Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 10 (Octubre, 1966)
- Date
- 1966-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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OCTUBRE 1966 BOLETIN INFORMATIVO 11 JUEDISCHES LEBEN IN DER BUNDESREPUBLIK Auszugaus einem Bericht des Praesidenten der Gemeinde, Dr. Hans Reich, vor dem Repraesentanten— Kollegium der “B’ne JisroeP’ nach seiner Rueckkehr aus der Bundesrepublik Deutschland, die er, einer Einladung der Bundesregierung Folge leistend, bereiste Die heute in Deutschland lebenden Juden koennen in vier grosse Kategorien eingeteilt werden: a) Die Rueckwanderer, und zwar diejenigen, die durch ihr vorgeschrittenes Alter nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt in ihren neuen Wohnlaendem zu erwerben und die in der BRD m i t ihren Wiedergutmachungsrenten ein auskoemmliches Leben fuehren koennen, wie auch Juengere., denen es nicht gelang, in den Emigrationslaender Fuss zu fassen und die hofften, am “Wirtschaftswunder” beilzuhaben; b) Ru-eckwanderer aus Israel, die, oftmals verbittert, nach Europa zurue-ckgekehrt sind, weil es ihnen unmoeglich war, sich im juedischen Lande einzugliedern; c) Die Ueberlebender, des frueheren deutschen Judentums, sehr haeufig sogenannte “privilegierte Juden”, die entweder in Mischehe lebten oder aber durch Zufall und Glueck der Vernichtung entkamen; und endlich d) in Deutschland gebliebene DP'S (displaced Persons), Fluechtlinge aus Osteuropa, die sich im Augenblick des Kriegsendes in Deutschland oder in den von den Deutschen besetzten Gebieten befanden, von den Alliierten befreit wurden und nun in der der heutigen Bundesrepublik leben. Diese letzte Gruppe ist vielleicht die zahlenmaessig staerkste, und in denjenigen Staedten. die sich in der Naehe der seinerzeit (1945-48) geschaffenen Auffangslager befinden, wie z. B. Muenchen oder Frankfurt, haben sich, grosse Gemeinden, vorwiegend m i t Mitgliedern dieser letzteren Gruppe gebildet. Die groesste Anzahl der nach dem Krieg, aber vordem Entstehen Israels in Deutschland lebenden Juden wurde 1948 mit rund 100.000 erreicht. Nach der Staatsgruendung sind davon rund 75.000, darunter die meisten ehemals deutschen Juden ausgewandert, der groesste Teil nach Israel. Heute leben in der Bundesrepublik etwa 27.000 Juden, von denen nur ein Bruchteil diesem ehemaligen “deutschen Ju dentum” angehoert und die Mehrzahl dem sog. 4. Sektor. WIEDERAUFBAU Unmittelbar nach dem Krieg gingen diejenigen deutschen Juden, welche die Vernichtungslager 'ueberlebt hatten, daran, ihre Gemeinden und Institutionen wiederaufzubauen. Dieser Versuch, der mit der Unterstützung der Besatzungsbehoerden vor sich ging, traf auf unvermuteten Widerstand, als mit der Oeffnung dar Fluechtlingslager viele Vertriebene in die Staed te stroemten und dort eigene Institutionen, sogenannt e “Vertriebene nraete’;, gruendeten, welche die Jurisdiktion der Gemeinden nicht anerkannten, sondern ihre eigenen Autoritaeten waehlten. Die sich daraus ergebenden Konflikte belasteten lange das juedische Leben und erst sehr langsam ist es gelungen, Formeln zu finden, die eine Integration aller Sektoren in den Gemeinden ermoeglicht. Die Leitung und Verwaltung der Gemeinden liegt, in erster Linie wegen des zahlenmaessigen Uebergewichts, vorwiegend in Haenden von Angehoerigen des vierten Sektors, der ueberhaupt den vitaleren Teil des Judentums in der Bundesrepublik bildet. Dies ist vor allem dadurch zu erklaeren, dass im Gegensatz zu den Rückwanderern und ueberlebenden “deutschen Juden”, die meist vorgeschrittenen Alters sind, die Angehoerigen des ex-DP-Sektor groesstenteils juengere Menschen sind, was sich auch in der Geburtenziffer ausdrueckt. So haben die Gemeinden Muenchen und Frankfurt (hauptsaechlich 4. Sektor) einen erheblichen Geburtenueberschuss gegenueber Berlin, wo in erster Linie Angehoerige der Sektoren a), b) und c) leben. Die entsprechenden Ziffern sind; Berlin, von 6.000 Mitgliedern sind 833 unter 24 Jahren; Frankfurt