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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-11-01 · 11 (Noviembre, 1966) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
11 (Noviembre, 1966)
Date
1966-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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NOVIEMBRE 1966 BOLETIN INFORMATIV7O PREISTRAEGER Und das Krumme wird gerade SHMUEL JOSEF AGNON Wir entnehmen dieser Erzaehlung von S. I. Agnon: “...Als aber Menasche Chajim das Gesicht des Waechters sah, und siehe, es war mit Trauer bedeckt, wie ein Mann ueber dem, die Trauer zusammengeschlagen ist, da ueberwand er sich, denn er konnte die Leiden der Seele des Waechters nicht mehr ansehen. Und der Waechter schwor ihm bei einem heiligen Gegenstand das er wie das Grab schweigen wuerde und nicht einmal einen kleinen Wink aeussern wird, und da wurde Menasche Chajim ihm willfaehrig und breitete seine Rede vor ihm aus, und erzaehlte, wie der Allmaechtige viel Bitteres ueber ihn verhaengt hat, und wie er nach dem Rat seiner Frau ging und wie er den Empfehlungsbrief vom Rabbi der Stadt nahm, und wie er rings im Lande umherzog und ein wenig Geld sammelte, und nach Jahren, als er sein Herz daran setzte, sein Haus zu besuchen, liess ihn das boese Geschick einen Schnorrer treffen und er ueberredete ihn zu suendhaftem Tun, und er verkaufte ihm die Empfehlung fuer volles Geld, und sein Sinn war, zu dem Markttag in Lasehkowitz zu reisen und Geschaefte zu machen, bevor er nach Hause zurueckkehren wuerde; aber dort trank er bis zur Betrunkenheit, und er ging wieder rings an den Tueren umher, und nach vielen und vielen Tagen kehrte er nach Hause zurueck, und hoerte, dass er unter die Toten gerechnet wurde, und seine Frau war eines anderen Mannes geworden und sah ein Leben der Wonne und weil er, Menasche Chajim, ein Priester ist und sie ihm verboten ist kehrte er um, wie er gekommen war, um nicht den Frieden ihres Hauses zu stoeren, und er erneuerte sein Wandern wie frueher, und war ein Wanderer zwischen Lebenden und Toten, und er hatte keine Ruhe mehr, nicht in dieser Welt, und auch in der Welt der Wahrheit hoffte er nicht mehr auf Ruhe. Menasche Chajim wollte noch mehr sagen, aber er begann ueber die Schande seiner Tat und die Trauer der Hoelle zu gruebeln und die Rede tat sich von ihm ab. Es dauerte nicht lange, da staerkte er sich ein bisschen und tat seine Hand in die Tasche und stoeberte dort eine Weile, um dort Schnupftabak zu finden, der bei einem Gespraech den Sinn des Menschen weit macht. Aber umsonst suchte er dort, denn seit dem Tage, da er von Buczacz mit Schmerzen der Seele und Herzweh umgekehrt war, hatte er dem Genuss des Tabaks entsagt und ohne ihn war es ihm schwer, viel zu reden und das Gespraech .fortzusetzen. Aber als er sah, dass der Waechter Gott behuete fast ins Murren kam gegen den Ratschluss des Heiligen (er sei gelobt, da begann er von neuem: “Wahr haben die Weisen gesprochen: Alles, was in dieser Welt geschaffen ist, steigt zum Scheol herab”, aber fern sei es, sich gegen Gottes Ratschluss aufzulehnen, wie es der heilige Schela schrieb: “Wisset meine Kinder, dass die Schluessel in die Haende des Menschen ueberliefert sind, und darin ist ein verborgenes Geheimnis, .denn wahrhaftig, gegeben, sind sie in die Haende des Menschen, die aeusseren Schluessel und die inneren Schluessel. “Und schoen haben unsere Weisen seligen