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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-09-01 · 9 (Septiembre, 1967) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
9 (Septiembre, 1967)
Date
1967-09-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO SEPTIEMBRE 1967 Unfrieden in dér Stadt... (Schluss von Seite 7) Normales Leben in West jordanien gleich welcher privaten religioesen Einstellung, verehrten Teil der westlichen Umfassungsmauer des Tempelplatzes. Der Betplatz davor hatte eine Tiefe von nicht einmal vier Metern. In keiner Weise also reichte er fuer den Massenzustrom juedisc her Beter — und Nichtbeter — aus, der sofort nach dem Nahostkrieg im Juni einsetzte und bis heute nicht abgeklungen ist. Als das Militaer seine Befugnisse an der Klagemauer nach dem Ende dieses Krieges an das Religions-Ministerium abtrat, lies es mithin mehrere Haeuser des sog. Moghrebiner - Viertels, das an den Platz grenzt, abreissen, um ihn auf 48 Meter zu verbreitern. Waehrend diese Zeilen geschrieben werden, meldete das Oberrabbinat eine weitere Forderung an: um dem Platz eine Tiefe von 130 Metern zu geben, sollen an seiner suedlichen Ecke weitere Haeuser daran glauben muessen! Allein, es handelte sich bei den Baulichkeiten, die dem Erboden inzwischen gleichgemacht worden sind, um Teile einer fuer arme Moslem geschaffenen Stiftung, des “Wakf Abu Madjany”, Grundeigentum der moslemischen Kirchenverwaltung, des Wakf, wie der Name sagt. Sie sei nicht gefragt worden, heisst es in der Deklaration der Notabein, und haette ihre Zustimmung nie gegeben — umso weniger, als zwei (kleine) Moscheen zu dem, teilweise nun verschwundenen Gebaeudekomplex geho e r t haetten. Verhielte es sich so, wuerde den Beauftragten des Religions - Ministeriums auch hier ein bedauerlicher Fehlgriff vorzuwerfen sein. Dagegen wird man einem weiteren, in diesem Zusammenhang stehenden Protest der moslemischen Wuerdentraeger die Zustimmung wohl versagen muessen. Sie wenden sich gegen den Wunsch der Buchpruefer des Ministeriums, Einsicht in die Finanzgebahrung des Wakf zu nehmen, der notabene ueber einen horrenden, undurchsichtig verschachtelten Immobilienbesitz verfuegt. “Seit Jahrhunderten’’ haetten sich arabische Behoerden niemals darum gekuemmert. Das mag sein, aber es nimmt den von nun an auch fuer diese Institute oeffentlichen Rechts zustaendigen israelis c h e n Amtsstellen nicht das Recht auf laufende Kontrollen. STURM UM EINE “FREILICHTSYNAGOGE” Erwaehnt sei noch, dass die an der Klagemauer getroffenen Regelungen dem Reli gionsminister, Dr. Wahrhaftig, Vorwuerfe auch von juedischer Seite eingebracht haben. Wie in den Laendern der juedischen Diaspora erinnert diese Mauer auch die Israelis vornehmlich an die nationale Geschichte ihres Volkes,. Er aber verwandelte den Platz davor sozusagen in eine Freilichtsynagoge, mit Waechtern, die Frauen von ihren Maennern zur Entruestung zahlloser liberal gesinnter Besucher so streng getrennt halten, wie es in den orthodoxen juedischen Gotteshaeusern ueblich ist, und u.a. ferner Einheimischen wie Touristen jedes Photographieren unmoeglich machen. Manchmal gar mit Brachialgewalt... DIE REGIERUNG GREIFT EIN Nachdem sich kein geringerer als Ministerpraesident Eschkol mit erfrischender Deutlichkeit gegen diese Massnahme gewandt hatte, scheint nicht zuletzt sie soeben zum Beschluss der Regierung beigetragen zu haben, Herrn Dr. Wahrhaftig die Zustaendigkeit fuer saemtliche Regelungen wieder zu entziehen, die das religioese Brauchtum der Moslem direkt oder indirekt beruehren. Wie vorher, ist dafuer auch nun erneut Sicherheitsminister Mosche Dajan allein zustaendig. Diese Entscheidung erfolgte nicht nur, um dem Wirrwarr der Aemter entgegenzu treten, das sehr zum Nachteil der Befriedung des Besatzungsgebiets zu Kompetenz- Ueberschneidungen des Religions—, des Innenministeriums und wer weiss welcher anderen ministeriellen Buerokratien noch gefuehrt hatte. Ebenso wenig erfolgte sie etwa nur deshalb, weil begreiflicherweise niemand den Arabern so viel Respekt einfloesst wie der Kriegsheld Dajan. In der verhaeltnismaessig kurzen Zeit, da sie gleich nach Kriegsende auf ihn als letzte Instanz angewiesen waren, hatte er auf ihre legitimen Wuensche mit so viel unerwartet friedfertigem common - sense Ruecksicht genommen, dass sie bald Vertrauen zu ihm gefasst hatten. Da er alles andere als ein religioeser Fanatiker ist, hatte sich das