von 4.140 880; und Muenchen, von 3.324 sogar 702. ZIONISMUS Von grosser Bedeutung ist die zionistische Arbeit in der Bundesrepublik. Zionistische Parteien, Vereine, Jugendorganisationen aller Art., auch chaiutzianischen Charakters, sind sehr aktiv und die Arb e i t fuer die nationalen Fonds hat grossen Umfang angenommen. So wurden im Vorjahr fuer den Keren Hajessod zwei Millionen DM. gesammelt. Auch andere Aktionen wie z. B. die Jugend-Alijah, fuer die DM 600.000 aufgebracht wurden, sind erfolgreich. Zu diesen Sammlungen tragen ebenso die Gemeinden (38%), wie auch Einzelpersonen (62% der Gesamtsumme) bei. Allerdings werden laengst nicht alle potentiellen Geber erfasst so steuerten z. B. zum Keren Hajessod nur 2.156 Personen bei. Die verhaeltnismaessig hohe Summe, die fuer die Jugend-Alijah gesammelt wurde, erklaert sich aus dem grossen Umfang, den diese Aktion in der BRD angenommen hat. Von der Jugend-Aiijah werden eine betraechtliche Anzahl von Jugendlichen betreut, insbesondere Kinder aus Mischehen und von Rückwanderern, die sich im Gegensatz zu ihren Eltern nicht eingewoehnen konnten. Ehe diese Jugendlichen nach Israel gehen, erhalten sie in Deutschland, unter Aufsicht der Juge.nd-Alijah eine Berufsausbildung, bzw, machen dort ihre Hachschara. JUGEND UND ZWEITE GENERATION Ueberhaupt ist die Jugendfrage eines der wichtigsten Probleme der Gemeinden in Deutschland. In allen Gemeinden gibt es Jugendzen tren, die sehr gut besucht sind. So nehmen in Duesseldorf, von 305 Jugendlichen unter 20 Jahren rund 250 regeimaessig an den Veranstaltungen des Jugendzentrums der dortigen Gemeinde teil. Nichtsdestoweniger existiert auch in der Bundesrepublik das Problem der zweiten Generation, und zwar in solchem Masse, dass viele Gemeinden ihr Hauptaugenmerk auf die “dritte Generation”, eben auf die vorhei erwaehnten Kinder und Jugendlichen richten. Man ist sich darueber klar, dass mit dieser “dritten Generation” der Fortbestand juedischen Lebens steht oder faellt, und dass kein Opfer materieller wie ideeller Art zu gross ist, um diese Generation dem Judentum zu erhalten. Mit den Worten eines der angesehensten deutschen orthodoxen Rabbiners zu sprechen: “Wie man die Jugend in die Synagoge bringt, wel che Opfer man auch am Althergebrachten vorni m m t. ist gleichgueltig. Hauptsaches man bringt sie”. JUEDISCH — CHRISTLICHE ZUSAMMENARBEIT Eines der erfreulichsten Kapitel juedischen Lebens in der Bundesrepublik ist die christlich-juedische Zusammenarbeit, die von besonders zu diesem Zwecke ins Leben gerufenen Institutionen gepflegt wird. Diese Organisationen, denen hervorragende Persoenlichkeit e n des oeffentliehen Lebens an~ gehoeren, und die vom Bund jede nur moegliche Unterstützung erhalten, veranstalten Kurse, Seminare, ueberpruefen Lehrbuecher, organisieren Reisen nach Israel usw. Presse, Fernsehen und Rundfunk unterstuetzen sie dabei nach Kraeften. KULTUS, KULTURARBEIT UND FUERSORGE Das religioese Leben ist verhaeltnismaessig reduziert Die Gemeinden, welche sehr schoene Synagogen besitzen, die im Verlauf der Wiedergutmachung aufg ebaut wurden, klagen alle, dass deren Benutzung zu wuenschen uebrig laes s t Kultus - Funktionaere sind knapp. In sehr wenigen Gemeinden gibt es ein taegliches Minjan und, ausser an den Hohen Feiertagen ist die Beteiligung am religioesen Leben schwach. Die Mehrzahl der in Deutschland taetigen Rabbiner sind streng orthodox, waehrend die Gemeinden meist liberaler Richtung sind. Nichtdestoweniger werden alle Manifestationen des Kultus, z. B. Kaschruth, gepflegt, und es ist moeglich in der BRD ein streng orthodoxes Leben zu fuehren. Das kulturelle Leben der Gemeinden, besonders der Gross-Gemeinden wie Berlin ist rege und es gibt auch wieder juedische Zeitungen, wie die “Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland (Duesseldorf) und zwei Blaetter in Muenchen. Dies alles ist dank der Tatsache moeglich, dass neben den Unterstuetzungen fuer besondere Vorhaben durch den Bund, alle Juden obligatorisch