Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 8 (Agosto, 1967)
- Date
- 1967-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 BOLETIN INFORMATIVO AGOSTO 1967 FRIEDEN und MENSCHLICHKEIT Wir veroeffentlichen nachstehend drei, der deutschen Zeitung “Die Welt” entnommene Artikel ueber die Situation der Araber in den besetzten Gebieten, die Fluechtlinge, und ueber die Kriegsziele Israels. Wir halten diese, aus neutraler Quelle kommenden Aufsaetze nicht nur aufgrund ihres ausserordentlich hohen journalistischen Niveaus fuer besonders interessant, sondern vor allem deshalb, weil hier aus nichtjuedischer Quelle die traditionelle Haltung der Regierung und des Volkes Israel, den Arabern Frieden und menschliches Verstaendnis anzubieten, klar zum Ausdruck kommt. Die Redaktion Israelis diskutieren Friedensziele Israel braucht Sicherheit Im heissen Licht der Wü- In jenen Tagen erlebten stensonne über Sinai hat die wir Deutsche zugleich auf Welt zwei Wochen lang die eine ganz neue und bestur- Wahrheit gesehen: Nicht irzende Weise das Schicksal gendein Krieg, sondern ein unserer Spaltung, als Ul— Verbrechen war über das Stabrichts Propagandisten Israel dium der Planung hinaus- und das NS-Regime in einem gewachsen. Es war im Be- Atemzug nannten. Die vergriff, begangen zu werden: bale Identifikation, das Non- :1er zweite Mordanschlag auf plusultra der Niedertracht, das Volk Israel in diesem bediente sich der deutschen Jahrhundert. Die Taeter lies- Sprache. Die es verbreiteten, sen keinen Zweifel an ihrer waren die gleichen, die im Absicht heit. und Entschlossen- Auschwitz-Museum seit langem den Zynismus einer „na- Massvolle Zurückhaltung bestimmt nach wie vor das politische Leben in Israel. Beobachter in Jerusalem koennen keine Anzeichen eines nationalistic!! überhitzten oder übersteigerten Annexionseifers feststellen. Die politische Führung und die Oeffentlichkeic sind sich darüber klar, dass nur in einem Arrangement mit den arabischen Nachbarn die Chance für einen dauerhaften Frieden liegt. Israels Bedingungen nach dem gewonnenen Krieg — soweit bisher ueberschaubar — sind relativ bescheiden: 1. gefordert werden Friedensvertraege mit den arabischen Voelkern, damit die Grenzen Israels gesichert und neue Kriegsgefahren gebannt werden. 2. gefordert wird die Einheit Jerusalems als historische Hauptstadt Israels. Uber alle anderen territorialen Fragen, die sich aus dem Kriege ergeben, will die israelische Regierung mit sich reden lassen. Noch niemand in verantwortlicher Stellung hat sich bisher unverrueckbar festlegen lassen, was nun mit Sinai, mit dem ehemaligen Gaza-Streifen, mit dem Stuetzpunkt Sharm el Sheik und mit dem Westufer des Jordan geschehen soll. Hier scheint die Regierung in Jerusalem zu vernuenftigen Zugestaendnissen bereit zu sein. “Wir haben diesen Krieg ohne Hass gefuehrt”, hat der israelische Staatspraesident Schazar erklaert. Das ist von der anderen Seite gewiss nicht mit gleicher Glaubwürdigkeit zu sagen. Zwar gibt es auch in den Reihen der israelischen Regierung und der politischen Parteien deutlich erkennbare Abstufungen in den politischen Zeilen nach dem Waffenstillstand. Es gibt auch in Jerusalem und in Tel Aviv “Falken” und “Tauben” So forderte der israelische Arbeitsminister Yigal Allon schnelle Vorbereitungen der Armee, denn der Krieg koenne noch nicht als beendet angesehen werden. Doch selbst diejenigen, die tiefgreifende territoriale Veraenderungen als Sicheheitsgarantie fuer Israel fordern, sind nicht ganz ohne Mass und verschliessen sich nicht der Erkenntnis, dass zu hohe Ansprueche keinen dauernden Frieden bringen werden. Diplomatische Beobachter neigen der