Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 10 (Octubre, 1966)
- Date
- 1966-10-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO OCTUBRE 1966 Dr. Abner Nechuschtan, Tel—Aviv Nahoestlicher Schlagaustausch, ohne ernstere Folgen Genau vier Wochen einer truegerischen Ruhe waren seit dem israelischen Vergeltungsschlag am See von Genezareth vergangen, dem Tiberias - See, wie er hier genannt wird, als es dort wieder losging — ein Patrouillenboot des juedischen Polizeidienstes, das unweit der nordoestlichen Kueste des Sees auf ein Riff gelaufen war, hatten die Syrer von ihren Batteriestellungen in Noussadije aus am 15. August unter heftigen Beschuss genommen, ohne dazu in mindesten provoziert worden zu sein. Wieder waren wie am 14. Juli, ihren sowjetrussischen MIGs, al sie sich auch jetzt in den Ueberfall einschalteten, die Mirage — Kampf j aeger der Israelis entgegengetreten; eine MIG- 21 hatten sie ueber syrischem Gebiet, 30 km. oestlich der Kueste, und eine MIG-17 ueber dem See abgeschossen. Was die Staats— und Armeefuehrer in Damaskus diesem zweiten Schlagaustausch in den naechsten beiden Wochen an drohenden Reden und an Truppenmassierungen laengs der syrischen Kuestenzone des Tiberias - Sees folgen Hessen, schien einen Kriegsausbruch groesseren Stils zunaechst nahezu unvermeidlich zu machen. Das Wort nahm als ¡erster Verteidigüngisminister Hafez Asiad - er ist zugleich Chef der syrischen Luftwaffe — nur 48 Stunden nach dem neuen Luftgefecht mit phantastischen Erfindungen ueber Verluste des Gegners, dem er u.a. ” 12 voellig zerstoerte Kanonen b o o t e”, fuenfzig bis hundert Tote '“und” schwerste Schaeden der feindlichen Kuestenstellungen” andichtete. (Die fuenf Mann Besatzung des Polizeibootes hatten — leichte — Schusswunden erhalten; das war alles). Gleichseitig gab der Sender Damaskus, ohne Zweifel nach Direktiven des Ministers, unbedacht genug zu, Syrien habe "auf diese Gelegenheit gewartet, um Revanche fuer den 14. Juli zu nehmen”, an dem bereits einer seiner kostbaren MIG’s — 21 abgeschossen worden war. Es habe, mit anderen Worten, das manoevrierunfaehig gewordene und entsprechend hilflose, und mit irgendwie nennenswertem Geschuetz ohnedies nicht bestueckte Patrouillenboot von der Kueste und aus der Luft ueberraschend unter Feuer genommen: ein reiner Angriffsakt. “Das Ganze war genau vorbereitet, um vor aller Welt die Behauptung der Juden zu widerlegen, dass sie uns Syrern militaerisch ueberlegen seien. Im Volkskrieg zur Befreiung Palaestinas, in den wir jetzt eingetreten sind, werden wir an dieser Offensiv - Strategie festhalten, und es der Gegenseite ueberlasse,n der wir das Gesetz des Handelns entreissen, von nun an statt der syrischen UN-Delegation beschwerdefuehrend an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen heranzutreten”. Kein geringerer als Nureddin Altassi, Syriens Staatspraesident, aeusserte sich am 20. August, in Aleppo, womoeglich noch agressiver. ‘‘Unsere Aktionen werden wir gegebenenfalls auf strategisch lebenswichtige Ziele mitten in dem vom Feind besetzten Palaestina ausdehnen. Schon erhielten wir dieserhalb von Aegypten verbindliche, eine enge Kooperation betreffende Zusagen”. Dass diese Zusagen indessen noch ausstanden, Hess drei Tage spaeter eine Rede des syrischen Stabschefs, Generalmajor Ahmed Swedani, erkennen: “Wir gehen zur Offensive ueber, um die anderen arabischen Laender zu zwingen, die Feindseligkeiten gegen Israel endlich zu eroeffnen” — also auch und, es versteht sich, in erster Linie die Vereinte Arabische Republik Abdel Nassers, der vor allem die Syrer seit ein, zwei Jahren auf allen arabischen Spitzenkonferen z e n usw. dauernd davor gewarnt hatte, verfrueht zur sprichwoertlichen “Dritten Runde” gegen die israelischen Streitkraefte ’ anzutreten, statt diese Kampfrunde auf einen unbestimmt spaeteren