Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 5 (Mayo, 1967)
- Date
- 1967-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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MAYO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 11 DR. ABNER NECHUSCHTAN - TEL - AVIV: HINTERGRÜNDE EINES SYRISCHEN SCHWARZEN FREITAG Fast stets, wenn sich der Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarlaendern in den letzten achtzehn Jahren wieder einmal zum “heissen Krieg“ zu verschaerfen drohte, hatte man sich in der Nahost - Abteilung des State Departament in Washington daran erinnert, dass es Dr. Ralph Bunche gewesen war, der als “Schlichter’ der Vereinten Nationen den Kaempfen zwischen den Arabern und dem noch jungen Staat der Juden im Fruehsommer 1949, nach etwa 14 Monaten, ein Ende gesetzt hatte. Ihn, bekanntlich den hoechststehenden Beamten im Stab des Generalsekretariats der UN, schlugen die Amerikaner mithin auch jetzt als “peace-maker” vor. Wenige Tage nach dem schweren Zwischenfall, der mit konzentrischem Sperrfeuer auf juedische Traktorenfuehrer und auf ihre Grenzsiedlungen oestlich des Sees von Tiberias im Morgengrauen des 7. April begonnen und nachmittags, in drei Luftgefechten, zum Abschuss von 6 (sechs) syrischen Mig — 21 Maschinen gefuehrt hatte. Dagegen verzeichnete die israelische Luftwaffe keinen einzigen Verlust der Bomber und Mirage - Kampfflieger, die nach arabischen, in Jerusalem nicht bestrittenen Meldungen an diesen Gefechten in einer Gesamtzahl von beinahe 100 Einheiten teilgenommen haben und den Luftraum bis nach Damaskus beherrschten. In einer entsprechend aehnlichen Staerke waren sie vorher nur einmal, vor etwa einem Jahrzehnt auf der Sinai — Halbinsel gegen die Aegypter eingesetzt worden, auf deren Duesengeschwader die Syrer an diesem Schwarzen Freitag ihrer Luftwaffe vergeblich warteten. Als wertloses Stueck Papier also erwies sich bei dieser ersten Probe auf die Bewaehrung das Militaerbuendnis, das sie im vorigen November mit Nassers Generalstabschef Ali Al Amr geschlossen hatten. Man nehme hinzu, dass die Artilleriesalven der Syrer den dort am Seeufer liegenden Kibbutzim zwar Gebaeudeschaeden von teilweise betraechtlichen Ausmassen zugefuegt, die Luftbombardements der Israelis dann aber die meisten dieser Batteriestellungen dem Erdboden gleichgemacht haben — und die Befuerchtung ist umso weniger von der Hand zu weisen, dass sich die in Damaskus regierenden Fuehrer der Baath - Partei jetzt schon zur Wahrung ihrer innenpolitischen Stellung zu Revancheakten gedraengt sehen werden. Ergo: Ralph Bunche an die Front Unklar definiert In den Waffenstillstandsvertraegen, deren Unterschrift Dr. Bunche den Juden wie den Arabern... damals auf der Insel Rhodos abnoetigte, war in der Praeambel wie in Artikel 1 zwar betont worden: dass “keine der Parteien die andere kuenftig militaerisch bedrohen und Angriffsakte ihrer bewaffneten Streitkraefte vorbereiten oder durchfuehren duerfe” und ferner, darueber hinaus, dass die Vertraege den Weg zu formellen Friedensschluessen ebnen sollten. Wie weit die Beteiligten diese Grundsaetze jedoch honorieren wuerden, hing wie immer in solchen Faellen weitgehend selbstverstaendlich von einer unmissverstaend lieh klaren Markierung der Landesgrenzen ab. Und einer solchen Demarkierung stand nicht nur, vor allem aber in der Naehe des Jordanflusses vor seinem Eintritt in den Tiberias-See, hinter der oestlichen Kueste des Sees und nahe seines suedoestlichen Ufergelaendes, ein verwirrendes Durcheinander von juedischen und arabischen Besitzrechten auf mittelgrosse und kleine Parzellen entgegen. Dr. Bunche wusste sich nicht anders zu helfen, als diese Felder diesseits und jenseits der alten, bis in die Zeit der Tuerkenherrschaft zurueckreichenden Grenze zu drei “Demilitarisierten Zonen ’ zusammenzufassen. An sich war der Gedanke nicht einmal schlecht, dadurch gleichsam territoriale Puffer zwischen die Hoheitsgebiete von Staaten zu schieben, die von wirklicher Befriedung ja noch weit entfernt waren, Israels und andererseits Syriens und Jordaniens. Nur fehlte es im Text der Waffenstillstandsvertraege leider derart an klaren Begriffsbestimmungen