Ansicht zu, dass sich die gemaessigte Richtung letz ten Endes durchsetzen wird. Nur ueber Jerusalem will man nicht mit sich reden lassen. Hier werden schon Tatsachen geschaffen. Die Knesset, das Parlament der Israelis, hat mit drei Gesetzen die Regierung ermaechtigt, die ehemalige Altstadt in das Staatsgebiet des Landes Israel einzubeziehen. Teddy Kollek ist jetzt der Buergermeister ganz Jerusalems. Doch auch hier zeigt sich der Wunsch, massvoll zu sein. Die Versammlung verzichtete darauf, das Gesetz über den staatsrechtlichen Zusammenschluss beider Teile Jerusalems in feierlicher Form zu verkünden. Statt dessen waehlten dae Abgeordneten den Weg, die bisherige Staedteordnung abzuaendern und der Regierung die notwendigen Vollmachten für die praktische Erweiterung des Stadtgebietes von Jerusalem zu geben. Alles geschah ohne Pathos und ohne Demonstrationen. Es wird gleichzeitig alles getan, um Christen wie Mohammedanern zu versichern, dass sie im wiedervereinigten Jerusalem ungehinderten Zugang zu ihren Heiligtümern haben werden. In den vergangenen zwanzig Jahren durften Israelis die Altstadt Jerusalems nicht be- ANZEIGEN ANNAHME fuer das BOLETIN INFORMATIVO Los Serenos 476 OS. 22-23 (Catedral Hohe 1250 Tel. 87765) treten. Jordanische Behoerden verwehrten ihnen den Zutritt zur Westwand des Tempels, der sogenannten Klagemauer. Die Israelis wollen toleranter sein. Die Angehoerigen der anderen Glaubensbekenntnisse sollen sich frei in Jerusalem bewegen dürfen. In Jerusalem hat man mit Interesse vermerkt, dass Papst Paul VI. zwar von einem ’’international garantierten Statut für Jerusalem” gesprochen hat, nicht aber ausdrücklich von einer ’'Internationalisierung” . Darin erblickt man hier wichtige praktische Hinweise für die Zukunft der israelischen Hauptstadt. Seit kurzem arbeitet die Wasserversorgung für ganz Jerusalem wieder. Die evakuierten arabischen Familien aus dem verfallenen Wohngebiet hinter der Klagemauer sind zum grossen Teil schon in andere Quartiere eingezogen. Es handelt sich um etwa 70 Familien, die in baufaelligen Haeusern wohnten. Diese alten Haeuser sind abgebrochen worden. Dabei ist vor der Klagemauer ein freier Platz entstanden. Hier lag früher das alte jüdische Viertel. Die Jordanier hatten bei der Besetzung der Altstadt vor zwanzig Jahren alle jüdischen Synagogen in diesem Teil der Stadt abgebrochen und Grabsteine vom jüdischen Friedhof unterhalb des Oelberges zum Strassenbau verwendet. Das Augusta - Viktoria - Krankenhaus in Altjerusalem, das von der UNO-Hilfsorgänisation (UNRWA) unterhalten wird, soll — wie Bürgermeister Kollek bekanntgegeben hat — mit israelischer Unterstützung wieder renoviert werden. Das Hospital war waeh-rend der Kaempfe beschaedigt worden. Die Palaestina - Flüchtlinge will Israel nach und nach in das Wirtschaftsleben der besetzten Gebiete eingliedern. Zu diesem Zweck ist eine Kommission unter dem Vorsitz von Ministerpraesident Levi Eschkol geschaffen worden, der auch der israelische Landwirtschaftsminister und hohe Beamte angehoeren. Ein Teil der 700.000 Palaestina - Flüchtlinge, die im Gaza - Streifen und Westjordanien bisher zumeist in Lagern von der Unterstützung der UNO- Hilfsorganisation lebten, soll in der Landwirtschaft Westjordaniens Beschaeftig u n g finden, in erster Linie durch die Verbesserung der Bewaesserungssysteme. Die Welt begann, sich zu tionalen Ausstellung der erinnern. Deutschland Deutschen Demokratischen brauchte es nicht. Wir ken- Republik“ unterhalten. Sollte nen die Graeber in Europa es noch einen Zweifel gegeüber dis in 25 Jahren kein-'ben haben, ob denn die Machthaber der Zone wirklich bar jeden Gefühls für er Gras