Zeitpunkt zu vertagen. DAMASKUS AUF DEM WEG ZUR BESINNUNG Aber beinahe so,_wie Fanfarenstoessen in der Kriegsgeschichte alter und neuerer Zeiten mehr als einmal das Blaes ersignal zum Rueckzug gefolgt ist, scheint sich in Damaskus sicher auf dem H o e h e punkt dieser rednerischen Attacken eine ruhigere Betrachtung der Dinge angebahnt zu haben. Bemerkenswert war es bereits, dass sich waehrend jener Tage nicht auch Salah Jedid von der Fuehrungsspitze der in Syrien heute fast konkurrenzlos herrschenden Partei des Baath gegen Israel aeusserte. Sein Schweigen Hess sich zweifellos nur teilweise damit erklaeren, dass er in heftiger Fehde mit dem Verteidigungsminister As’ad steht, den er kurz vorher verhaftet und nur unter dem Druck der Elite des syrischen Heeres, der Kommandotruppen des Majors Salim Hatoum, wieder auf freien Fuss gesetzt hatte, Noch auffallender war, es, dass dem Praesidenten des Security Councü der Vereinten Nationen am gleichen 23. August, an dem General Swedani seinen Kriegsappell an die stammesverwandten Liaender richtete, eine Verh a e 11 nismaessig zurückhaltend formulierte syrische Note “zur Informierung ueber den wahren Sachverhalt” zuging — nur eine Woche, nachdem Radio Damaskus kaltschnaeuzig versic h e r t hatte, mit den United Nations ein fuer allemal fertig zu sein. Als das in solchen FaeUen uebliche “Buendel der Motive” duerften nach der in Jerusalemer Regieru n g skreisen vertretenen Lesart im wesentlichen folgende vier Faktoren zu diesem syrischen Stimmungsumschwung beigetragen haben: Erstens: Die in Damaskus vor etwa einem halben Jahr an die Macht gelangte Gruppe weiss sich von ihren Gegnern, Wortfuehrern der enttaeuschten drusischen und alouitischen Min derheiten und ebenso den grossbuergerlichen moslemischen Politikern, die damals entmachtet wurden, so akut bedroht, dass sie sich schon deshalb nicht auf das Risiko einer militaerischen Niederlage einlassen will. Die wahrscheinlichste Folge dessen waere wieder ein Staatsstreich nach den unzaehligen der vergangenen Jahre, ein neuer Putsch, der dem heutigen Regime der Baath — Extremisten oder sogar der ganzen Partei in Syrien ein Ende setzte. Es war so gesehen kein Zufall, dass sich Salah Jedid, der spiritus rector der syrischen Landespartei des Baath, in beredtes Schweigen gehuellt hatte. Zweitens: Ausser Frage ist es, dass Syrien im Ernstfälle gegen Israel “Allein auf weiter Flur” stuende, ohne vom schwachen, friedliebenden Libanon Hilfe erwarten zu koennen, oder gar vom jordanischen Koenig Hussein, den Damaskus ohne Unterlass als “Vasallen des westlichen Imperialismus” beschimpft. Aber auch Colonel Nasser wuerde nach aller Vermutung Gewehr bei Fuss beiseitestehen. Es heduerfte zum Nachweis dessen nicht erst der vorher zitierten Rede des Generalstabschefs Swedani, die nach den gegebenen Umstaenden geradezu auf die flehentliche Beschwoerung Aegyp t e n s hinauslief, Syrien nicht im Stich zu lassen, wenn es hart auf hart hergehen sollte. Die ungeloeste — und vielleicht unloesbare — Frage, wie die unheimlich knappe Lebensmitteldecke der aegyptischen Bevoelkerung gestreckt werden kann, macht Nasser im Verein mit dem Abenteuer seines Jemenkrieges und den Untergruendlem der “Moslemischen Bruederschaft” so zu schaffen, dass er zweifellos entschlossener denn je an seinem Vorsatz festhalten muss, die “Befreiung Palaestinas” zu vertagen. Drittens: Nach dem Ergebnis der beiden Zwischenfaelle, im Juli und August, fcoennen sich die verantwortlichen Militaers in Damaskus nicht gut einer Taeuschung darueber hingeben, dass sie es in der Luft, also dort, ' wo die Entscheidung eines solchen Kriege^ fallen wuerde, mit ihren Gegnern nicht aufnehmen koennen, und den israelischen Mirage-Kampfjaegern ohne aegyptische Hilfe noch hoffnungsloser unterlegen waeren. Obwohl die Machthaber Syriens es anfangs strikt