darueber, was unter besagten “Demilitarisierten Zonen” zu verstehen sei, dass sich eben daran spaeter immer neue Konflikte entzuendeten. Das mit dem Beiwort “demilitarisiert“ gemeinte, in den Vertragstexten mehr oder weniger deutlich ausgesprochene Verbot, dort Garnisonen zu unterhalten, militaerische Stellungen auszubauen und dergleichen, wurde von den Syrern schon nach kurzer Zeit missachtet. Mit dutzenden von Batteriestellungen befestigtep sie Gipfel der Huegelkette, die sich im Osten besagter “Zonen” viele Kilometer lang vom Norden nach dem Sueden hinzieht, unter dem Vorwand, dass die westlich davon in der Ebene errichteten juedischen Landwirtschaftskommunen nichts als verkappte Militaerlager seien. In Verhandlungen mit den Chefs der auf Rhodos verabredeten und in Jerusalem installierten Kontrollbehoerde der United Nations vertraten sie zunaechst jahrelang darueber hinaus den Standpunkt, dass die Felder der “Demilitarisierten Zonen” ueberhaupt nicht bearbeitet werden duerften. Sie seien insgesamt als Niemands- 1 a n d anzusehen. Deshalb befaenden sich auch Boeden, die irgendwann von Juden gekauft worden waeren, ausserhalb der Souveraenitaetsbefugnisse des Staates Israels, dem es beispielsweise zu untersagen sei, sie in seine Landesaufschliessungsplae n e einzuschliessen. Spaeter gaben die Syrer zwar zu, dass Sinn und Wort- 1 a u t der entsprechenden Vertragsklauseln nicht zu dieser Interpretation berechtigten. Sie Hessen erkennen, dass sie sich mit der Bearbeitung der Zonen-Felder durch nachweisliche Eigentuemer abfinden wuerden nicht nur, soweit es sich um Fellachen handelte, die frueher dort ge lebt und ihren Wohnsitz nach der juedischen Staatsgruendung ueber die Grenze nach Syrien verlegt haetten. sondern ebenso, wenn sich Par- (Fortsetzung Seite 12) Stuermisch applaudierten die Bewunderer des Schriftstellers Guenter Grass, die in Tel-Aviv und einige Tage spaeter in Jerusalem zusammengestroemt waren, um ihn zu hoeren und zu sehen, als er nach seiner “Rede ueber die Gewoehnung” das “Ausgefragt” als erstes der unter eben diesem Titel in Westdeutschland soeben in Buchform erschienenen Gedichte vortrug. “Soll ich noch fragen? — Frag mich aus”; mit diesen Worten geht es zu Ende. Vielleicht blieb der' hintergruendige Sinn des “Frag mich aus” vielen von ihnen im Moment verborgen - neudeutsche Lyrik will schliesslich und endlich “gelernt” sein —; aber instinktiv spuerten sie dahinter den Menschen, der als Ehrengast der israelischen Regierung hierher gekommen war. Und wahrhaftig — in den mit Empfaengen, Besichtigungen, Gespraechen, Interviews bis zum aeussersten Rand gefuellten zwei Wochen seines Aufenthaltes haben sie ihn, und hat er sie “ausgefragt”, wie es ohne Zweifel noch niemandem von den tausenden junger und aelterer Deutscher, die ihm als Besucher in den letzten Jahren vorangegangen sind, ergangen ist. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn festgestellt wird, dass er die Oeffentlichkeit foermlich faszinierte, soweit sie geistig und sprachlich imstande und, nicht zu vergessen, willens war, das Phaenomen Guenter Grass auf sich wirken zu lassen — den fuehrenden “zornigen jungen Mann” der Bundesrepublik, wie er in einer der Tel-Aviver Zeitungen apostrophiert wurde, den unentwegten deutschen Gegen — den — Strom — Schwimmer, wie eine andere ihn nannte. Merklich ueberschattete er sogar das allgemeine Interesse am Grossmeister des franzoesischen Existenzialismus, dem weltberuehmten Jean Paul Sartre, der sich mit seiner Lebensgefaehrtin Simone de Beauvoir zufaellig in ungefaehr der gleichen Zeit hier im Lande aufhielt. Grass kam, sah und siegte, weil er aus seinem Herzen keine Moerdergrube machte, ob es sich um die frueheren oder jetzigen regierenden Herren des “Bundesdorfes Bonn” handelte, oder aber auch um das, was er am Israel des Jahres 1967 hier und da auszusetzen hatte. HOERER UND NICHTHOERER Wie es sich versteht, sah der offizielle Teil des Programms u.a. Besuche des Dichters beim Staatspraesi- SONDER-BEÄKHT DAS B.L oTnmii min rAnr&i «AiionrmAnT» denten Schazar, dem Ministerpraesidenten Eschkol und einen Rundgang durch das Jerusalemer “Jad Wa Sehern — Institut