Mitglieder der Gemeinden sind. Wenngleich auch in vielen Bundeslaendern die fruehere Kultus - Steuer abgeschafft wurde und durch Mitgliedsbeitraege ersetzt worden ist, leisten die Finanzbehoerden in Zweifelsfaellen bei Festsetzung dieser Beitraege Rechtshilfe. Besondere Wichtigkeit messen die Gemeinden der Fuersorge fuer Alte und Kranke bei, wobei hervorgehoben werden muss, dass der Anteil an “Sozialfaellen” ausserordentlich gering ist. In allen groesseren Gemeinden gibt es schoene und zweckmaessig eingerichtete Altersheime, und ebenso in Berlin wie auch in Hamburg besteht wieder ein “Juedisches Krankenhaus”. Waeh rend das Krankenhaus in Hamburg, dem juedischen Krankenhausverein gehoert und auch der , Grossteil der Aerzte und des Hilfspersonals Juden sind, ist das Krankenhaus in Berlin nur noch dem Namen nach ein Nach siebenjaehriger Unterbrechung wurden der Generalvertretung der franzoesischen Renault-Autowerke in Israel, Gebr. Carasso, wieder Einfuhrlizenzen fuer den Import fertiger Renault-Autos erteilt. Wie verlautet, haben sich die Renault - Werke verpflichtet, Autobestandteile 'sraelischer Produktion i m Werte von 10 Prozent des Gesamtimports hier zu erwerben. Die Unterbrechung der geschaeftlichen Beziehunge h mit Renault war 1959 erfolgt, als die Gesellschaft es ist vom Senat der Stadt, in Form einer “Stiftung jue disches Krankenhaus” ue~ bernommen worden. Der Senat gibt der Gemeinde zwei Plaetze im Kuratorium und stellt ihr auch 25 Betten permanent zur Verfuegung. Wie aus all dem eben gesagten hervorgeht, fuehlen sich die Juden in der Bundesrepublik wohl und auch juedisches Leben ist wieder vorhanden. Ob es allerdings fuer die Juden eine Zukunft in Deutschland gibt, ist ungewiss. Zwar werden die hier und da vorkommenden antisemitischen Zwischenfaelle von den juedischen Autoritaeten als “Dumme — Jungen — Streiche” abgetan, und es besteht, meines Erachtens, der aufrichtige Wunsch deutscherseits, eine neue Grundlage des gegenseitigen Verstehens zu finden, aber es wird dennoch Zeit, Muehe und viel beiderseitigen guten Willen brauchen, um das Verhaeltnis zwischen Deutschen und Juden auf eine neue Grundlage zu stellen. Ob die zahlenmaessig reduzierte juedische Gemeinschaft in Deutschland die schon durch ihre blosse Existenz einen wichtigen Beitrag zu diesem Werke liefert, allerdings den Erfolg dieser Arbeit sehen wird, wage ich nicht vorauszusagen. Zu viele Imponderabilien sind da im Spiel und niemand weiss, was die Zukunft bringen wird. politischem Druck weichend ihre Kontakte zu den Illin- Autowerken abgebro c h e n hatte, in denen “Dauphins” von Renault montiert wurden. Die Wiederaufnahme der Beziehungen machten die israelischen Behoerden von der Veroeffentlichung einer Verlautbarung seitens Repault abhaengig, in der sie ihre Kapitulation vor dem arabischen Boykott — Buero widerrief und sich bereit erklaerten, israelische Bestandteile im Werte von 10 Prozent des jaehrlichen Imports zu erwerben. (“Canfit”) ‘juedisches Krankenhaus” ASSOZIIERUNG ZUR EWG Israel beabsichtig in Bruessel den offiziellen Vorschlag ueber Assoziierung an die EWG zu unterbreiten erklaerte Walter Eytan nach, einem Gespraech mit dem franzoesischen Ministerpraesidenten Pompidou im Hotel Maignon in Paris. Botschafte Eytan erklaerte, Israel wolle eine offizielle Regelung mit der EWG anstreben, weil es mit der bisherigen, in Form eines fuer drei Jahre befristeten Handelsvertrages, keineswegs zufrieden ist. Insbesondere ist diese Unzufriedenheit auf die Benachteiligungen zurueckzufuehren, denen die israelischen Zitrusprodukte durch die Referenzpreise in der EWG ausgesetzt sind. Da bereits zwei Jahre seit der Unterzeichnung des Handelsvertrages mit der EWG vergangen sind, will Israel rechtzeitig die noetigen Schritte unternehmen, um eine zufriedenstellendere Regelung zu erreichen. Wie aus Paris verlautet, stehen franzoesische Regierungskreise dem israelischen Begehren sympathievoll gegenueber. (“Canfit”) "RENAULT” - IMPORT WIEDER ZUGELASSEN