Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 6 (Junio, 1967)
- Date
- 1967-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 5 VDR DEM KONFLIKT: HEIMATFRONT Tel-Aviv, 4. Juni 1967.— Ein anderes Land scheint dies Israel mit seinen Staedten, Doerfern, Siedlungen und — das vor allem — an seinen Grenzen in diesen letzten zweieinhalb Wochen geworden zu sein. Vollmotorisierte Infanterie, schwere Artillerie und leichtbewegliche Moerser, Panzerformationen mit ihren bewaehrten “Centurions” und allen Arten sonstiger Tanks, Fallschirmjaeger unter der Fitshrung der vor einem Jahrzehnt erprobten “Veteranen” des Sinai-Feldzugs, zum Frontdienst zurueckgekehrte Offiziere, junge Rekruten und etwas aeltere Reservisten sind in den Steppen des Negew, laengs der Kuestenzone von Gaza und ueberall sonst, wo es nottut, abwehrbereit aufmarschiert. Warten, warten — vielleicht auch kaempfen ist ihre Parole, und leicht kann man sich vorstellen, welches Mass diszipliniertester Selbs t b eherrschung von ihnen dazu angesichts mancher Schiessereien und sonstiger arabischer Provokationen verlangt wird, an denen es inzwischen nicht gefehlt hat, Ueber Nacht verschwand die Jugend von den Boulevards, aus den Theatern, Konzerten, Cafés, Kinos, die sie in Tel- Aviv, Jerusalem, Haifa und all den Provinzorten noch anfangs des “wunderschoenen Monats Mai” mit ihrem friedlich-froehlichen Treiben bevoelkert hatte. Waffenstarrend harrt sie draussen der “Stunde Null”, aber sollte sie kommen, wird es in einem so kleinen Staat, vom Flaechengbiet beispielsweise des Landes Hessen (Die Provinz Antofagasta ungefaehr - Die Red.) selbtredend kein Draussen und kein Drinnen geben. _ Ja, im Zeichen der Kriegsgefahr steht auch die Etappe, die keine ist. Auf den Strassen bilden sich vor den Ambulanzwagen wieder und wieder Warteschlangen freiwilliger Blutspender. Unter ihnen befand sich Winston Churchill jr., der Enkel des grossen Staatsmanns, einer von den guten hundert aus England, den Vereinigten Staaten, aus Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland usw. herbeigeeilten auslaendischen Korrespon de n t e n. “Fast schaemt man sich, kein Jude zu sein” kabelte sein Kollege Patrick O'Donovan dem Londoner “Observer”. Er fuhr fort: “Es gibt keine Hysterie, keinen aufgeregten Poebel, der nach Aktion schreit, keine Panik, obwohl die Geschaefte sich einem Ansturm nach nichtverderblichen Lebensmitteln gegenuebersehen" — nur wenige Tage, sei hinzugefuegt. “Das ist ein Volk, bereit um seine Existenz zu kaempfen”. Beamte, Angestellte, ganze Belegschaften von immer mehr Fabriken stellten dem Staat zu seinem Existenzkampf hunderttausende von Israelpfunden in bar zur Verfuegung, oder indirekt, durch Verzicht auf die frueher stets so leidenschaftlich umstrittene Teuerungszulagen u. dgl. Mit bedeutenden G e 1 d— und Sachspenden schlossen sich ihnen Fabrikanten und andere Kaufleute, Aerzte, Anwaelte, Ingenieure an, Privatiers die auf Altersrenten verzieh t e t e n, Hausfrauen und vor allem und immer wieder Kinder mit ihren Scherflein. Sie sortieren und tragen die Post aus, wo Not am Mann ist, und wetteifern mit den Erwachsenen bei der Sammlung von Liebesgaben aller nur denkbaren Sorten fuer die Soldaten, Suessigkeiten, Obst usw. .Es versteht sich, dass die oeffentlichen Luftschutzkeller und die in den Haeusern imstand gesetzt, die Hausfronten vielfach m i t Sandsaecken und durch andere mehr oder minder improvisierte Vorbauten g estuetzt und dass in unzaehligen Wohnungen spontan von ihren Besitzern oder auch nach den Anweisungen der Luftschutzwarte entsprechende Schutzmassnahmen inzwischen getroffen worden sind. Was diesen Schwebezustand noch belastete, war am 30. Mai der Flug des jordanischen Koenigs nach Kairo, sein Gang nach Canossa zu dem mit seinen geradezu hitlerischen Ueberraschungsmanoevern erneut im panarabischen Lager zum Zenith des Einflusses aufgestiegenen Nasser. Ein jordanischaegyptischer Beistandspakt wurde von ihnen geschlossen. Zum Sturz des — angeblich -“israelhoerigen” Hus sein hatte nur wenige Tage vorher der unübertroffene israelha sserische Achmed Schukeiri gehetzt, der Gruender und Leiter der “Palestinensischen Befreiungsarmee”. Der junge Koenig sah sich auf seinem Rueckflug gezwungen ihn mitzunehmen. Und sollte er diesem Schukeiri im Gegensatz zum bisherigen strikten Verbot der jordanischen Regierung von nun an dort tatsa'echlich freie Hand zur Organisierung und Entsendung von Terroristengruppen ueber