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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-05-01 · 5 (Mayo, 1967) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
5 (Mayo, 1967)
Date
1967-05-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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MAYO 1961? BOLETIN INFORMATIVO 21 DER ZIONISMUS UND DER MODERNE MENSCH Kraft besitzen, um selbst noch so starke Mauern einer Noli - me - tangere - Genera tion zu durchbrechen. Wir denken zunaechst an das Erlebnis des Erwachens eines neuen Geschichtsbe- •wusstseins. Der Hauptgrund fuer die frueher aufgezeigte Minderung der juedischen Substanz ist bei den meisten Juden auf einen totalen Mangel an Kenntnis der historischen Position und Problematik des juedischen Volkes zurueckzufuehren. Das gilt auch, oder vielleicht sogar gerade fuer die Generation der jungen Intellektuellen. (In Parenthese sei darauf verwiesen, dass ihr prozentueller Anteil an der juedischen Gesamtbevoelker u n g heute weitaus groesser ist als irgendeinmal in den vergangenen Zeiten. In den USA z.B. studieren heute 300.000 junge Juden an den Universitaeten — im Jahre 1970 duerfte ihre Zahl auf ueber 400.000 angestiegen sein). Da bei der grossen Mehrheit die Quelle ihrer Herkunft verschuettet erscheint, beginnt fuer sie meist ueberhaupt die juedische Geschichte mit Hitler oder dem Staate Israel. Wir muessen darum zunaechst beginnen, den Weg zu den Quellen unserer gesamten Geschichte freizulegen, das Interesse fuer die juedische Vergangenheit und das Schicksal der eigenen Gemeinschaft zu wecken. Vom Anbeginn an hatte der Zionismus die Normalisierung der juedischen Volksexistenz zum Ziele und hat in der Tat im Staate Israel ein Maximum der Normalisierung des juedischen Gemeinschaftslebens erreicht. Ueberdies hat die Ueberwindung der Ghetto-Atmosphaere — eines Ghettos, das von Aussen auferlegt, aber zuweilen auch aus eigenem Willen aufrechterhalten wurdein den Laendern der Diaspora die grosse Mehrheit des juedischen Volkes zu normaleren Beziehungen zur nichtjuedischen Umwelt gefuehrt, als in frueheren Zeiten. Wir duerfen jedoch angesichts dieser gesunden Entwicklung nicht ausser Acht lassen, dass auch heute noch eine Sui - generis - Situation fuer unsere Existenz als Volk, als Individuen und als Staat, mit oder gegen unseren Willen, weiter besteht. Da demnach fuer die Mehrheit unserer Probleme keine vorfabrizierten Loesungen existieren, die wir von anderen Voelkern uebernehmen koennten, muss jede neue Generation von Neuem unsere Situation durchdenken und aufs neue Stellung nehmen. Diese permanente Konfrontation mit den vitalen juedischen Themen fuehrt -dazu, dass aus einem offensichtlichen Fehlschluss die -Judenfrage hoechst einfach fuer alle jene erscheint, die sich grundsaetzlich ideologischen Diskussionen entziehen oder sie fuer ueberfluessig halten: sie leugnen ihre Existenz und stecken den Kopf wie der Vogel Strauss in den Sand. Spaeter werden sie oft von aussen in drastischer Weise daran erinnert oder stossen mit ihr voellig unerwartet und oft in Ueberaus heftiger Form zusammen. Wenn diese Sui - generis - Situation fuer die neuen Generationen nicht eine ueberfluessige Belastung bilden soll, dann muss sie den ganzen Reichtum der Kultur unseres Volkes kennen lernen und in der juedischen Eigenart ueberdies eine Bereicherung der Kultur unserer Unweit sehen. Sie soll auch in der Zugehoerigkeit zu dieser Gemeinschaft sui generis, die so vital und unzerstoerbar erscheint, eine Bereicherung ihrer eigenen Existenz spueren, eine Staerkung ihres und vor allem des Selbstbewusstseins ihrer Kinder. Die Vorbedingung einer solchen positiven Haltung zum Judentum ist vor allem die Wiedererweckung ihres juedi sehen Geschichtsbewusstseins. Das scheint kein aussichtsloses Unterfangen zu sein, weil wir unaufhoerlich vor Situationen gestellt werden, die geradezu historische Paralellen oder historische Anknüpfungspunkte herausfordern. IM HISTORISCHEN RAUM Ich moechte hier nur einige Beispiele anfuehren, ihre Zahl kann ohne besondere Anstrengung wesentlich vermehrt werden. Wir sind im vergangenen Jahr Zeitgenossen eines, wfe auch immer man es in seiner Endauswirkung beurtei len mag, wichtigen historischen Ereignisses gewesen: des oekumenischen Konzils der katholischen Kirche in