in nicht geringem Masse auch auf die Religion des Islam und z.B. auf die Praxis der moslemischen geistlichen Gerichte bezogen. Es entsprach seinem Grundsatz, darin grosszuegig zu verfahren, dass er dieser Tage in Hebron, an Ort und Stelle, die seit Wochen bedrohlich zum Aergernis gewordene Streitfrage darueber schlichtete, an welchen Tagen und zu welchen Tagesstunden die dortige Begraebnisstaette der Erzvaeter Abraliam, Isaak und Jacob den Juden und den Moslem zum Beten freigegeben werden solle. Den einen wie den anderen ist sie, die geruehmte “Hoehle Machpela”, gleich heilig. Zugleich aber griff der Sicherheitsminister mit seiner sprichwoertlichen Ene r g i e unverzueglich dort d.urch, wo es ihm zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Stadt und Bezirk Jerusalem noetig schien. Zu seinen ersten Verfuegungen gehoerte jetzt die Ausweisung vier prominenter Araber aus der “Stadt des Friedens” bezw. aus Ramallah. Einige von ihnen — aber nicht alle — hatten wie der fruehere jordanische Bezirksgouver n e u r Anwar el-Khatib wie schon erwaehnt zu den Unterzeichnern jener Kampfansage ge hoert. Sie wurden unter Wahrung aller nur denkbaren gesitteten Formen fuer die Dauer mehrerer Monate Westjordanien macht keineswegs den Eindruck eines Landes, dessen Bevölkerung aengstlich unter dem Druck eines harten Besatzungsregimes duckt. Staedte wie Jericho und Nablus sind nicht ausgestorben und leer, in den Strassen pulsiert das echte orientalische Leben beinahe wie in normalen Zeiten. Arabische Obsthaendler bieten frische Früchte an. Ihr Schreien und Feilschen in den Gassen von Nablus wird nur noch von den Andenkenhaendlern übertönt, die den Fremden nachlaufen und ihre .Souvenirs anbieten. In Jericho hat ein Tonwarenhaendler seine Krüge und Vasen auf den Bürgersteig gestellt; er macht gute Geschaefte. Bezahlt wird in Westjordanien entweder mit Besatzungsdinar oder mit israelischem Pfund. Der Umsatz ist so hoch, dass die Kaufleute in Israel schon Bedenken angemeldet haben. Haendler in Westjerusalem beklagen sich über unlautere Konkurrenz aus dem Ostteil der Stadt. Flinke Araberjungen bieten dort in den Strassen billiges Obst und Kleinwaren an. Am Stadtrand von Jericho stehen einige Haeuser leer. Es handelt sich fast ausnahmslos um Ferienvillen reicher Jordanier. Jericho war ein beliebter Aufenthalt im Winter, weil es in der Talsenke des Jordan auch in den kühleren Monaten noch verhaeltnismaessig warm bleibt. Relativ leer erscheinen einige Dörfer in der engeren Umgebung von Jericho, die zum grossen Teil von Palaestina-Flüchtlingen bewohnt waren. 150 000 Menschen sind nach israelischen Angaben aus Westjordanien abgezogen, 700 000 sind geblieben. Die Rueckkehr von Jordan-Fluechtlingen, die inzwischen im vollen Gange ist, stockte eine Zeitlang aus politisch administrativen Gruenden. Die jordanischen Behörden hatten sich geweigert, Rueckwandererantraege zuzulassen, die den Stempel der israelischen Regierung tragen. In Jerusalem hatte man sich daraufhin zu einem Zwangsaufenthalt in Kur- und Provinzorte Israels gebracht und logierten sich dort in uebrigens komfortablen Hotels ein. Der Stimmungswandel war im arabischen Jerusalem unverkennbar, nachdem sich diese Schutzmassnahme mit der Windeseile herumgesprochen hatte, die auf dem orientalischen “Schuk” und bei den Nargileh-Rauchern in den staedtischen Cafés ueblich ist. Und eine Ruhe, die hoffentlich nicht truegerisch ist, herrscht auch im uebrigen Westufer - Bezirk nach dem Sturm im Wasserglas der fuenfundzwanzig Protestler. Auch Moslem, die zu politisierender Kannengiesse r e i neigen, distanzierten sich jedenfalls ueberall wortreich von noch so aufsaessig gestimmten Aeusserungen, zu denen sie sich vorher verstiegen hatten... bereit erklaert, die Fragebogen mit dem Zeichen des Roten Kreuzes Überdrucken zu lassen. Es gibt keine unmittelbare Zusammenarbeit in Rückwandererfragen zwischen jordanischen und israelischen Beamten. Die Fragebogen wurden bisher auf Vereinbarung zwischen Verteidigungsminister Dayan und dem Vertreter des Roten Kreuzes in Transjordanien von Helfern des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes verteilt. Die Fragebogen sind nur kurz. Gefordert werden lediglich Angaben über Namen, Wohnsitz, Angehörige i n Westjordanien, Zahl der Familienmitglieder, Beruf und Ziel der Rückwanderung sowie Datum der Auswanderung. Es genügt, wenn der Familienvorstand einen Fragebogen