Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 4 (Abril, 1967)
- Date
- 1967-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ABRIL 1967 BOLETIN INFORMATIVO 7 Die Juden des Jemen im juedischen Staat Von Dr. Abner Neckushtan, Tel - Aviv Mit besonderem Stolz beginnen wir in dieser Ausgabe den Abdruck eines weit ueber das Tagesniveau hinausgehenden Beitrags unseres Mitarbeiters, Dr. Abner Nechuschtan, der erste in deutscher Sprache von einem Israeli geschriebene Artikel ueber das Leben der Jemeniten im juedischen Staat... Dieser Artikel wird voraussichtlich gegen Mitte des Jahres in einem Sammelband in Deutschland erscheinen. “Jeschajahu, mach’s gut! nach der Gruendung des jue- Herzliche Glueckwuensche, dischen Staates, den Anfang Jeschajahu!”. Im Buffet der zu machen; denn “sie hat auf Knesseth in Jerusalem, der einen noch ehrenvolleren israelischen Volksvertretung, Stammbaum als ich hinzustroemten die Abgeordneten weisen, auf den grossen, 1619 in hellen Scharen zu dem in San’a geborenen Lehrer Siebenundfuenzigjaehr i ge n, Salim Zabari, den Verfasser nachdem er als Kabinettsmitunsterblicher Werke ueber glied vereidigt worden war; juedische Mystik”. Entstames war nach einer der letzme er selber nicht einem ten Plenarsitzungen des Jah- Geschlecht beruehmter Geres 1966. Unzaehlige Haende lehrter? Eifrig nickte er: ja, drueckte der zartgebaute, wie zu den Fuessen keines gerinimmer vergnuegt laechelnde geren als des Rabbi Kafech, Jeschajahu Scharabi, der seines Onkels, habe er als 1929 aus San’a eingewandert Kind gesessen. “Fragt seinen war, der Hauptstadt des nun Enkel; er lebt und lehrt in schon seit Jahren von Jerusalem!”; doch sei der Kriegswirren durchtobten Jekein Kabbalist, sondern der men an der suedwestlichen Schule des “Dardaim” zu- Kueste der arabischen Halbgehoerig gewesen, der ratioinsel. Er hatte damals erst naiistischen, buchstabengeals Pfluecker in den Orantreu im Talmud wurzelnden genhainen nahe Tel-Aviv “Aufklaerer”. Die Heilige gearbeitet, und war bald da- Schrift beherrsche er, Jenach als Vertrauensmann schajahu, darum nicht weniseiner Landsleute zur mehrger, von A bis Z. Und als heitssozialistischen Mapai jemand das “von A bis Z” in gestossen, der fuehrenden Zweifel zog, begann der neue Partei des Landes, zunaechst Minister das Buch Hosea als Juenger des von ihm lan- Zeile fuer Zeile, Vers um ge Zeit bewunderten David Vers mit dem unverkennba- Ben Gurion, dem er aeusserren Singsang jedes “Temaiich in manchem ueberrani” aus den Kopf zu rezitieschend aehnelt, so in seiner ren. “Genug, Genug!” rief gepflegten Rhetorik und beiman, lachte und applaudierlaeufig auch mit dem Kranz te. Er aber, einmal im Zuge, nun ergrauter Locken rings liess einen der umfaenglium die leuchtende Glatze, chen Hymnen des neuhehinter der hochstrebenden braeischen Klassikers Bialik Stirn. Aber als sich “der Alfolgen. te” vor mehreren Jahren Denn nicht nur ein bei all grollend von seinen Freunseinem nie versiegenden den getrennt hatte, hatte Charme ungemein versierter sich der inzwischen zum Par- Parteipolitiker ist dieser lamentarier aufgestiege.ne Scharabi, den alle Welt in Scharabi geweigert, ihm in Israel bisher nur unter seidie politische Wueste zu folnem Vornamen Jeschajahu gen, und sein Schicksal mit kannte, und der jetzt als dem des jetzigen Minister- Chef des Postministeriums Presidenten Levi Eschkol fungiert, keines der fuehverbunden. renden Ministerien, gewiss, Nun umarmte der “Temaabe.r immerhin...; er ist ni”, wie Juden dieser Lanauch ein Mann der Feder, desherkunft hierzulande