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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-10-01 · 10 (Octubre, 1967) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
10 (Octubre, 1967)
Date
1967-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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OCTUBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 2 DR. ABNER NECHUSCHTAN-TEL-AVIV: Ein Vierteljahr nach dem “Krieg, der sechs Tage” r 30NDER-BERKHT FÜR DAS B.I. Als Fortsetzung von Kris, gen trat der Kampf um die Gewinnung des Friedens mit politischen statt mit militaerischen Mitteln noch stets an die Stelle des Schlachtfeldes. Obwohl der letzte Krieg das “Gesicht" des Nahen Ostens so radikal gewandelt hat, wie sich das weder die Juden noch ihre Gegner vorher traeumen liessen, machen Aegypten, Jordanien, Syrien, der Irak und sogar das raeumlich ferne Algerien seitdem alle nur denkbaren Versuche, die “Ergebnisse der israelischen Aggression” zu beseitigen, wie ihre Formel neuerdings lautet. Darauf bezogen sich letzten Endes die sowjetrussischen Delegierten bereits, als die Araber den fuer sie hoffnungslos gewordenen Kampf zufolge eines Beschlusses des Weltsicherheitsrats abgebrochen hatten. Im Security Council wie auf der Ausserordentlichen Vollversammlug der Vereinten Nationen, die auf Draengen des Minister. praesidenten Kossygin zusammengetreten war, zog er gemeinsam mit seinem Aussenminister Gromyko alle diplomatischen Faeden, um dies Ziel zu erreichen. Nachdem auf der Tagung fast keiner der gegen Israel gerichteten Antraege die erfordern che Stimmenmehrheit erhalten hatte, verhandelte Marschall Tito mit Abd el- Nasser in Kairo, dem syrischen Staatspraesid e n t e n Nur e-Din el-Atassi in Damaskus und dem irakischen Praesidenten Abd el.Rahman Aref in Bagdad kuerzlich mehr oder minder resultatlos. Seiner “Friedensoffensive” liess der Jordanische Koenig Hussein soeben einen eigenen Plan zur Beseitigung der “Ergebnisse der israelischen Aggression” folgen: wie der Vorschlag Titos ist auch er nicht nur fuer Israel unakzeptabel, sondern ebenso fuer die vom Algerier Boumedienne und von den syrischen Ba’ath - Politikern gefuehrten Extremisten. Diese Formal zieht sich also, wie man sieht, einem roten Faden gleich durch alles, was die arabischen Politiker in den bisherigen drei Nachkriegsmonaten .unternommen haben. Es scheint mithin unerlaesslich, sie einigermassen systematisch auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen. DISKUSSION UEBER AGGRESSION Auf mehreren Ebenen argumentieren die Araber und ihre Nothelfer im Kreml, ferner in dem von den russischen Propagandisten Und Ideologen beeinflussten europaeischen Ostblock — nur Rumaenien bildet hier eine Ausnahme — und schliesslich in machen afro-asiatischen Laendern: immer um vergessen zu machen, was den Krieg verursacht hat, der am 5. Juni ds. J. ausbrach. Sie hatten die Gruendung des i.uedischen Staates, noch bevor er sich vor etwa zwei Jahrzehnten etablierte, mit Waffengewalt zu verhindern gesucht. Unmittelbar danach, 1948 und 49, hatten sie ihn auf Tod und Leben bekaempft. Seine Grenzen hatten sie in der Folge jahrelang so beunruhigt, dass er ohne den Gegenschlag des Sinai- Feldzugs im Herbst 1956 moeglicherweise existenzunfaehig geworden waere. Der letzte Krieg, der diesjaehrige, war der dritte, den sie Israel aufgezwungen hatten. Dennoch verschweigen sie die letzte Phase der Vorgeschichte dieses Krieges . die verheerende Kanonade, der ganze Gruppen juedischer Siedlungen in der oberen jordansenke, noerdlich des Sees von Genezareth, im Maerz wieder einmal von den Syrern ausgesetzt waren; die von Nasser vertragswidrig verfuegte aegyptische Blokkade der fuer die Handelsschiffahrt Israels lebenswichtigen Meerenge von Tiran zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Akaba bezw. Eilath; und drittens, die unmissverstaen d 1 i c h e Drohung der Massierung von sieben aegyptischen Infanterie - und Panzerdivisionen mit 900 Tanks und mit der Unterstuetzung von 550 einsatzbereiten Kampfflugzeugen auf der Sinaihalbinsel, im Mai. Mit ebenso obstinatem Stillschweigen gehen sie beispielsweise darueber hinweg, dass der Kairoer Sender am 13. Mai “den totalen Krieg, der das Ende