ausfüllt. Die Rueckwanderung der arabischen Fluechtlige, ihre Einordnung und Unterbringung bedeutet naturgemaess fuer Israel ein ernstes Problem, nicht nur in Bezug auf die Sicherheit der besetzten Gebiete, sondern auch in wirtschaftlicher Beziehung. Ueberhaupt werden wie unsere Leser aus anderen Aufsaetzen in dieser Ausgabe und aus der Tagespresse ersehen, von israelischer Seite die grössten Anstrengungen gemacht, die innerhalb des israelischen Hoheitsgebietes lebenden Araber in das Wirtschaftsleben einzuordnen und auch das von den arabischen Laendern absichtlich seit eh und je offen gelassene Problem der Flüchtlinge zu bewaeltigen. Die schwere ökonomische Belastung, die dies fuer das Land bedeutet, wird von Regierung, und Bevölkerung gern getragen, denn sie wird als ein Beitrag zum künftigen Frieden und Entspannung betrachtet, ganz im Gegenteil zu den Alliierten der arabischen Laender, wo die Hilfe für Araber als Last empfunden wird denn die Bevölkerung fürchtet u m ihren eigenen Lebensstandard. So schreibt die deutsche Zeitung “Die Welt” am 4. August: “Die Ankurbelung der Rüstungshilfe für die arabischen Staaten und die grossangelegten "freiwilligen” Spendenaktionen haben in der .Oeffentlichkeit der osteuropaeischen Laender eine Welle des Missmuts ausgelöst Die Menschen bangen dort um ihren bescheidenen Lebensstandard die Wirtschaftreformer sind wegen der Folgen des Engagements im Nahen Osten besorgt. “Wo waeren wir bereits, wenn wir nicht so viel Geld in Afrika hineingesteckt haetten”, dass solche und aehnliche Fragen in den Bierstuben diskutiert würden, berichtet die Prager Zeitung “Mlada Fronta” mit bemerkenswerter Offenheit. Derartige Kritik an der Entwicklungshilfe kommt auch in einer Fülle von Leserzuschriften zum Ausdruck. Im Gegensatz zu den 50er Jahren, als die Sowjetunion die Last allein trug, sind nach Schaetzungen von Fachleuten die sowjetischen Satellitenstaaten gegenwaertig an der osteuropaeischen Entwicklungshilfe mit 20 bis 25 Prozent beteiligt. Nicht nur in Prag, sondern auch in Belgrad, Budapest, Warschau und in anderen osteuropaeischen Hauptstaedten wird die wirtschaftliche und militaerische Hilfe als ein Fass ohne Boden, als ein Engagement mit fragwürdigen politischen Resultaten betrachtet. Moskau draengt auf eine “gerechte Verteilung” der Rüstungslast, und die osteuropaeischen Führungsgremien müssen — mit Ausnahme der unabhaengigen Rumaenen — gute Miene zum bösen Spiel machen. Dabei handelt es sich nicht nur um die hastige Lieferung von Panzern für 180 000 Dollar und MiG-Jaeger, komplett ausgerüstet, für etwa 1,5 Millionen Dollar aus den tschechischen, ungarischen und polnischen Bestaenden. Falls die sogenannten "revolutionaeren arabischen Staaten ihren Kurs fortsetzen, werden die kommunistischen Staaten Osteuropas auch den langjaehrigen Weizenlieferanten des Nahen Ostens, die Vereinigten Staaten, ersetzen müssen. Allein in Ägypten bedeutet dies einen jaehrlichen Importbedarf von 2,5 Millionen Tonnen Weizen. Dazu kommen weitere Kredite sowohl für Nasser als auch für Syrien, die am Rande eines wirtschaftlichen Zusammenbruches stehen. Die vollstaendige Rechnung ist damit noch immer nicht praesentiert worden. Das Bangen der osteuropaeischen Konsumenten um die Folgen des politisch höchst unpopulaeren Nahost- Abenteuers ist also ebenso verstaendlich wie die Unsicherheit der Planer, die mit einem verstaerkten Kapitalmangel und zusaetzlichen Schwierigkeiten in der Ausführung der ehrgeizigen Wirtschaftsreformen rechnen müssen. Es ist nicht anzunehmen dass sich die wirtschaftliche Situation der arabischen Laender in naher Zukunft aendern wird, insbesondere nachdem ja jeder Versuch einer gemaessigten Richtung durch die nur allzusehr berechtigte Furcht vor dem Terror der ins links-extremistische Fahrwasser geratenen Laender gelaehmt wird. So werden die arabischen Laender weiter munter an dem Ast saegen, auf dem sie sitzen, denn, wie die vorher erwaehnten Nachrichten aus den Laendern des Ostblocks zeigen, sind auch diese nicht unbedingt gewillt, ohne entsprechende Kompensationen dauernd Geld in ein fruchtloses Abenteuer hineinzustecken”. Wie viele Araber werden nicht bald das Los der Jordan-Flüchtlinge und der anderen Bewohner des von Israels besetzen Gebietes beneiden, die von einem Tage zum anderen aus finsterem Feudalismus in das zwanzigste Jahrhundert geschleudert wurden?

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