ge- Tagesjournalist von Rang nannt werden, seine Partei- und — in seinen Mussestunfreundin Rachel Zabari, ueden — hebraeischer “Poet brigens die einzige jemenidazu”. tische Knesseth Abgeordnete Geheimnisumwitterte Hermit ueberstroemender Herzkunft, leidvolle Jahrtausende lichkeit. Eigentlich haette Fromme Sagen umkreisen es ihr gebuehrt, erklaerte er nicht anders als ganze Sebescheiden, mit dem Einzug rien geschichtswissenschafjemenitischer Vertreter in tlicher Theorien den Urdie Regierung, bald 19 Jahre sprung der juedischen Volks- Jemenitische Moden. ÜM PSPS gruppe, deren Spross er ist. Auf dem Weg ins Gelobte Land haette sich ein Teil der Kinder Israel geweigert, in der Sinai — Wueste am Kampf gegen die Amalekiter teilzunehmen, und sei zur Strafe (vor mehr als 3000 Jahren) vom Lehrer Moses “in das unwirtliche Arabien verbannt worden”. So eine der Legenden. Von Geschlecht zu Geschlecht wurde, in aehnlicher Weise, auch die Maer vom “Fluch des Esra” weitergegeben, der die von Nebukadnezar II in die babylonische Gefangenschaft weggefuehrten Israeliten, wie alle Stammesbrueder, die damals anderwaerts in der Diaspora lebten, im vorchristlichen Jahre 538 in das Gelobte Land zurueckrief. Da sich die im Jemein lebenden Judem weigerten, die “Fleischtoepfe” der Felix Arabia aufzugeben, soll Esra sie mit einem so fuerchterlichen Bannfl u c h belegt haben, dass sie jede Unbill, die ihnen spaeter widerfuhr, darauf zurueckfuehrten. Wir Heutigen, die gelernt haben, dass “die Bibel doch recht” hat, sollten uns derartigen Ueberlieferungen vielleicht nicht in Bausch und Bogen verschliessen, auch wenn die Historiker nicht bis auf Moses zurueckgehen. Ein Teil von ihnen bringt die erste juedische Niederlassung mit der Expansionspolitik des Koenig Salomo in Verbindung, datiert siei also auf immerhin das 10. Jahrhundert v. Chr.; andere' vermuten, dass sich 75000 Israeliten unter dem Eindruck der duesteren Voraussagen des Propheten Je.- remia einige Jahrzehnte vor der ersten Tempelzerstoerung, im 6. vorchristl. Jahrhundert, dorthin auf den Weg gemacht haetten. Nach einer dritten Lesart erfolgte der Exodus aus Palaestina erst nach der Eroberung Jerusalems durch die Legionen des Titus, anno 70; und eine vierte Version, die verwegenste, mutmasst sogar, dass im fruehen Mittelalter — unerklaerlich weshalb ein Massenueber tritt j emeni t ischer Araber zum Judentum stattgefunden habe. Sei dem wie immer; ein nicht endendes Auf und Ab verhaeltnismaessig frie d 1 iche.r Zeiten und barbarischer Verfolgungen hat der, auf jeden Fall ins Dunkel der Vergangenh eit zurueckreichenden Geschichte der Juden des Jemen die fuer jedes “juedische Exilsdasein” so charakteristische Praegung gegeben. Ihr Martyrium setzte ein, als der Jemen den islamischen Glauben im 7. Jahrhundert zur Staatsreligion machte. Voruebergehende Erleichterungen brachte ihnen zwar die kurzlebige Besetzung des Landes durch die Tuerken im 18. Jahrhundert; aber in ihre Ghetti blieben sie eingesperrt, auch nachdem der Jemen (1818) erneut zum Ottomanlschen Reich geschlagen worden war. Und daran aenderte sich nichts, als er im Jahre 1913 unter einem Imam zur politischen Selbstaendigkeit auf stieg. Ueberraschend aeh n e 11 e beispielsweise das "Qua’al Jahud” genannte Ghetto von San’a, in dem die Mehrheit der dreissig oder vierzigtausend jemenitischen Juden bis an die Scnwelle der Gegenwart eingepfercht waren, den Judenvierteln des europaeischen Mittelalters bis ins ‘Jahrhundert der Aufklaerung”, ja bis zur Napoleonischen Aera. Einem aus Jerusalem gekommenen