Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1967)
- Date
- 1967-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 5 DER NEUE STATUS QUO 90 Tage sind seit dem Mittelost-Krieg vergangen und 60, seit die Ausserordentliche Generalversammlung der Vereinten Nationen sich weigerte, die kommunistisch-arabische Niederlage in einen Sieg zu verwandeln und es ist eigentlich wenig, was sich seither wesentlich geaendert haette. Die israelische Kontrolle in den Gebieten, die (bezeichnenderweise nur zum Teil als “besetzte" und zum andern als “Neue” Gebiete bezeichnet werden, ist unumstritten. Weder die von Aegyptern und Jordaniern gelegentlich provozierten Verletzungen des Waffenstillstands noch sporadischer Widerstand vereinzelter Sektoren der ansaessigen arabischen Bevoelkerung, dem die Behoerden mit Energie, aber ohne uebertriebene Haerte beikommen, kann diese Tatsache in Frage stellen. So der absoLut nicht israelfreundliche “The Economist": “Wenn das so weiter, geht, werden die besetzten Gebiete kraft Verjaehrung israelisch werden”. Das mag eine etwas weitgespannte Perspektive sein, was sie aber auf nahe Sicht bestaetigt, ist die unleugbare Tatsache, dass die israelische Position fuer die Verhandlungen, die irgendwann einmal kommen werden, mit der Zeit steifer werden wird. Am Tage nach dem Waffenstillstand gab es wohl nur wenige Stimmen in Israel, die sich einer Rueckgabe der besetzten Gebiete, von Jerusalem ijatuerlich —das kein “besetztes Gebiet" ist— und einiger Grenzkorrekturen abgesehen, widersetzt haetten, wenn die Gegenseite Vernunft und Einsicht gezeigt haette. Heute gibt es zweifellos schon viele Menschen, die sich fragen, was mehr wert ist: fragwuerdige papierne Garantieen oder die tatsaechlichen, die sich aus der Verkuerzmng der Grenzen und ihrer Verlagerung jenseits des Bannkreises der israelischen Staedte und Siedlungen ergeben. So mehren sich auch die Stimmen, die auf eine Definition der Regierungs-Politik draengen. Abgesehen von der Kommunistischen Partei Israels, die eine umfassende Erklaerung nur fordert, um endlich wieder Argumente zu haben, die ihr einen Vorwand liefern wuerden, um in den Chor des Moskauer Hassgesangs wie einst, im Mai einzustimmen, gibt es auch solche —natuerlich aus ganz anderen Gruenden— rechts vom Zentrum. Die Regierung laesst sich aber nicht irr machen. Sie festigt die Kontrolle ueber die neuen Gebiete. Sie foerdert die Normalisierung des Lebens. Sie bezieht Positionen innerhalb des neuen status quo. Und sie schweigt ueber die Zukunft. So Abba Eban: “Wer etwas ueber unsere Friedensplaene erfahren will, wird nicht umhin koennen, sich gemeinsam mit uns an den Verhandlungstisch zu setzen”. Diese Taktik hat fraglos den Vorteil, die Truempfe nicht nur fest in der Hand zu halten, sondern beim Gegner noch die zusaetzliche Unklarheit darueber zu lassen, welche Karten man ueberhaupt und wie man sie geordnet hat, welchen Wert man jeder einzelnen beimisst und wann man sie auszuspielen gedenkt. Und sie laesst auf den Willen und die Faehigkeit schliessen, es so nutzbringend wie moeglich zu tun. KHARTOUM Als Fazit der unzaehligen Konferenzen auf der Gegenseite, die ihren vorlaeufigen Abschluss in Khartoum fanden, kann man feststellen, dass auch dort keine Friedens plaene Form gewinnen, wenn auch naturgemaess aus ganz anderen Gruenden. Es herrscht Uneinigkeit, Unsicherheit und Unschluessigkeit vor. Der Fehler, Wunschtraeume in eine ganz anders geartete Wirklichkeit zu projizieren, ist nach wie vor ein Charakteristikum ihrer Politik, wenn manche harte Realitaeten, vor allem wirtschaftlicher Natur, sie zu gewissen Einsichten zwangen. Zumindest ist dies der eine Gesichtspunkt, unter dem die Einstellung des Boykotts der Oellieferungen zu bewerten ist. Er war fuer den Westen nicht nur zu ertragen gewesen, sondern, indem er ihn zur Erschliessung neuer Quellen zwang, fuer die arabischen Autoren des Boykotts zwiefach ruinoes: unter dem Aspekt des gegenwaertigen Ausfalls und der Gefahr der dadurch gefoerderten Konkurrenz. Nicht viel anders liegt die Situation im Suez- Kanal. Seine Schliessung ist von der Handelsschiffahrt weit ruhiger hingenommen worden, als Aegypten dies je vermutet haette und wenn sie noch lange andauert, werden die Riesentanker und ihre neuen Navigationswege ihn am Rande von Geographie und Geschichte lassen —Politik ist Geschichte der Gegenwart!