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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-09-01 · 9 (Septiembre, 1967) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
9 (Septiembre, 1967)
Date
1967-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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SEPTIEMBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 7 DR. ABNER NECHUSCHTAN - TEL Unfrieden in der AVIV: Stadt des Friedens Ploetzlich wetterleuchtet es im arabischen Teil Jerusalems, der Stadt des Friedens, in ihrer Altstadt, die seit ihrer Eingemeindung gegen Ende Juni von Israelis in unübersehbarer Menge besucht worden war, und aus der betraechtliche Scharen von Arabern seitdem in ebenso friedfertigem Geist zu den juedischen Nachbarn gestroemt waren. Haben diese Flitterwochen ueberraschend schnell ein Ende gefunden? Auf Initiative zweier Brueder, die schon den jordanischen Behoerden als Querulanten genug zu schaffen gemacht hatten, brachten ortsansaessige oder auch ortsfremde arabische Nationalisten inzwischen zweimal, dreimal Flugblaetter im Umlauf, die in zunehmender Schaerfe gegen “den juedischen Okkupanten” Stellung nahmen und ‘‘zur Befreiung Falastins”, will sagen Palaestinas aufriefen. Die Polizei nahm einige der Zettelverteiler und ihrer Hinterleute in Gewahrsam. Auf derartige Widerstandsversuche war Oberst U. Narkiss, der Jerusalemer israelische Militaer- Gouverneur, wohl von vornherein gefasst gewesen. NAHEZU EINE KAMPFANSAGE Dagegen scheint der Gouverneur nicht mit der von 25 fuehrenden moslemisc hen Wuerdentraegern Unterzeichneten Denkschrift gerechnet zu haben, die ihm an 24. Juli zuging und gleichzeitig auch dem Ministerpraesidenten Levi Eschkol und den in Jerusalem fungierenden auslaendischen Konsuln zur Kenntnis gebracht vyurde. Zu den Unterzeichnern gehoerte Ruhi el-Katib, der letzte arabische Buergermeister der Altstadt, der Herrn T. Kollek, seinem im juedischen Jerusalem amtierenden Kollegen, in einem betont freundschaftlich gefuehrten Gespraech noch einige Tage vorher versichert hatte, wie loyal er mit ihm kooperieren werde. Ferner Unterzeichnete u.a. der fruehere jordanische Gouverneur dieses Bezirks, Anwar el-Khatib, der bisherige Direktor des Rockefeller — Museums, Aref—el— Aref, und Scheich Abdul Chamid Se’eh, bisher einer der Vorsitzenden des Alt-Jerusalemer moslemischen Berufungsgerichts, ein reichlich hochnaesiger Herr. Die Notabeln ernannten ihn bei dieser Gelegenheit sogar , zum “Kadik - Kudak”, d.h. dem Oberrichter fuer das gesamte cis jordanische Okkupationsgebiet - natuerlich in der Absicht, sich politischen Einfluss auch ausserhalb der Altstadt zu sichern. Vielleicht hatten Gefuehle persoenlicher Kraenkung zu ihrem Gemeinschaftsschritt beigetragen, da sie sich mit Recht oder Unrecht von den israelischen Regierungsbehoerden bei der Neuvergebung von Ehrenstellen nicht so bevorzugt glaubten, wie es unter dem Regime des Koenig Hussein der Fall gewesen war. Dazu trat sicher das Trommelfeuer der panarabischen und jordanischen Propaganda, dem sie Tag fuer Tag ausgesetzt waren. VÖr allem aber ging es ihnen ohne Zweifel darum, sich in Rabat Amon fuer den Fall “rueckzuversichern” dass dieses Gebiet an Jordanien zurueckfallen werde. Dann wollen sie nicht als Volksveiraeter, als Quislinge gemassregelt oder gar an die Wand gestellt werden. Sie waren an keinem weniger heiligen Ort als in der Al-Akksah-Moschee zur Verstaendigung ueber ihre Beschwerdeschrift zusammengetroffen, um kein Missverstaendnis darueber aufkommen zu lassen, wie ernst es ihnen mit ihrer Weigerung sei, kuenftig mit den Besatzungsbehoerden zusammenzuarbeiten. In dem grundsaetzlich gehaltenen Vorwort der Erklaerung heisst es: sehen denn eine fuer die Theologen