Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 3 (Marzo, 1967)
- Date
- 1967-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 7 EIN VOLKSTRIBUN IM Wieder einmal schien sich die ‘Festung”, wie der streitbare Menachem Begin das Tel-Aviver Hochhaus der rachtsnationalistischen Cheruth als ihr Gruender genant hatte, dieser Tage in einen feuerspeienden Vulkan verwandeln zu wollen, ebenso wie im vorjaehrigen Juli, auf der letzten Landestagung s e in e r Freiheitspartei. Schon zwei Jahre vorher hatte eine Minderheit ihm das Fuehrungsmonopol seiner Bewegung streitig zu machen gesucht, wie er sie lieber nennt, weil ihm Parteien nach ihrem innenpolitischen Wesen auch in Israel nicht dynamisch genug scheinen. Im Sommer 1966 war es ihm so wenig gelungen, die Aufsaessigen in Reih und Glied zu halten, dass er den Parteivorsitz nach einer Serie stuermischster Nachtsitzungen mit Applomb niedergelegt hatte. Zwar hatten seine Anhaenger das Praesidium, das sie unter voelliger Ausschaltung der Opposition danach zustande brachten, als “provisorische Exekutive” in der Hoffnung gebildet, den “Fuehrer” — jawohl, “Fuehrer” nennen sie. ihn — demnaechst an die Spitze der Cheruth zurueckzubringen. Aber sie hatten die Enttaeuschung Begins darueber unterschaetzt, dass ihm Widersacher im eigenen Lager entstehen koennten. Soweit er sich seit damals an den laufenden Arbeiten der Partei noch beteiligte, war es fast nur geschehen, um die Abtruennigen immer wieder in leidenschaftlichen Ausbruechen zusammenzustaucbe.n. Auch in der Knesseth, der israelischen Volksvertretung, hatte er den Vorsitz seiner Fraktion zwar nicht foermlich, aber de facto an einen seiner unentwegten Getreuen abgegeben. Und soeben, auf dem Delegiertentag der freiheitsparteilichen Gewerkschaftlergruppe, drohte, er d a m i t, sein Abgeordne.tenmandat niederzulegen und sich voellig aus dem politischen Leben zurueckzuziehen. Dabei hatten seine inneren Gegner nicht anders als seine engeren Freunde darauf hingearbeiitet, ihn bei dieser Gelegenheit zu versoeh nen, und ihn vor den Kameralinsen der zu muehsam arrangierten Versoehnungsszenen erschienenen Pressephotographen sogar zu ruehrseligen Umarmungen m i t den Hauptvertretern der Fronde genoetigt. Umsonst, auf der Schlusssitzung ' dieser Konferenz “zerschnitt er das Band” zwischen sich und ihnen, um seine pathetischen Worte zu zitieren, erneut mit seiner ganzen Rhetorik. Eine betraechtliche Rolle spielt in diesem innerparteilichen Konflikt der offenbar unbezaehmbare, Ehrgeiz des Advokaten Tamir, der sich zum konkurrenzlosen Staranwalt dieses Landes aufgeschwungen hatte, seit es ihm vor etwa einen Jahrzehnt in einen Sensationsprozess sondergleichen gelungen war, Dr. Kästner, einen ungarisch-juedischen Notabel der Kriegsjahre, mit Recht oder wahrscheinlicher zu Unrecht ‘ als “nazihoerig” derart bioszustellen, dass dieser Mann in Tel-Aviv dann auf der Strasse erschossen wurde. Nicht nur, weil es Dr. Tamir zur Macht im Staate draengt, schloss er sich vor mehreren Jahren der Cheruth an, die sich staendig als “Alternative zum Regime der Linksparteien” bezeichnete; er tat es wohl auch in der Erinnerung daran, dass er in den letzten Jahren vor der Gruendung Israels in einem der aussenseiterischen juedisch-palaestinensischen Geheimbuende, der terroristischen “Naticnal-Militaerischen Vereinigung”, als Gruppenkommandant Begins gegen die Engiaender der Mandatsverwaltung gekaempft hatte. Aber als reiner Opportunist, zu demer sich inzwischen laengst gemausert hat, hat er heute nichts fuer dessen phantastische Forderung uebrig, einen juedischen Staat “in den historischen Grenzen, zu beiden Seiten des Jordanflusses” notfalls mit Waffengewalt gegen den Widerstand des benachbarten Jordanien zu ertrotzen. Zur Ablehnung dieser, gelinde gesagt wirklichkeitsfremden fixen Idee des Cheruthfuehrers treten handfeste Interessengegensaetze. Vor Jahren hatte sich die Partei eine “Nationale Gewerkschaft” zugelegt und diese Organisation gegen die Histadruth, die “Allgemeine