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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-09-01 · 9 (Septiembre, 1966) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
9 (Septiembre, 1966)
Date
1966-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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SEPTIEMBRE 1966 BOLETIN INFORMATIVO < Dr. Abner Nechushtan — Tel Aviv ’ VIETNAM IM HINTERGRUND DES TIBERIAS - SEES Vorliegender Artikel unseres Sonderkorrespondenten in Israel erreichte uns am , selben. Tage an dem die hiesigen Zeitungen erneut ueber schwere Zwischenfaelle an der syrisch - israelischen Grenze berichteten, Wir glauben daher, dass er an Aktualitaet nur noch gewonnen hat. Die Redaktion Vergeblich warteten Herr U Thant und sein Tischgast der israelische Statspraesident Zalman Shazar auf Nikolai Fedorenko, der den Sowjetstaat in den Vereinten Nationen und ihrem “Security Council” als Delegationsfuehrer vertritt. Die Einladung hatte er vorher zwar dankend bestaetdgt, aber dem Essen blieb er dann “aus hochpolitischen Gruenden” fern. Nicht nur damit durfte sich Herr Shazar ueber den Zwischenfall troesten, dass ihm Mr. Johnson am naechsten Tag im Weissen Haus alle Ehren eines Staatsgastes zuteil werden liess. Er konnte sich mit der seinem hohen Stand und Alter angemessenen Fassung ueber diese sowjetrussische Brueskierung auch hinwegsetzen, weil anzunehmen ist, dass der Bevollmaechtigte des Kreml' zwar auf ihn einschlug, aber die snordamer ikanische Kriegspolitik in V i e t nam meinte. Waehrend derselben Mittagszeit konferierte er einige Etagen unterhalb der Amtswohnung des Generalsekretaers der U. N. mit seinen Mitarbeitern, und vielleicht auch mit dem jordanischen Ratsmitglied Dr. Mohammed el-Farra’ und dem syrischen Dr. George Tomeh, ueber die naechste Sitzung des Sicherheitsrates, die einige Stunden spaeter zur Weiterberatung ueber die syrische Beschwerde und die israelische Gegenbeschwerde stattfand. Vom 25. Juli an bis Anfang August naemlict suchte der “Council” an sieben Tagen, mit kuerzeren und laengeren Pausen dazwischen, und einmal gar sowohl vor — wie nachmittags, resultatlos zu einem Beschluss ueber das Fuer und Wider des am 14. Juli durchgefuehrten Bombardements syrischer Kanalbau - Instal lationen am oestlichen Kuestenstreifen das Tiberias — See durch eine Staffel juedischer Mirage — Kampfjaeger zu gelangen. Und wer den Debatten mit einiger Aufmerksamkeit folgte, sah sich wieder und wieder vor die seltsame Frage gestellt, wo dieser Binnensee eigentlich liege: zwischen den zwei nahoestlichen Kleinstaaten oder — in Fernostasien, in Vietnam. EL FATACH UND VIETKONG In der Tat scheinen die Vietkong, die den suedvietnamesischen und nordamerikanischen Truppen die Hoelle heiss machen, das Modell der arabischen Partisanen gebildet zu haben, der “El Fatach”, die die noerdlichen und nordoestlichen Grenzbezirke Israels unmittelbar von Syrien aus oder auf Umwegen, ueber Jordanien und den Libanon, durch Minenlegen und andere Sprengßtoffanschlaege unsicher zu machen pflegen. Die Begleitmusik lieferten in 93 Faellen, seit der zweiten Januarhaelfte bis Mitte Juni gerechnet, syrische Scharfschuetzen der regulaeren Stretkraefte, so oft sie oder ihre Offiziere etwa daran Anstoss nahmen, dass jenseits der Grenze Felder mit Traktoren durchgepflu egt wurden. Die Sabotage — Akte der “El Fatach”, zehn an Zahl in der gleichen Zeit, forderten manche Todesopfer, von dutzenden verwundeter Maenner und Frauen und dem teilweise umfangreichen Materialschaden zu schweigen. Als es allein in den 24 Stunden des 13. Juli nahe der Grenze zu drei besonders gravierenden, blutigen Anschlaegen a la Vietkong kam, setzte die Regierung Eschkol genau so, wie sie es nach aehnlichen arabischen Attentaten im Herbst 1964 schon einmal getan hatte. einige ihrer Mirage — Flugzeuge ein. Dabei ging es den Vergeltern nicht um relativ belanglose arabische Freischaerler •— Lager oder gar um Fellachendoerfer. Ihre Wahl fiel, mit den Worten des israelischem Generalstabschefs J. Rabin, auf die Arbeiten zur Trockenlegung