Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 10 (Octubre, 1967)
- Date
- 1967-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO OCTUBRE 1967 Gespraech mit General I. Schadmi (Fortsetzung te kommen muessen, von da abgezogen wurden um in Jerusalem zu kaempfen und dann wieder zurueck an die Syrische Front beordert wurden. So gab es Flugzeuge, die praktisch immer in der Luft waren. Drittens, mussten wir den Krieg in einer Form fuehren, bei der alle jene Eigenschaften voll zur Entfaltung kommen koennen, in denen wir den Arabern ueberlegen sind: Technik, wissenschaftl i c h e Ausbildung, Intelligenz, Disziplin, Initiative, Kameradscha ftsgeist, Puenktlichkeit, Sinn fuer die Bedeutung der Zeit, den Wert des Augenblicks, Pflichtbewusstsein . Und Opferbereitvon Seite 1) schaft, vor allem Opferbereitschaft. Kommunisten und Araber sprechen von Revanche. Wann glauben Sie, koennte ein Versuch in dieser Richtung moeglich sein? General Schadmi: In einer Generation..., wenn ueberhaupt. Dabei meine ich mit “einer Generation” eine Zeit von ungefaehr 12 Jahren, wenn sie naemlich Soldaten haben werden, die diesen Feldzug noch nicht bewusst miterlebt haben. Die Soldaten, die sie jetzt haben, die koennen sie in keinen Krieg mehr gegen uns schicken und wenn sie sie noch so sehr mit Waffen ausstaffieren. Die haben einen Schock wegbekommen, ein Trauma, von dem sie sich nicht mehr erholen werden. Das war nicht irgendeine Niederlage wie in änderen Kriegen. Denn das hat es schon einmal gegeben, dass ein Heer hier eine Schlacht verliert, aber dort eine Stellung haelt, oder sich kaempfend zurueckzieht und auch irgendeinen Erfolg zu verzeichnen hat. Aber was sie erlebt haben, war ein Zusammenbruch, fötal, militaerisch, psychologisch, mensch lieh, moralisch. An allen Fronten wurden sie geschlagen, trostlos, in Stich gelassen von ihren Fuehrern und Offizieren, die als erste flohen, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Soldaten, die das miterlebt haben, die lassen sich in keinen Krieg mehr gegen uns schicken. Vom 21. bis 26. September weilte Brigadier General Issachar Schadmi zu Besuch in Santiago. Waehrend dieser kurzen Zeit wurde er vom Verteidigungs- Minister, Herrn Juan de Dios Carmona, empfangen und hielt einen Vortrag vor den Offizieren des Generalstabs. Als Ehrengast der Kollektivitaet nahm er an der'Eroeffnung des Zionistischen Kongress’ teil, wo er die Rede hielt, die wir an anderer stelle dieser Ausgabe wiedergeben. Ausserdem kam er bei verschiedenen anderen Gelegenheiten, u.a. bei einem Empfang zu seinen Ehren in der Botschaft des Staates Israel, mit uns in Kontakt. “Isca”, wie General Schadmi in Israel allgemein genannt wird, ist “Sabra”; er wurde 1922 in der Kolonie Beitania im Galil, wo sein Vater Landarbeiter war, geboren. Der Vater war frueher Offizier des russischen Heeres gewesen und gehoerte zu den aktivsten Maennern in der Verteidigung des Jischuw, wo er es bis zum Kommandanten der Haganah und General des Verteidigungsheeres Israels brachte. “Isca”, hat 2 Toechter und 2 Soehne, von denen einer l’lugkadett ist, studierte in der landwirtschaftlichen Schule “Kaduri”, die man auch das “West Point Israels” nennt, weil dort fast alle hohen Offiziere des israelischen Heeres studierten. Er war Kurs-Kollege des Generals Itzhak Rabin, derzeit