Rom. Die Behandlung der Frage der Stellung dieser Kirche zum Judentum und zum juedischen Volk bildete eines der zentralen und umstrittenen Themen auf jener Tagung und erweckte weit ueber den auch nicht gerade kleinen Kreis des Katholizismus hinaus ein gewaltiges Interesse in aller Welt. Hier gab es einen Anhaltspunkt, um den juedischen Menschen, der mit verhaltener Spannung den Verhandlungen im Rom folgte, ein wenig tiefer in den historischen Raum zu fuehren, in dem jenes Problem durch viele Jahrhunderte hindurch fuer alle Juden viel mehr als ein abstraktes und unverbindliches Diskussionsthema bildete. Und einmal in diesem Raum, waere gewiss bei Vielen der Appetit nach einem weiteren Eindringen in die historischen Verflechtungen gewachsen, nach dem spezifischen Phae n o m e n, nach den grossen und kleinen Sorgen seiner Ahnen in jenen Zeiten, die von jenem Schreckgespenst gequaelt und gepeinigt wurden, nach ihrem stolzen und oft heroischen Non-Konformismus, nach ihrer maennlichen Haltung, nach ihrer menschlichen Bewaehrung. Ich bin gewiss, dass sich dabei gar Manchem grosse neue Horizonte eroef fnet haetten zu einem besseren und sinnvolleren Verstaendnis der juengsten Gegenwart die er aktiv oder passiv erlebt hat oder zumindest noch vom Hoerensagen kennt; dass ihm einige Zuege seines eigenen Wesens verstaendlicher geworden waeren und der Respekt vor solchen Ahnen ihm auch mehr Respekt vor der juedischen Gegenwart eingefloesst haette. Ich hatte vor Kurzem Gelegenheit, an einem geschlossenen Forum teilzunehmen, an dem eine Anzahl katholischer, protestantischer und juedischer Theologen einige Aspekte des oekumenischen Konzils diskutierten. Ein Moench erzaehlte dabei, dass er im Gefolge des Konzils gemeinsam mit einem Kreise anderer Moenche das grosse Werk des englischen Historikers Runciman ueber die Kreuzzuege gelesen und wie ihnen diese Lektuere die Augen ueber die furchtbaren antisemitisc h e n Begleiterscheinungen der Kreuzzuege geoeffnet habe. Tief erschuettert erzaehlte er, dass sie nach dieser Lektuere die religioesen Wurzeln des Antisemitismus in einer ganz neuen Perspektive zu verstehen begannen. Um wie viel mehr muesste doch ein Blick in diese finstere Ecke der Geschichte jeden Juden beeindrucken! Ein anderes Beispiel: Archaeologie ist zu einem beliebten Hobby zahlreicher moderner Menschen geworden und spricht irgendwie ihr geistiges Beduerfnis an. Israels Archaeologen haben mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten in den vergangenen Jahren weltweite Anerkennung gefunden und tief in die Geschichte der biblischen Aera hineingeleuchtet. Auf dem Umwege ueber das Interesse fuer diese archaeologische Revolution ist es nicht ausgeschlossen, auch das Geschichtsbewusstsein und die Neugierde nach der eigenen Geschichte zu wecken. Ist einmal dieses Interesse geweckt, dann fuehrt der logische Weg in die viel juengeren historischen Schichten unseres Volkes bis an die Gegenwart heran, bis zu Dir und zu mir. Vor Kurzem wurde ueber Initiative der Historischen Gesellschaft Israels in Santiago ein Arbeitsausschuss geschaffen, der sich die Vorbereitung der Gruendung eines Zentrums fuer die historische Dokumentierung des chilenischen Judentums zum Ziele gesetzt hat. Das chilenische Judentum ist verhaeltnismaessig jung, aber trotzdem ist seine Geschichte ein erstaunlich wenig bearbeitetes Feld. Hier bietet sich ein reiches und interessantes Forschungsgebiet fuer den juedischen Intellektuellen nicht nur um wichtiges Quellenmaterial aufzufinden und eventuell auch vor der Gefahr der Vernichtung zu retten, sondern auch die Moeglichkeit fuer Untersuchungsarbeiten zu einem tieferen Eindringen in die Problematik der Emigrantenstroeme, denen das chilenische Judentum seine Existenz verdankt. Wer sich einmal in diesem Terrain befindet, wird von der grossen Aufgabe fasziniert, immer weiter auch in das Bereich der juedischen Historie Vordringen zu wollen. Als viertes ein Beispiel, das wie ein Blitzlicht den grossen aktuellen Wendepunkt in der juedischen Geschichte beleuchtet und darum als ein besonders geeigneter Ausgangspunkt fuer das Eindringen in das Wesen und die Eigenart des geschichtlichen Weges des juedischen Volkes dienen kann. Waehrend des diesjaehrigen Besuches des israelischen Staatspraesidenten Zalman Shazar in Chile wiederholte