geheim hielten, sickerte dort nach und nach die Tatsache durch, dass in den beiden Luftgefechten drei der Duesen-MIG’s abgeschossen worden waren, die im Mittleren Osten bis dahin als das unbesiegbare Nonplusultra der Luftruestung gegolten hatten. Ebensowenig wird es den Syrern uebrigens entgangen sein, dass in der gleichen Zeit ein aus dem Irak gefluechteter Pilot in Israel mit seiner MIG-21 eintraf, dem ersten, aus dei UDSSR und ihren Einflusszonen jemals intakt gekommenen Kriegsflugzeug dieser hochqualifizierten, von den Russen aufs strengste geheim gehaltenen Bauart. Vier MIG’s in noch nicht anderthalb Monaten — eine Verlust-Bilanz, d i e wohi auch den Heisspornen in Damaskus zu denken geben duerfte! Viertens: Der Kreml hatte Israels Regierung im Juni auf diplomatischem Wege “fuer den Fall neuer Provokationen gegen das befreundete Syrien” zwar ominoes mit “Weiterungen” bedroht. Dennoch geht man nach aller Wahrscheinlichkeit nicht fehl in der Annahme, dass er den Syriern nach dem zweiten Schlagaustausch am Tiberias-See davon ’abgeraten hat, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Weniger mag den Russen der Verlust der vier MIGs nahegangen sein, obwohl es dem Nimbus der Kunst ihrer Flugzeugkonstrukteure und somit dem Prestige ihrer Luftstre i tkraefte nicht gerade zutraegiich ist, wenn derartiges aus den Wunderwerken modernster Kriegstechnik wird die sie ihren arabischen Schutzbefohlenen lief e r n, wenn nicht schenken. Doch wird man sich nicht zuletzt im Hinblick auf diese Verlust-Bilanz in Moskau vermutlich zwei Fragen wie folgt gestellt haben: wie eine syrische Niederlage in einem eventuellen Krieg mit Israel die russischen Interessen im Nahen Osten schaedigen wuerde, und ferner, vor allem — ob sich ein solcher anfangs noch so lokal begrenzter Krieg nicht unweigerlich zu wer weiss welchen Ausmassen ausweiten werde. Bekanntlich ist es eben das, was die sowjetische Staatskunst, so wie die nordamerikanische, in krassem Gegensatz zur volkschinesischen, seit Jahren an welchen globalpolitischen Brandherden auch immer, grundsaetzlich zu verhindern trachtet. Dass die sowjetrussische Diplomatie die Syrer angesichts dieser Erwaegungen zurueokgepfiffen hat, duerfte den Ausschlag in Damaskus gegeben haben. UN-KONTROLLCHEF ALS EHRLICHER MAKLER Es ist fraglich, ob es dem schwedischen General Oda Bull, der die nahoestliche Aufsichtsbehoerde .¡der United Nations leitet, andernfalls geglueckt waere, die -Streitfragen der Bergung sowohl des israelischen Patrouillenbootes wie des ueber dem See von Tiberias abgeschossenen syris c h e n MIG-17 mehr oder minder einvemehmlich zu bereinigen. Seiner unermuedlichen Vermittlung gelang es schliesslich, die Syrer vornehmlich von ihrem Verlangen abzubringen, die Reste des Flugzeuges und die Leiche des Piloten von eigenen Tauchern herausholen zu lassen. Israelischerseits war diese Forderung rundweg mit dem staats— und voelkerrechtlich unwiderlegbaren Argument abgelehnt worden, dass der See einschliesslich sogar eines an die oestliche Kueste grenzenden Zehnmeterstrteifens zum Hoheitsgebiet des juedischen Staates gehoere, und damit drang Odd Bull in Damaskus schiesslich durch. Ebenso konnte er die Syrer nach nicht weniger langwierigen Verhandlungen dazu verpflichten, die Abschlep pung des israelischen Polizeibootes ohnes Stoerfeuer ihrer nahe gelegenen Kuestenbatterien vonstatten gellen zu lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass die mit seiner tatkraeftigen Hilfe nun erzielte Ruhe nach dem letzten Schlagaustausch am Tiberias-See keine Ruhe vor neuen Stuermen sein wird... Grosse Auswahl in Nationalen, auch Perser Teppichen finden Sie immer bei Teo£ilo Schneider Av. Bustamante 6 — direkt am Plaza Italia — Fono 495243 Auch fachmaennische Reparaturen und Reinigungen. 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