Oberkommandierender des Heeres. Im Jahre 1941 trat er in die “Palmaj”, die Kampftruppe der Haganah, ein. Im Unabhaengigkeitskrieg wurde er Regiments-Kommandant und kaempfte bei der Befreiung Jerusalems und der Eroberung des Negev. Vor 14 Jahre avancierte er zum Oberst und erhielt den Oberbefehl ueber die Offiziersschule, die er von 1951 bis 1953 leitete. Seit 1953 war er Kommandant einer Infanterie-Brigade mit dem Rang eines Brigadiers, hebraeisch Aluf Mishne, die er im Sinai-Feldzug befehligte. Kurz darauf wurde er mit der Organisation der ersten Tank-Brigade des Heeres betraut und zu diesem Zwecke studierte und entwickelte er die Taktik der motorisierten Heereskoerper und wurde zum Befehlshaber der Schule der Panzer-Regimente ernannt. Im Jahre 1962 glaubte er, dass es Zeit sei, in den Kibbutz zurueckzukehren und verliess seine militaerischen Posten. Al Reservist wurde er zum Befehlshaber einer Tankbrigade fuer Reservisten ernannt. Seine ganze freie Zeit widmet er seinem “Zivilberuf” als Kibbutzmitglied in der Organisation seiner Militaereinheit, die er soweit perfektionierte, dass diese Brigade im Krieg des Juni 1967 eine hervorragende Rolle spielt. Im Kibbutz Sdot Iam (Keisaria) wurde er Direktor einer Abteilung fuer Touristik und Hotel-Direktor, in welcher Eigenschaft er, wenn gerade das Personal knappt ist, sich eine Schuerze umbindet und die Gaeste im Speisesaal bedient. Die Brigade “Iscas” trat im ersten Kriegstag in den Kampf im Flugsand ein. Nach einem ganzen Tag harten Kampfes erhielt er den Befehl, eine aegyptische Tankbrigade, die nach El Arisch durchbrechen wollte, aufzuhalten. Ueber den Kampf sagte er spaeter, er habe ihn an “Lag Baomer” erinnert (das juedische Fest, an dem Fackeln entzuendet werden) Nachdem er die aegyptischen Tanks vernichtet hatte, erhielt er den Befehl, zum Suez-Kanal vorzustossen. In Gebel Libni, wo er auf starke aekyptische Befestigungen stiess, kam es zur grossen Schlacht der Brigade, die mit der Eroberung der Befestigungen endete. Darauf eilte er zum Pass Mitla, wo er den aegyptischen Kraeften den Rueckweg abschnitt. “B.I.”: Aus der heutigen Situation entwickelt sich ein neuer Status quo zwischen den folgenden beiden Grenzfaellen. Das eine Extrem: die Araber weigern sich weiter zu verhandeln und Israel muss sich weitgehend zurueckziehen. Was ziehen Sie persoenlich vor? General Schadmi: Natuerlich, dass sie vemuenftig werden. Aber... ich verspuere keine Eile. Die Zeit arbeitet fuer uns. Zum ersten Mal. “B.I.”: Den Nachrichten aus Kairo zufolge ist Nasser von innen her bedroht. Wuerden Sie sich ueber seinen eventuellen Sturz freuen? General Schadmi; Nein. Als Feind in Kairo ist er der beste fuer uns. Mohieddin zum Beispiel ist mehr pronordamerikanisch orientiert und auch viel akzeptabler fuer Washington. Das wuerde unsere Position dort nicht erleichtern. Nasser verspuert wirkliche Abneigung gegen USA und kann nicht aus sei ner Haut heraus. Ausserdem hat man dort jetzt doch schon gemerkt, dass ihm nicht zu trauen ist, nachdem man sich viele Jiahre lang gefaehrlichen Illusionen hingegeben hat. Dann kommt hinzu, dass wir ihn sehr gut kennen. Er ist nun schon so viele Jahre unser Feind. Man kann faest sagen, dass wir uns an ihn gewoehnt haben. Es gibt kein Ereignis, kein Problem, keinen Konflikt, bei