des juedischen Staates, zur Ableitung der Wasser des Jordanflusses, als “das hervorstechendste israelfeindliche Projekt der Syrer” — ebenso, wie die amerikanischen Kommandeure in Saigon ihren Bombern als Abwurfziele keine Schlupfwinkel oder Bambushuetten der feindlichen Guerrillas vorschreiben, sondern kriegsstrategisch wichtige Objekte bei Hanoi und Haiphong, in Nordvietnam. Sieht man von den selbstredend immensen Groessenunterschieden zwischen dort und hier ab, ist die Analogie beinahe luekkenlos. HOHE POLITIK UM EINE LOKALE AFFAIRE Damit hat sich der Vergleich aber keineswegs erschoepft. Dass er sich in den Redeschlachten des Sicherheitsrates der UN und seiner Beschlussfassung fortsetzen werde, zeigte sich schon vor den ersten Sitzungen des Tee-Salon Coppelia Providencia 2211, Tel. 40450, Santiago Wir erwarten Sie mit unseren bekannten Spezialitaeten in unserem gemuetlichen Salon Council daran, dass die Syrer eine geschlagene Woche verstreichen liessen, bis sie ihn um die Behandlung des Streitfalls ersuchten. Moeglicherweise taten sie es, um einer Eroerterung der Vorgeschichte, also des wahrscheinlich entscheidenden Anteils ihrer Regierungsbehoerden an der Mobilisierung der “El Fatach” — Freischaerler, aus dem Wege zu gehen. (Der israelische Antrag, Damaskus entsprechend verantwortlich zu machen, folgte dem syrischen). Das bereits legte die Vermutung nahe, dass die russische Diplomatie die Gelegenheit wahrnehmen wuerde, das lokal begrenzte Vorkommnis in den hochpolitischen Rahmen ihrer Stellung gegen die Vietnam - Strategie der Vereinigten Staaten einzufuegen, ihres fuehrenden westlichen Gegenspielers. So geschah es denn tatsaechlich auch im Sicherheitsrat, nachdem die in Damaskus erscheinende “El Faura” dem sowjetischen Delegierten und seinen Nachbetern, ■ den bulgarischen, syrischen, jordanischen Ratsmitgliedern gleich nach dem Vergeltungsbombardem ent das Stichwort mit den Worten “Washington ist der eigentliche Schuldige” geliefert hatte. Sie wetteiferten in Seitenhieben auf “den Dollarimperialismus und seinen Vasallen in Nahen Osten, Israel”. Und dieser Rethorik entsprach der Resolutionsantrag, der eine Verurteilung des massiven Angriffs als flagranter Verletzung der Waffenstillstandsbedingungen... und “der von Israel gemaess dem UN — Charter eingegangenen Verpflichtungen” forderte, ohne auch nur eine Silbe darueber hinzuzufuegen, was an Provokationen der Gegenseite vorangegangen war. Zwar war dieser Antrag, statt von russischer Seite, vom jordanischen Delegierten gemeinsam mit dem des zentralafrikanischen Mali eingebracht wor den, dessen Staatspraesident Mobido Keita seit Jahren arabophil eingestellt ist und bekanntlich zu den geraeuschvollsten Anti — Westlern des erwachten Schwarzen Kontinents gehoert — was ihn uebrigens nicht daran hindert, sich nach wie vor der von Israel dargebotenen “Technischen Hilfe” ungeniert zu bedienen. Aber dass der Antrag von Nikolai Fedorenko entworfen oder jedenfalls inspiriert worden war, wurde allseits klar, als von dritter Seite hinter den Kulissen so wie in frueheren parallelen Faellen Bemuehungen einsetzten, die Sabotage — Anschlaege der “El Fatach” — Leute irgendwie in den Text einzubauen, um der Resolution einen unparteilichen Charakter zu geben und ihr dadurch die fuer die Annahme erforderlichen 9 Ja — Stimmen zu sichern. Da sie auch dann voraussichtlich weit krassere Wendungen gegen Israel als gegen Syrien enthalten haette, erklaerten sich die beiden Antragsteller unter der Hand zu diesem Zugestaendnis bereit — bis sie der sowjetische Delegierte zurueckpfiff. Weshalb, ist evident. Er wae- SONDER-BERICHT FÜR DAS B. I. re als grundsaetzlicher Verfechter arabischer — und Bekaempfer israelischer - Interessen wohl oder uebel genoetigt gewesen, fuer den Antrag auch dann zu stimmen, wenn' dort, noch so bpilaeufig, von der Mitverantwortung der arabischen Guerrillas gesprochen worden waere. Aber dann haette der Analogieschluss auf die Mitverantwortung der Vietkong — Guerrillas unter den obwaltenden globalpolitischen Umstaenden so nahe gelegen, dass