Angedenkens im Midrasch gesagt: “Heil dem Menschen, der seiner Versuchung standhaelt. Denn es gibt keinen Menschen, den der Heilige (gelobt sei er) nicht versucht. Er versucht den Reichen usw. und er versucht den Armen, ob er standhalten kann und Leiden auf sich nehmen”. Menasche Chajim hoerte zu reden auf, und beide verstant, .Fortsetzung- Seite 27) :) fy'Xi »iS t > Ein heimischer Dichter in seinem Volk und Und Von Dr. Abner Nechuschtan, Tel-Aviv Den Nobelpreis fuer Schoene Literatur wird der Meisterzaehler Shmuel Josef Agnon, der grosse alte Mann der neuhebraeischen Prosa, am 10. Dezember aus der Hand des schwedischen Koenigs bewusst als Stellvertreter der Teile seines Volkes entgegennehmen, die wieder in ihrem Gelobten Land, dem biblischen, leben. Dagegen wird die grosse deutseh-juedische Lyrikerin Nelly Sachs, der das Stiftungs-Comite diesen Preis gemeinsam mit -hm verliehen hat, in Stockholm das Leben einsamer juedischer Menschen in unserer Zeit versinnbildlichen, , das Exil statt des Geborgenseins in der Gemeinschaft ihrer Herkunft. Hat das Dasein in den “Laendern der Zerstreuung”, in eben diesem Exil, das den Juden schon von den alttes t amentarisehen Propheten als kommendes Unheil vorausgesagt worden war, sie seit eh und je nicht ebenso gepraegt, wie andererseits jene Sehnsucht nach religioesem Fortbestand und nationaler Wiedergeburt im altverheissenen Zion, die ihre Erfuellung heute im Staat Israel gefunden hat? So gesehen erhielt die Polaritaet der juedischen Existenz, ihre geschichtsbedingte “Zweigleisigkeit” im Beschluss, den Nobelpreis fuer Belletristik in diesem Jahre sowohl dem Epiker in Jerusalem wie der in Stockholm lebenden Lyrikerin zu erteilen, eine Bestaetigung von nachdrücklichstem symbolischen Gewalt. Die schriftstellerische Initialzuendung Agnons bildete der von der allgemeinen Entwicklung verursachte Niedergang des ostjuedischen Le bens schon um die Zeit des ersten Weltkrieges. Ja, bereits vor 1914 hatte dem galizischen Städtchen Buczacz, in dem er als Samuel J. Csaczkes vor 78 Jahres zur Welt gekommen war, einer seiner ersten hebraeisch geschriebenen Romane gegolten: “Und das Krumme wird gerade”, der vor einem halben Jahrhundert uebrigens, in mustergültiger deutscher Uefoersetzung, in Berlin erschien. Der junge Romancier, der inzwischen in das noch (von den Tuerken beherrschte Palaestina eingewandert war, erwies sich als Stilist von hohen Graden schon in dieser damals weitbeachteten, von ergreifender Schwermut umflorten Erzaehlung, auch wenn ihre Handlung, dem bekannten Modell des Enoch —Arden—Themas nachgebildet, in manchem noch den Anfaenger erkennen liess. Weitere, von Mal zu Mal reifere Buecher folgten: teils wurden sie noch in ¡Bad Homburg verfasst, wo der Dichter von 1913 bis 1923 lebte und sich mit einem Maedchen aus gutbuergerlichem deutsch - juedischen Haus verehelichte, der aus Koenigsberg stammen den Tochter eines Bankiers, bevor er sich wieder — und nun endgueltig — nach Jerusalem begab. Dabei aber verschoben sich die thematischen Akzente nach und nach, ais Agnon die leicht zu sentimentalen Herzensergiessungen neigende Romantik aer Anfaenge in gesellschaftskritische Analysen des ihm verloren gegangenen Paradieses seiner “Welt von Gestern” einmuenden liess. In den “Erzaehlungen aus Polen” brach sich dieser Realismus zuerst Bahn, und noch packender im “Buch der Taten”, in dem Agnon zugleich