gewachsen ist. Für uns waren die Hasstiraden des Senders Kairo wie das Humanum waren ein Blick in den Spiegel unist nun beseitigt, serer jüngsten Vergangenheit. Das Motiv, ob pseudo- Der Kampf der Israelis wissenschaftlich verbraemter zeigte der Welt noch einmal Rassismus oder religioes aufdie Wahreheit. Waehrend geputschter Nationalismus, Aegyptens Bramarbas Nasser zaehlt nicht in der Geschiehtriumphierte: „Jetzt sind sie te des Genocids. Es zaehlt die in die Falle gegangen“, er- Tat. Wer bis dahin noch glauben mochte, Auschwitz und klaerten sich zwei der drei Maechte, die 1950 die Integritaet des jüdischen Staates der Staat der Juden seien garantiert hatten, ihres Beizwei Dinge, die nichts miteinstandsverspre chens ledig, ander zu tun hatten, erfuhr England und Frankreich jetzt seinen Irrtum in einer ^haettenbei einem umgekehrunausweichlichen Erschütterten Verlauf des Krieges keine rung des Gewissens. Wenn Zeit mehr gehabt, das veralles geschehen durfte, dies pfaendete Wort docht noch durfte nicht geschehen, dass einzuloessen. I h r Verlusst die Ueberlebenden von Hitlers an Glaubwuerdigkeit ist Massakern in ihrer alten Heimat ausgeloescht würden. (Fortsetzung Seite 10) Flüchtlingsnot als Propagandawaffe Wahrscheinlich kann nur der ganz ermessen, was es heisst, ein Flüchtling zu sein der in der Fremde mit einem Koefferchen oder noch weniger ankam und sich dem Nichts gegenüber fand. Immer wieder gab es Flüchtlinge in unserem Jahrhundert; viele Deutsche haben das Flüchtlingslos kennengelernt — auch schon vor 1945. So nimmt es nicht wunder, dass man hierzulande hellwach wird, wenn irgendwo Menschen auf der Flucht sind. Und es ist nicht nur vers ta endlich, sondern menschlich auch hoch anzuerkennen, dass in diesen Tagen die arabischen Flüchtlinge, die bedauernswerten Opfer des Brandes im Nahen Osten, die Gemüter erregen. Taetige Hilfe ist geboten, wie immer, wenn irgendwo Not herrscht. So kann man die Aufrufe der internationalen Hilfsorganisationen nur uneingeschraenkt unterstützen. Nicht unterstützen sollte man dagegen den politischen Missbrauch, der heute wie seit fast zwei Jahrzehnten mit den arabischen Flüchtlingen getrieben wird. Mit Gewalt hat man diese Unglücklichen, Hunderttausende von ihnen, in Lagern gehalten. Sie sollten heimat - und rechtlos bleiben, weil sie so ein stets aufnahmebereites Saatbeet für die antiisraelische Hetze waren und auch willkommene Gelegenheit boten, auf die Traenendrüsen der Weltoeffentlichkeit zu drücken. Deshalb wurde es diesen Flüchtlingen auch nicht ermoeglicht, das von Israel im November 1958 gemachte Entschaedigungsangebot anzunehmen. Jetzt wird der versuch unternommen, Israel als ein Land anzuschwaerzen, das einen gnadenlosen Ausrottungskampf gegen die besiegten Araber führe. Sogar durchaus gutwillige Berichterstatter fallen auf diese Propagandakampagne herein. Und auch das Publikum faengt an zu glauben, wenn ihm Fotos oder Filme aus jordanischen Lagern oder Interviews mit Flüchtlingen vorgesetzt werden. Wenige nur durchschauen, dass auch eine Fotografie, dass sogar die Erzaehlung eines direkt Beteiligten oft nur die halbe oder sogar eine gefaelschte "Wahrheit“ ist. Deshalb erscheint es notwendig, einige Punkte klarzustellen. 1. Die 350.000 Menschen in den Lagern im Gaza-Dreieck werden nach wie vor von der Weltflüchtlingsorganisation (UNRWA) betreut — wie es heisst, in tadelloser Zusammenarbeit mit den israelischen Behoerden. Die unmittelbar nach den Kampfhandlungen auf getret e n e n ernsthaften Verso rgungsschwierigkeiten — in einem grosser Lager hatten die Araber dieeingelagerten Vorraete verbrannt - sind behoben. (Fortsetzung Seite lO)