die schwer kontrollierbare, 528 km. lange Grenze lassen, so haetten die Israelis mit einer dritten Front zu den zwei bisherigen zu rechnen, der aegyptischen und der syrischen. Vom Mittelmeer trennen diese Grenze ueberdies nur 17 km. am “Flaschenhals”, der den noerdlichen Teil Israels auf etwa dem halben Wege zwischen Tel- Aviv und Haifa mit den uebrigen Landesbhzirken verbindet. .. Keine Panik spuert man hier, depeschierte O’Donovan dem “Observer”, aber “gespannt, nervoes” sei die Bevoelkerung, fuegte er wohl mit Recht hinzu. Das schleppende Verhandlungstempo i m UN—Weltsicherheitsrat fuehrt im Verein mit mehreren unbefriedigenden Aeusserungen massgebender Politiker auch in traditionell so befreundeten Grossmäechten wie in den Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreich hier immer ungestuemer zum Ruf nach einer “Regierung der nationalen Einheit”. Das Heranziehen von starken, notfalls zum aeussersten entschlossenen Naturen — so die Kritiker Levi Eschkols — sei das Gebot d'?r Stunde fuer ihn geworden, den Ministerpraesidenten, der als typischer Zivilist ebenso anfaellig fuer politische Formeln, ja, Scheinloesungen sei wie sein Aussenminister Aba Eban, ein Nur-Diplomat nach seinem ganzen Werdegang Kinder sortieren und tragen die Post aus (A.F.P.) ISRAEL Von Dr. Abner Nechuschian SO BEGANN ES Die “Blauhelme” ziehen ab — Im Grenzposten Erez verabschiedet sich der israelische Militaerpolizeikommandeur vom Befehlshaber der U. N. Truppen (A. F. P.) und Wesen. Wenn keine andere Wahl bliebe, muesse der gordische Knoten eines solchen Konflikts mit dem Schwert durchhauen werden; diesen Standpunkt vertrat begreiflicherweise Menachem Begin von der rechtsnationalistis chen Freiheitspartei. Und so trat kein anderer als er, der jahrzehntelang David Ben Gurions ergrimmtester Widersacher gewesen war, an Eschkol mit dem Vorschlag heran, die Fuehrung des Kabinetts dem “Alten mit der silbernen Loewenmaehne” zu ueberlassen; woran sich uebrigens drastisch zeigt, wie die hergebrachten innerpolitischen Gegensaetze in Israel vom Drama der jetzigen Entwicklung zur Bedeutungslosigkeit aufgeweicht worden sind. Daraus wurde zwar nichts. Der Ministerpraesident lehnte es ab, sich derart zu entmachten. Aber dem Draengen der Koalitionspartner unter Einschluss gewichtiger Gruppen seiner eigenen Partei, der mehrheitssozialistischen Mapai, dem Druck auch fast des gesamten oppositionellen Lagers und der allgemeinen Stimmung konnte er sich auf die Dauer nicht mehr entziehen. Er verzichtete auf die Leitung des Sicherheitsministeriums, das er bis dahin mehr oder minder nebenamtlich verwaltet hatte, zugunsten des Brigadiers Mosche Dajan, der als Gefolgsmann Ben Gurions zusammen mit seinem Freund seinerzeit aus der Mapai und in die “politische Wueste” gegangen war. Ferner stimmte Eschkol im Zuge dieses Revirements u.a. auch der Ernennung des Oppositionsfuehrers M. Begin, zum Minister ohne Portefeuille zu. Vornehmlich den Entschluss, Mosche Dajan zum Sicherheitsminister zu machen begruesste die hiesige Oeffentlichkeit, zu deren Symbolgestalten der “Held von Sinai” gehoert, mit allen Zeichen der Genugtuung. Er erfreut sich uneingeschraenkten Vertrauens seiner Kameraden in Uniform, des Offizierscorps mit dem jetzi gen Generalstabschef Jitzchak Rabin vornan, nicht anders als der Truppe. Wie er anzugreifen und zu siegen versteht, zeigte er im letzten Weltkrieg, bei der Saeuberung Syriens von den Vichy- Garnisonen (damals verlor er sein eines.Auge), im juedisch-arabisclien Krieg von 1948-1949 und vor zehn Jahren, als Hoechstkommandierender des Feldzugs auf der Sinai-Halbinsel. Andererseits darf von jemandem mit so vielfaeltigen verwaltungspolitischen Erfahrungen wie ihm, dem frueheren Landwirtschaftsminister, gluecklicherweise vorausgesetzt werden, dass er kein Draufgaenger um jeden Preis ist. Niemand wie er duerfte die Autoritaet haben, die an den Grenzen des Landes Israel aufmarschierte Verteidigungsarmee — und das ist seit der Staatsgruendung nicht zufaellig ihr Name — solange wie nur irgendmoeglich davor zurueckzuhalten, noch so hinterhaeltigen Provokat i o n e n nachzugeben. Warten, warten — vielleicht auch kaempfen... Doch sollte entgegen der Hoffnung aller Friedliebenden in Israel und der Welt, gekaempft werden muessen, so waere fuer die Verteidigungsarmee Mosche Dajan der richtige Mann am richtigen Ort. ISRAEL VERTEIDIGT SICH Israelische Infanterie besetzt Wartestellungen im Negew. (A. F. P.) ■♦jbrK'; MB