jedoch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Dimension der Zeit (und auch die des Raumes) so traeumerisch aufloeste, dass die Novellen dieser Sammlung manchmal mit Marcel Proust’s “A la recherche du temps perdu” (1913) verglichen worden sind. Doch auch an die unheimliche Auswegslosigkeit, der Franz Kafka die Schoepfungen seiner Phantasie auszusetzen pflegte, wird der Leser erinnert. Hatten hier noch Agnon’s Jugenderinnerungen seine dichterischen Motive gebildet, so wurde die Prosa, die er seit etwa den dreissiger Jahren in der naechsten, der dritten Periode seines Schaffens bis heute schrieb, piehr und mehr zum Reflex seines (Fortsetzung Seite 27) Geboren in Polen im Jahre 1888 zeigte er schon als Kind Anzeichen einer besonderen literarischen Begabung, und begann in fruehestem Alter hebraeische Verse zu verfassen. Sein erstes Gedicht wurde veroeffentlicht als er 16 Jahre alt war. , 1909 trat ,er seine Alijah nach Israel an wo er im selben Jahr seine erste Erzaehlung “Agunot” (Verlassene Frauen) publizierte. Der groesseren Oeffentlichkeit wurde Agnon durch seine kurz vor dem ersten Weltkrieg geschriebene Erzaehlung “Und das Krumme wird gerade” bekannt, die in viele Sprachen uebersetzt worden ist. Wir bringen in dieser Ausgabe den Schluss dieser Erzaehlung. Bei Ausbruch des Krieges 1914-1918 war er in Deutschland, wo ,er bis zum Jahre 1923 verblieb um alsdann wieder nach Israel zurueckzukehren. Das Ergebnis eines Besuches in Polen im Jahre 1930 war sein grosser Roman “Der Gast der ueber Nacht blieb”, der zu einem Denkmal des dahingegangenen polnischen Judentums geworden ist. 1934 wurde ihm fuer seine Novelle “Eine Aussteuer fuer die Braut” der Bialik - Preis zugesprochen, ebenso der Ussishkin-Preis fuer die Erzaehlung “Gestern - Vorgestern”. Er ist Israelischer Nationalpreistraeger fuer Literatur der Jahre 1954 und 1958. SEIN WERK SJ. Agnon gehoert zu jenen hervorragenden Vertretern der israelischen Literatur, deren Persoenlichkeit in der Diaspora geformt wurde und deren Werk das Ende dieser, ihrer, Welt widerspiegelt. Im Vordergrund seines vielseitigen Schaffens steht immer wieder die Beschreibung der religioesen, sozialen kulturellen Aufloesung der juedisch - osteuropaeischen Gesellschaft, die von Agnon aufgrund der Schilderung dreier Generationen dargestellt wird: Die erste, die der Glaeubigen, die zweite, die der Zweifler und die dritte, die der Verurteilten und die der Ueberlebenden. In der ersten Generation ist die Verbindung mit .der juedischen Kultur noch bewusst, lebendig und direkt. In der zweiten ist sie unbewusst und indirekt und muss daher umschrieben werden, waehrend in der dritten Phase Agnon eine Wirklichkeit schildert, die nurmehr in der Erinnerung existiert und daher auch nur noch symbolisch dargestellt werden kann. Immer wieder, in jedem seine Werke wird die eine oder die andere dieser Generationen dar gestellt, jedesmal mit verschiedenen stilistischen Mitteln aber auch jedes Mal eindringlich, lebensnah, dem Leser fremd und doch vertraut. Die Frage des Exils und der Heimkehr nimmt in Schaffen Agnons einen breiten Raum ein. Aber auch sie wird nicht in Funktion des Einzelnen gesehen, sondern dieser steht immer da als Symbol des ganzen. So entdeckt der Held der Novelle “Gestern - Vorgestern”, Jizchak Korner, erst nach seiner Ankunft in Israel die ganze Bedeutung des Galut. (Fortsetzung Seite 27)

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