Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1966)
- Date
- 1966-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO NOVIEMBRE 1966 BRUECKEN UEBER DEN ABGRUND RABBINER Dr. MAX NUSSBAUM “Behmetet das Feuer...” Im vollbesetzten Saal der ‘‘B’ne Jisroel” behandelte Herr Rabbiner Dr. Max Nussbaum, Los Angeles, der unsere Gemeinde im Aufträge der Centra besuchte, die Fra ge; ‘‘Kann das juedisch — deutsche Problem geloest werden?”. Nach Begruessungsworten durch den Praesidenten der Gemeinde, Herrn Dr. Hans Reich, der die Persoenlichkeit des Redners umriss und seine hervorragende Stellung im internationalen juedischen Leben eingehend wuerdigte, und einer Ansprache des Praesidenten des Comité Representativo, Herrn Gil Sinay, der den Ehrengast im Namen aller Institutionen der Kollektivitaet willkommen hiess, ergriff Herr Rabbiner Nussbaum das Wort, der mit lebhaftem Beifall vom Publikum —unter dem sich S. E. Herr Dr. Uri Naor, Botschafter Israels in Chile und Herr Legationsrat Pyr o t h, Kultur-Attache der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland befand — begruest wurde. In seinen einleitenden Worten wies der Redner auf den einzigartigen Charakter der Beziehungen zwischen Juden und Deutschen hin, der sie zu einem besonderen Phaenomen in der Geschichte beider Voelker stempelt. Oftmals — fuehrte er aus — gab und gibt es Probleme und Konflikte zwischen uns und den Anderen, eine normale und alltaegliche Erscheinung im Leben der Voelker und ganz besonders unseres Volkes, das Jahrtausende hindurch versprengt zwischen den Nationen lebte und erst jetzt langsam daran geht, seine Existenz zu normalisieren. Aber alle diese Differenzen, moegen sie auch noch so schwerwiegend sein, wie z. B. die Situation des russischen Judentums oder der Kampf der arabischen Laender gegen Israel, sind bei beiderseitigem gutem Willen loesbar und koennten, wenn einmal die Ursache der bes t e henden Schwierigkeiten aus dem Weg geraeumt ist, u e b erwunden und ueberbrueckt werden. Sie verblassen jedoch vor der ungeheuerlichen Problematik der juedischdeutschen Beziehungen, die durch eine Blutschuld von sechs Millionen Menschen ueberschattet werden. Zwischen ihnen und uns schwebt der einmalige Ver such der kaltbluetigen Ausrottung e i n er wehrlosen Menschengruppe durch eine andere, der ohne Beispiel in der Geschichte der Neuzeit dasteht, und der das jued i sch-deutsche Verhaeltnis auf unabsehbare Zeit hinaus belasten und ¡vergiften wird. Darin liegt das Einzigartige der juedisch-deutschen Beziehungen, das es <von allen anderen unterscheidet. Diese Blutschuld ist es, die ein Vergessen und Verzeihen u n m oeglich macht. Nichtsdestoweniger j e d och muss ein Weg gefunden werden, wenn nicht aus dem Herzen, so aus dem Intellekt kommend, um den Abgrund, den die Tat aufriss, durch den Geist zu ueberbruecken, denn Juden und Deutsche koennen nicht isoliert voneinander existieren, sie leben in einer Welt, die trotz aller Krisen zusammengewachsen ist und fuer die jeder Zentimeter auf dem Wege der Ent Spannung ein Schritt zum Frieden und damit zum Ueberlefaen bedeutet. Dieser Gedankengang war es, der Nahum Goldmann veranlasste, die Frage der juedisch-deutschen B e z i ehungen auf die Tagesordnung der lezten Plenarsitzung des Juedischen Weltkongress in Bruessel zu setzen und, trotz schaerfstem und verstaendlichstem Widerstand, durchzufechten. DEN WEG ZU BAHNEN.. . Anschliessend bezog sich der Redner eingehend auf das Offene Gespraech