Staatschefs Perón, seinerzeit in Gegenwart des argentinischen Botschafters eingeweiht. Nach der Absetzung Perons wurde das Schild diskret entfernt. Ein Wald von 6 Millionen Baeumen, einschliesslich eines “Anne Frank Hain”, der “Maertyrer Wald” verewigt das Andenken an die sechs Millionen juedischer Toten; ein anderes Forstgebiet, der “Unabhaengigkeitswald” erinnert an Israels Staatswerdung. Auch nach deutschen Persoenlichkeiten sind einige Waelder genannt, wie Hermann Hesse und Thomas Mann, dessen Wald vor ein paar Jahren von der Witwe Katia Mann besucht wurde. Der juengste der Waelder heisst nach Probst Heinrich Grueber. Als Dr. Grueber vor kurzem seinen Wald in den Jerusalemer Bergen besichtigte, fand er, dass die jungen Sproesslinge nicht recht gedeihen wollten. Auf seine Bitte wird er “verlegt ’ werden — in Galilaea wird ein anderer Wald seinen Namen tragen. Vor einiger Zeit liess sich eine Delegation aus Burma von einem Forstexperten die Geschichte der Waelder erzaehlen. “Wir haben auch unsere Forstprobleme” nickte ein Burmese verstaendnisvoll. “Sie hier muessen Baeume pflanzen weil Sie zu wenige haben — und wir zerbrechen uns den Kopt, wie wir sie loswerden, weil zuviel davon da sind”. ANZEIGENSCHLUSS am 31