sich einige Male eine Szene, die einen tiefen Eindruck bei Juden wie Nichtjuden hinterliess. Beim Abschreiten der militaerischen Ehrenwachen und Ehrenkompanien verneigte sich Shazar stets in tiefer Ehrfurcht vor dem Hoheitszeichen des Gastlandes, der Fahne Chiles. Vor nahezu 2000 Jahren loeste die hartnaeckige Weigerung der Juden in ihrem Heimatlande, dem Diktate der roemischen Prokuratoren zu gehorchen und sich vor den roemischen Hoheitszeichen zu beugen Revolten und den Juedischen Krieg gegen den roemischen Imperialis mus und Kolonialismus aus und endete schliesslich mit dem Verluste ihrer staatlichen Existenz und dem Beginn der grossen und leidvollen Zerstreuung. Gibt es einen lehrreicheren Vergleich fuer uns? Damals und dort ein Volk, das verzweifelt um seine Existenz kaempfte, die an einem hauchduennen Faden hing. Eine Verneigung vor dem fremden Hoheitszeichen kam in jenen Tagen einer geistigen und moralischen Unterwerfung gleich, die ueber kurz oder lang mit der totalen Aufloesung der eigenen Art enden musste, wie in zahlreichen anderen Faellen im gewaltigen roemischen Imperium. Die Verbeugung Shazars, heute und hier, war der natürliche symbolische Akt des hoechsten Repraesentanten eines Staates, der sich innerlich gefestigt fuehlt und fest auf eigenen Fuessen steht. Sein Praesident ist darum in der Lage, aufrecht und stolz der Welt gegenüber zu treten und weithin sichtbar seinen Freunden die ihnen gebuehrende Reverenz zu erweisen. Diese Episode des Shazar- Besuches bietet nahezu unerschoepfliche Chancen, um selbst die intellektuellen Kreise an der Peripherie unserer Gemeinschaft sinnvoll mit der juedischen Vergangenheit und in einem Atem auch mit der juedischen Gegenwart zu verbinden. Ein letztes Beispiel — ihre Zahl laesst sich, wie gesagt, durchaus erweitern: Israel ist in den vergangenen Jahren augenscheinlich in die Reihe jener Staaten aufgerueckt, die zu den ernsthaften Faktoren einer aktiven und systematischen Entwicklungshilfe gerechnet werden. Es ist heute ueberdies der erste Entwicklungsstaat, der den Beweis erbringt, dass diese Hilfe auch von einem Staate gewaehrt werden kann, der weder zu den reichen und maechtigen Mitgliedern der Voelkerfamilie gehoert, noch irgendwel che machtpolitischen Aspirationen mit dieser Hilfe verbindet. Das Thema Entwicklungshilfe spricht in einem besonderen Masse den modernen Menschen an, seine Phantasie und seine Vorstellungen von einer gerechteren und besseren Welt. Hier ist ein weiterer Anknüpfungspunkt, um am israelischen Beispiel zu zeigen, dass es nicht nur keinen Gegensatz zwischen unserem Bekenntnis und unserer Aktivitaet im Bereiche der juedischen Renaissance und dem allgemeinen Fortschritt der Menschheit gibt, sondern im Gegenteil, erst ein normales, seines eigenen Wertes und seines Koennens bewusstes Volk echte Bruecken zur uebrigen Welt zu schlagen vermag, auf denen dem Fortschritt in verbindlicherer Form gedient werden kann, als in der abstrakten und voellig unverbindlichen Welt der saturierten ewigen Aussenseiter. Wer auf diesem oder jenem Weg zu einer tieferen Beziehung zu den geschichtlichen Zusammenhaengen gelangt und als Folge davon auch die Realitaet Israels von Heute anders zu beurteilen beginnt, wird sich keineswegs mehr mit der Rolle eines blasierten und desinteressierten Zuschauers der Gegenwartsgeschichte seines Volkes begnuegen wollen, sondern eher auf sich als Juden applizieren was einmal Franklin Roosevelt zum amerikanischen Volk sagte: dass die heutige Generation ein Rendezvous mit dem Schicksal habe. Sie werden fragen, wie das alles erreicht werden kann und worin der Unterschied zu der durchschnittlichen Gegenwartsarbeit der juedischen Gemeinschaften in fast allen Laendern dieses Kontinents liegt. Ich habe nicht die Absicht Rezepte zu geben, aber ich glaube, dass es nicht allzu schwierig sein kann, ein konkretes Arbeitsprogramm festzulegen. JUEDISCHE ERWACHSENENBILDUNG Es geht in erster Linie darum, den Mut zu haben, die Forderung nach einer juedischen Erwachsenenbildung auszusprechen und sie in allen Zellen der juedischen Gemeinschaften auch durenzufuehren. Es gibt auf diesem Gebiete Vorbilder — Vorbilder allerdings aus einer dunklen Zeit. In den Jahren nach der Machtergreifung Hitlers haben die Zionisten

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