vor, die Weihestaette der Erinnerung an die sechs Millionen juedischer Naziopfer. Es war dennoch von vornherein ebenso klar, dass ihm mindestens so viel an Begegnungen mit der studierenden Jugend und mit dem hiesigen Schriftsteller — Nachwuchs gelegen sein werde. Nachdem er sich am Abend des zweiten Tages seines Hierseins mit einem Kreis dieser jungen hebraeischen Berufskollegen in Tel- Aviv zwanglos — in englischer Sprache — einige Stunden lang unterhalten hatte, begaben sie sich uebrigens in die Discothek der Mandy Rice-Davies, die es im Londoner Profumo - Skandal seinerzeit zu einer gewissen Beruehmtheit gebracht und dann einen Israeli geheiratet hatte. Und warum auch nicht? Das Cliché des vérspiesserten Kleinbuer g e r s passt ebenso wie die in Israel von recht umfangreichen Kreisen noch — und gerade neuerdings wieder — lautstark vertretene Auffassung, dass im Grunde ‘ keinem Deutschen zu trauen sei, auf niemanden so wenig wie auf den Autor der “Blechtrommel”, der “Hundejahre”, der nicht minder provozierenden Novelle “Katz und Maus”, monumentaler Abrechnungen mit dem “Hoellensturz” (Thomas Mann) seiner Landsleute in den Jahren 1933 bis 1945. Dass sie sich mit ihm getrost zusammensetzen und auseinandersetzen k o n nten, wurde im Laufe jenes Abends auch denjenigen seiner israelischen Gespraechspartner klar, die vorher viellecht gefuehlsmaessige oder grundsaetzliche Bede nken gehabt hatten. Sie hatten nur recht daran getan, es auf die Probe ankommen zu lassen. Vor just diesem Versuch schrack der Vorstand des Landesverbands der hebraeischen Schrifsteller im Gegensatz zu ihnen indessen zurueck. Er weigerte sich, laut einer verbandsoffiziellen Aus lassung, Herrn Grass foermlich zu begruessen, um eine solche Zumutung (!) der kleinen kompromisslos deutschhasserischen Gruppe seiner Mitglieder zu ersparen. Er blieb bei dieser Weigerung auch, nachdem beinahe die gesamte Tagespresse mit einer bei ihr hoechst seltenen Einmuetigkeit den Beschluss als Ausgeburt von opportunistischer Vereinsmeierei, von Provinzialismus, Sprachchauvinismus und ebenso heftig als schwere Brueskierung des prominenten Gastes der Regierung gebrandmarkt hatte. Verbargen sich dahinter vielleicht auch Minderwertigkeitskomplexe, das Giefuehl, einem so grossen Kuenstler Liter arisch unterlegen zu sein? Frei davon war jedenfalls der Nobelprelstraeger Samuel Josef Agnon, heute wohl der einzige hebraeische Epiker, von dem dieser deutsche Romancier noch etwas lernen kann. So wenig, wie sich die jungen Schriftsteller, von denen schon die Rede war, um den Boykottbeschluss kuemmerten. hielt es den alten Agnon davon ab, G u e n ter Grass in seiner Dichterklause, in Jerusalem- Talpioth gastfreundlich willkommen zu heissen. Und am wenigsten liess sich der Gast aus Deutschland, soweit erkennbar, von jenem Affront beeinflussen. DER KRITIKER GUENTER GRASS Zwar wich er nicht um eines Haares Breite von der Grundhaltung ab, die er vor den letzten Bundestagswahlen in seinen bekannten fuenf Reden fuer die “Ess- Pe-De” zum Ausdruck gebracht, und nach dieser Wahl durch Polemiken gegen die Koalition der SPD mit der CDU-CSU modifiziert hatte. Aber dass es hier in Israel nicht um Einflussnahme auf die Abgabe deutscher Stimmzettel oder um sonst einen tagespolitischen Anlass ging, liess ihn seine Gedanken e n t.s prechend prinzipieller formulieren. So sprach er, neben anderem, von der Gewoehnung einer immer bedenklicher ansteigenden Zahl seiner Mitbuerger an die Untaten des “Dritten Reiches”, mit Hitlers “Totaler Loesung der Judenfrage” als (woertlich) dem “groessten Verbrechen der Weltgeschichte” voran. Dieses Verbrechen belaste die deutsche Jugend, sagte er in einer Aussprache mit Studenten der Jerusalemer Universitaet, mit einer “moralischen Hypothek“ die sie, die Jugend, nicht mit “alten Ladenhuetern’' tilgen koenne, etwa dadurch, dass sie dem nationalistischen Schlagwort einer Wiederherstellung der Reichsgrenzen von 1937 verfalle oder dadurch, dass sie Anne Frank aus dem verpflichtenden Symbol, das das hollaendisch-juedische Maertyrerkind zu sein hat, zu einem blassen Schema vergleichgueltigen. “Bei uns besteht heute Gefahr, (Fortsetzung Seite 12)