und Beamten der Moschee halbwegs befriedigende Loesung gefunden worden. KLAGEN UEBER DIE KLAGEMAUER Eine andere Beschwerde bezog sich auf die weltbekannte Klagemauer, den seit undenkbarer Zeit von jedem Juden, (Fortsetzung Seite 8) SONDER-BERICHI FOD DAS B.l bei den Ausgrabungen von Samaria E DAS HAUPT OES JOHANNES .... “Es liegt in der Natur der Dinge, dass kein Staat, der sich eines anderen bemaechtigt, Hoheitsrechte auf das von ihm gesetzte Gebiet geltend machen kann. Vielmehr hat er die Interessen der Bevoelkerung solcher Gebiete voranzustellen und sich an die dort gueltigen Rechtsbestimmungen zu halten. Er hat das Eigentum, das Leben und die Religion der Buerger zu respektieren”. ‘‘Darum stellen wir fest, dass ebenso die, gesetzgeberischen Verlegungen Israels ueber iie Eingemeindung der Stadt und des Bezirks Jerusalem wie die darauf gegruendeten Durchfuehrungsverordnungen null und nichtig sind”. Was dieser Praeambel folgt, bezieht sich vornehmlich auf “zu weitgehende Eingriffe in das religioese Leben der Moslem” ueberall in der - hierzulande kurz als “Westufer” bezeichneten - Besatzungszone, deren Zentrum bekanntlich Jerusalem ist. Manche dieser, in praxi an die Adresse des israelischen Religionsministeriums gerichteten Beschwerden waren zweifellos nicht voellig von der Hand zu weisen. Die Beschwerdefuehrer bemaengelten vor allem beispielweise, dass das Ministerium eine Vorzensur ueber die Predigten verhaengt habe, die an den Freitagen — den Sonntagen der Islamglaeubigen — in der Al—Akksah— Moschee als dem hervorragendsten, meistbesuchten Gotteshaus frommer Moslem gehalten werden. Sogar die Rezitierung von Suren aus dem Koran sei untersagt worden. Nun, wieder und wieder waren diese Sermone schon in der Aera des britischen Palaestinamand a t s, waehrend der Serien blutiger Araberunruhen, zu aufreizenden Brandreden “gegen die Zionisten” (“Allah ist mit uns"!) missbraucht worden, nicht anders als in den Jahren der Herrschaft des Koenig Hussein, als sich ihr Wirkungsradius durch Radio- Uebertragungen und das jordanische Fernsehen noch verbreitert hatte. Darum war es psychologisch natuerlich nicht weniger unklug, gerade hier einzugreifen, und so ist im Kompromisswege inzwi- “Eine Terrasse im Palast von Herodes... rechts eine Freitreppe, links hinten eine alte Zisterne, umfriedet von einer gruenen Bronzemauer. Mondeslicht”— so lautet die Anweisung fuer die Szenerie in Oskar Wilde’s "Salome”. Als ich im vergangenen Winter das erotisch-schwuele Werk in der bekannten Vertonung von Richard Strauss in der Wiener Oper sah, — inszeniert von dem inzwischen verstorbenen Wieland Wagner — hatte ich nicht erwartet, die Szenerie mit Terrasse, Treppe und Zisterne bald im Original zu sehen. .. Die Sonne brennt grell auf die Ruinen des biblischen Samaría, unweit der Stadt Nablus, auf dem von israelischen Truppen besetzten Westufer des Jordan. Von der Wilde-Strauss’schen Konzep tion fehlt das Erotische; nur die Schwuele ist geblieben, 32? im Schatten — soweit es ihn gibt. Hier hatte 926 v. Chr. Koenig Omri die Hauptstadt des Reiches Israel errichtet, hier hatte nach dessen Zerstoerung Koenig Herod sie wieder aufgebaut und sie nach Kaiser Augustus Sebastaea genannt (Sebastos ist das griechische Aequivalent fuer Erhaben- Augustus). Vor dreissig Jahren wurden gemeinsam von der Harvard Universitaet und der Hebräischen Universitaet in Jerusalen, Reste der verschwundenen Pracht ausgegraben — Forum, Tribunal, Stadium, Amphitheater und die Saeulen einen Tempels des Augustus. Im Jahre 1185 berichtete ein griechischer Pilger namens Pohkes: "In der Mitte des oberen Stadtteiles ist ein Huegel. Auf ihm stand der Palast des Herodes, wo das Fest stattfand und jene verruchte Prinzessin get a n z t und das