Israels bedeuten wird” ankuendigte, und dass Abd el-Nasser — es sei ebenso woertlich zitiert — es am 26. Mai als sein Ziel be. zeichnete, “den Staat Israel dem Erdboden gleichzumachen”. Es setzt die Araber aber auch nicht in Verlegenheit wenn ihnen diese Erkiaerungen und ihre damaligen Kriegsvorbereitungen unwiderlegbar in Erinnerung gebracht werden. Auch wenn der Staat der Juden, machen sie denn geltend, diesen Krieg vielleicht nicht unmittelbar ausgeloest haben sollte .trage er daran mittelbar nicht weniger die Schuld. Solange es ihn gebe, sei er im Nahen Osten mit dem Kainsmal des Aggressors einfach durch seine Existenz behaftet. Als Fremdkoerper par exoellenee in jeder ethnischen, kulturellen, sozialen, geopolitischen Hinsicht, fordere er die arabische Welt permanent dazu heraus, ihn zu eliminieren. Nun sei zwar nicht bestritten, dass eine wirtschaftlich und gesellschaftlich heute einflussreiche Schicht dieser Juden als massgebender Traeger der Industrialisierung des Landes Israel in Gesinnung, Sympathien und Lebensstil “westlich orientiert ist”. Ebenso nahe aber liegt der Hinweis auf die in zwei Jahrtausenden sehnsuechtig wachgehaltene religioes-nationale Verbindung des juedischen Volkes mit seinem Ursprungsland, obwohl die Araber diese geschichtliche Tatsache nicht wahrhaben wollen. Genau so leugnen sie alles, das seit den Anfaengen der juedischen Palaestina-Kolonisation zwei, drei Generationen lang von den zionistischen Siedlern zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen mit ihren arabischen Nachbarn, Moslems und Christen, unternommen worden war. Abgesehen davon jedoch setzt die Behauptung, dass die Juden als “Fremdkoerper” des Nahen Ostens ausgemerzt werden duerften, ja geradezu eine Praemie auf jenen Immobilismus der Araber, den sie als echte Orientalen hinter der Fassade levantinischer Geschaeftigkeit bis heute nicht losgeworden sind. Waere die Verurteilung derer, die als noch so “Fremde” fuer den Fortschritt wirken, ein gueltiger Beweis gegen solche “Eindringlinge”, so waere unser Erdball heute noch ausnahmlos von Troglodyten bevoelkert. Indessen - wird das den arabischen Wortfu e h r e r n entgegengehalten, so bestreiten manche von ihnen die sozialen, technokratisch e n, zivilisatorischen Fortschritte als Leistung des “juedischen Elements” ian sich nicht. Aber sie lehnen die Modernisierung des Kuestengebiets am oestlichen Mittelmeer mit dem Argument ab, dass ihre Traeger, diese Juden, damit nichts als die Geschaefte des westlichen Imperialismus besorgen, sogar wenn sie sich dessen nicht bewusst sein sollten. Und schon deshalb seien sie ein fuer allemal der Aggressor im Nahen Osten. Da liegt es nahe, ihnen zu erwidern, dass die Gefaehrten vieler hunderter von Kibbuzim ueberzeugte Sozialisten sind, und dass die Arbeiterparteien hierzulande innenpolitisch fuehren. Ebenso nahe liegt die Gegenfrage: ist Nassers Aegypten, und mehr noch das von Linksra dikalen heute beherrschte Syrien nicht unvergleichlich staerker vom sowjetrussischen Imperialismus abhaengig, als der juedische Staat, - angeblich! - vom westlich amerikanischen? ANNEKTION ODER FAUSTPFAENDER Doch genug dieses Theorisierens! In der Sprache nicht der Schlagworte, sondern des Nahziels, auf das es saemtliche politischen Strategen der Araber im letzten Vierteljahr vor allem abgesehen haben, meint ihre Formel einer “Beseitigung der Ergebnisse der israelischen Aggression” selbstverstaendlicn nichts anderes als die Wie. dergewinnug der Gebiete, die sie in den sechs Kriegstagen verloren haben. Aegypten hat die Sinai-Halbinsel und den Kuestenstreifen von Gaza im Sueden bezw. Suedwesten des Staates Israel eingebuesst, Jordanien die arabische Haelfte Jerusalems und den (cisjordanischen) Westufer-Bezirk in weitem Bogen um die Stadt, ein Gebiet, das an seiner noerdlichen Flanke bedrohlich tief in die israelische Landesmitte ausbuchtete, und Syrien das langgestreckte Huegelplateau neben dem Oberlauf des Jordan, vor seinem Einfluss in den Tiberias-See. Dementsprechend haben die Israelis das Territorium ihres Staates in diesem Krieg, den sie keineswegs gewollt hatten, von etwa 20.000 qkm jetzt auf ungefaehr das Dreifache erweitert. Als die Kaempfe am 5. Juni begannen, erliess