dem wir nicht mit unfehlbarer Praezision Voraussagen koennten, wie er sich verhalten wird. Bei seinem eventuellen Nachfolger muessten wir da von vorne anfangen zu lernen. “B.I.”: Und trotzdem haben die israelische Regierung und Generalstab den aegyptischen Aufmarsch in den ersten Tagen nach dem 15. Mai fuer Bluff gehalten, wie Sie dies selbst zugegeben haben. General Schadmi: Wir brauchten ein paar Tage, um uns davon zu ueberzeugen, dass er wirklich, zum Opfer einer solch gewaltigen Fehlkalkulation geworden war. Nachdem er die Syrer immer wieder mit dem ganz korrekten Hinweis auf die Unmoeglichkeit, einen Krieg gegen uns zu gewinnen, gebremst hatte, war sein ploetzliches Umschwenken auf die entgegengesetzte Linie nicht leicht zu durchschauen. Eine grosse Rolle hat dabei Sowjet-Russland gespielt, indem es ihn mit gefaelschten Berichten des russischen Geheimdienstes ueber einen angeb liehen bevorstehenden Angriff gegen Syrien irrefuehrte. Trotzdem glaubte er am 15. Mai noch nicht unbedingt daran, dass sein Vordringen zum Krieg fuehren wuerde. Er begab sich vielmehr auf die schiefe Ebene der Mobilmachung, dann verlangte er den Rueckzug der UNEF-Truppen, dann wurde er durch U Thants unmittelbare Einwilligung ueberrascht, musste dad u r c h, schon aus Prestige-Gruenden, Eilath blockieren, und so weiter und so weiter. Das heisst, er rutschte die schiefe Ebene hinunter, immer rascher und immer rascher, und konnte nicht mehr bremsen. “B.I.”: Welches sehen Sie als das wichtigste Ergebnis des Krieges an? General Schadmi: Dass Israel aufgehoert hat, eine Ausnahme zu sein. Bisher war es fuer die Welt fast selbstverstaendlich, dass es Dinge geben konnte, die allen zugaenglich sein konnten und mussten, nur Israel nicht. Das wichtigste Beispiel ist das Recht auf Durchfahrt durch den Suez-Kanal. Die Welt hatte sich an den Zustand gewoehnt, dass Schiffe aller Nationen durchfahren durften, nur keine israelischen, er fuer alle Routen benutzt werden konnte, nur nicht, wenn sie nach Haifa fuehrten. Dem hat der Krieg ein Ende gesetzt. Natuerlich wird es eine Zeitlang dauern, bis diese Aenderung in aller Bewusstsein gedrungen ist. Nasser redet immer noch davon, dass Israel darf oder nicht darf, kann oder nicht kann, aber darf er denn?, kann er denn? Die Umstellung ist sehr weitgehend. Wir haben sie selbst noch nicht in ihrer ganzen Tragweite begriffen. Selbst unsere Minister debattieren noch sehr viel ueber alle Konsequenzen; auch sie brauchen Zeit, sich an die neue Situation zu gewoehnen. Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn die Gegenseite Zeit braucht, um sich umzustellen und der neuen Realitaet anzupassen. Sie braucht diese Zeit und wir muessen sie ihr lassen; wir muessen dafuer Verstaendnis haben. “B.I.”: General Dayan hat in seinem Tagebuch von der Sinai-Kampagne 1956 von verschiedenen Fehlern der israelischen Strategie gesprochen. Ist es diesmal gelungen, sie alle zu vermeiden? General Schadmi: Ja, vor allem einen: Alliierte zu akzeptieren. Diesmal haben wir die Sache allein gemacht. “B.I.”: Wir danken Ihnen vielmals, Herr General. ... und jetzt wird es Zeit, Ihre Sommerferien vorzubereiten. Wir bieten an: SONDERREISE nach EUROPA und ISRAEL zu besonders guenstigem Preise, Abflug im Januar. 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