Fedorenko befuerchten musste, damit wider Willen, gegen seine Instruktionen, indirekt zu einer pro - amerikanischen Entscheidung des Security Council beizütragen. Es war so gesehen nur folgerichtig, dass Nikolai Fedorenko Textaenderungen verhinderte, die einen. Schuldanteil den “El Fatach ’ — Leuten (lies: den Vietkong) angelastet haetten, statt nur die Israelis (lies: die Nordamerikaner) auf die Anklagebank zu setzen. Er nahm in Kauf, dass er das Schicksal der Resolution damit besiegelte : seinen arabischen Schutzbefohlenen eine Abstimmungsniederl a g e beibrachte und den Israelis, welch paradoxe Situation, zu einem verhaeltnismaessig guenstigen Resultat der Verhandlungen ueber die syrische Beschwerde verhalf..^ Und in der Tat, das Tadelvotum erhielt nur sechp Stimmen, also drei zu wenig: die uebrigen Delegierten enthielten sich mit den USA, Grossbritannien, Frankreich, Japan und Neuseeland voran der Stimme. Es haetten sogar nur vier Ratsmitglieder fuer das Votum gestimmt, wenn sich den Antragstellern sowie der Sowjetunion und Bulgarien im letzten Moment nicht die Vertreter von Nigeria und Uganda angeschlossen haetten. Chief S. O. Adebo, der nigerische Delegierte, konnte in jenen Tagen des Militaerputsches in seinem Staat keine Direktiven aus Lagos erhalten, setzte aber richtig voraus, dass die moslemischen, also schon deshalb araberfreundlichen Haussa im Norden des Landes an die Regierung gelangen wuerden, und stellte sich darauf schon im Interesse seiner eigenen Position und Karriere entsprechend ein. Damit schuf er eine Art Zwangslage fuer Apollo Kironde, den Bevollmaechtigten Ugandas, der im Juni, als turnusmaessiger Vorsitzender des Sicherheitsrates, erkennbar noch um Unparteilichkeit bemueht gewesen war, jetzt aber — ohne die Beschraenkungen dieses offiziellen Amtes — nicht aus der von Mali und Nigeria hier improvisierten Afrikanischen Einheitsfront ausbrechen wollte. DAS GESETZ DES DSCHUNGEL Zwar war Levi Eschkol, Israels Ministerpraesident, einige Wochen vorher in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, mit geradezu ueberstroem e n der Herzlichkeit empfangen worden, hatte am Victoria - See ein von israelischen Instruktoren geleitetes Lager ugandistischer Truppen inspiziert und mit Praesident Obote alle moeglichen Freundschaftsvertraege unterzeichnet. Herrn Kironde deshalb “Undankbarkeit” vorzuhalten, waere nicht nur naiv, sondern auch deshalb kein durchschlagender Einwand, weil Israel die Hilfe, die es zentralafrikanischen Laendern wie Uganda (und auch Nigeria) leistet, grundsaetzlich nicht an politische Bedingungen knuepft. Dennoch haette es sich A. Kironde in der Erinnerung an die Verbruederungs - Szenen zwischen seinem Staatsprae. sidenten und dem Gast aus israel zumindest wohl versagen koennen, vom Luftangriff auf die syrischen Kanalbau — Installationen als vom “Gesetz des Dschungel” zu sprechen. General Odd Bull, der skandinavische Chef der in Jerusalem stationierten-UN- Kontrollbehoerde, griff nach Direktiven U Thants aus der Ferne wiederholt mit Nachdruck in die Sitzungen des Sicherheitsrates ein, um alte Streitfragen ueber den Besitz gewisser israelischer Boeden nahe der syrischen Grenze zu bereinigen. Soweit es ihm gelungen zu sein scheint, hat er das “Gesetz des Dschungel” wenigstens auf dem besonders empfindlichen Brandherd dieses faktischen, wenn auch nicht staatsrechtlichen Niemandslandes momentan beseitigt, auf Widerruf. Ist es damit aber getan? In letzter Zeit gaben (am 14. Juli) sowohl der syrische Staatschef, Generalmajor Ahmed Suweidani, nach einer Meldung des Regierungsorgans “Al Ba’th” in Damaskus, wie kein anderer als Abd el Nasser (am 26. Juli) in Alexandria die Technik des Vietkong als Parole fuer die naechste Phase des “Heiligen Krieges: der Araber zur Befreiung Palaestinas” aus. Nicht Israel, heisst das, hat sich das “Gesetz des Dschungel” zueigen gemacht, um seine Existenz zu erhalten. Um sie zu zerstoeren, bedrohen es seine arabischen Nachbarn, unversoehnlich wie nur je, mit eben diesem “Gesetz”.

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