—, dies abgesehen von dem empfindlichen Verlust an mona tlichen Einahmen. Folgerichtig koennte man daher nach der Wiederaufnahme der Oellieferungen Initiativen aus Kairo erwarten, die auf Oeffnung des Kanals zielen, zumal die sowjetischen Freunde ihn schmerzlicher entbehren als die westlichen sogenannten “Alliierten Israels". Aus vielen Gruenden ist aber die Situation dort komplizierter. Erstens ist Nasser, gestern noch Fuehrer der gesamten arabischen Welt, heute schon nicht mehr Herr genug im eigenen Land, um eine solche Kapitulation so einfach riskieren zu koennen. Die im August vorgenommenen Verhaftungen zeigen das sehr deutlich. Fuer Kleinkoenig Feisal oder den Scheich von Kuweit, deren “Prestige” schon immer in Gold und Dollars gemessen wurde Und nicht in der falschen Muenze arabischer Hegemonie, stellte das Aufdrehen des Hahns kein politisches Problem dar. Nasser, der neben diesen Millionaeren doch nur ein armer Teufel ist, Chef eines miserablen, von Armut, Krankheit, Ignoranz, Ungerechtigkeit, Korruption, und Despotismus geplagten Landes, das seinen aussenpolitischen Nimbus verloren hat, muss schon aus innenpolitischen Gruenden weiter so handeln als ob er noch existiere. Zweitens aber, und das macht die Situation verzweifelt fuer ihn, bietet ihm die gegenwaertige Konstellation gar keine Chance fuer eine Oeffnung des Suez-Kanals, die nicht auch, kraft der Anwesenheit der israelischen Truppen am oestlichen Ufer, dessen Benutzung durch Israel mit sich bringen wuerde. Und das ist fuer einen Politiker, dessen einst ganz betraechtliches Kapital sich bis auf die Fiktion eines Prestiges reduziert hat, das er selbst immer wieder in Funktion des aegyptisch-israelischen Staerkeverhaeltnisses gemessen hat, unertraeglich. Selbst wenn er verhandeln wollte und es liegen ja gewisse Anzeichen dafuer vor, dass er seine intransigente Haltung langsam aufgeben moechte, um eine mehr pragmatische einzunehmen, muss er dafuer eine solidere Ausgangsstellung suchen als die durch den Juni-Feldzug geschaffene. In den Rahmen dieses Versuchs gehoert das neuerliche, in Khartoum getroffene, Abkommen (ein erstes wurde vor zwei Jahren in Djidda unterzeichnet, aber nie eingehalten) ueber den Rueckzug der Truppen aus dem Jemen. Es steht zwar auch diesmal alles andere als fest, ob die Versprechen honoriert werden, aber es ist zumindest interessant darauf hinzuweisen, wie gleichgueltig die ganze Angelegenheit —ob sie sich so oder so entwickeln mag— fuer Israel ist. Die durch zwei Jahrtausende Galuth geformte Mentalitaet, Ereignisse mit der Lupe des “gut fuer die Juden?, schlecht fuer die Juden?” zu analysieren, ist durch den Sechs-Tage-Krieg ueberwunden worden, wie man wohl hoffen darf, endgueltig. Israel ist sich seiner eigenen Kraft sehr bewusst geworden und weiss, dass es von ihr abhaengt, was gut fuer die Juden ist und was schlecht, unbeschadet der Konflikte, die die Araber anzetteln oder auch beilegen, der Reden die sie abhalten, und der Intrigen, die sie spinnen. DER WESTEN An letzteren fehlt es natuerlich nicht. So wie es immer Leute gibt, die auch auf die legitimsten ihrer Ansprueche niemals gradlinig zusteuern wuerden, solange sich als Alternative ein krummer Weg bietet, so gibt es Politiker, die ueber- ZWEI WENIGER Im Laufe der letzten dreissig Tage starben: Von einem Kumpanen erschossen, George Lincoln Rockwell, Fuehrer der Nazi-Partei in U. S. A. und eine der Hauptfiguren der Faschistischen Internationale. Durch eigene Hand, Ilse Koch, die “Hexe von Buchenwald” und Witwe des ehemaligen dortigen KZ—Lager-— Kommandanten. Was hiermit mit dem gebuehrenden Minimum an sprachlichem Aufwand festgehalten werden soll. H. K MONATSSPIEGEL zeugt scheinen, den Erfolg durch Intrigen suchen zu muessen. Durch Tradition, und Ueberzeugung sind die arabischen Staatsmaenner ln dieser Schule fuehren. Anders kann man sich naemlich nur schwer erklaeren, warum sie einen absolut logischen Teil der Beschluesse von Khartoum geheim gehalten haben. Sie betreffen den Versuch, die Beziehungen zum Westen, vor allem aber zu U.S.A., so rasch wie moeglich wieder zu normalisieren. Vom Standpunkt der arabischen Konvenienz