ueber juedisch-deutsche Beziehungen, das im Rahmen der Bruesseler Tagung des Juedischen Weltkongress stattfand, ueber die wir im spanischen Teil dieser Ausgabe eingehend berichten (“La voz de un pueblo”.) An der Aussprache nahmen auf juedischer Seite die Historiker Professor Gershon Sholem (Jerusalem) und Professor Salo Baron (New York) teil waehrend der deutsche Gespraechspartner durch Dr. Eugen Gerstenmaier, Vorsitzender des Deutschen Bundestages und den Historiker Professor Golo Mann, vertreten war. Herr Rabbiner Nussbaum zitierte alsdann die Auszehrungen der beiden juedischen Sprecher, die sich in erster Linie mit der Geschichte der juedisch-deutschen ¡Beziehungen befassten und die uebereinstimmend zu einem, man waere versucht zu sagen, optimistischen Ausblick fuer die Zukunft gelangten. Beide Redner, fuehrte Herr Rabbiner Dr. Nusstaaum aus, waren der Auffassung, dass wenngleich auch das Herz nicht verzeihen und vergessen koenne, der Verstand daran gehen m u e s s e, die Truemmer fortzuraeumen um so den Weg fuer die Wiederaufnahme des Dialogs in ■ einer kuenftigen Generation zu bahnen und freizulegen. Danach bezog er sich, auf das Referat von Professor Golo Mann, der in seinen Ausfuehrungen e r k laerte, dass der Nationalsozialismus, die ses erschreckende und u n erklaerliche Phaenomen, nicht unbedingt aus der deutschen Geschichte he - raus erklaerbar und keine unabdingbare Kon sequenz der historischen Entwicklung sei, was ihn nur noch fuerchterlicher und unentschuldbarer mache. Professor Mamrs Rede, wenngleich er-auch die grossen Veraenderungen und den guten Willen des heutigen Deutschlands betonte und hervorhob, war von tiefem Pessimismus durchdrungen, der seinen Ausdruck in der lapidaren Feststellung fand: “Bei einem Volk, wo dies moeglich war, wird immer Alles moeglich sein”. Anschliessend bezog sich Herr Rabbiner Nussbaum auf die Rede des Bundestagpraesidenten Dr. Eugen Gerstenmaier, der in seinen einleitenden Worten ebenfalls darauf hinwies, dass nichts je die ungeheuerliche Schuld vergessen machen koenne. Herr Dr. Gerstenmaier betonte jedoch, dass das Deutschland von heute nicht mit dem Deutschland der Nazi Zeit identifiziert werden koenne, und dass sich das deutsche Volk redlich foemuehe, die Vergangenheit, wenn auch nicht ungeschehen zu machen so doch durch die Tat und durch den Beweis guten Willens zu ueberwinden. UND WENN NICHT WIR WER DENN... Alsdann sprach Herr Rabbiner Nussbaum ueber seine persoenliche Stellung gegenueber diesem Komplex, die sich grundsaetzlich mit dem von Dr. Nahum Goldmann eingeschlagenen Weg deckt. Er wies darauf hin, dass er verschiedentlich die Bundesrepublik besucht habe, zuletzt im vergangenen Jahr als Gast der deutschen Regierung. Dabei hatte er Gelegenheit, mit weiten Kreisen des deutschen Volkes, insbesondere der Jugend, den Studenten und den Intellektuellen Kontakt zu nehmen, wo er einen erfreulichen demokratischen Geist bemerkte, in sehr positivem Gegensatz zu den ohne Zweifel in breiten Kreisen des deutschen Volkes noch bestehenden nazistischen Tendenzen. Hier muesse das Gespraech einsetzen, die Aussprache, die in erster Linie zwischen den Juden und der jungen d e u tschen Generation zu fuehren sei, denn gerade die Jugend braucht Anregung und Unterstuetzung, die ihr im Inland nicht immer in genuegendem Masse zuteil wird. Die deutsche Demokratie ist noch jung und schwach und das Autoritaetsprinzip, die Obrigkeitsglaeubigkeit, der kritiklose Hinnehmen, sind, selbst