heilige Haupt Johannes des Taeufers als Belohnung fuer ihren Tanz empfangen hat”. - Ein verschlafener Torwaechter, mit der arabischen Kefiyeh als Kopfbedeckung, sperrt fuer uns die Moschee Von Herbert Freeden (Jerusalem) auf, die auf diesem Platz errichtet wurde. Er hat das jahrelang als Angestellter des jordanischen Ministeriums fuer Touristik getan, und er setzt diese Taetigkeit auch unter der Aegide des israelischen Touristenbueros fort. Selbst seinen in Amman 1961 gedruckten F u e h r e r durch Samaria verkauft er weiter. Johannes, auf arabisch Nebi Yahiya, wird von den Moslem genau so verehrt' wie von den Christen. Die Moschee ist neueren Datums. Die Kreuzfahrerkirche aus dem 11. Jahrhundert, die jener grichische Pilger beschrieben hatte und die auf den Ruinen einer byzantinischen Kirche erbaut war, existiert nur noch in den Grundmauern. Wir steigen 21. Stufen hinab in eine Hoehle... oder ist es die ausgetrocknete Zisterne in Oskar Wilde’s Szenarium, in der Johannes gefangen gehalten wurde, bevor er aufstieg, als Salome ihn zu sehen wuenschte? In der Hoehle ist eine Krypte. Zur Zeit Kaiser Julius, im 4. Jahrhundert brachen heidnische Bewohner in das Gewoelbe, oeffneten das Grab, in dem man Johannes vermutete, verbrannten den Leichnam und streuten die Asche in alle Winde. Dennoch setzten auch in den darauffolgenden J ahr hunderten Pilger die Wallfahrt zu dieser Krypte fort. Die Terrasse, die Treppe, die Zisterne, umstanden von alten Zypressen — eine Szenerie ideal fuer eine Auffuehrung der Strausschen Oper. Es ist alles da, wie die Phantasie es ert r a e u m t. Welch eine Wirkung, wenn der Saenger aus der selben Gruft aufstiege, aus der Johannes kam, welch ein dramatischer Hoehepun k t, wenn die Enthauptung im Spiel auf dem authentischen Platz der Historie stattfaende. Allerdings, so malerisch der Platz ist, ganz authentisch scheint er nicht zu sein. Der Geschichte nach soll Johannes der Taeufer auf Befehl von Herod Antipas in Machaerus am Toten Meer enthauptet worden sein. Sein Rumpf, so wird berichtet, wurde von seinen Juengern und in Sebastaea begraben. Aber was geschah mit seinem Haupt? Es heisst, es wurde versteckt, Salome selbst hatte keine Zeit dafuer, denn der Koenig befahl, entsetzt, dass sie den Mund des abgeschlagenen Kopfes kuesste: “Toetet jenes Weib”. Die Wilde’sche Tragoedie schliesst “Die Soldaten stuermen vorwaeris und zermalmen unter ihren Schildern Salome, die Tochter der Herodias, Prinzessin von Judaea”. So wird es ihrer Mutter Herodias zugeschrieben, das Haupt des von ihr gehassten Taeufers verborgen zu haben. In der Moschee, die ueber den Resten der beiden alten Kirchen gebaut wurde, gibt es noch ein paar verblichene fragmentar i s c h e Fresken. Eines zeigt die gehobene Hand des Henkers, wie sie zum Schlag gegen Johannes ausholt; ein zweites eine Gruppe, wie sie sich um das Haupt des Johannes schart, das an diesem Platz wiedergefunden worden sein soll. Eine der Kapellen hiess urspruenglich “Die Kirche des wiedergefundenen Hauptes”. Es tut dem arabischen Torwaechter leid, uns enttaeuschen zu muessen. Er kann uns jenes Haupt nicht zeigen, denn, obwohl es hier auf mysterioese Art. wiedergefunden sein soll, ist es ebenso mysterioes wieder verschwunden. Wie und wann kann er nicht sagen, es ist lange her, vor Jahrhunderten geschah es. Er scheint traurig darueber, dass die Moschee, die er betreut, jenes Heiligtum nicht mehr enthaelt. Nur als er uns mitteiTt, wo das Haupt liegt, leuchten seine Augen auf — in Damaskus. Der Ruhm von Sebastaea leidet zwar darunter, aber dass das Haupt von Nebi Yahiya sich ausserhalb der israelischen Reichweite befindet, versetzt den Mann offenbar in bessere Stimmung. A$C

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