aus ist das ein Imperativ. Nicht nur dass der ganze Abbruch ein Wahnsinn war —so wie der Kriegszustand mit Israel ein Wahnsinn ist— und darueber hinaus ein unverantwortliches Spiel mit dem Feuer eines atomaren Weltkriegs. Nein: sie verloren ihren heiligen Krieg erst militaerisch, dann auf diplomatischer Ebene in der NU, dann wirtschaftlich mit Oelboykott und Suezschiffahrt, zuletzt in Belgrad, wo die kommunistischen Haeuptlinge Osteuropas resigniert feststellten, nicht viel helfen zu koennen, also: worauf warten sie eigentlich noch? Alle Welt weiss, sie wollen, sie koennen nicht umhin, sie muessen, aber sie betrachten es als Geheimnis. Wie dem auch sei, geheim oder offen, werden die Botschafter des arabischen “Anti-Imperialismus” mit ihren heute schon gepackten Koffern bestimmt in Washington und Bonn und London ankommen, bevor dies einem israelischen Botschafter in Moskau moeglich sein wird, obwohl Israel keinen militanten “iyiti-Kommunis m u s” praktiziert und aus seinem Wunsch, mit allen Staaten der Erde korrekte Beziehungen zu unterhalten, nie ein Hehl gemacht hat. Aber weder auf das eine noch auf das andere kommt es fuer Israel in erster Linie an, sondern darauf, dass in den westlichen Hauptstaedten kein Zweifel darueber bestehe, dass die Zeiten vorueber sind, in denen der Preis fuer gute Beziehungen mit den Arabern in Verschlechterung der Beziehungen zu Israel gezahlt wurde. Diesen Preis in Verkennung der neuen Realitaet, schon wieder zu fordern, versuchen die Araber im Moment erneut, indem sie ihr rapprochement mit dem Versuch synchronisieren, die NU noch einmal einzuschalten. Was in der Ausserordentlichen Generalversammlung missl a n g —ein Beschluss ueber bedingungslose Rueckkehr zum statues quo ante von vor dem 5. Juni—, das soll in der jetzt eroeffneten Ordentlichen Generalversamml u n g gelingen. DIE NU herein mit ihren eigenen Stimmen rechnen, den kommunistischen und den kurioserweise “blockfreie” genannten, sowie wahrscheinlich mit jenen afrikanischen, d i e schon im Juni-Juli fuer die jugoslawisch — russischen Thesen abgegeben wurden. Zumindest ist nichts darueber bekannt, dass von dort jemand auf die andere Seite herueberwechseln wollte und sollte dem so sein, muss es sich um Einzelfaelle handeln. Die westliche Seite dagegen, die damals fuer die von den lateinamerikanischen Staaten verfochtene These eintrat, bei der die Ideen von Ende des Kriegszustands und direkten Verhandlungen Berücksichtigung finden, ist naturgemaess nicht so “monolithisch". Dabei spielen eine Menge Faktoren eine Rolle: die Tatsache, dass der Westen ueberhaupt innerlich noch zerrissener ist als die kommunistische Welt, dass in der Zwischenzeit sehr viel Druck ausgeuebt wurde und dass man sich hie und dort wohl auch fragt, ob Israel den ganzen Aufwand eigentlich wert ist. Schlieslich hat man doch in der arabischen Welt einen zumindest potentiell interessanten Markt zu verteidigen und in Israel “nur” Imponderabilien wie Moral, Frieden und Gerechtigkeit! Es sollte daher niemanden Wunder nehmen, wenn die sogenannte lateinamerikanische Position in New York jetzt geschwaecht erscheint, Argumente abbroekkeln und auch Stimmen, sodass die vor zwei Monaten noch unerreichbar ferne Zweidrittelmehrheit von 84 Stimmen irgendwie in den Bereich des fuer Moskau und Kairo Greifbaren rueckt. Sollte ihnen dieser Erfolg trotzdem vorenthalten bleiben, so wird man das nicht nur der israelischen Delegation zuschreiben duerfen, die unter Fuehrung von Abba Eban gewiss die gleiche brillante Rolle spielen wird wie damals, nicht nur den Resten von Selbsterhaltungstrieb, die im Westen selten so gestaerkt worden sind wie durch die israelische Haltung seit dem 15. Mai, sondern paradoxerweise schon wieder durch die Fehler der Gegenseite. Bekanntlich spielt naemlich dort im Moment Jugoslawien die erste Geige... und es spielt sie erbaermlich schlecht. Es scheint eine Alterserscheinung halsstarriger Greise zu sein, dass sie auf ihren Irrtuemern beharren, statt sie zu berichtigen. So hat Praesident Tito, statt der klaeglich gescheiterten “blockfreien” Akrobatik mit Nasser ein Ende zu machen, diese jetzt nicht nur fortgesetzt, wie wenn nichts geschehen waere, sondern er gibt Gast- Dabei koennen sie vonvorn- (Fortsetzung Seite 8)