unter der Jugend, noch weit verbreitet, viel mehr als man gemeinhin annehmen sollte. Es ist daher umso notwendiger, alle demokratischen Stroemungen zu staerken, denn niemand sollte die latente Bedrohung der deuts c h en Demokratie unterschaetzen, die durch die die allgemeine Weltkonstellation, den wieder erwach enden Nationalismus und viele, tief im ieutschen Volkschprakter verankerte Zuege beguenstigt wird. Ein Deutschland jedoch, dessen Demokratie ins Schwanken geraet und das wieder , dem ' Totalitarismus in die Arme fiele, waere nicht nur eine Gefahr fuer die Juden, sondern fuer die ganze Welt. RETTUNG VERPFLICHTET Abschliessend bezog sich der Redner auf die Verpflichtungen der Ueberlebenden der Katastrophe. Eindringlich ermahnte er die Anwesenden zur Selbstbefragung warum gerade sie und nicht andere errettet wurden. Diese Rettung verpflichtet, verpflichtet zur juedischen Tat und zum juedischen Leben, zur juedischen Erziehung einer Jugend, die in den % feien L a e ndem in Gefahr ist, durch Assimilation dem Judentum zu entgleiten. “Wenn Ihr Eure Kinder lehrt, das Feuer zu zuenden und zu erhalten, die Gebete zu sprechen und zu verstehen, und den Platz, den juedischen Platz im Leben zu suchen und zu behaupten, dann hat Euer, dann , hat hat unser Ueberleben einen Sinn, und dann wird das juedische Volk gestaerkt fuer jetzt und fuer alle Zeiten aus der Katastrophe hervorgehen”. In den letzten Wochen konnten wir bei zwei Gelegenheiten di© Taetigkeit einer Familie aus unserem Kreis bewundern, die beste fcuenstlerische Tradition vertritt. Wir sprechen natuerlich von der Familie Schwarz bei denen anscheinend alle schon mit der Muttermilch den Drang nach den “Brettern, die die Welt bedeuten” eingesogen haben. In beiden Faellen handelte es sich um Liebhaberauffuehrungen, die, nicht zuletzt durch die aktive Mitarbeit von Angehoerigen dieser Theater - Familie ein beachtliches Niveau hatten. Zuerst moechten wir die Auffuehrung nennen, welche die Gruppe “Los Optimistas” (Asoc. de Padres, Apoderados y Amigos del Liceo Manuel de Salas) veranstaltete, und in der die Komoedie “Lluvia de hijos” von Margaret Mayo ueber die Bretter ging. Es ist immer schwerer eine Komoedie zu bringen als ein tragisches Stueck, da es gerade bei Lustspielen leicht ist - insbesondere wenn man es nicht mit sehr versierten Schauspielern zu tun hat — die Grenze zur Farce zu ueberschreiten. Dass dies hier nicht der Fall war, verdanken wir wohl in erster Linie der Regie von Kitty Schwarz, die das Stueck geschmackvoll, zuegig und ohne falsche Akzentsetzung brachte, und jedem der Schauspieler die ihm gemalejssen Moeglidhkeiten offen _ liess, hier daempfend, da herausstellend und dort zusammenschweissend. Die Gruppe “Los Optimistas” besteht nun schon zehn Jahre und hat in dieser Zeit viele beachtliche Auffuehrungen gehabt, die auch von den hoechsten kuenstlerischen Instanzen anerkannt wurden, wie die Auszeichnung beweist, die einem Mitglied dieser Vereinigung, Frau Elena N. de Machmar, anlaesslich des alljaehrlichen “Festival de Teatro Aficionado” in Viña del Mar uebergeben wurde. Frau Machmar wirkte auch in dieser Auffuehrung mit, und wir hatten Gelegenheit uns davon zu ueberzeugen dass der Preis vollauf verdient war. Zum zweiten, in chronologischer Reihenfolge — moechten wir die Auffuehrung erwaehnen, die die Wizo “Centro Henrietta-Szold” unter dem Motto “Risas y Sueños” im Teatro Talia veranstaltete. Waehrend der (Fortsetzung Seite 27)