Sicherheitsminister Mosche Dajan einen Tagesbefehl, dessen erste beiden Saetze in woertlicher Uebersetzung lauteten: “Soldaten! Wir sind nicht auf Eroberungen aus. Unser einziges Ziel ist, den Versuch der arabischen Armeen, unser Land zu erobern, zunichte zu machen”. Von Annektion ist denn auch ebensowenig die Rede in den einschlaegigen Gesetzen, die die Knesseth als israelische Volksvertretung inzwischen verabschiedet hat, wie in den Ausfuehrungsverordn ungen der fuer die okkupierten Gebieten eingesetzten Militaergouverneure. Die einzige Ausnahme bildet Jerusalem mit seiner einzigartigen juedisch -religioesen, nationalen und emotionellen Bindung, mit der beruehmten, fuer juedische Besucher nun endlich wieder frei erreichbaren Klagemauer. Die parlamentarische Ermaechtigung, das juedische Jerusalem mit der Altstadt munizipal-politisch zu vereinen, hatte sicher mit Bedacht zwar nicht die Form eines Staatsakts, sondern einer Verwaltungsmassnahme; aber doch betrachtet jeder Jude in Israel wie in aller Welt diesen Knesseth -Erlass heute als Definitivum das von keiner wie immer gearteten Regelung des Konflikts mehr widerrufen werden kann. Dagegen ist das kuenftige Schicksal aller oder jeden, falls fast aller sonstigen besetzten Gebiete, wie es scheint, noch in der Schwebe, obwohl auch so typische Aktivisten wie Mosche Dajan und der Ultranationalist Menachem Begin der vom Ministerpraeside n t e n Levi Eschkol gefuehrten Koali. tionsregierung angehoeren. Eriund Aba Eban. sein Aussehminister, haben wiederholt jedoch mit aeusserster Entschiedenheit betont, dass ohne Friedensvertraege im Wege direkter israelisch - arabischer Verhandlu ngen nicht an eine Aenderung des territorialen Status quo novo zu denken ist. Auf absehbare Zeit aber scheint keiner der fuehrenden Araber zu solchen Verhandlungen und gar zu einem foermlichen Frieden mit Israel bereit zu sein. Davon ist auch in den Kompromissvorschlaegen keine Rede, die der arabischen Spitzenkonferenz in der sudanesischen Hau p t s t a d t Khartum soeben von Abd el- Nasserwohl im Gefolge der Friedensoffensive Titos - und vom jordanischen Koenig Hussein vorgelegt worden zu sein scheinen. Was aem Staat Israel nach diesen Plaenen aeusserstenfalls zugestanden werden soll, ist entweder die “grundsaetzliche Anerkennung” seiner Souveraenitaet oder der voelkerrechtlich und faktisch natuerlich ebensowenig verpflichtende arabische Verzicht auf die bisherige Behauptung, sich mit diesem Staat “chronisch im Kriegszustand” zu befinden. Unrealisierbar sind halbherzige Konzessionen, wie diese uebrigens auch aus der Sicht der Araber, auf deren extrem israelfeindlichen Fluegel Syrien und Algerien jede politische Loesung aufs entschiedenste ablehnen. Und hierzulande wuerde sich keine Regierung auch nur einen Tag lang halten koennen, der solche Scheinloesungen ausreichend erschienen, um die okkupierten Gebiete freizugeben. Israel wuerde sich dagegen wehren, selbst wenn ein Teil der Grossmaechte die israelischen Vertreter auf der bevorstehenden Vollversammlung der Vereinten Nationen . im Wunsch, den nahoestlichen Brandherd irgendwie zu loeschen - unter heftigen Druck setzen wird, wie es zu erwarten steht. Laesst man Jerusalem aus den schon erwiaehnten Gruenden unberuecksichtigt, und betrachtet vielle i c h t noch die Gazakueste als Fall sui generis (Aegypten hatte diesen Kuestenstreifen seinem Hoheitsgebiet niemals formell einverleibt), so duerfte sich ergeben, dass die israelischen Realpolitiker die heute militaerisch besetzten Landesteile letzten Endes als Faustpfaender betrach t e n. Ingendwann, wenn die Entwicklung trotz allem zur Friedensreife gediehen ist, soll der Besitz dieser Gebiete ihnen in den Verhandlungen entsprechend guenstige Ausgangspositionen bieten; das scheint die Absicht zu sein. Grenzberichtigungen lokaler oder auch bezirksmaessiger Natur werden sie darum nicht weniger verlangen. In den Waffenstillstandsvertraegen von 194S waren die damaligen . zufaelligen - militaerischen Frontlinien pauschal als Landesgrenzen erklaert worden. So hatte es sich ergeben, dass manche dieser Demarkationsli n i e n bedenklich genug in das israelische Staatsgebiet ein. (Fortsetzung Seite 8)

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