Arbeitergewerkschaft” der Arbeiterparteien, nach und nach zu einem relativ grossen Apparat ausgebaut. Es ist kein Wunder, dass die Beamtenscharen dieses typisch gelben” Gewerkschaftsverbandes einen hinterhaeltigen Dolchstoss in dem von Begin einige Zeit danach durchgesetzten Beschluss sahen, die Arbeitnehmer unter den Parteimitgliedern vielmehr zu massenweisem Eintritt in die Histadruth zu veranlassen. Sie Hessen sich von ihrem Lamento ueber die Ermunterung zu einem so “unlauteren Wettbewerb” auch nicht abbringen, als Menachem Begin emphatisch — Wort fuer Wort — ausrief, es gelte “die dreckige rote Fahne der Histadruth herunterzuholen, um die blau-weisse dort endlich zu hissen”. Auf der jetzigen Tagung dieser “Blau-Weiss- Fraktion”, die nebenbei bemerkt inzwischen zur zweitstaerksten in der Histadruth angewachsen war, summierten sich die Delegierten der “Nationalen Gewerkschaft” zusammen mit der Gruppe Tamir und mit noch anderen Kritikern des “Vaters der Bewegung” in den Kampfabstimmungen zu nicht weniger als <10 Prozent. Zum wirklichen Verstaendnis dieser Entwicklung gelangt man indessen erst, wenn hinzugef uegt wird, dass Begin seine Partei bis vor kurzem tatsaechlich als ihr “Vater” repraesentierte. Es sei keine Partei wie andere, sondern eine “Familie” mit den alten Kaempfern der vorhin erwaehnten “National-Militaerischen Vereinigung” als ihrem Kern: so sehr war er wie das Gros seiner Bewegung davon durchdrungen gewesen, dass ihm die Bildung einer Fronde fueglich wie ein durch nichts entschuldbarer, gegen ihn ganz persoenlich gerichteter Verrat treffen musste. Vor bald zwei Jahrzehnten hatte er die Freiheitspartei in der Absicht gegruendet, den Untergrundkaempfern jener aussenseiterischen Vereinigung eine “landespolitische Klammer” zu geben, um sie auch nach dem Fortzug der Englaender zusammenzuhalten, den er so selbstbewusst wie abwegig auf das Konto besagter Terroraktionen schrieb. In Parlamentswahlen hatte er seitdem nicht weniger als sechsmal gehofft, sich mit seinem “Image” die Mehrheit oder jedenfalls eine hinreichend starke Stimmenzahl verschaffen zu koennen, um mit Hilfe rechtsbuergerlicher und religioeser, der Cheruth nicht allzu fern stehender Kreise an die Stelle des koalitionspolitischen Zusammenschlusses der Arbeiterparteien treten zu koennen. Jedesmal war er dabei gescheitert. Da in der Politik am Ende nur der Erfolg gilt, liess nicht zuletzt wohl gerade dieses Scheitern den Strahlenglanz seines Charisma in den Augen einer wachsenden Zahl seiner anfaenglichen Bewunderer nach und nach verblassen. Und als er darauf so gereizt reagierte, wie es einer echten Vatergestalt nicht ansteht, war es mehr und mehr um sein “Image” auch in der eigenen Partei geschehen. Zwar brachten es seine unentwegten Anhaenger in den letzten Abstimmungskaempfen noch zu einer —knappen— Mehrheit. Aber morgen sind sie moeglicherweise schon in der Minderheit; und was besagen Auszaehlungen der Delegiertenstimmen ueberhaupt in einer Partei, die keine sein will, sondern allzeit auf den Personenkult, ja, das Fuehrerprinzip eingeschworren r/ar? Entfaellt ihr dies Fundament, ist sie im Niedergang, und er mit ihr, moegen von Aussenstehenden momentan noch so lebhafte Anstrengungen gemacht werden, den formellen Auseinanderfall der Cheruth zu verhindern. Zu diesen Nothelfern gehoeren vornehmlich die ihr benachbarten Liberalen, die sich vor Jahresfrist mit ihr zu einem Parlamentarischen Block verkoppelt hatten, um in der Knesseth weniger einflusslos zu sein. Jetzt erwaegen sie die Aufloesung dieser Vernunftehe. In ihren Reihen spricht man bereits von anderen Kombinationen, vielleicht sogar in Gemeinschaft mit den Gegnern Begins in der Cheruth. Sollte es dazu kommen, wuerde man ueber ihn auch dann zur Tagesordnung uebergehen, wenn er nach der Spaltung seiner “Bewegung” an die Spitze des innenpolitisch entsprechend belanglosen Torsos der Nicht-Austrittler treten wuerde. Er wuerde sich dann genau so in der politischen Wueste befinden, wie andererseits David Ben Gurion, den all die