Besucher des Jemen, Jakob Sapir, ist folgender, 1858 geischriebener, ersehuetternder Bericht zu verdanken; “Nach der Meinung der Eingeborenen sind die Juden unrein. Wird Anklage gegen einen Juden erhoben, erhaelt er ruer das geringste Vergehen enorme Geldstrafen. Kann er nicht zahlen, wird er tagelang gefoltert, waehrend der Kadi ihn zwischendurch zum Glaubenswechsel aufordert. Andererseits kann kein Jude einen Moslem verklagen, da jeder Moslem ueber Leben und Besitz eines jeden Juden frei zu verfuegen berechtigt ist. Vor Gericht kann kein Jude als Zeuge auftreten oder einen Eid leisten”. Diesei Juden waren die Parias des Jemen. Nur auf Eseln als der veraechtlichsten Klasse der Tiere war ihnen zu reiten erlaubt. Schuhe durften sie nicht tragen, und Kleider nur in schwarzer Farbe, statt der von den mosle mischen Frauen des Landes bevorzugten farbenfrohen Tracht Vaterlose (aber nicht Mutterlose Kinder, wenn sie das 13. Lebensjahr erreicht hatten, mussten sie an islamische Internate abtreten; sie hatten Kopfsteuern und andere Sonderzahlungen zu leisten, jeden Moslem auf der Strasse devot zu gruessen, und konnten auch an ihren hoechsten Feiertagen jederzeit zu erniedrigenden Diensten aus ihren Synagogen herausgeholt werden. Wie im Heiligen Roemischen Reich Deutscher Nation brachten es manche von ihnen dennoch zu einem gewissen Wohlstand: als Haendler, als Ladenbesitzer, die ihre Basare tagsueber auch ausserhalb des “Qua’al Jahud” fuehren durften, und sogar als Waffenschmiede, Gold — und Silberschmiede und Juweliere. In vielen Berichten christlicher Reisender, aus dem vorvorigen und dem letzten Jahrhundert, finden sich Worte bewundernden Staunerns ueber die Fuer sorge, die diese Juden ihren Strassen, ihren Haeusern und Wohnungen angedeihen liessean. Wie es scheint, sorgten dafuer die Aeltesten ihrer Clans, der gewoehnlich eng zusammenlebenden, oft umfangreichen Familienverbaen" de, nach Anweisungen des “Nassi” (Praesidenten), der die innere Verwaltung als hoechste, auch vom Staat anerkannte weltliche Autoritaet leitete. Zur Seite stand ihm der Oberste “Mori” (Lerer), der die Funktionen des Rabbiners, Lehrers, rituellen Schaechters uw. auf sich vereinigte. Diese Lehrer waren es auch, die den Fundus des religioesen Wissens an die maennliche Jugend Weitergaben, waehrend Maedchen grundsaetzlich ohne Schulerziehung blieben. Ungeachtet der bedrueckenden aeusseren Verhaeltnisse hatte sich so durch die Zeiten in der schmalen Oberschicht des jemenitischen Judentums wie im einfachen Volk ein religioes orientiertes geistiges Leben von betraechtlicher Regsamkeit erhalten. Und im Zentrum dieser Tradition stand — wie konnte es anders sein — die von theologischer Kasuistik vertiefte, von Herzensergiessungen beschwingte Zionssehnsucht der jemenitischen Juden. “Auf den Schwingen des Adlers” Getrieben von schwaermerischer Bindung an das Land der Vaeter war eine erste Gruppe im Sommer 1881 dorthin auf gebrochen; einige Jahre spaeter fanden sich bereits etwa 450 “Temanim” in Jaffa und Jerusalem. Weitere waren ihnen 1907 gefolgt, und von 1911 an, auf den Ruf des in Beduinentracht zu ihnen gereisten Elieser jawnieli, eines Sendboten des damals von dem deutschen Zionisten Dr. Arthur Ruppin geleiteten Jaffaer “Palaestina - Amtes” Kurz nach dem ersten Weltkrieg zaehlte man bereits 4234 Jemeniten in Palaestina, 7,6% der damaligen jueciischen Landesbevoelkerung; und 11.000 mehr wanderten danach ein, bis der Staat Israel im Fruejahr 1948 geschaffen wurde. (Fortsetzung Seite 8) «aa fci >4 Ben Gurion in jemenitischer Schule