Jahrzehnte hindurch Abgruende gegenseitiger Abneigung von diesem, nach seiner Meinung faschistisch verseuchten, Volkstribun getrennt haben... NIEDERGANG Von Dr. Abner Nechuschtan - Tel-Aviv r & SONDER-BERICHT FUR DU B.L DER EINFLUSS AUF DIE JUGEND BLEIBT Doch wird Menachem Begins Einfluss auf Gruppen des Nachwuchses der Freiheitpartei fraglos auch dann noch geraume Zeit fortwirken, wenn er als Faktor, mit dem man innenpolitisch in Israel ernstlich zu rechnen hat, von der Bildflaeche verschwinden sollte. Darueber hinaus beeinflusst er heute fast ebenso andere, an sich nicht auf die Cheruth festgelegte Teile der hiesigen Jugend. Auf sie wirkt der Extremismus, den er stets zur Schau getragen hat, so verführerisch, wie die Losung des Alles oder Nichts im Verdin mit der hoehnischen Ablehnung der “korrupten Welt der Erwachsenen”, der herrschenden Gewalten ihre Suggestion auf junge Menschen bekanntlich noch nie verfehlt hat. Fast am gleichen Tag, an dem sich beinahe die Haelfte der Delegierten in seiner hochgebauten Tel - Aviver “Festung” demonstrativ von Begin lossagte, kam es in Gegenwart des israelischen Staatspraesidenten, des Ministerpraesidenten Eschkol, vieler Mitglieder des Diplomatischen Corps und zahlreicher anderer Ehrengaeste zu einem tief beschaemenden Zwischenfall in den Jerusalemer “Bauten der Nation”: es demonstrierten Jugendliche des Cheruth-Lagers, als Dr. Nahum Goldmann die hunderte, von Abgeordneten begruessen wollte, die sich aus Israel wie aus aller Welt zu einer Sitzung des “Aktions -Comités” eingefunden hatten, der hoechsten Instanz de.r Zionistischen Organisation nach ihren Kongressen. Nicht nur die Saalordner, Annahme Anzeigen fuer das Boletín Informativo Los Seremos 476 0£. 22-23 (Catedral Höhe 1250) Tei. 87765 VON 9-13 UND 14 - 1B UHR auch Polizisten mussten gegen die Stoerenfriede eingesetzt werden, die den Presidenten der Jewish Agency und das World Jewish Congress mit Rufen wie “Verraeter”, “Geh” nach Deutschland, wohin Du gehoerst”, und mit Flugblae.ttem derselben rueden Tonart daran hindern wollten, das Wort zu nehmen. Einige Dutzend derselben Schreier (die zum groessten Teil sogar zu jener Tagung aus Amerika gekommen waren) hatten sich schon einige Tage davor auf dem Gelaende der Jerusalemer Universitaet drohend zusammengerottet, als es in den Raeumen der “Nationalen Studenten-Union” zu einem Treffen zwischen hiesigen Jungakademikern und Gaesten des offiziell von dieser Union nach Israel eingeladenen “Bundesverbandes Deutsch-Israelischer Studiengruppen” (DIG) kommen sollte. Waere die Unterhaltung nicht in eine Privatwohnung verlegt worden, wuerde es wahrscheinlich Handgreiflichkeiten gesetzt haben. Es ist in diesem Zusammenh a n g erwaehnenswert, dass sich die Vorstandsmitglieder der studierenden Israelis erst nach einem mehrjaehrigen Hin und Her von Beschluessen und Gegenbeschluessen ueberhaupt zu dieser Einladung entschlossen hatten. Um desverbandspolitisc h e n Burgfriedens willen hatten sie wieder und wieder gezoegert, obwohl es glücklicherweise jedesmal nur eine kleine Minderheit war, die unter ebenso heftigen wie sachlich unstichhaltigen Gefuehlsausbruechen grundsaetzlich gegen Kontakte mit Deutschen auftrat. Allerdings, dass die paar Scharfmacher eine derartige Rolle unter jungen israelischen Akade m i k e r n wie Nichtakademikern spielen duerfen, laesst einen Teil dieser Jugend jedenfalls beim Vergleich, mit den 800 Mitgliedern der DIG-Gruppen an 17 westdeutschen Universitaetem leider nicht so guenstig abschneiden, wie es der dringende Wunsch weiter besonnener Teile der hiesigen Bevoelkerung ist. Zugleich aber kontrastieren dieselben Gruppen im juedischen Staat jetzt nicht selten den Auftrieb der nationaldemokratischen Neonazis in Westdeutschland mit dem Niedergang der “Freiheitspartei” Menachem Begins, die der NPD nach dem Erfahrungssatz, dass sich “die Extreme, beruehren”, in manchem beklemmend wahlverwandt ist. Sollte sich eine aehnliche Wendung zum Besseren nicht auch in der Bundesrepublik Bahn brechen koennen?